Die Ausübung des eigenen Berufes sollte für jeden Menschen sicher und human sein – egal ob er oder sie als Pfleger:in oder Lehrkraft tätig ist, oder als Bauarbeiter:in oder Lagerist:in. Leider ist diese Sicherheit für viele Arbeiter:innen weltweit nicht gegeben. Jährlich erleiden 317 Millionen Arbeiter:innen weltweit Unfälle am Arbeitsplatz, davon enden 6.300 tödlich. Weitere 2.3 Millionen Menschen sterben durch eine arbeitsbedingte Krankheit. Gerade auch die COVID-19 Pandemie hat vielen von uns vor Augen geführt, wie wichtig der psychische und körperliche Schutz der Arbeiter:innen am Arbeitsplatz ist.

Der “World Day For Safety And Health At Work”, auf Deutsch “Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz”, möchte ein Bewusstsein für diese Missstände schaffen und setzt sich für die Umsetzung besserer Arbeitsverhältnisse ein. 

Anlässlich des diesjährigen World Day For Safety And Health At Work, der gestern stattfand, möchte Lehrer News einen Einblick in die Entstehung der Kampagne geben und über sichere und gesunde Arbeitsplätze für Lehrkräfte sprechen.

Wie kam der World Day For Safety and Health At Work zustande?

Der World Day For Safety And Health At Work kam 2003, auf Basis von Beobachtungen des weltweiten Arbeitsgeschehens der International Labour Organization (ILO), zustande. Die ILO ist die erste Sonderorganisation der UN und wurde 1919 gegründet. Sie ist verantwortlich für die Entwicklung und Umsetzung internationaler Arbeits- und Sozialstandards im Dialog mit ihren Mitgliedsstaaten und Sozialpartnern. Der World Day For Safety And Health At Work wurde auf dem Kongress der Weltarbeitsorganisation im Juni 2003 als integraler Teil der Global Strategy on Occupational Safety and Health der ILO vorgestellt. Damit soll ein Bewusstsein für Arbeitsstandards geschaffen, und die Entwicklung sicherer und gesunder Arbeitsverhältnisse weltweit gefördert werden.

Auf welche Risiken am Arbeitsplatz weist der World Day For Safety and Health At Work hin?

Der World Day For Safety And Health At Work weist auf eine Reihe an aktueller und potentieller Risiken am Arbeitsplatz hin, die durch technische Entwicklungen oder soziale und organisationale Veränderungen entstehen können.

Anknüpfend daran fallen unter diese Risiken neue bzw. veränderte Arbeitsbedingungen, wie höhere Arbeitsbelastungen, die Intensivierung von Arbeit und schlechte Arbeitsverhältnisse (vor allem im Bezug auf Arbeitsmigranten). Zuletzt fallen neue Formen der Beschäftigung darunter, wie befristete Arbeitsverhältnisse oder freiberufliche Tätigkeiten, die mittlerweile unter dem Begriff “Gig Economy” bekannt sind. Die UN erklären außerdem, dass diese Risiken durch weitere wirtschaftliche und psychosoziale Faktoren beeinflusst werden. 

Aktuell zählt zu diesen zusätzlichen Stressfaktoren, oder Risiken, die COVID-19 Pandemie. Die Pandemie zählt nicht nur aus gesundheitlichen Gründen als solcher, sondern auch aufgrund ihrer psychosozialen Folgen auf Arbeiter:innen. Die UN weisen auf die Relevanz adäquater Gesundheitsmaßnahmen und den Verlust von Arbeitsplätzen in Verbindung mit der COVID-19 Pandemie hin.

Ein Mann und eine junge Frau arbeiten gemeinsam an einer Maschine.

Lehrkräfte haben am Arbeitsplatz mit gesundheitlichen und psychosozialen Stressfaktoren zu kämpfen

Das Landesprogramm Bildung und Gesundheit NRW hat auf seiner Website die typischsten Belastungsfaktoren in Lehrberufen vorgestellt. 

