Das Motto von Youngteachers.de ist Schüler helfen Schülern. Was das genau bedeutet und wie die Plattform aussieht erzählt der Gründer Benedikt Linek im Interview. 

Lehrer News: Lieber Benedikt, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Interview nimmst. Seit wann gibt es youngteachers.de und wie bist du auf die Idee gekommen? 

Benedikt: Benedikt: Besten Dank für die Gelegenheit, hier youngteachers.de und mich heute kurz vorstellen zu dürfen. Die Grundidee zu youngteachers.de entstand ca. Mitte 2019, als ich bereits seit ungefähr einem Jahr selber Nachhilfe gegeben habe. Der diesbezügliche Weg hierhin war für mich, beziehungsweise auch für meine Schüler:innen zu mir als Juniorlehrer hierbei sehr kompliziert, da es seinerzeit im Prinzip nur zwei Wege gab, Nachhilfeunterricht zu geben: Einmal konnte man als Juniorlehrer versuchen, sein Nachhilfe-Angebot über einen externen Anbieter, wie beispielsweise gängige Kleinanzeigenportale etc. zu inserieren, oder man probierte über die eigene Schule einen suchende Schüler:innen zu finden.
Die Kleinanzeigenportale baten sich hierbei aber ehrlich gesagt leider nur sehr bedingt an, da die wenigsten Schüler:innen, beziehungsweise deren Eltern hier entsprechend vertreten sind, und die Seriosität mancher dieser Portale auch nicht immer unmittelbar gegeben ist.
Einige Schulen lieferten seinerzeit jedoch mit ihrem Projekt „Schüler helfen Schülern“ einen recht guten Ansatz, leider war aber auch dieser in vielen Fällen für alle Beteiligten sehr zeitaufwendig und mit einem sehr großen und komplizierten Papierkrieg verbunden, was dann auf allen Seiten zu einer gewissen Frustration beitrug.
Hier musste also etwas Neues her, diese ganzen Vorgänge mussten in ein zeitgemäßes Format gebracht und digitalisiert werden. „Old school“ war gestern… geboren war also
die Idee für youngteachers.de.

Die Seite eines Testjuniorlehrers auf youngteachers.de

Lehrer News: Das Konzept hinter youngteachers.de ist Schüler helfen Schülern. Du bist selbst noch Schüler, warum ist das Konzept so wichtig und was versteht man darunter überhaupt?

Benedikt: Das Grundkonzept hinter Schüler helfen Schülern ist der Unterricht zwischen zwei Schülern von ein- und derselben Schule, bei welchem jeweils der jüngere Schüler Nachhilfe und Unterstützung durch einen älteren Schüler erhält. Die Vorteile eines solchen Konzeptes gegenüber dem „klassischen“ beziehungsweise externen Nachhilfemodellen liegen beispielsweise in einer höheren Lerneffektivität, welche durch eine deutlich bessere/direkte Kommunikation zwischen den beiden Schüler:innen hervorgerufen wird, da beide Beteiligten das gleiche Lernumfeld und gegebenenfalls auch dieselben Lehrer an der gleichen Schule haben. Hierbei spielt natürlich auch der Kontakt auf einer Wellenlänge eine wichtige Rolle, da dadurch weniger „scheu“ vor direkten Fragen besteht, und Fragen stellen zu können ist – wie wir ja alle wissen – für den individuellen Lernerfolg ein sehr wichtiges Kriterium. Außerdem ergibt sich durch den engeren Bezug zum praktischen Fachunterricht an der jeweiligen Schule auch ein besseres Verständnis füreinander, sowohl für die Schüler:innen als auch für die Juniorlehrer:innen, welche übrigens auf diese Weise auch ihr bereits vorhandenes und gelerntes Wissen nochmals auffrischen können. Ferner bietet sich durch die direkte Vermittlung und die hierbei vergleichsweise relativ geringen Kosten der Nachhilfe beziehungsweise des Unterrichts gegenüber externen Anbietern zusätzlich auch die Möglichkeit, evtl. finanziell schwächeren Familien ebenfalls Unterstützung für ihre Kinder anzubieten. Gleichzeitig freuen sich die Juniorlehrer:innen über jeden zusätzlichen Euro zu ihrem Taschengeld, und können zugleich auch schon im jungen Alter ihre pädagogischen Fähigkeiten einmal ausprobieren und hierbei selber Verantwortung übernehmen. Also eigentlich eine perfekte win/win Situation für alle Beteiligten.

Lehrer News: Und wie funktioniert die Plattform?

