Nun ist es genau ein Jahr her, als ich meinen ersten Beitrag für Lehrer News verfasste. Damals schrieb ich über meine ausweglose Situation, Lehrer werden zu wollen, trotz aller Steine, die mir aufgrund meiner Sehbehinderung in den Weg gelegt wurden. Das Feedback war für mich überwältigend. Ich denke, jetzt ist es an der Zeit, ein Update zu geben.
Um die Frage, ob ich denn mittlerweile Lehrer wäre bzw. mein Referendariat absolvieren dürfte, zu beantworten: Nein. Im Februar 2024 war mein Fall Thema bei einer Sitzung des Ausschusses für Jugend, Bildung und Familie. Davon habe ich aber erst einige Monate später erfahren. Dabei wurde die aktuelle Bildungssenatorin Berlins, Katharina Günther-Wünsch, auf meine Lage angesprochen. Es war zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt, dass sich mehrere angehende Lehrkräfte in Berlin in einer ähnlichen Situation befinden. Dass sich meine Situation vorrangig auch aus meiner Behinderung ergibt, wurde bei der Sitzung leider nicht erwähnt, auch wurde ich nicht eingeladen.
Eine Marzahner Bildungspolitikerin versuchte ebenfalls, mir zu helfen. Sie telefonierte sogar mit der Bildungssenatorin persönlich, eine Möglichkeit, die ich mir nach all der Zeit auch gerne gewünscht hätte. Bei diesen Telefonaten gab die Senatorin laut der Marzahner Politikerin an, eine Lösung für alle Betroffenen finden zu wollen.
Ende 2024, knapp ein Jahr nach dieser Sitzung, dachte ich mir, dass ich einfach mal beim Sekretariat der Bildungssenatorin nachfrage, was denn nun die Ergebnisse dieser angesprochenen „Prüfung“ wären oder ob es denn inzwischen eine „Lösung“ für die Betroffenen gibt. Selbstverständlich hat mir die Senatorin nicht selbst geantwortet. Ein ungeschriebenes Blatt dürfte ich für sie eigentlich nicht mehr sein. Nach all der Zeit und all dem Einsatz hätte ich eigentlich erwartet, dass sie sich, wenn auch kurz, persönlich bei mir meldet.
Aber, wie erwartet, erhielt ich nach langem Warten und mehrmaligen Nachfragen ein Standardschreiben, so wie es schon seit 2022 immer der Fall war. In diesem Text wurde sogar auf ein Schreiben von 2022 Bezug genommen. Von einer Prüfung oder Lösungen war keine Rede mehr, auch nicht von meiner Schwerstbehinderung. Es hat sich nichts geändert, es wurde nichts geprüft und nach einer Lösung wurde auch nicht gesucht. Es ist alles beim Alten geblieben. Die Gründe waren immer unterschiedlich. Dieses Mal lag es wieder daran, dass mein Lehramtsstudium keine Mathematik enthielt. Dass in einigen Bundesländern Mathematik für Grundschullehrkräfte gar nicht verpflichtend ist, versteht die Senatsverwaltung nicht.
Und auch, dass es im Lehrerberuf und mehr als Fachwissenschaften geht, scheint dort fremd zu sein. Bisher hat es niemanden interessiert und ich wurde auch nie danach gefragt, ob ich überhaupt mit Kindern umgehen kann, ob ich empathisch, kreativ und vorurteilsfrei bin usw. An sich sind diese Punkte egal, solange ich ein bestimmtes Lehramtsstudium vorweisen kann, welches wenig über meine Lehrerkompetenz aussagt. Zeigen, dass ich unterrichten kann, durfte ich bisher nie. Erfahrungen hätte ich in zur Genüge gehabt. Auf solche Hinweise wird noch immer mit Ausreden reagiert. Von weiterer Kommunikation mit der Senatsverwaltung sah ich ab.
Die gesamte Situation hat eine große Resonanz mit sich gebracht. Explizit wurde die Absurdität kritisiert. Denn das Schulsystem leidet an einer schwerwiegenden Krankheit: dem Lehrkräftemangel. Aus der Not heraus griff man dabei auf Menschen ohne Lehrerfahrungen, Studium und Abitur zurück. Mir entgegnete man wiederum, dass ich nicht qualifiziert genug sei. Um es noch einmal zu verdeutlichen: Ich habe ein abgeschlossenes Lehramtsstudium. Nachdem ich auf meine Situation aufmerksam gemacht hatte, bekam ich auch einige Nachrichten von anderen jungen Menschen, die Ähnliches durchmachen müssen und mussten.
Wie weitreichend diese Angelegenheit eigentlich war, wurde mir erst bewusst, als der österreichische Fernsehsender ORF mich zu einem Interview einlud. Mit der Moderatorin sprach ich über meine Situation und die allgemeinen Defizite im Bereich des Lehramtes. Selbst in Österreich war man sprachlos über dieses Paradoxon.
Ein großer Vorteil in meiner Pressearbeit war jedoch, dass ich viele sehr nette Menschen kennengelernt habe, die sich in ähnlichen oder anderen ausweglosen Situationen befanden. Das zeigte mir, dass ich nicht alleine bin und dass unser Schulsystem auf allen Ebenen große, systematische Defizite aufweist. Es ist sehr ernüchternd, dass so viele junge, motivierte Menschen einfach aufgebraucht oder abgedrängt werden. Umso wichtiger ist es daher, sich für Reformen einzusetzen.
Ein großes Problem, welches mir in der gesamten Zeit aufgefallen ist, war, dass die Mitarbeiter:innen der Bildungsministerien größtenteils wenig Wissen über das Lehramtsstudium hatten und, dass das Studium meist kaum eine Aussage dazu treffen kann, ob man eine gute Lehrkraft ist oder nicht. Stattdessen wird immer auf die Inhalte des Studiums verwiesen. Jeder Lehramtsstudierende, Referendar und jede junge Lehrkraft wird dies kennen. Denn ob man als Lehrkraft besteht, zeigt sich erst, wenn man unterrichtet.
Ich wurde nie gefragt, ob ich überhaupt die richtigen Basiskompetenzen für diesen Beruf mitbringe. Also ob ich empathisch, kreativ, gerecht und vorurteilsfrei bin, oder ob ich Kinder überhaupt mag und mit ihnen umzugehen weiß. Das hat niemanden interessiert. Wichtiger war, dass ich ein hochwissenschaftliches, praxisfernes Mathematikstudium vorweisen kann, das mich zwar zu einem guten Wissenschaftler, aber nicht unbedingt zu einem guten Lehrer gemacht hätte. Wie ich schon in meinem ersten Artikel schrieb, weist das Lehramtsstudium, wenn es um die Vorbereitung auf den Beruf geht, große Defizite auf.
Natürlich gab es auch kritische bis polemische Kommentare, vorrangig, wenn die Zeitungen Berichte über mich auf Facebook oder Twitter posteten. Oft enthielten diese Kommentare Beleidigungen oder Unwissen. Die positive Resonanz war jedoch bei Weitem größer und stärker!
Wahrscheinlich werde ich in diesem Leben kein Lehrer mehr. So traurig mich das macht, umso mehr Motivation habe ich jedoch, mich bildungspolitisch einzusetzen. Mein „Aktivismus“ für Betroffene, die sich in meiner Situation befinden und die Redaktionstätigkeit bei Lehrer News ist dabei nur der Anfang.
Durch diese Tätigkeit habe ich die Möglichkeit, Bildungsthemen, die mich beschäftigen, anzusprechen und gleichzeitig diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die sonst nicht gehört werden. In unserem Schulsystem muss sich dringend etwas ändern. Ich glaube, das wird von den Bildungsministerien jedoch derzeit missverstanden, denn Einsparungen und Gutsherrenentscheide sind damit nicht gemeint.
Mein Appell an jeden Bildungsakteur: Je mehr Menschen sich für unser Schulsystem einsetzen, desto mehr könnt ihr erreichen!
Das Wissen der Menschheit, so heißt es, verdoppelt sich alle fünf bis zehn Jahre. Das wirft die Frage auf, ob herkömmliche Methoden der Wissensvermittlung hier Schritt halten und ihren Bildungsauftrag langfristig erfüllen können, oder ob es eines Instruments bedarf, das den Lernprozess effizienter gestaltet. Sowohl hinsichtlich des Lerntempos als auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit des Lernens.
In NRW wird diese Frage nun laut bejaht – das Ministerium für Schule und Bildung setzt großflächig auf Virtual Reality (VR) als Tool zur Visualisierung von Lerninhalten. Die Idee: Komplexe Lerninhalte greifbar machen und durch den “Erlebnis-Effekt” virtueller Lernumgebungen auch tiefer im Gedächtnis verankern.
So können naturwissenschaftliche Prozesse, historische Ereignisse, entfernte Orte oder ein Leben ohne sprachliche und kulturelle Barrieren in kurzen VR-Sequenzen erlebt und im Anschluss im Klassenverbund diskutiert werden. Das beschleunigt den Lernprozess immens und sorgt nachweislich für eine bessere Abrufbarkeit der Inhalte.
Doch ist der Einsatz der Technologie, deren Komfortzone im Unterhaltungssektor liegt, wirklich schon Alltag in deutschen Schulen?
Was einst nach Zukunftsmusik klang, stimmt heute den Dreiklang aus interaktiver Lernsequenz, Diskussion im Klassenverbund sowie pädagogisch-didaktischer Einbettung an. Virtual Reality wird bereits in zahlreichen Schulen der BRD eingesetzt. Das Leuchtturmprojekt in NRW sowie kleinere Projekte, etwa aus dem bayerischen Raum, verfolgen das Ziel, VR zunächst in den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung sowie in den Medienzentren anzubieten, um so den Weg in den Unterrichtsalltag zu ebnen. Ein Erfolgsmodell, wie sich herausstellt. Denn viele zehntausende SuS durften im Jahr 2024 bereits regelmäßig durch virtuelle Lernwelten wandeln.
Das alte Rom erkunden, den Bau der Pyramiden Ägyptens bezeugen oder sich mit den Schrecken der NS-Zeit auseinandersetzen – als Instrument für Visualisierung bietet Virtual Reality viele Anknüpfungspunkte im Geschichtsunterricht. Diese gilt es didaktisch in den Lehrplan einzubetten. So können virtuelle Lernwelten eine hervorragende Ergänzung darstellen. Im Grunde kann jede Epoche, jedes Bauwerk oder Szenario seinen eigenen digitalen Zwilling bekommen und in der virtuellen Realität ergänzend erlebt werden.
Insbesondere im Chemie- oder Physikunterricht spielt diese Technologie eine immer größere Rolle. In einer virtuellen Laborumgebung können Schülerinnen und Schüler etwa Experimente beliebig oft reproduzieren – ganz ohne echte Gefahren oder Einsatz gefährlicher Stoffe. Oder wie wär’s mit einem Flug durch den menschlichen Körper, als Blutkörperchen? Die Möglichkeiten virtueller Lernwelten bestehen auch darin, über individuelle Stärken und Schwächen sowie die Ausprägung von Abstraktionsvermögen hinwegzusehen, und das Lernen inklusiv und integrativ zu gestalten. Insbesondere im MINT-Sektor kann dies einen erheblichen Mehrwert darstellen, ohne mit echten Chemikalien hantieren zu müssen.
Sprachen lernen, kulturelle Unterschiede identifizieren und Perspektivwechsel vornehmen: Auch Ansprüche der Inklusion und Integration können durch den Einsatz von VR mitgetragen werden. So können KI-gestützte Gespräche in beliebig vielen Szenarien das Erlernen von Sprachen verbessern und nahezu unbemerkt kulturelle Begebenheiten anderer Länder mittransportieren. Eine Ebene tiefer sprechen wir über Empathie und Toleranz. So schön kulturelle Unterschiede sind, so viel Nährboden bieten sie oftmals auch für gewaltvolle Auseinandersetzungen.
Das Projekt AugenBLICK mal! Beschäftigt sich in drei VR-Szenen genau damit: Toleranz und Empathie durch Perspektivwechsel schaffen. Dabei werden besagte Szenen in virtuellen Lernwelten dargereicht, um auch hier vom “Erlebnis-Effekt” zu profitieren. Denn: Was wir durch das VR-Headset sehen, nimmt unser Gehirn technisch gesehen als Erlebnis wahr. Dieser Effekt ist verantwortlich für nachhaltigeres Verankern der Szenerie und damit einhergehend auch mit dem Wissen sowie erhöhter Empathie und Toleranz.