Zu den  Kernprobleme gehört, dass der Lehrerberuf für viele ein einsamer Beruf ist, denn im Unterricht steht jeder und jede allein vor der Klasse. Hinzu kommt, dass der soziale Status des Lehrerberufes im Vergleich zu anderen akademischen Professionen ambivalent ist, weil ihre Arbeit oftmals nur als teilprofessionell angesehen wird. Weiterhin ist der Erfolg des Lehrerberufes oftmals unsicher vorauszusagen und lässt sich nur schwer messen. Kurzfristige Erfolge lassen sich zwar teilweise am Leistungsstand der Schüler:innen ablesen, da es jedoch immer auch schlechte Noten geben wird, ist dies nur ein begrenzter Maßstab für den Erfolg des Berufes. 

Zuletzt beschreibt das Landesprogramm den Lehrberuf als überkomplex. Diese Überkomplexität führe dazu, dass es im Lehrberuf weitgehend keine Routine gibt, durch ständigen Wechsel von Schüler:innen, Klassen und Situationen.

Lehrer:innen berichten dem Landesprogramm, dass sie unter anderem durch Leistungs- und Verhaltensprobleme der Schüler:innen, Notengebungen, Erwartungen und Ansprüchen der Eltern und mangelnde Unterstützung von Kolleg:innen belastet sind. Auf diese kritischen Belastungssituationen reagieren Lehrkräften oftmals mit Frustration, Depressionen, Angst, sowie physischen Symptomen, wie Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit.

COVID-19 Pandemie belastet Lehrkräfte zusätzlich psychisch

Noch immer belastet die COVID-19 Pandemie Lehrkräfte deutlich. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, kurz BAuA, hat im März letzten Jahres eine Befragung an 30.000 Lehrkräften bezüglich der Folgen der Pandemie durchgeführt. Es ging vor allem um körperliche, psychische und soziale Belastungen auf den Lehrbetrieb.   

So war zum einen die Umsetzung des Distanzunterrichts für viele Lehrkräfte kaum möglich. 68 Prozent fanden die durch den Distanzunterricht verbundenen Veränderungen im schulorganisatorischen Prozess belastend. Ganze 94 Prozent gaben außerdem an, dass es bei der Umsetzung des Bildungsauftrags zu Problemen kam. 56 Prozent der befragten Lehrkräfte haben jedoch digitalen Unterricht auch als Chance wahrgenommen.  

Viele Lehrkräfte sorgen sich zusätzlich um ihr gesundheitliches Wohlergehen und befürchten eine Infektion mit dem COVID-19 Virus.

Lehrerin steht an der Tafel und erklärt etwas, im Vordergrund sitzen Kinder, einige melden sich.

Wie kann die mentale Gesundheit der Lehrkräfte am Arbeitsplatz gefördert werden?

Es bleibt festzuhalten, dass Lehrkräfte in Deutschland durch verschiedene Faktoren massiv gestresst sind, und vielen gesundheitlichen Risikofaktoren, wie einer Infektion mit dem COVID-19 Virus oder psychologischen Krankheiten, ausgesetzt sind. 

Nun bleibt natürlich offen, vor allem im Zusammenhang mit dem World Day For Safety And Health at Work, wie die gesundheitliche Lage der Lehrkräfte gefördert werden kann.

Die Bundeszentrale für politische Bildung führte Anfang 2021 ein Interview mit Julia Hansen vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung. Die Frage, wie Lehrkräfte ihren Stress selbst reduzieren könnten, beantwortet sie damit, dass jeder Mensch individuell anders mit Stress umgeht. Jedoch erklärt sie auch, dass an der aktuellen Weltlage nichts zu ändern ist, und somit viele Menschen auch dem damit verbundenen Stress nicht immer entkommen können. Hansen empfiehlt generelle Stressbewältigungsmethoden, wie sportliche Aktivitäten oder Spaziergänge. Sie wünscht sich außerdem auf einer strukturellen Ebene mehr Unterstützung für Lehrkräfte, vor allem durch Materialien und Schutzmittel, um präventiv gegen zusätzliche Stressfaktoren vorzugehen.

Mittlerweile gibt es auch einige Unterstützungsangebote für Lehrkräfte. So bietet das Zentrum für Schulqualität und Lehrbildung Baden-Württemberg einige Organisationen und Fortbildungen finden, die ihren Fokus auf die Gesundheit im Lehrerberuf gelegt haben.

Wie geht ihr mit Stress am Arbeitsplatz um? Welche Dinge müssten sich eurer Meinung nach ändern, um für den Lehrerberuf in Deutschland gesündere Arbeitsbedingungen zu schaffen? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.