Die Schüler, von denen bei youngteachers.de teilnehmenden Schulen, besuchen ganz einfach unsere Webseite, füllen hier das jeweilige Formular aus und schicken dieses dann online an unsere Internet-Plattform ab. Die hierbei generierten Daten werden daraufhin an die entsprechende Schule weitergeleitet, beziehungsweise an den hier speziell für diese Schule errichteten Juniorlehrer-Pool, im Nachgang hochgeladen. In diesem virtuellen Pool ist es dann den Schulkoordinatoren nun durch ein detailliertes Filtersystem möglich, die einzelnen Juniorlehrer nach Kriterien wie beispielsweise dem Alter, den Fähigkeiten, dem Geschlecht oder auch dem Zeitraum der Nachhilfe etc. zu filtern, und zu sortieren. Nach der Findung des individuell perfekten „Matches“, also des passenden Juniorlehrers für den „suchenden“ Schüler, braucht der Schulkoordinator nur noch die Kontaktdaten des Nachhilfesuchenden an den Juniorlehrer weiterzugeben, und schon kann es losgehen. Ganz vereinfacht gesagt: Im Prinzip ist youngteachers.de eine Art „Partnerbörse“ für Nachhilfelehrer:innen und Schüler:innen einer jeweiligen Schule. Für die Zukunft ist es außerdem geplant, einzelne Schüler:innen an derselben Schule durch Faktoren, wie bspw. Geschlecht, Alter und Hobbys mithilfe von künstlicher Intelligenz zusammenzuführen, und somit das „perfekte Match“ weiter zu optimieren.

Lehrer News: Können sich bestehende Schüler-helfen-Schüler Programme an anderen Schulen bei Youngteachers mitmachen und wenn ja, wie?

Benedikt: Ja, natürlich; sehr gerne sogar. Da viele Schulen schon das Potenzial hinter der Nachhilfevermittlung zwischen Schülergruppen erkannt haben, bieten wir ihnen nicht nur eine Systematik und ein Angebot für Neulinge, sondern auch die Möglichkeit, die bereits vor Ort bestehenden Daten zu übernehmen beziehungsweise zu „digitalisieren“, und in einen neu erstellten Onlinepool der Schule über youngteachers.de zu integrieren. Somit digitalisieren und vereinfachen wir den ganzen Vorgang sowie den Ablauf einer individuellen 1:1 Nachhilfe. Und das zum Vorteil aller hierbei Beteiligten.

Lehrer News: Wie können Schulen und Lehrkräfte Eure Plattform am besten einsetzen?

Benedikt: Um youngteachers.de stetig gemeinsam mit Schulen und auch praxisnah weiterzuentwickeln, wäre es sehr wünschenswert, mindestens einen Ansprechpartner:innen beziehungsweise Schulkoordinator:innen an jeder Schule zu haben, welcher/welche uns im Hinblick auf generelle Fragen zum Ablauf bei der Implementation oder dem grundsätzlichen Feedback etc. zu youngteachers.de zur Verfügung steht. Für die Schulen selber ist es auch wichtig, eventuell durch Flyer oder Aushänge in der Schule auf die neue Systematik und das gemeinsame Portal aufmerksam zu machen, um somit, zum einen möglichst viele Juniorlehrer zu finden, und infolgedessen dann auch jedem/jeder nachhilfesuchenden Schüler:innen der Schule die Möglichkeit zu geben, einen qualitativ hochwertigen, kostengünstigen und sehr praxisnahen Unterricht im direkten Schulumfeld zu ermöglichen.
Vorgefertigte Flyer und diesbezügliche Informationen stehen seitens youngteachers.de selbstverständlich bereits für die Schulen entsprechend zur Verfügung.

Der Youngteachers Startbildschirm auf dem Handy

Lehrer News: Im letzten Jahr hast Du viel Zeit im Homeschooling verbracht. Wie hast Du das letzte Jahr erlebt?

Benedikt: Auch wenn ich hierbei sicher nicht für die Allgemeinheit sprechen kann, lief es bei mir, beziehungsweise an meiner Schule, nach ca. einem Monat der Eingewöhnungszeit mit den neuen Medien wirklich recht gut. Täglich wurden Videokonferenzen über „MS Teams“ veranstaltet, bei welchen teils eine gesamte Stunde online gestreamt wurde, um Neues einzuüben, oder anfänglich eine Aufgabe erläutert wurde, welche es dann für den Rest der Stunde bzw. des Tages zu bearbeiten galt. Um die sozialen Kontakte mit den Mitschülern nicht komplett aus den Augen zu verlieren, baten sich hierfür insbesondere in der Sommerzeit bspw. Treffen an der frischen Luft, wie am Seeweiher etc. hervorragend an, welche ich dann auch sehr gerne wahrgenommen habe, um so einen guten Ausgleich zwischen Schule sowie der Arbeit an youngteachers.de und meiner Freizeit schaffen zu können. Natürlich wurden parallel auch die sozialen Kontakte über das Playstation-Network weiterhin gepflegt 😉

Lehrer News: Wenn Du das optimale Bildungs- bzw. Schulsystem skizzieren könntest – wie sähe das aus?