Virtuelle Kurzpraktika, die den SuS binnen weniger Minuten Unternehmen und Berufsalltage verschiedenster Branchen vorstellen, sind ein beliebtes Anwendungsfeld von VR. Auch hier ist Effizienzsteigerung das Stichwort – denn: Bis zu 100 Berufe ließen sich binnen eines Schultages somit per Schnuppertag erkunden. Anwendungen wie BerufVR ermöglichen dies anhand von ganz realen Identifikationsfiguren, die die SuS virtuell durch ihren Betrieb führen und ganz nahbar von ihrem Berufsalltag berichten. Dies bietet eine wertvolle Entscheidungshilfe und bringt die Arbeitswelt für einen Moment direkt ins Klassenzimmer.
Die Vorteile eines mächtigen Visualisierungstools springen einen nahezu an. Doch wird jetzt auf Knopfdruck alles besser? Eine nüchterne Einordnung hilft – und entschärft ein wenig das Bild des Allheilmittels. So gibt es trotz der zahlreichen Vorteile auch Herausforderungen, die Schulen beim Einsatz von VR bewältigen müssen.
Ein wesentlicher Punkt sind die Kosten, da hochwertige VR-Headsets und die dazugehörige Software teuer sind. Viele Schulen sind auf Fördermittel angewiesen, um diese Technologie zu implementieren. Das Großprojekt NRW widmet sich diesem Problem, in dem es kostengünstige Plug&Play-Lösungen, etwa die von Virtuelles Interaktives Lernen, für viele SuS zugänglich macht. Zur Einordnung gehört aber auch, dass das Leuchtturmprojekt NRW bis dato das einzige seiner Art in der BRD ist, und etwaige Nachahmer auf sich warten lassen.
Technische Hürden spielen ebenfalls eine Rolle – wenngleich der Einsatz oben genannter Lösungen auf intuitive Benutzung getrimmt und ohne Vorerfahrung oder Affinität möglich ist, werden neue Technologien oft kritisch beäugt und nicht in dem Maße angenommen, wie man es sich erhoffen würde. Gesundheitliche Aspekte dürfen nicht außer Acht gelassen werden, denn längere VR-Sitzungen können zu Übelkeit oder Augenbelastung führen. Daher wird empfohlen, die Nutzung auf kurze Zeitfenster von maximal 20 Minuten zu begrenzen. Didaktische Integration ist entscheidend, denn VR darf nicht als reines Gimmick genutzt werden. Es bedarf einer sinnvollen Einbettung in den Lehrplan, damit es nachhaltige Lerneffekte erzielt.
Virtual Reality im Schulunterricht ist bis dato ein eher lokales Phänomen. Das Bestreben ist vielerorts da, durch zu knappe Mittel jedoch auf wenige Headsets limitiert. Das Großprojekt NRW hat, anders als vielleicht erwartet, bis dato keinen Domino-Effekt ausgelöst. Doch die Perspektiven für einen großflächigen Einsatz von VR im Unterricht sind vielversprechend. Über kurz oder lang kann das Instrument nicht mehr an seinen Fähigkeiten scheitern, sondern allenfalls am politischen Rahmen. Das zeigt ein Blick in Länder, die gemeinhin als Bildungsvorreiter gesehen werden – etwa Südkorea. Dort ist der Einsatz von VR neben zahlreichen anderen Technologien bereits Schulalltag.
Besonders die Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz könnten dazu beitragen, VR-Erfahrungen noch interaktiver und personalisierter zu gestalten, und individuelle Defizite schneller zu neutralisieren.
Auch Mixed Reality, im Grunde die Zusammenfassung von Virtual Reality und ihrer Schwestertechnologie Augmented Reality, könnte an Relevanz gewinnen. Denn am Ende gibt es nicht den einen heiligen Grahl – es wird immer um einen Technologiemix und vor allem um die sinnvolle Einbettung von Technologie durch Lehrkräfte gehen.
Erst schleppend, dann spektakulär – mit der Digitalisierung der deutschen Bildungslandschaft ist es so eine Sache. Flossen beträchtliche Fördersummen für Schulen kürzlich noch in elementare Ausstattung, die seit Jahrzehnten die technologische Basis durchschnittlicher Privathaushalte bilden, ging es Mitte dieses Jahres dann plötzlich ganz rasant voran. Und zwar in NRW, wo das Ministerium für Schule und Bildung ein Leuchtturmprojekt zur Implementierung von Virtual Reality in den Schulalltag ins Leben rief.
Doch mit Inbetriebnahme der Headsets aktiviert sich auch das Pendel zwischen Fortschritt und Fürsorge – und wirft die Frage auf, ob virtuelle Lernwelten wirklich nur mit Vorteilen gesegnet sind, oder auch Gefahren mit sich bringen.
Insbesondere Eltern und Lehrkräfte fragen sich, welche Risiken bestehen und wie diese minimiert werden können. Dieser Artikel soll Einblicke gewähren und Chancen, technische Herausforderungen sowie Herausforderungen mit Blick auf die Integration von Virtual Reality (VR) in den Schulunterricht ebenso aufzeigen, wie mögliche Lösungsansätze für mehr Sicherheit und Effektivität durch Kombination verschiedener digitaler Tools.
Eine der spannendsten Aspekte bei der Einführung von VR im Unterricht ist der Mehrwert, der durch die Verknüpfung der Technologie mit bereits etablierten Tools besteht – etwa Tablets und Smartboards. So können Tablets nicht nur in der zentralen Steuerung von VR-Headsets dienlich sein, etwa um die Lernenden in Gruppen einzuteilen und Inhalte gezielt entlang der individuellen Stärken und Schwächen auszuspielen, sondern auch im Miteinander nach der VR-Sequenz. Ebenso das Smartboard.
Einer Studie der University of Maryland zufolge macht unser Gehirn keinen signifikanten Unterschied zwischen realen Erlebnissen und in virtuellen Lernwelten Erlebtem; das führt zum einen dazu, dass wir uns an VR-Sequenzen besser erinnern als beispielsweise an eine gelesene Buchseite – zum anderen aber auch dazu, dass das Erlebte durch unsere ganz individuellen Filter läuft, also unserer Auffassung entsprechend interpretiert und sortiert wird.
Dies nun im Plenum des Klassenzimmers zusammenzuführen, zu skizzieren, zu besprechen, evaluieren und interpretieren, das sind die großen Stärken “sozialer” Lerntools wie dem Smartboard oder vernetzten Tablets.
Damit entsteht multipler Mehrwert – einerseits ermöglicht diese Kombination aus VR und etablierten digitalen Helfern den SuS einen wertvollen Perspektivwechsel und schärft Empathie und soziale Intelligenz, andererseits adressiert sie die Sorge, dass bald “nur noch mit Bildschirm vor dem Kopf gelernt wird”. Und zu guter Letzt entsteht durch das Hands-On-Lernen eine Medienkompetenz, die die SuS auf eine zunehmend technologisierte und digitalisierte Zukunft vorbereitet.
Wenn Eltern hören, dass ihre Kinder in der Schule VR nutzen sollen, entstehen oft Ängste – und das aus gutem Grund. Zu den häufigsten Fragen gehören:
Die physische Sicherheit ist ein entscheidender Faktor. Damit Kinder sich im virtuellen Raum bewegen können, muss der reale Raum sorgfältig vorbereitet werden. Hindernisse wie Tische oder Stühle sollten entfernt werden, um Verletzungen zu vermeiden. Zur doppelten Absicherung erscheinen im virtuellen Raum grelle Raster, sollten die SuS sich physischen Hindernissen wie Wänden nähern. Zudem empfiehlt es sich, die Nutzung zeitlich zu begrenzen. Experten raten zu Sitzungen von 15 bis 20 Minuten, um eine Überanstrengung der Augen zu verhindern. Somit fügt sich Virtual Reality als genau das in den Unterricht ein, als was es gedacht ist: Eine Ergänzung zum konventionellen Lehren und Lernen.
Ein weiterer kritischer Punkt ist der Datenschutz. Viele VR-Systeme sammeln Daten, etwa zur Bewegungsanalyse oder Interaktionen in der virtuellen Welt. Schulen sollten darauf achten, dass nur Geräte genutzt werden, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, und klar kommunizieren, wie Daten verarbeitet werden. Das angesprochene MSB-Projekt aus NRW setzt dabei auf für den schulischen Einsatz konzipierte Endgeräte, die keinerlei personenbezogene Daten sammeln.
Zu guter Letzt: Auch die Inhalte selbst spielen ebenfalls eine Rolle. Ihr als Lehrkräfte tragt die Verantwortung, altersgerechte und didaktisch wertvolle Inhalte auszuwählen. Eine vorab durchgeführte Prüfung der Materialien ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass keine störenden oder ungeeigneten Elemente enthalten sind.Um dabei zu unterstützen, bieten sich Komplettlösungen an – die nicht nur auf technologischer Ebene ein “ready to go”-System bieten, sondern auch mit kuratierten und sorgfältig kategorisierten Inhalten aufwarten können. Das Ministerium für Schule und Bildung in NRW setzt dabei gemeinsam mit der Deutschen Telekom Business Solutions GmbH auf die Lösungen des deutschen EdTech-Spezialisten VIL.
Die Verbindung von VR mit anderen digitalen Werkzeugen wie Tablets und Smartboards eröffnet ganz neue Möglichkeiten im Klassenzimmer. Anders als bei isolierten Technologien schaffen diese Synergien eine nahtlose Integration in den Unterricht, die nicht nur praktisch, sondern auch didaktisch wertvoll ist.
Lehrkräfte können mit einem Tablet den Unterricht flexibel anpassen, Inhalte anhalten oder erneut erklären und auf spontane Fragen eingehen. Das Smartboard ermöglicht es, dass die gesamte Klasse die VR-Erlebnisse in Echtzeit mitverfolgt und ihre Eindrücke im Nachgang synchronisiert, was die Grundlage für gemeinsame Diskussionen und Reflexionen bildet. Tablets können darüber hinaus als interaktive Werkzeuge genutzt werden, etwa um Quizfragen zu stellen oder Notizen zu teilen, die direkt mit den VR-Inhalten verknüpft sind. Diese Interaktivität fördert nicht nur das Engagement der Schülerinnen und Schüler, sondern auch ihre Fähigkeit, das Gelernte kritisch zu hinterfragen.
Beispiele aus dem Chemieunterricht verdeutlichen dies: Lernende nutzen VR, um Experimente beliebig oft reproduzierbar und ohne den Einsatz von Schadstoffen und Gefahren durchzuführen, und tragen ihre Ergebnisse im Nachgang über vernetzte Tablets und Smartboards zusammen; ein Quiz, um das vermittelte Wissen tiefer zu verankern, kann ebenfalls über das Tablet ausgespielt werden, und durch den Gamification-Aspekt die Motivation zum Erbringen von Leistung steigern.
Auch in den Themen der Zeit, etwa Diversity und Diskriminierung, kann dieses Modell immense Möglichkeiten eröffnen. So bietet Virtual Reality die Möglichkeit, Szenarien nicht nur zu lesen oder als Film darzureichen und sie letztlich der eigens gefilterten Fantasie zu überreichen, sondern diese auch vermeintlich real zu erleben. Man stelle sich dies nur mal im Rassismuskontext vor – zum Beispiel um eine von Rassismus nicht betroffene Person die Vielzahl an abwertenden Blicken sowie respektlosen Ansprachen und das allgemeine Unwohlsein nachempfinden lassen können. Eine solch intensive Erfahrung verlangt natürlich nach einer pädagogischen Begleitung und Einordnung durch die Lehrkräfte.
Dieser Perspektivwechsel kann bei geschickter didaktischer Einbettung nicht nur für die Bildung entlang des Fächerkanons, sondern vor allem für die Gesellschaft von großem Wert sein.
