Unter dem Motto „Kleinere Klassen für weniger Belastung“ hat die GEW Berlin zum Warnstreik und einer Demonstration aufgerufen. An zahlreichen Schulen kam es vergangenen Donnerstag zu Unterrichtsausfällen, einige blieben komplett geschlossen. 

Worum geht es den Streikenden?

Kernforderung des Streiks ist es, über einen Tarifvertrag Gesundheitsschutz zu verhandeln und „durch eine geringere Arbeitsbelastung zum Gesundheitsschutz der Lehrkräfte beizutragen.” Konkret sollen Lehrer:innen zukünftig maximal 19, statt wie bisher 26 Schüler:innen pro Klasse unterrichten. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, zogen am Donnerstag 2500-3000 Lehrer:innen im Streik vor das Rote Rathaus in Berlin.

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Kritik aus Elternschaft und Politik

Berliner Politiker:innen reagierten mit Skepsis auf den Streik. Bürgermeisterin Giffey (SPD) sieht „eine Zeit des Mehr-Kapazitäten-Schaffens.“ Der Streik käme in Hinblick auf die zusätzliche Auslastung durch ukrainische Schüler:innen zur Unzeit. Bildungs-Staatssekretär Slotty (SPD) kritisierte den Zeitpunkt des Streiks, der mit Abiturprüfungen an Berliner Schulen zusammenfiel. Der Sprecher des Landeselternrats Berlin äußerte Verständnis für Forderung nach kleineren Klassen. Er bezweifelte aber, ob der Streik an einem Abiturtag „eine Maßnahme ist, die empathisch rüberkommt.“

GEW Berlin hält am Streik fest

Die Gewerkschaft sieht sich durch die Kritik in ihrem Vorgehen bestätigt. Bereits im Januar hatte die GEW den amtierenden Finanzsenator zu Verhandlungen aufgefordert und keine Antwort erhalten. Von der Verkleinerung der Klassen erhofft sich die Gewerkschaft einen Beitrag dem Lehrermangel entgegenzuwirken. Bislang in Teilzeit arbeitende Lehrer:innen könnten durch die Vereinbarung des Tarifvertrags ermutigt werden, Vollzeit zu arbeiten. Laut einer GEW-Umfrage nahmen die Befragten große Lerngruppen „als wichtigsten Belastungsfaktor wahr“.

Zu sehen ist ein leeres Klassenzimmer.

Wie geht es weiter?

Für die GEW ist ihre Forderung nach kleineren Klassen nicht unvereinbar mit dem bestehenden Lehrermangel. Die Umsetzung eines Tarifvertrags sei in Form eines Stufenplans mit den Neueinstellungen von Lehrer:innen umsetzbar. Darüber hinaus geht es den Gewerkschafter:innen im Streik um den Wunsch nach Mitgestaltung ihres beruflichen Umfelds, der Schule. GEW-Vorsitzender Tom Erdmann: „Der 7. April wird wahrscheinlich nicht der letzte Tag sein, an dem wir streiken.“

Einen Bericht zum Lehrer:innen-Warnstreik im November 2021 findet ihr hier. Mehr zur Überlastung von Lehrkräften gibt es in diesem Artikel zu lesen.

Was ist eure Meinung zu den Forderungen der Lehrer:innen und der Kritik daran? Schreibt sie uns gerne in die Kommentare.