Benedikt: Grundsätzlich denke ich, dass wir mit dem deutschen Bildungssystem schon recht gut unterwegs sind, aber es gibt hier natürlich noch einiges an Optimierungspotenzial. Orientiert man sich bspw. an den skandinavischen Staaten, wo fast jeder Lehrer und Schüler ein digitales Device für den Unterricht hat, so haben wir in Deutschland noch ein großes Potenzial, was die generelle Digitalisierung des Schulunterrichts angeht. Des Weiteren sind Kritikpunkte an dem derzeitigen System in Deutschland meiner Ansicht nach u. a. die Vernachlässigung beziehungsweise die derzeit nicht existierende Möglichkeit für ärmere oder finanziell schwächere Familien, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Covid-19 Pandemie, eine qualitativ hochwertige, sowie eine einfach zu erhaltende Nachhilfe zu finden und zu erhalten.
Den Kindern/Schüler:innen werden derzeit also gegebenenfalls aufgrund ihres Elternhauses teilweise die Chancen für die Zukunft verwehrt. Dies ist so aus meiner Sicht nicht akzeptabel.
Hier kommt youngteachers.de ins Spiel: Durch die einfach zu bedienende Plattform kann schnell ein zur selben Schule gehender Juniorlehrer durch die Lehrer an einen Nachhilfeschüler vermittelt werden.
Die diesbezüglichen Lehrer kennen in den meisten Fällen beide Schüler und können so den optimalen Juniorlehrer zum Nachhilfesuchenden „matchen“.
Dieses, wie ich es gerne nenne „Schultraining“ und Unterstützung, bewegt sich in einem kostengünstigen Rahmen und sollte so auch für finanziell schwächer aufgestellte Familien gut erreichbar sein.
Einen weiteren Störfaktor stellt für mich das generelle Prinzip, die Grundschulzeit, welche im Alter von ca. sechs bis zehn Jahren stattfindet, als maßgeblichen Faktor für den späteren beruflichen Werdegang und damit einhergehend das spätere Leben zu sehen, dar.
Viel besser wäre es doch, nicht das Leistungspotenzial eines verspielten sowie unaufgeklärten Zehnjährigen für die weiterführende Schule zu bewerten, sondern vielmehr die schulischen Leistungen eines 14 bis 15-jährigen Schülers herbeizuziehen, um daraufhin die verbleibenden ein bis vier Jahre individuell zu gestalten. Aber dies ist wieder ein weiteres und anderes Thema.

Youngteachers

An deutschen Schulen herrscht noch Optimierungsbedarf im Berreich Diigitalisierung
(Bild: pixaby – pexels.com)

Lehrer News: Welche Tipps würdest Du deinen Mitschüler:innen geben, die deine Plattform sehen und vielleicht auch etwas auf die Beine stellen wollen, aber nicht wissen, wie und wo sie anfangen können?

Benedikt: Lesen und machen. Viele Experten auf fast jedem Gebiet bündeln ihr Wissen und schreiben es in Büchern oder Blogs nieder. Wenn ich also Informationen zu bestimmten Themengebieten benötige, kaufe ich mir entweder ein Buch eines Fach-Experten oder gehe, wenn mir hierfür die finanziellen Mittel fehlen, in eine Bücherei oder ins Internet und eigne mir dort mein Wissen an. Außerdem vermögen unsere Smartphones, Tablets sowie Computer durch digitale Medien, wie Online-Seminare, Clubhouse-Talks oder auch ganz einfach YouTube-Videos so viele Informationen und auch Möglichkeiten, dass es einem eigentlich schwerfallen müsste, dieses ganze Wissen zu übersehen. Um dann wirklich anzufangen, gilt es nicht zu lange in der Theorie zu verharren, sondern das kürzlich angeeignete Wissen und die eigenen Ideen schnell in die Tat umzusetzen, um eine Grundlage für das weitere Vorgehen zu schaffen.

Lehrer News: Und zum Schluss, gibt es etwas, was Du Lehrkräften mit auf den Weg geben möchtest?

Benedikt: Ich selber schätze Lehrkräfte sehr, welche sich auch außerhalb der Schule mit digitalen Medien und den neuen Lernmethoden beschäftigen und hierbei auch an den Umsetzungskonzepten der jeweiligen Schule arbeiten, um dort den Schulalltag für Schüler, Lehrer sowie Eltern so angenehm, progressiv und einfach wie möglich zu gestalten.
Durch die Covid-19 Thematik gab es hier nochmals eine entsprechende Beschleunigung
zur Digitalisierung an den Schulen. Wenn auch Sie einer dieser interessierten Lehrer sind, dann besuchen sie uns bei Youngteachers jetzt gerne unter: www.youngteachers.de/für-schulen oder schreiben sie ganz einfach eine Mail an info@youngteachers.de.

Lehrer News: Vielen Dank für das Interview.

Benedikt: Sehr gerne, bleiben Sie gesund !