So vielversprechend der Einsatz von VR im Klassenzimmer also auch ist, so groß sind die Hürden des Einstiegs. Neben der technischen Komplexität ist auch die Preisintensität ein großes Thema, das Schulen und Bildungseinrichtungen skeptisch stimmt. Zudem gehen mit dem Tandem aus Hard- und Software auch potenzielle Störungen einher, die durch regelmäßige Wartungen minimiert werden müssen. All das erzeugt Mehraufwand, den es gegen den Mehrwert aufzuwiegen gilt.
Auch hier setzt VIL (kurz für Virtuelles Interaktives Lernen) bewusst nah an der herausfordernden Zielgruppe “Schule” an – mit einem hochgradig intuitiven Komplettsystem, das die Komplexität auf ein Minimum herabsenkt und über Medienzentren in NRW sowie die ZfsL auszutesten ist.
Ein oft unterschätzter Punkt ist die Gefahr der Ablenkung. Je mehr Technologien im Raum sind, desto leichter verlieren Schülerinnen und Schüler den Fokus. Hier sind klare Strukturen, gut geplante Unterrichtseinheiten und eindeutige Aufgabenstellungen entscheidend, um die Konzentration aufrechtzuerhalten.
Virtual Reality kann, wenn sie richtig eingesetzt wird, das Klassenzimmer bereichern. Die Kombination mit Tablets und Smartboards erhöht nicht nur die Sicherheit beim Einsatz der Technologie, sondern auch ihre didaktische Wirksamkeit. Um die Sorgen von Eltern zu verringern, sollten Lehrkräfte und Schulen jedoch transparent kommunizieren, wie VR eingesetzt wird, welche Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden und welchen Mehrwert die Technologie bietet.
Mit einer durchdachten Planung und einem klaren Fokus auf den pädagogischen Nutzen kann VR zu einer gewinnbringenden Erweiterung des Instrumentenkastens der deutschen Bildungslandschaft werden, die den Unterricht erlebbar macht und Schülerinnen und Schüler auf eine ganz neue Art und Weise zum Lernen motiviert. Doch wie bei allen neuen Technologien gilt: Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der Technik selbst, sondern in der Art und Weise, wie ihr sie einsetzt.
Schulbeginn zwischen 7:30 Uhr und 8 Uhr ist in Deutschland seit unzähligen Jahren gängige Praxis. Die Kinder und Jugendlichen sind dabei meist unausgeschlafen, die Konzentrationsfähigkeit hat noch nicht ihr Maximum erreicht und dementsprechend sind die Leistungen. Lehrkräfte kennen vielleicht das Bild, wenn ältere Schüler:innen mit einem Energydrink vor einem sitzen, um nicht einzuschlafen. Viele Menschen, unabhängig des Alters, sehen diese Konvention als veraltet an und fordern daher einen späteren Schulbeginn ab 9 Uhr. Auffällig dabei ist, dass mehrheitlich nur Vorteile genannt werden, seltener Nachteile, die aus den angeführten Vorteilen entstehen können. Schauen wir uns das Vorhaben einmal aus einer anderen Sicht an.
Frühes Aufstehen ist entgegen der Natur. Ja, tatsächlich ist das so. Am gesündesten ist es dann aufzustehen, wenn wir ausgeschlafen haben. Gesellschaftlich hat sich jedoch schon seit Jahrtausenden das frühere Aufstehen etabliert. Eigentlich liegt es dadurch doch auf der Hand, dass Unterrichtsbeginn ab 9 Uhr “gesünder” wäre, oder? Es klingt so einfach, birgt jedoch auch einen potenziellen Nachteil oder eher ein Paradoxon. Schauen wir uns einmal beispielhaft den Alltag einer Schülerin bzw. eines Schülers an. Morgens um 6 Uhr klingelt der Wecker, dann wird gefrühstückt, sich fertiggemacht und es geht zur Schule, die 8 Uhr beginnt. Die Schule ist an diesem Tag um 13.30 Uhr zu Ende. Es geht nach Hause und wird gegebenenfalls Mittag gegessen, wenn dies nicht schon in der Schule gemacht wurde. Danach werden die Hausaufgaben erledigt und für die nächste Arbeit gelernt. Vielleicht geht es dann noch zu einer außerschulischen Freizeitaktivität, beispielsweise Vereinssport oder Instrumentalunterricht. Wieder Zuhause ist es dann schon Abendbrotzeit. Der Abend klingt aus, indem die junge Person dann endlich vollwertig Freizeit hat: Freunde treffen, die Lieblingsserie weiterschauen oder dem Hobby nachgehen, einfach das machen, was einem gefällt. Um 23 Uhr geht die Schülerin bzw. der Schüler zu Bett. Ein ganz durchschnittlicher Tagesablauf für Kinder und Jugendliche, die im selben Ort wohnen, wo die Schule ist.
Jetzt nehmen wir einmal an, dass der Schulbeginn von 8 Uhr auf 9 Uhr verschoben wird, eine Stunde also. Dann ist der Unterricht dementsprechend ebenso eine Stunde später zu Ende, um 14.30 Uhr. Eine Stunde später sind die Lernenden ebenso mit Hausaufgaben und Lernen fertig. Auch die außerschulischen Aktivitäten sind eine Stunde später beendet. Es ist wahrscheinlich mittlerweile erkennbar, worauf dieses Beispiel hinaus soll. Der ganze Tagesablauf verschiebt sich um eine Stunde. Bei der Schlafenszeit gibt es folglich zwei Optionen.
Die erste Option ist, dass die Jungen und Mädchen immer noch um 23 Uhr schlafen gehen, dann wird ihnen jedoch eine Stunde Freizeit an diesem Tag “gestohlen”. Warum gerade Freizeit? Das einzige, was an dem Tagesablauf der Kinder und Jugendlichen gekürzt werden kann, ist die Freizeit. Die Unterrichtszeit wird nicht gekürzt, auch die Menge an Hausaufgaben und Lernstoff bleiben gleich. Freizeitaktivitäten im Verein oder Ähnlichem könnten zwar aufgegeben werden, wäre jedoch für viele junge Menschen undenkbar. Zumal diese Aktivitäten zur Sozialisierung der Kinder und Jugendlichen beitragen. Also was ist das einzige, was gekürzt werden kann? Richtig, die Freizeit der Schüler:innen. Eine Stunde weniger, um Freunde zu treffen, Hobbys nachzugehen, einfach mal zu “chillen” und so weiter. Eine Stunde weniger für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung.
Die zweite Option wäre, dass sich der Tagesablauf der Schüler:in aus dem Beispiel simpel um eine Stunde verschiebt. Anstatt, dass der Tag um 6 Uhr beginnt und 23 Uhr endet, startet er nun um 7 Uhr und endet um 0 Uhr. Die ansonsten fehlende Stunde wird beibehalten, außer die Eltern haben ein Auge darauf, was wahrscheinlich eher bei Eltern von Grundschüler:innen der Fall wäre.
Das Beispiel kann noch besser verdeutlicht werden, wenn einbezogen wird, dass zahlreiche Schüler:innen mit dem Bus zur Schule fahren. In ländlichen Regionen teilweise bis zu zwei Stunden täglich. Wenn diese Kinder und Jugendlichen dann sogar noch früher aufstehen, zwischen 4 Uhr und 5 Uhr oder sogar noch davor, bringt eine weitere Stunde Schlaf wahrscheinlich eher wenig, denn unausgeschlafen sind sie trotzdem. Wenn es ganz akkurat betrachtet wird, wären selbst die privilegierteren Schüler:innen ohne langen Schulweg weiterhin relativ unausgeschlafen, wenn trotzdem der Wecker in Gebrauch ist. Eigentlich gilt das doch sogar für alle Menschen, die mit Wecker aufstehen und nicht ausschlafen können. Kinder und Jugendliche im schulfähigen Alter haben laut AOK einen Schlafbedarf von acht bis elf Stunden in der Nacht. Wenn das erwähnte Buskind um 4 Uhr aufsteht, dann müsste es rechnerisch um 18 Uhr schlafen gehen, um auf die elf Stunden zu kommen. Bei einer Verschiebung um eine Stunde durch einen späteren Unterrichtsbeginn wäre dementsprechend ab 19 Uhr Schlafenszeit. Seien wir mal ehrlich, welche Jugendlichen gehen um diese Uhrzeit schlafen? Alleine der natürliche Biorhythmus sorgt dafür, dass Jugendliche um diese Uhrzeit noch hellwach sind. Normalerweise dürften diese Kinder neben Schule, Busfahrt und Hausaufgaben (wenn dafür überhaupt noch Zeit ist), keinerlei Freizeit mehr haben – in der Theorie. Natürlich, eine Stunde mehr Schlaf ist vielleicht schon ein sinnvoller Ansatz, aber die Problematik mit der Müdigkeit bleibt trotzdem bestehen.
Freizeit haben diese Kinder und Jugendlichen sowieso schon weniger und wie in dem Beispiel, wäre diese Freizeit noch seltener oder sie wird sich selbstverständlich genommen. Gleiches gilt für Ganztagsschulen, an denen allgemein bereits ein späterer Schulschluss folgt. Wird dies noch mit der Busbindung verrechnet, müsste bald neben Mittagessen auch Abendessen an den Schulen angeboten werden. Die wenigsten Arbeitnehmer sind so lange an ihrem Arbeitsplatz. Auf ein Jahr gerechnet, würden je nach Bundesland rund 185 Stunden Freizeit gekürzt werden.
Das Beispiel zeigt auf, wie paradox ein späterer Schulbeginn sein kann. Es existieren jedoch noch weitere Nachteile und Probleme. Für die Eltern kann die Organisation der Betreuung ihrer Kinder zu Schwierigkeiten führen. Betroffen davon sind primär Eltern von Grundschulkindern, da die älteren Lernenden in den meisten Fällen bereits selbstständig schlafen gehen. Für die Lehrkräfte könnten sich ebenso Nachteile ergeben, denn ihr Tagesablauf verändert sich auch. Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, Organisation, Gespräche, alles verschiebt sich um eine Stunde nach hinten.
Eine Stunde weniger Freizeit geht ebenso mit einer Stunde weniger Zeit für Freunde einher. Peeraktivitäten sind für Kinder und Jugendliche eine wichtige Grundlage für die Entwicklung und spätere Abnabelung von den Eltern. Langfristig kann dies zur Desozialisierung führen. Und nein, die Zeit in der Schule reicht dafür nicht aus, zumal dort im engeren Sinne nur die Pausen für Peeraktivitäten genutzt werden können und für persönliche Angelegenheiten, die besprochen werden, zu wenig Privatsphäre vorhanden ist. Allenfalls verlegen die Schüler:innen ihre Gespräche in den Unterricht.
Die Meinungen zu dieser Thematik sind weiterhin sehr differenziert. Als ich einst eine Klasse befragt hatte, waren die Kinder zunächst sehr von der Idee angetan, eine Stunde länger schlafen zu können. Als ich ihnen erklärte, dass die Schule dadurch ebenso eine Stunde später beendet ist, so wie der gesamte Tagesablauf, haben die meisten Kinder ihre ursprüngliche Meinung geändert. Auch andere Lehrkräfte haben bei dieser Frage ähnliche Reaktionen der Schüler:innen erhalten. Höhere Klassenstufen lehnen oft die Idee des späteren Unterrichtsbeginns von Anfang an ab, da sie ebenso den Nachteil erkennen. Ihnen ist es wichtiger, genügend Zeit für Hobbys, Freunde und für sich selbst zu haben.
Eine Lösung, zumindest gegen zu starke und ungesunde Müdigkeit, wäre der Schulbau in ländlichen Regionen. Damit wäre unter anderem das Problem der langen Schulwege behoben. Bekannt ist jedoch auch, dass der Schulbau schleppend vorangeht, sogar eher das Gegenteil ist der Fall, Schulen werden im ländlichen Raum geschlossen, weshalb hier in näherer Zukunft nicht mit einer Besserung zu rechnen ist.
