Wie aus einer am 29. April veröffentlichten Studie der GEW hervorgeht, wird der “DigitalPakt Schule 2022” offenbar nur mangelhaft umgesetzt und gefährdet die Chancengleichheit in den Schulen.

Der DigitalPakt Schule wurde im Mai 2019 aufgelegt und sieht bis 2024 Bundesinvestitionen in Höhe von fünf Milliarden Euro für die digitale Bildungsinfrastruktur vor. Nach Beginn der Coronapandemie wurde dieser Betrag noch einmal um 1,5 Milliarden Euro aufgestockt, in Form der drei Zusatzprogramme „Sofortausstattung“, „Administration“ und „Leihgeräte für Lehrkräfte“.

In dem Forschungsprojekt „Die Umsetzung des DigitalPakts Schule: Wirkungsweisen und mögliche Problemlagen“ ziehen Experten der GEW nun ein ernüchterndes Resümee: Die Bewilligung von Fördermaßnahmen aus dem fünf Milliarden Euro schweren Basispakt geht deutlich langsamer voran, als dies vorgesehen war. Kritisch sehen die Experten auch die kaum vorhandene Transparenz in der Umsetzung des Digitalpaktes. Ein zusammenfassender Fortschrittsbericht wurde von Bund und Ländern bisher nicht vorgelegt, obwohl dies eine seit drei Jahren versprochene, jährliche Maßnahme hätte sein sollen.

Kluft in der digitalen Ausstattung der Schulen vergrößert sich

Während der Digitalpakt bereits an mangelnder Transparenz und gebremsten Abläufen krankt, hat seine mangelhafte Umsetzung auch tiefgreifende Folgen für die soziale Gerechtigkeit in Deutschland. „Die Bildung der Kinder darf weder von der Finanzlage einzelner Kommunen, noch von einer zufälligen Digitalisierungsaffinität einzelner Lehrkräfte abhängig sein“, sagt Anja Bensinger-Stolze, GEW-Vorstandsmitglied Schule.

Damit bezieht sie sich auf den Missstand, dass Investitionen in die digitale Ausstattung der Schulen oft nur punktuell und größtenteils auf (Eigen-)Initiative der Schulen vorgenommen wurden. Sie erfolgten vor allem, wenn bereits entsprechende Fachkompetenz und zusätzliches Engagement an den Schulen vorhanden war. Bensinger-Stolze fordert daher, dass die Mittel aus dem Digitalpakt insbesondere an benachteiligte Schulen und Kommunen fließen müssten. Die bisherige Umsetzung verstärkt zurzeit nur den Abstand, den privilegierte Standorte gegenüber finanziell benachteiligten haben.

Fachkräfte für digitale Infrastruktur fehlen

Besonders finanzschwächere Kommunen benötigen Hilfe und Beratung von Experten vor Ort, sagt Studienleiter Prof. Michael Wrase von dem Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung. Genau da hake es aber, so Bensinger-Stolze: „Der Fachkräftemangel in den Bereichen Pädagogik, IT und Verwaltung ist das größte Problem des schulischen Digitalisierungsprozesses“. Fachkräfte mit solch einem Anforderungsprofil sind jedoch rar, eine Aufgabe des Digitalpakt wäre es deshalb auch, die Ausbildung und Förderung solcher Fachkräfte zu tragen. Eine bloße Investition in den Ausbau digitaler Systeme reiche außerdem nicht: IT-Infrastruktur muss nach dem Aufbau gewartet und betreut werden, ebenfalls von Fachkräften, an denen es ebenfalls mangelt.

Maike Finnern, Vorsitzende der GEW hat daher zum 1. Mai vorgeschlagen, ein 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bildung aufzulegen – um Maßnahmen zu finanzieren, die die Chancengleichheit auf Bildung gewährleisten. Viel davon soll gerade für die langfristige Aus- und Weiterbildung von Fachkräften veranschlagt werden, denn, so Finnern: „Bis 2030 werden mindestens 250.000 qualifizierte Menschen in den Bildungsberufen fehlen.“

Habt ihr ähnliche Beobachtungen zum schleppenden Ausbau der Digitalisierung an den Schulen gemacht? Haltet ihr die Forderung der GEW für vernünftig? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!