Eine weitere Möglichkeit, die sich bereits an einigen freien Schulen bewährt hat, ist der flexible Unterrichtsstart. Flexibler Unterrichtsbeginn bedeutet, dass die Schüler:innen innerhalb eines Zeitrahmens zur Schule kommen, beispielsweise zwischen 7 Uhr und 10 Uhr. Dies wäre auf der einen Seite bedürfnisorientiert gegenüber dem Biorhythmus der Schüler:innen und entgegenkommend für die Eltern. Die Herausforderung besteht jedoch in der Umsetzung dieser unkonventionellen Methodik. Das jetzige Schulsystem ist bereits jetzt viel zu überholt. Hinzu kommt Lehrkräftemangel und fehlende Ausstattung der Schulen, primär im digitalen Bereich. Digitale Medien könnten bei einer ausgeklügelten Planung die Lehrkräfte entlasten und diese Unterrichtsmethodik als Ergänzung unterstützen. Mit weiteren Herausforderungen wäre womöglich bei dem Schulweg zu rechnen, da die Organisation der Busse zu Schwierigkeiten führen kann.
Dieser Beitrag soll keinesfalls bedeuten, dass ein späterer Unterrichtsbeginn schlecht ist. Sicher würde sich diese Veränderung für einige Schüler:innen positiv auswirken. Jedoch sollten die möglichen Folgen nicht außer Acht gelassen werden. Ein späterer Schulbeginn ist bisher an relativ wenig Schulen geprobt worden, weshalb es diffizil ist, voreilig Schlüsse zu ziehen. Auch die Schüler:innen sollten in diese Diskussion mehr involviert werden, denn um sie geht es in dieser Angelegenheit. Schlussendlich geht es darum, eine gesunde Lösung für die Lernenden zu finden, obwohl dies wahrscheinlich noch lange auf sich warten lassen wird.
Die Integration von Virtual Reality in den Schulunterricht wird mitunter nahezu martialisch als Revolution des Bildungswesens gefeiert. Dabei ist die Technologie, die auch den Instrumentenkasten des Landes NRW erweitert, nicht als Wachablöse herkömmlicher Lehrmethoden gedacht, sondern als Ergänzung und Visualisierungstool. So können komplexe naturwissenschaftliche Prozesse und historische Ereignisse wunderbar in virtuellen Welten nachempfunden und sprachliche wie kulturelle Barrieren für mehr Miteinander abgebaut werden. Und dennoch: Skepsis ist angebracht – denn auf Knopfdruck lassen sich auch durch den Einsatz von virtuellen Lernwelten gewiss nicht die Kernprobleme des deutschen Bildungswesens lösen.
Dieser Artikel beleuchtet sowohl Möglichkeiten als auch Stolpersteine von VR im Klassenzimmer. Das Ziel: Gemachte Fehler bei früheren Digitalisierungsunterfangen nutzen, um aus ihnen zu lernen, und dabei aufzeigen, wie Virtual Reality nachhaltig und sinnvoll in den Unterricht integriert werden kann.
Virtual Reality verspricht Euch als Lehrenden die Möglichkeit, Schülerinnen und Schülern eine völlig neue Welt des Lernens zu eröffnen. Mit VR können sie Städte der Antike besuchen, das Innere einer Zelle verstehen oder sogar historische Ereignisse als Quasi-Zeitzeuge nachempfinden. Studien zeigen, dass immersive Umgebungen das Lernen durch stärkere emotionale und kognitive Verknüpfungen fördern können.
Doch nicht nur das Lernergebnis, auch der Lernprozess werden durch VR signifikant beeinflusst. So steigt die intrinsische Motivation am Lernen häufig in Zusammenhang mit virtuellen Lernwelten, während die “fear of failure”, also die Angst, zu versagen, sinkt. Dies bestätigen zahlreiche Studien, unter anderem auch eine deutsche Publikation der Universität Duisburg-Essen. Gründe für eine abnehmende Angst können das “Alleinsein” in der eigenen Lernwelt – fernab kritischer Augen und Stimmen der Mitschülerinnen und Mitschüler – sein, aber auch die Reproduzierbarkeit von Experimenten und Erlebnissen in VR. Damit bietet das VR-ergänzte Lernen Räume für SuS, die es oft schwer haben, sich im Lernprozess mit anderen zu positionieren. Die spielerische Komponente lädt sie zum Experimentieren und Entdecken ein, was letztlich hochgradig integrativ wirkt und die Lernmotivation aller SuS der Klasse synchronisiert.
Doch sind diese Verheißungen tatsächlich umsetzbar oder bleibt virtuelles Erleben und Lernen eine Spielerei, die in der Praxis an technischen und organisatorischen Hürden scheitert?
Die Einführung digitaler Technologien in Schulen wurde in der Vergangenheit oft von Komplikationen in der technischen Integration sowie von herber Enttäuschung mit Blick auf den Effekt begleitet – dabei denke ich primär an iPads oder Laptops, die oft nur dazu dienen, Texte nicht über die Buchseite, sondern in Pixeln zu vermitteln. An der eigentlichen Unterrichtsmechanik änderte dies jedoch wenig. Diese Erfahrungen zeigen, dass technologische Helfer allein selten die gewünschten Ergebnisse liefern.
Virtual Reality gefährdet dieser Punkt umso mehr; als grundsätzlich neues und damit oft erklärungsbedürftiges Produkt wäre eine quasi-wortlose Integration und ein “sich selbst überlassen” fatal und würde nicht nur keinerlei Mehrwert schöpfen, sondern für Frustration und Misserfolge sorgen. Daher ist es immens wichtig, die Herausforderungen bei der Integration zu sehen und passend zu adressieren.
Häufige Herausforderungen sind:
Diese Probleme sind nicht neu. Laut einer Studie des Deutschen Bildungsberichts 2022 wurde beispielsweise jedes dritte Schulprojekt zur Digitalisierung aufgrund mangelnder Lehrerqualifizierung abgebrochen.
Es braucht also intuitive, bezahlbare Lösungen. Förderbare Lösungen, die zudem auf simplen Gebrauch getrimmt sind, können ein Ansatz sein. Das nordrhein-westfälische Bildungsunternehmen VIL (Virtuelles Interaktives Lernen) ist spezialisiert auf solche Lösungen und nimmt als umsetzender Partner der eingangs erwähnten NRW-Großoffensive bereits zahlreiche Medienzentren und ZfSL an die Hand.
Unabhängig von Anbietern sogenannter “Plug & Play”-Lösungen, ist eine Strategie zur Implementierung digitaler Helfer essenziell. Die Leitplanken für eine solche Strategie sollten umfassen:
Richtig eingesetzt, bieten Virtual-Reality-Lernwelten einzigartige Vorteile, die mit herkömmlichen Methoden kaum zu erreichen sind. Doch es kommt auf die Umsetzung an – den Magic Button gibt es nicht. Fehler aus der Vergangenheit, die aus Digitalisierungsmissionen ein Festhalten an vertrauten, analogen Lehrmethoden machten, dürfen nicht wiederholt werden. Denn das könnte auch für ein so vielseitiges Tool wie die VR das Ende im deutschen Klassenzimmer bedeuten.
Virtual Reality ist immerhin kein Allheilmittel – aber sie ist ein Werkzeug mit großem Potenzial. Wenn neue Lehrmechaniken akzeptiert und VR-Sequenzen nachhaltig und durchdacht in den Unterricht integriert werden, können neue Lernwelten erschlossen werden, die nachweislich die Motivation und den Mut zum Lernen steigern, ebenso den Lernerfolg. Es liegt an Euch, den Einsatz kritisch zu planen und auf den tatsächlichen Mehrwert zu achten, anstatt dem Hype zu folgen. Denn am Ende des Tages zählt nicht die Technologie, sondern das, was Ihr als Lehrende daraus macht.
Der digitale Wandel – lange beschrieben, endlich da. So zumindest das Gefühl. Doch welche Rolle spielen digitale Helferlein in der Lebenswirklichkeit des Schulunterrichts, und wie kann eine zielführende Symbiose verschiedener Lehrmittel aussehen, die wirklich im Klassenzimmer ankommt? Nach schleppend verlaufenden Versuchen, das Lehren und Lernen digitaler zu gestalten, etwa durch den Digitalpakt Schule, wird das Land NRW nun ganz konkret – und setzt einen Paukenschlag, der nicht nur innerhalb der Landesgrenzen vibriert, sondern bundesweit aufhorchen lässt: Rund 3.000 Virtual-Reality-Brillen sollen angeschafft werden – die Idee: inklusives, nachhaltiges und motivierendes Lernen!
Zunächst einmal muss gesagt werden, dass Virtual Reality in der Bildung viele spannende Möglichkeiten bietet. Ihr könnt mittels VR weit entfernte oder nicht mehr existierende Orte bereisen, durch die Zeit springen und historische Ereignisse bezeugen, komplexe naturwissenschaftliche Prozesse – etwa auf Atom-Ebene und somit ohne hohen Abstraktionsgrad – begutachten, oder euch ungeachtet von Sprachbarrieren oder geografischer Distanz austauschen und gemeinsam Erlebnisse schaffen.
Bei all der Begeisterung sollten wir realistisch bleiben: VR wird den klassischen Unterricht nicht von heute auf morgen ablösen. Möglicherweise nie. Denn das ist weder Ziel noch Kompetenz der Technologie. Sie kann den traditionellen Unterricht in seinen Grundfunktionen nicht ersetzen und ist eher als Ergänzung gedacht. Häufig fehlt es in virtuellen Welten an didaktischem Input, der eine tiefgehende Wissensvermittlung ermöglicht. Auch das Abfragen von angeeignetem Wissen sowie der persönliche Dialog in virtuellen Umgebungen bieten keinen signifikanten Mehrwert.
Vielmehr kann es eine Ergänzung zu bewährten Lehrmethoden sein – ein zusätzliches Werkzeug zur Visualisierung, das den Unterricht bereichert und in bestimmten Situationen unschlagbare Vorteile bietet. Ihr solltet VR also nicht als Ersatz, sondern als eine von vielen Möglichkeiten betrachten, eure Klasse auf eine abwechslungsreiche und moderne Art zu unterrichten.
Eine der größten Stärken von Virtual Reality liegt darin, dass sie hervorragend mit anderen digitalen Hilfsmitteln kombiniert werden kann. In den letzten Jahren habt ihr vielleicht schon Erfahrungen mit interaktiven Whiteboards, Tablets oder Lernplattformen gemacht. Diese Technologien ermöglichen es euch, euren Unterricht zu digitalisieren, Lerninhalte anzupassen und den Schüler:innen mehr Selbstständigkeit beim Lernen zu ermöglichen. VR kann hier als weiteres Puzzleteil dienen, das sich nahtlos in diese digitale Umgebung integriert und das Lernen bereichert.
Stellt euch vor, ihr nutzt VR als Visualisierungswerkzeug, um euren Schüler:innen ein komplexes Thema zu veranschaulichen. Etwa im Rahmen eines Fluges als Blutzelle durch den menschlichen Körper. Und im Anschluss könnt ihr diese VR-Erfahrung mit interaktiven Quiz-Apps, Arbeitsblättern auf Tablets oder digitalen Lernspielen ergänzen, die das Gelernte vertiefen. Oder ihr erstellt digitale Gruppenarbeiten, bei denen die Schüler:innen nach einer VR-Erfahrung eigenständig weiterforschen und ihre Ergebnisse online präsentieren. VR ist in dieser Konstellation nicht der Mittelpunkt des Unterrichts, sondern ein Baustein, der durch die Verknüpfung mit anderen digitalen Tools einen echten Mehrwert bietet.
In der Gesamtheit entsteht so ein Lernerlebnis, das sich nicht nur nachweislich besser im Gedächtnis verankert, sondern auch die intrinsische Motivation zum Lernen fördert.
Wie alle Lehrmittel muss auch Virtual Reality zielgerichtet eingesetzt werden. Dabei liegen die Stärken virtueller Lernwelten in der Visualisierung von Prozessen, Ereignissen oder Orten – sowie in der Überbrückung von sprachlichen oder geografischen Distanzen. So können zum Beispiel naturwissenschaftliche Experimente beliebig oft durchgeführt werden — ganz ohne Einsatz von schädlichen oder raren Stoffen oder gar Gefahren. Im Geschichtsunterricht unterstützen virtuelle Lernwelten derweil bei der anschaulichen Reise durch die Zeit, während sie in der Turnhalle Anwendung in der Verkehrserziehung finden. Die Anwendungsgebiete sind nur durch die Fantasie der Entwickler:innen limitiert.
Auch können die Schüler:innen ihre eigene Fantasie in virtuelle Welten überführen und mit sogenannten Autorentools ihre ganz persönliche Lernwelt erschaffen. Ein ebenfalls spannender Punkt mit Blick auf die Integration durch VR: Alltagssituationen können für Geflüchtete aufbereitet und geübt werden. Eine Übersicht, welche Themenfelder und Fächer derzeit am meisten vom VR-Einsatz profitieren, findet sich hier.
Zusammengefasst dreht sich bei VR alles um die Simulation. Das ist die große Stärke, die diese Technologie einbringt. Daraus folgt jedoch auch: Nicht jedes Thema eignet sich für den Einsatz von Virtual Reality. Manche Inhalte lassen sich oft besser durch herkömmliche Methoden wie Bücher, Filme oder Diskussionen vermitteln, die ohne technische Anforderungen auskommen und unmittelbar einsetzbar sind.
Natürlich bringt der Einsatz von Virtual Reality und allgemein neuen Technologien auch Herausforderungen mit sich. Ein zentraler Punkt ist dabei die technische Ausstattung. So sind VR-Brillen oft teuer, erfordern externe Hardware und sind kompliziert in der Bedienung. Darüber hinaus stellen auch fehlende oder unzureichende Inhalte in der Ausbildung zur Lehrkraft eine Hürde dar. Viele von euch haben möglicherweise noch nie mit Virtual Reality gearbeitet und fühlen sich unsicher im Umgang mit dieser neuen Technologie.
Hier setzen Unternehmen wie die in NRW ansässige VIL GmbH an – einer der beiden durchführenden Partner der eingangs erwähnten Großoffensive des Ministeriums für Schule und Bildung in NRW. VIL steht nicht nur im Kürzel für “Virtuelles Interaktives Lernen”, sondern verspricht kosteneffiziente VR-Lösungen, die autark, also unabhängig von IT-Infrastruktur in der Schule, funktionieren, hochgradig intuitiv bedienbar (also kein Vorwissen erfordern) und mobil sind. Etwa in der Größe eines Reisekoffers lässt sich das Komplettset verstauen.
Virtual Reality ist zweifellos ein spannendes Werkzeug, das immenses Potenzial und eine großartige Perspektive für die Digitalisierung des Unterrichts birgt. Doch man sollte, um die eingangs gestellte Frage zu beantworten, keine Revolution erwarten. Vielmehr dienen virtuelle Lernumgebungen als Ergänzung zu den bereits bestehenden digitalen Hilfsmitteln. Wenn ihr VR sinnvoll und gezielt einsetzt, kann es helfen, euren Unterricht abwechslungsreicher und moderner zu gestalten. Auch befähigt der Einsatz von Virtual Reality zur Rücksichtnahme auf individuelle Schwächen und erlaubt das gezielte Fördern individueller Stärken.
Entscheidend ist jedoch, dass VR stets im Einklang mit anderen Lehrmethoden und digitalen Tools eingesetzt wird, ohne isoliert zu dominieren. Das Ziel sollte nicht sein, den Unterricht vollständig zu virtualisieren, sondern eine ausgewogene Mischung aus traditionellen und digitalen Elementen zu schaffen. Auf diese Weise könnt ihr euren Schüler:innen eine umfassende und nachhaltige Bildungserfahrung bieten, die sie optimal auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. Virtual Reality ist ein Schritt auf diesem Weg – ein Schritt, der Türen zu neuen Lernwelten öffnet, ohne dabei das Fundament der Bildung aus den Augen zu verlieren. Letztlich bleibt VR ein Mittel zum Zweck: ein Baustein in einer Bildungslandschaft, die auf Vielfalt, Anpassungsfähigkeit und Zukunftsorientierung setzt – für ein Lernen, das den Horizont erweitert und Raum für echte Entwicklung schafft.
Die Welt erlebt eine digitale Revolution, die alle Lebensbereiche erfasst. Technologie prägt unseren Alltag, unsere Arbeitswelt und zunehmend auch unsere Bildungslandschaft. Doch während einige Länder bereits große Fortschritte in der digitalen Bildung gemacht haben, hinken andere, darunter Deutschland, noch hinterher. Die jüngsten globalen Ereignisse, vor allem die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI), haben jedoch ein Zeitfenster geöffnet, das es uns ermöglicht, die Weichen für eine innovative und zukunftsfähige Bildung zu stellen. Warum also ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Digitalisierung in Schulen voranzutreiben und Innovationen zu fördern?
Die Corona-Pandemie hat die Welt im Jahr 2020 vor beispiellose Herausforderungen gestellt. Plötzlich waren Schulen gezwungen, ihren Betrieb umzustellen und den Unterricht ins Digitale zu verlagern. Dieser abrupten Umstellung waren viele Schulen zunächst nicht gewachsen. Doch die Krise entpuppte sich als Katalysator für die Digitalisierung im Bildungswesen. Schulen wurden in Rekordzeit mit digitalen Endgeräten ausgestattet, die digitale Infrastruktur wurde verbessert, und Lehrkräfte mussten sich in neue Technologien einarbeiten. Um diesen Prozess zu unterstützen, wurden zahlreiche Förderprogramme ins Leben gerufen. Der DigitalPakt Schule ist ein prominentes Beispiel dafür, wie Bund und Länder gemeinsam die Digitalisierung vorantreiben wollten. Milliardenbeträge wurden bereitgestellt, um die technische Ausstattung zu verbessern und Lehrkräfte zu schulen. Es entstand das Gefühl, dass die deutsche Bildungslandschaft endlich den Sprung ins digitale Zeitalter schafft.
Mit der Rückkehr zum Präsenzunterricht und der schrittweisen Normalisierung des Alltags verlor die Digitalisierung jedoch schnell wieder an Priorität. Die zuvor angeschobenen Projekte gerieten ins Stocken, und die anfängliche Euphorie wich einer gewissen Ernüchterung. Viele Schulen kehrten zu alten Mustern zurück, und die neu gewonnenen digitalen Kompetenzen wurden nicht weiter ausgebaut. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Einerseits standen Schulen vor neuen, dringenden Herausforderungen, die ihre Ressourcen beanspruchten. Andererseits fehlte es oft an einer langfristigen Strategie, um die Digitalisierung nachhaltig zu verankern.
Die geopolitischen Spannungen und Konflikte in der Ukraine haben zu einer erhöhten Zahl von Flüchtlingen geführt, darunter viele Kinder im schulpflichtigen Alter. Diese Kinder benötigen besondere Unterstützung, um sich in das deutsche Schulsystem zu integrieren. Deutsch als Zielsprache zu vermitteln, ist eine immense Aufgabe, die zusätzliche Ressourcen und spezialisiertes Personal erfordert. Lehrkräfte müssen nicht nur sprachliche Barrieren überwinden, sondern auch kulturelle Sensibilität zeigen und traumatische Erfahrungen der Kinder berücksichtigen. Dies erfordert Zeit, Engagement und oft auch spezielle Fortbildungen, die zusätzlich zur normalen Unterrichtsbelastung kommen.
Trotz der gestiegenen Anforderungen durch die Integration von Flüchtlingskindern und die Notwendigkeit der Digitalisierung gibt es keine proportional erhöhte finanzielle Unterstützung. Schulen sehen sich mit begrenzten Budgets konfrontiert, die weder für zusätzliche Lehrkräfte noch für die notwendige technische Ausstattung ausreichen. Einmalige Förderprogramme haben in vielen Fällen kurzfristige Verbesserungen ermöglicht, beispielsweise durch den Kauf von Geräten oder die Finanzierung spezifischer Projekte wie Schulungen oder baulicher Anpassungen. Sie helfen, akute Engpässe zu überbrücken und initiale Fortschritte anzustoßen. Allerdings zeigt sich häufig, dass solche Programme nicht ausreichen, um langfristige Herausforderungen wie die Integration von Flüchtlingskindern oder die Digitalisierung nachhaltig zu bewältigen. Die fehlende Kontinuität in der Finanzierung führt dazu, dass Maßnahmen oft nicht langfristig verankert werden können, was zu Frustration bei Lehrkräften und Schulverwaltungen führt. Ohne eine klare Strategie und kontinuierliche Investitionen bleiben einmalige Förderprogramme daher oft ein „Tropfen auf den heißen Stein“, der die grundlegenden Probleme nicht löst.
Deutschland steht vor erheblichen demografischen Veränderungen. Die Gesellschaft altert, und die Geburtenrate bleibt niedrig. Gleichzeitig führt Migration zu einer erhöhten kulturellen Vielfalt in den Klassenzimmern. Schulen müssen sich an diese veränderten Rahmenbedingungen anpassen und individuelle Förderkonzepte entwickeln. Die Zunahme rechtsextremer Strömungen in Europa stellt eine ernsthafte Bedrohung für die demokratischen Grundwerte dar. Schulen haben die Verantwortung, junge Menschen zu toleranten und kritischen Bürger:innen zu erziehen, die Extremismus erkennen und ihm entgegenwirken können. Weltpolitische Ereignisse und Spannungen, wie sie sich in Wahlkämpfen und geopolitischen Konflikten zeigen, haben direkte und indirekte Auswirkungen auf die Bildung. Schüler:innen werden mit komplexen Themen konfrontiert, die sie oft nur schwer einordnen können. Hier sind Lehrkräfte gefordert, Orientierung zu bieten und politische Bildung zu stärken.
Die technologischen Fortschritte, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI), schreiten in einem atemberaubenden Tempo voran. KI-gestützte Tools können mittlerweile Texte, Bilder und sogar Videos generieren, die von menschlichen Werken kaum zu unterscheiden sind. Mit der Verbreitung von KI-generierten Inhalten wird es immer schwieriger, zwischen echten und gefälschten Nachrichten zu unterscheiden. Dies führt zu einer erhöhten Gefahr von Desinformation und Manipulation. Schüler:innen müssen daher lernen, Medieninhalte kritisch zu hinterfragen und die Vertrauenswürdigkeit von Quellen zu beurteilen. Lehrkräfte stehen vor der Herausforderung, selbst mit den neuesten Technologien Schritt zu halten, um kompetent unterrichten zu können. Sie müssen nicht nur technische Fähigkeiten erwerben, sondern auch ethische Fragen diskutieren und die Auswirkungen von Technologie auf Gesellschaft und Individuum thematisieren.
In einer digitalisierten Welt sind Digitalkompetenzen unerlässlich. Die vor kurzem veröffentlichte ICILS-Studie hat gezeigt, dass deutsche Schüler:innen an digitaler Kompetenz verloren haben. Denn dise umfassen längst nicht mehr nur die Fähigkeit, technische Geräte zu bedienen, sondern auch ein tiefgreifendes Verständnis für digitale Prozesse, Datenschutz und Cybersicherheit. Es ist notwendig, Lehrpläne zu überarbeiten und digitale Bildung fest zu verankern. Zudem müssen Fortbildungsangebote für Lehrkräfte ausgebaut werden, damit diese die notwendigen Kompetenzen erwerben und an ihre Schüler:innen weitergeben können.
Wenn wir jetzt nicht handeln, riskieren wir, im internationalen Vergleich noch weiter zurückzufallen. Länder wie Estland oder Finnland haben gezeigt, wie erfolgreiche digitale Bildung aussehen kann. Sie investieren kontinuierlich in ihre Bildungssysteme und setzen auf innovative Konzepte. Innovation erfordert Mut, traditionelle Strukturen zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Es bedeutet auch, Risiken einzugehen und bereit zu sein, aus Fehlern zu lernen. Dieser Mut ist notwendig, um das Bildungssystem nachhaltig zu verbessern.
Bildung ist der Schlüssel, um die nächste Generation auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. In einer Welt, die von Unsicherheit und raschem Wandel geprägt ist, müssen wir unseren Kindern die Werkzeuge und Fähigkeiten geben, um erfolgreich zu sein und die Zukunft aktiv mitzugestalten.
Es ist wichtig, langfristige Strategien zu entwickeln, die über kurzfristige Förderprogramme hinausgehen. Dies beinhaltet klare Ziele, Meilensteine und regelmäßige Evaluierungen der Fortschritte. Die technische Ausstattung der Schulen muss auf einem hohen Standard gehalten werden. Dazu gehört nicht nur die Anschaffung von Geräten, sondern auch deren Wartung und Aktualisierung. Lehrkräfte sind der Schlüssel zum Erfolg jeder Bildungsinitiative. Sie benötigen kontinuierliche Unterstützung und Weiterbildungsmöglichkeiten, um den Anforderungen gerecht zu werden. Schüler:innen sollten nicht nur passive Empfänger:innen sein, sondern aktiv in den Digitalisierungsprozess einbezogen werden. Ihre Perspektiven und Ideen können wertvolle Impulse liefern.
Die Digitalisierung der Bildung ist nicht allein Aufgabe der Schulen und Lehrkräfte. Eltern, Politik, Wirtschaft und die Gesellschaft als Ganzes tragen Verantwortung und sollten gemeinsam an Lösungen arbeiten. Bildung muss Priorität in politischen Entscheidungen haben. Dies bedeutet, ausreichende finanzielle Mittel bereitzustellen und Bildungspolitik in den Mittelpunkt zu rücken.
Die Herausforderungen sind groß, aber die Chancen sind es ebenso. Jetzt ist der Moment, um mutige Schritte zu gehen und die Digitalisierung in der Schule voranzutreiben. Wir müssen die Lehren aus der Pandemie ziehen, die aktuellen Herausforderungen als Ansporn sehen und entschlossen handeln. Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Kinder in einer ungewissen Zukunft nicht nur bestehen, sondern sie aktiv und kompetent mitgestalten können.
Die Digitalisierung hat die Bildungslandschaft in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Während technologische Innovationen in vielen Bereichen bereits fest verankert sind, steht das Bildungssystem oft noch am Anfang dieser Entwicklung. EdTech-Start-ups bringen frischen Wind und innovative Lösungen, doch der Weg in die Schulen ist steinig. Hier kommen EdTech-Acceleratoren ins Spiel: Sie fungieren als Katalysatoren für Innovation und Brückenbauer zwischen Start-ups, Schulen und weiteren Akteuren. Doch wie profitieren die verschiedenen Stakeholder von dieser Entwicklung, und welche Fragen und Herausforderungen ergeben sich?
EdTech-Acceleratoren sind spezielle Förderprogramme oder Einrichtungen, die sich darauf konzentrieren, Start-ups im Bildungsbereich zu unterstützen. Sie bieten jungen Unternehmen Ressourcen wie Finanzierung, Mentoring, Netzwerke und Schulungen an, um deren innovative Ideen schneller zu entwickeln und erfolgreich auf den Markt zu bringen. Durch diese gezielte Förderung helfen EdTech-Acceleratoren dabei, die Kluft zwischen technologischer Innovation und schulischer Praxis zu überbrücken. Sie fungieren als wichtige Schnittstelle zwischen Start-ups, Schulen und anderen Akteuren im Bildungswesen und tragen so maßgeblich zur Modernisierung des Bildungssystems bei.
Lehrkräfte stehen täglich vor der Herausforderung, ihren Unterricht zeitgemäß und motivierend zu gestalten. Digitale Tools können hierbei unterstützen, doch die Auswahl ist riesig und unübersichtlich. Viele Lehrkräfte fühlen sich von der Vielfalt an Angeboten überfordert und fragen sich, wie EdTech-Lösungen ihren Unterricht bereichern können. EdTech-Acceleratoren können hier Abhilfe schaffen, indem sie geprüfte und praxisnahe Lösungen bereitstellen. Sie fungieren als Qualitätsfilter und bieten Schulen Zugang zu innovativen Technologien, die bereits in anderen Bildungseinrichtungen erfolgreich eingesetzt wurden und werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Benutzerfreundlichkeit der angebotenen Lösungen. Lehrkräfte fragen sich oft, ob die Anwendungen praxisnah sind und sich leicht in den bestehenden Unterricht integrieren lassen. Start-ups, die von EdTech-Acceleratoren unterstützt werden, erhalten häufig Feedback von Lehrkräften und können so ihre Produkte optimal an die Bedürfnisse der Schulen anpassen. Neue Technologien erfordern zudem Einarbeitung. Deshalb ist es für Lehrkräfte entscheidend zu wissen, welche Unterstützung die EdTech-Start-ups bieten. Viele Acceleratoren legen Wert darauf, dass die Start-ups Schulungen und Support anbieten, um den Einstieg zu erleichtern. Dies fördert die Akzeptanz und den erfolgreichen Einsatz im Unterricht.
Schulleitungen müssen abwägen, welche Technologien sinnvoll sind und wie sie in die Schulentwicklung passen. Sie stellen sich die Frage, wie die EdTech-Lösungen zu ihrer Schulstrategie passen. EdTech-Acceleratoren arbeiten eng mit Bildungsexperten zusammen und können so sicherstellen, dass die geförderten Produkte pädagogisch wertvoll sind und zu den Bildungszielen der Schule passen. Investitionen in Technologie sollten langfristig gedacht sein. Daher fragen sich Schulleitungen, wie nachhaltig die Lösungen sind und wie zuverlässig die Start-ups dahinter sind. Durch die Unterstützung von Acceleratoren sind die Start-ups finanziell stabiler und besser vernetzt, was das Risiko für Schulen minimiert. Oft arbeiten EdTech-Acceleratoren mit öffentlichen Institutionen zusammen, wodurch Schulen Zugang zu finanziellen Unterstützungen oder Pilotprojekten erhalten können.
Am meisten profitieren von den digitalen Innovationen die Schüler:innen. Ihre Perspektive ist entscheidend für den Erfolg von EdTech-Lösungen. Viele fragen sich, ob das Lernen mit diesen Technologien mehr Spaß macht. Interaktive und spielerische Ansätze können die Motivation steigern und das Lernen erleichtern. EdTech-Start-ups entwickeln häufig Lösungen, die auf Gamification setzen oder multimediale Inhalte bieten. Auch die individuelle Förderung ist ein wichtiger Aspekt. Schüler:innen möchten wissen, ob die Technologie ihnen hilft, besser zu verstehen und in ihrem eigenen Tempo zu lernen. Personalisierte Lernpfade und adaptives Lernen ermöglichen es, auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen und fördern so den Lernerfolg. Eine einfache Bedienbarkeit ist dabei entscheidend, damit sie sich auf die Inhalte konzentrieren können und nicht von der Technik abgelenkt werden.
Start-ups sind die treibende Kraft hinter neuen Technologien, doch der Bildungsmarkt stellt besondere Herausforderungen dar. Viele junge Unternehmen fragen sich, wie sie ihre Lösungen in Schulen implementieren können. Der Bildungsmarkt ist oft schwer zugänglich, und hier setzen EdTech-Acceleratoren an:Indem sie Netzwerke aufbauen und die spezifischen Anforderungen des Bildungssektors vermitteln. Neben finanzieller Förderung bieten Acceleratoren Mentoring, Zugang zu Testschulen und Hilfe bei der Produktentwicklung. Dies erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich. Durch die Netzwerke der Acceleratoren können Start-ups leichter Kontakte knüpfen und Pilotprojekte anstoßen.
EdTech ist ein wachsender Markt mit großem Potenzial für Rendite und gesellschaftlichen Impact. Investoren sehen Bildungstechnologie als langfristige Wachstumschance. EdTech-Acceleratoren können dabei helfen, Start-ups zu identifizieren, die sowohl finanziell erfolgreich als auch sozial wirksam sind. Mit der fortschreitenden Digitalisierung steigt der Bedarf an innovativen Lösungen. Investoren können durch Acceleratoren Zugang zu vielversprechenden Unternehmen erhalten. Der Bildungssektor ist jedoch stark reguliert, und Acceleratoren helfen Start-ups, die rechtlichen Rahmenbedingungen einzuhalten, was das Risiko für Investoren reduziert.
Die Politik hat eine Schlüsselrolle bei der Förderung von Bildungstechnologie. Sie stellt sich die Frage, wie Innovation im Bildungssektor effektiv gefördert werden kann. Durch Förderprogramme, Pilotprojekte und Zusammenarbeit mit EdTech-Acceleratoren können politische Akteure die Einführung neuer Technologien unterstützen. Es ist wichtig, dass alle Schulen unabhängig von ihrer finanziellen Ausstattung Zugang zu innovativen Technologien erhalten, um eine soziale und digitale Spaltung zu verhindern. Förderprogramme können hier helfen. Klare gesetzliche Vorgaben und Zertifizierungen sorgen dafür, dass nur sichere und pädagogisch wertvolle Produkte in den Schulen eingesetzt werden.
Eltern möchten, dass ihre Kinder die bestmögliche Bildung erhalten und sicher mit neuen Technologien umgehen. Sie fragen sich, ob die neuen Technologien das Lernen ihres Kindes verbessern. Wenn Kinder motivierter sind und bessere Lernergebnisse erzielen, profitieren auch die Eltern. Transparenz und Aufklärung sind wichtig, um das Vertrauen der Eltern zu gewinnen. Idealerweise werden die Kosten von Schulen oder durch Förderungen gedeckt, um finanzielle Belastungen für Familien zu vermeiden. Informationen und Schulungen für Eltern können helfen, den Umgang mit neuen Lernmethoden zu verstehen und aktiv zu begleiten.
EdTech-Acceleratoren spielen eine zentrale Rolle, indem sie die verschiedenen Akteure zusammenbringen und Innovationen fördern. Sie fungieren als Brückenbauer zwischen Start-ups und Schulen. Durch ihre Netzwerke ermöglichen Acceleratoren den Austausch zwischen Entwicklern und Bildungseinrichtungen, sodass Lösungen entstehen, die tatsächlich den Bedürfnissen im Schulalltag entsprechen. Sie helfen dabei, hohe Qualitätsstandards zu setzen und einzuhalten, was das Vertrauen in neue Technologien erhöht. Durch die Unterstützung erfolgreicher Modelle und deren Skalierung tragen Acceleratoren zur Verbreitung von Best Practices im Bildungsbereich bei.
Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für das Bildungssystem, doch sie kann nur durch das Zusammenspiel aller Beteiligten erfolgreich umgesetzt werden. Kooperation statt Isolation ist hier das Motto. Lehrkräfte, Schulen, Start-ups, Investoren, Politik und Eltern müssen zusammenarbeiten, um die besten Ergebnisse für die Schüler:innen zu erzielen. Es bedarf der Bereitschaft, neue Wege zu gehen und traditionelle Strukturen zu hinterfragen. Nur so können wir das volle Potenzial der Technologie ausschöpfen. Bei aller Technik darf der Mensch nicht aus dem Blick geraten. Die Technologie soll den Unterricht unterstützen, aber nicht dominieren. Pädagogik und menschliche Interaktion bleiben zentral.
EdTech-Acceleratoren sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer modernen und zukunftsfähigen Bildung. Sie ermöglichen es, Innovationen schneller und effektiver in die Schulen zu bringen und so die Bildung von morgen schon heute zu gestalten. Die Bildungslandschaft ist im Wandel, und dieser Prozess wird sich fortsetzen. Es gilt, flexibel zu bleiben und sich ständig weiterzuentwickeln. Technologische Lösungen müssen nachhaltig und langfristig angelegt sein, sowohl finanziell als auch pädagogisch. Bildung ist international, und durch den Austausch mit anderen Ländern und Kulturen können wir voneinander lernen und gemeinsam die besten Lösungen finden.
Immer wieder gibt es Begriffe, die mit der Welle des Zeitgeistes wie selbstverständlich in unseren Sprachgebrauch einfließen und plötzlich unumgänglich sind. Dieser Tage sind dies insbesondere technologische Begriffe, und einer ganz besonders: KI – die künstliche Intelligenz. Oft mit Schrecken assoziiert, sei die KI doch imstande, Arbeitsplätze abzubauen oder, wer es ganz dystopisch mag, den Menschen überflüssig zu machen. Doch an den Tech-Hotspots dieser Welt, so auch im Silicon Valley, versteht man künstliche Intelligenz als helfende Hand, die eine erhöhte Effizienz und Automatisierung sowie die Entstehung personalisierter (Lern-)Erlebnisse provozieren und unser Leben verbessern soll.
Ein konkreter Ansatz dabei: KI im Bildungswesen – doch wie kann das funktionieren, und wie kann künstliche Intelligenz einen Einklang mit anderen, bereits etablierten Technologien anstimmen, um in der Symbiose wirklich einen Mehrwert zu schaffen? In diesem Artikel widme ich mich genau dieser Frage und lege den Fokus dabei auf ein mögliches Tandem aus KI und Virtual Reality. Können diese beiden Technologien zusammen wirklich dazu beitragen, das Lernen im Klassenzimmer effektiver und persönlicher zu gestalten? Für euch (Lehrkräfte) stellt sich hier die spannende Frage, wie sich Inhalte so vielleicht noch anschaulicher und individueller vermitteln lassen.
Bevor wir mögliche Synergien zwischen VR und KI aufdecken, lohnt sich eine kurze Begriffserklärung. So liegt die große Stärke von Virtual Reality insbesondere in der Visualisierung und Simulation von beliebigen Inhalten – das können Ereignisse, Orte oder Prozesse sein. Im Klartext bedeutet das, dass mittels virtueller Lernwelten historische Ereignisse aus der Ich-Perspektive nachempfunden werden können, was nicht nur die Empathie und das Verständnis für selbige schärft, sondern auch einen nachweislich besseren Lerneffekt mit sich bringt. Auch kann der Lernende als Blutteilchen durch den menschlichen Körper fliegen oder mathematische Graphen mit seinen eigenen Händen verschieben, um den Einfluss seiner Handlung auf die dazugehörige Funktion zu beobachten. Das nimmt komplexen Themenfeldern aus dem MINT-Bereich ihren hohen Abstraktionsgrad und damit ihren Schrecken.
Letztlich ist die VR durch ihre universelle Einsetzbarkeit und ihre Fähigkeit, Sprachbarrieren und geografische Distanzen in Luft aufzulösen, ein hochgradig inklusives und faires Lernmedium. Lernende können unabhängig von ihrem Standort an denselben virtuellen Lernumgebungen teilnehmen und dadurch Bildungserfahrungen teilen. Diese Zugänglichkeit macht VR zu einer wertvollen Ergänzung im modernen Unterricht.
Derweil kann KI, also künstliche Intelligenz (englisch: AI oder Artificial Intelligence) dabei helfen, Lernprozesse besser zu verstehen und zu optimieren. Durch die Analyse von Daten, die während des Lernens erfasst werden, kann KI individuelle Stärken und Schwächen identifizieren und darauf reagieren. Sie kann Lernpfade dynamisch anpassen und gezielt Inhalte anbieten, die auf das Lernverhalten der einzelnen Person abgestimmt sind.
Ein anschauliches Beispiel dafür sind adaptive Lernplattformen wie ALEE und SchulKI, die auf Grundlage von KI arbeiten. Diese Systeme passen den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben, das Tempo und die Art der Präsentation an den Lernfortschritt an und ermöglichen einen Höchstgrad an Individualisierung des Feedbacks für die Lernenden. Wenn jemand etwa bei einem Thema Schwierigkeiten hat, kann die KI zusätzliche Erklärungen, Übungen oder alternative Darstellungsformen vorschlagen. Durch diese Personalisierung wird das Lernen effizienter und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt. Doch nicht nur auf Seiten der Lernenden setzt künstliche Intelligenz erhebliche Potenziale frei – so gibt es unter anderem mit der o.g. Plattform SchulKI auch KI-Plattformen von Lehrenden für Lehrende, etwa um das Anfertigen und Aufbereiten von Lehrmaterial an den jeweiligen Lernstand oder individuelle Stärken und Schwächen anzupassen.
Doch was bedeutet das für das Zusammenspiel zwischen virtuellen Lernwelten und künstlicher Intelligenz? Kann das funktionieren, und sind neben technologischen Voraussetzungen auch die Bereitschaft, neue Technologien einzusetzen, gegeben? Diese Fragen sind entscheidend, wenn es darum geht, die potenziellen Vorteile von VR und KI voll auszuschöpfen und zu erkennen, wo diese sinnvoll zum Einsatz kommen.
Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es eine klare Arbeitsteilung zwischen den beiden Technologien gibt – sie müssen gezielt und gemäß dem Mehrwert, den sie stiften können, eingesetzt werden. Dabei liegt die große Stärke von VR in der Immersion – hier werden virtuelle Räume und Erlebnisse bereitgestellt, um Inhalte auf eine Art zu visualisieren, wie ein Buch, Whiteboard oder zweidimensionales Bewegtbild es nicht könnte.
Die KI bietet derweil große Vorteile in der Analyse: Interpretation von Daten und Antizipation von Lernerfolgen ermöglichen ein individuelles Zuschneiden von Lernabläufen auf den Lernenden. Das Ergebnis sind personalisierte Lernumgebungen, die sich dynamisch an die Anforderungen und Lernstile der einzelnen Nutzenden anpassen. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass KI die menschliche Komponente nicht ersetzt - sie benötigt harte Daten und bereitet diese souverän auf; die zwischenmenschliche Bindung von Lehrkraft und Lernenden bleibt essentiell für eine finale Einschätzung und etwaige Inbetriebnahme KI-unterstützter Materialien.
Doch wie sieht so etwas in der Lebenswirklichkeit aus? Ein denkbares Beispiel ist eine virtuelle Unterrichtsstunde in einem virtuellen Labor, in dem die Lernenden mit Experimenten beauftragt werden. Die KI könnte in Echtzeit analysieren, wie gut die Schüler:innen mit den Aufgaben zurechtkommen, und sofort auf Fehler oder Rückfragen reagieren – etwa durch das Einblenden visueller Hinweise, das Anbieten zusätzlicher Informationen oder der Anpassung des Schwierigkeitsgrades.
Auch bei der Begleitung durch KI-gesteuerte virtuelle Lehrkräfte oder Avatare zeigt sich das Potenzial des VR-KI-Tandems. So könnten diese Avatare in VR interaktiv auf Fragen antworten und ihre Erklärungen individuell an den Wissensstand anpassen. Somit entsteht eine Lernumgebung, die nicht nur realistisch wirkt, sondern gleichzeitig intelligent, flexibel und vor allem individuell auf die Lernenden reagiert.
Doch ist die Kombination aus VR und KI nun das Allheilmittel für die deutsche Bildungslandschaft? Ganz so trivial ist es dann doch nicht. Wenngleich mit der Möglichkeit, Lernende individuell zu betreuen, ohne dadurch mehr Personalaufwand zu erzeugen, sicherlich ein spannender Punkt aufgemacht wird, und durch das spielerische Lernen in virtuellen Welten ein nachweislich besseres Erinnerungsvermögen entsteht, sind beide Technologien stark in ihrem Einsatzgebiet limitiert, und sollten auch nur dort eingesetzt werden, wo sie realen Mehrwert bieten.
So gibt es durchaus Themenfelder und Szenarien, in denen eine Podiumsdiskussion, ein Zirkeltraining oder auch eine gelesene Buchseite das bessere Lehrmittel sind. Daher ist es wichtig zu betonen, dass neue Technologien, zu denen VR und KI zählen, als Ergänzung fungieren, nicht aber als Revolution der Art, wie wir Lehren und Lernen. Sie haben ihren Platz, können und wollen aber traditionelle Methoden nicht vollständig ersetzen.
Darüber hinaus ergeben sich andere Fragezeichen beim Einsatz von KI und VR im Schulunterricht – vordergründig ist eine Anschaffung mit hohen Kosten, sowohl für virtuelle Lernlösungen als auch auf KI-Seite, wo insbesondere der immense Datenfluss eine gewisse Infrastruktur erfordert. Schließlich ergeben sich auch datenschutzrechtliche Fragestellungen: Wie ist umzugehen mit Analyseergebnissen der Lernenden – kann und muss eine Anonymisierung erfolgen, ohne den Nutzen der KI zu verringern?
Umfassende Antworten auf diese Fragen hat zu diesem Zeitpunkt wohl noch niemand – die Herausforderungen sind komplex und erfordern noch intensive Forschung und praktische Erprobung. Dennoch gibt es aus der Politik klare Signale und Bekenntnisse zum Einsatz neuer Technologien im Schulkontext. So schafft das Ministerium für Schule und Bildung in NRW etwa 3.000 VR-Einheiten für Medienzentren und Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung an. Lehrer News berichtete hierzu bereits im August. Diese Maßnahme zeigt, dass die Politik den Mehrwert von VR im Bildungswesen erkannt hat und bereit ist, Ressourcen bereitzustellen, um Lehrkräfte auf die Arbeit mit diesen neuen Medien vorzubereiten.
Trotz der Herausforderungen bieten VR und KI gemeinsam spannende Möglichkeiten, wie Lernen in Zukunft aussehen könnte. Diese Technologien werden zunehmend in Bildungsinstitutionen und Unternehmen Anwendung finden, um nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch praxisnahe Fähigkeiten zu trainieren. Es ist zu erwarten, dass sich diese Technologien weiterentwickeln und auch in anderen Bereichen als dem klassischen Schul- oder Hochschulwesen genutzt werden – etwa in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Unternehmen könnten ihren Mitarbeitenden maßgeschneiderte Trainings anbieten, die spezifisch auf die Anforderungen im Job ausgerichtet sind. In Berufen, die praktische Fähigkeiten erfordern, etwa in der Medizin oder im Handwerk, können durch VR realitätsnahe Übungssituationen geschaffen werden, die durch KI begleitet und gesteuert werden.
Zusammengefasst zeigt sich, dass die Kombination aus VR und KI im Bildungsbereich weit mehr ermöglicht als bisherige Lehrmethoden. Sie bietet Lernenden die Möglichkeit, aktiv in personalisierte Lernumgebungen einzutauchen, in denen sie ihre Stärken gezielt ausbauen und an ihren Schwächen arbeiten können. Diese Technologien haben das Potenzial, Bildung auf ein neues Niveau zu heben – weg von starren Lehrplänen hin zu einem dynamischen, flexiblen Lernen, das jedem Lernenden gerecht wird.
Die Digitalisierung hat längst alle Lebensbereiche erfasst, doch im Bildungswesen scheint sie oft noch in den Startlöchern zu stehen. Während technologische Innovationen das Potenzial haben, den Unterricht zu bereichern und individuellere Lernwege zu ermöglichen, stehen Lehrkräfte, Politik und Start-ups vor vielfältigen Herausforderungen. In dieser Kolumne beleuchten wir die unterschiedlichen Perspektiven und zeigen auf, wie Förderungen und Zertifizierungen wie das Gütesiegel Lern-Apps den Weg für EdTech-Lösungen ebnen können.
Die Rolle der Lehrkraft hat sich im digitalen Zeitalter gewandelt. Sie sind nicht mehr nur Wissensvermittler, sondern auch Lernbegleiter in einer zunehmend vernetzten Welt. Doch warum tun sich viele schwer damit, innovative Lösungen in den Unterricht zu integrieren? Die schiere Menge an verfügbaren digitalen Tools und Apps kann überwältigend sein. Lehrkräfte stehen vor der Aufgabe, aus einer Fülle von Angeboten diejenigen auszuwählen, die pädagogisch wertvoll sind und den Unterricht sinnvoll ergänzen. Ohne klare Orientierungshilfen ist dies eine Mammutaufgabe.
Oft fehlt es an gezielten Fortbildungen, die Lehrkräften den Umgang mit neuen Technologien näherbringen. Die Integration digitaler Medien erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch didaktische Konzepte, die den Einsatz sinnvoll gestalten. Zudem ist die Infrastruktur an vielen Schulen unzureichend: Veraltete Hardware, langsame Internetverbindungen oder fehlende technische Unterstützung erschweren den effektiven Einsatz digitaler Tools. Die Einarbeitung in neue Anwendungen ist darüber hinaus sehr zeitaufwendig und erhöht die bereits hohe Arbeitsbelastung der Lehrkräfte.
Der Datenschutz ist ein zentrales Thema im Bildungsbereich. Lehrkräfte müssen sicherstellen, dass eingesetzte Tools DSGVO-konform sind und die Privatsphäre der Schüler:innen schützen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind jedoch komplex und können abschreckend wirken. Ohne klare Richtlinien und ausreichende Unterstützung fühlen sich viele Lehrkräfte unsicher im Umgang mit digitalen Medien, was den Einsatz innovativer Lösungen weiter hemmt.
Die Politik spielt eine entscheidende Rolle dabei, den Einsatz von EdTech-Lösungen zu fördern und Schulen auf dem Weg in die Digitalisierung zu unterstützen. Ohne eine solide digitale Infrastruktur bleiben viele Potenziale ungenutzt. Es bedarf flächendeckender Investitionen in schnelles Internet, moderne Hardware und technische Unterstützung an Schulen. Durch die Entwicklung von Richtlinien und Standards kann die Politik Orientierung bieten. Zertifizierungen wie beispielsweise das Gütesiegel Lern-Apps setzen Qualitätsmaßstäbe und erleichtern Lehrkräften die Auswahl geeigneter Tools. Gezielte Förderprogramme können Schulen und Lehrkräften den Zugang zu innovativen Lösungen erleichtern. Finanzielle Mittel für Anschaffungen und Fortbildungen sind essenziell, um die digitale Transformation voranzutreiben.
Für Start-ups im Bildungsbereich ist der Markteintritt oft mit Hürden verbunden. Obwohl ihre Lösungen innovativ und zukunftsweisend sind, stoßen sie auf bürokratische Hindernisse. Der Einkauf von neuen Technologien durch Schulen ist häufig kompliziert und langwierig. Start-ups wünschen sich einfachere und transparentere Prozesse, um ihre Produkte anbieten zu können. Offizielle Anerkennungen wie das Gütesiegel Lern-Apps können Vertrauen bei Lehrkräften, Schüler:innen und Eltern schaffen. Sie signalisieren Qualität und erleichtern den Zugang zum Bildungsmarkt. Partnerschaften zwischen Start-ups und Schulen können beiden Seiten Vorteile bringen. Während Schulen von innovativen Lösungen profitieren, erhalten Start-ups wertvolles Feedback für die Weiterentwicklung ihrer Produkte.
Das vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) vergebene Gütesiegel Lern-Apps ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Zertifizierungen EdTech-Lösungen voranbringen können. Das Gütesiegel dient als Qualitätsnachweis für digitale Lernanwendungen. Es hilft Lehrkräften, Schüler:innen und Eltern dabei, aus der Vielzahl an Apps diejenigen auszuwählen, die pädagogisch wertvoll und sicher sind. Start-ups und App-Entwickler durchlaufen einen standardisierten Evaluierungsprozess. Dabei werden Kriterien wie pädagogisch-didaktisches Konzept, Funktionalität, Schüler:innenorientierung und Datenschutz geprüft. Durch die offizielle Anerkennung erhalten zertifizierte Apps Sichtbarkeit und Vertrauen. Dies motiviert Entwickler, qualitativ hochwertige Produkte zu schaffen und kontinuierlich zu verbessern.
Die Kombination aus finanzieller Unterstützung und klaren Qualitätsstandards kann den Einsatz von EdTech-Lösungen nachhaltig fördern. Mit Fördermitteln können Schulen notwendige Anschaffungen tätigen und Lehrkräfte weiterbilden, während Zertifizierungen ihnen die Auswahl geeigneter Tools erleichtern. Dies reduziert die Hemmschwelle, digitale Medien im Unterricht einzusetzen. Finanzielle Förderungen und vereinfachte Beschaffungsprozesse ermöglichen es Start-ups, ihre Lösungen erfolgreich im Bildungsmarkt zu platzieren. Zertifizierungen wie das Gütesiegel Lern-Apps erhöhen die Glaubwürdigkeit und öffnen Türen. Durch gezielte Maßnahmen kann die Politik den Rahmen setzen, in dem Innovationen gedeihen. Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Zukunft und stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.
Die Digitalisierung des Bildungswesens ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Lehrkräfte benötigen Unterstützung und Orientierung, die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, und Start-ups brauchen Zugang und Vertrauen. Es ist an der Zeit, die Weichen für eine moderne Bildung zu stellen. Durch Förderungen und Zertifizierungen können wir sicherstellen, dass technologische Innovationen nicht nur verfügbar, sondern auch effektiv und sicher eingesetzt werden. Das Gütesiegel Lern-Apps zeigt, wie es gelingen kann, Qualität sichtbar zu machen und Innovationen voranzutreiben. Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, können wir die Potenziale der Digitalisierung voll ausschöpfen und die Bildung fit für die Zukunft machen.
Die Integration von EdTech-Lösungen bietet nicht nur technische, sondern auch pädagogische Chancen. Sie ermöglicht neue Lernformen, fördert individualisiertes Lernen und kann die Motivation der Schüler:innen steigern. Digitale Tools können Lerninhalte an das individuelle Niveau und die Bedürfnisse der Schüler:innen anpassen. Dies fördert das selbstgesteuerte Lernen und kann Lernerfolge beschleunigen. Der Umgang mit digitalen Medien ist eine Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts. Durch den Einsatz im Unterricht können Schüler:innen diese Fähigkeiten praktisch erlernen und anwenden. Technologie ermöglicht es, über geografische Grenzen hinweg zu lernen und zu arbeiten. Kollaborative Tools fördern Teamarbeit und bereiten auf die Arbeitswelt von morgen vor.
Die Zukunft der Bildung liegt in unseren Händen. Durch Zusammenarbeit und gezielte Maßnahmen können wir eine Bildungslandschaft schaffen, die den Anforderungen der digitalen Ära gerecht wird. Förderungen und Zertifizierungen sind dabei wichtige Bausteine auf dem Weg zu einer innovativen und inklusiven Bildung für alle. Aber wer traut sich, dieses Thema politisch anzufassen?
Fast jede Person hat eine Meinung zur Schule, denn die meisten von uns haben Jahre im Klassenzimmer verbracht und persönliche Erfahrungen gesammelt. Doch obwohl diese Erlebnisse uns prägen und einen Eindruck von Schule vermitteln, macht dies niemanden automatisch zum Experten für den heutigen Bildungsbereich. Schulen haben sich in den letzten Jahrzehnten enorm verändert, und die Anforderungen an Lehrkräfte sind vielfältiger und anspruchsvoller geworden.
Die tatsächlichen Expert:innen im heutigen Bildungssystem sind die Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte, die jeden Tag nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch immer mehr Verantwortung in der Erziehung und Integration übernehmen. In Zeiten, in denen globale Krisen wie Kriege und Fluchtbewegungen zunehmen und immer mehr Schüler:innen mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen in deutschen Klassen sitzen, ist es umso wichtiger, dass die Klasse als Gemeinschaft funktioniert. Diese Aufgabe übernehmen neben den Lehrkräften auch Sozialarbeiter:innen und pädagogisches Personal, die die Schüler:innen dabei unterstützen, sich im Schulalltag zurechtzufinden und als Gruppe zusammenzuwachsen.
In einer zunehmend globalisierten und von Krisen geprägten Welt haben Lehrkräfte eine Schlüsselrolle. Sie müssen sich nicht nur um die Vermittlung von Lehrstoff kümmern, sondern auch als Bindeglied zwischen Kulturen und als soziale Stütze fungieren. Klassenräume sind heute oft multikulturell und divers, was einerseits eine Bereicherung darstellt, andererseits aber auch neue Herausforderungen mit sich bringt. Lehrkräfte werden immer stärker in Erziehungs- und Integrationsaufgaben eingebunden und müssen dabei mit begrenzten Ressourcen umgehen.
Die Anforderungen an Lehrkräfte sind daher immens gestiegen, was zur Folge hat, dass der Bedarf an Entlastung und Unterstützung zunimmt. Hier können neue Lösungen von Start-ups einen entscheidenden Beitrag leisten, allerdings nur, wenn diese Lösungen direkt auf die Bedürfnisse der Lehrkräfte eingehen und ihre alltäglichen Herausforderungen berücksichtigen.
Eine der größten Hürden für Innovation im Schulbereich ist der Mangel an Ressourcen – sei es personell, finanziell oder räumlich. Viele Schulen haben schlichtweg nicht die Mittel, um zusätzliche Angebote zu finanzieren oder neue Technologien umfangreich zu integrieren. Daher ist das Stichwort “Entlastung” von zentraler Bedeutung: Technologien und Lösungen, die Lehrkräfte unterstützen, müssen ihre Arbeitslast reduzieren, statt sie zu erhöhen.
Start-ups, die sich auf den Bildungsbereich konzentrieren, müssen daher intensiv mit Lehrkräften zusammenarbeiten, um zu verstehen, wo die tatsächlichen Engpässe liegen und wie sie mit digitalen oder organisatorischen Lösungen abgemildert werden können. Hierbei ist es entscheidend, nicht über, sondern mit dem Bildungssektor zu sprechen, um valide und umsetzbare Lösungen zu entwickeln.
Um diesen Dialog zwischen Schulen und Start-ups zu fördern, sind Formate nötig, die einen offenen Austausch ermöglichen. Ein Beispiel hierfür sind sogenannte Thementage, wie wir sie bei der Founders Foundation mit dem Thementag KI & Digitale Lösungen für die Schule bereits etablieren. Solche Veranstaltungen bringen Lehrkräfte, Start-ups und Bildungsexpert:innen an einen Tisch – oder besser gesagt: mehrere Tische – um gemeinsam über die dringendsten Fragen und Probleme zu sprechen.
Anders als bei klassischen Start-up-Veranstaltungen, bei denen Pitches im Vordergrund stehen, liegt der Fokus hier auf dem Austausch und der Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Dabei werden Diskussionsrunden im World Café-Format genutzt, um in kleinen Gruppen verschiedene Themen zu vertiefen und konkrete Lösungsansätze zu erarbeiten.
Das World Café ist ein moderiertes Diskussionsformat, das darauf abzielt, in lockerer und informeller Atmosphäre tiefe Gespräche zu führen. Die Teilnehmenden verteilen sich an verschiedenen Tischen, an denen jeweils ein Thema besprochen wird. Nach einer bestimmten Zeit rotieren die Gruppen, sodass neue Perspektiven eingebracht und vielfältige Sichtweisen diskutiert werden können. Ziel ist es, dass alle Teilnehmenden ihre Ideen und Erfahrungen teilen und so gemeinsam innovative Lösungsansätze entwickeln.
Bei solchen Thementagen geht es nicht darum, Start-up-Lösungen im klassischen Pitch-Format zu präsentieren. Vielmehr steht die Validierung der Bedürfnisse und Probleme von Lehrkräften im Vordergrund. Es ist essenziell, dass Start-ups und Schulen auf Augenhöhe zusammenarbeiten und gemeinsam herausfinden, welche Technologien tatsächlich einen Mehrwert bieten und Entlastung schaffen. Diese Zusammenarbeit hilft dabei, Lösungen zu entwickeln, die nicht nur technisch funktionieren, sondern auch im Schulalltag einen echten Unterschied machen.
Es wäre illusorisch zu erwarten, dass jede Schule in Deutschland sofort zur “Digitalen Schule” wird und dass die Integration neuer Technologien reibungslos verläuft. Der Prozess der Digitalisierung ist komplex und verlangt Zeit, Ressourcen und eine offene Haltung von allen Beteiligten. Es geht nicht darum, dass sich Schulen sofort wie das Silicon Valley anfühlen, sondern darum, zukunftsorientierte und passende Lösungen zu finden, die sich Schritt für Schritt in den Schulalltag integrieren lassen.
Pilotprojekte wie das EdTech Next Modellprojekt zeigen, wie wichtig es ist, Erfahrungen zu sammeln und schrittweise vorzugehen. Schulen müssen die Möglichkeit haben, Lösungen gezielt auszuprobieren und dabei zu lernen, wie sie am besten eingesetzt werden können. Wenn diese Lösungen gut funktionieren, ist es das Ziel, ihre Nutzung so in den Schulalltag zu integrieren, dass sie zu einem festen Bestandteil der Lehre, des Lernens oder der Verwaltung werden – ein “Habitus”, der nicht mehr wegzudenken ist.
Wir müssen jetzt handeln, um nicht in der Vergangenheit stecken zu bleiben. Die Welt verändert sich rasant, und das deutsche Bildungssystem kann es sich nicht leisten, zu zögern. Weder Bürokratie noch staatliche Maßnahmen werden die Retter sein; der Impuls und die Initiative müssen aus den Schulen selbst kommen. Lehrkräfte, Schulleitungen und pädagogisches Personal sind diejenigen, die den Weg für eine moderne, digitale Bildung ebnen und den Wandel vorantreiben können. Start-ups bieten die Werkzeuge, aber es sind die Schulen, die diese aktiv nutzen und verankern müssen.
Das deutsche Bildungssystem steht vor großen Herausforderungen. Viele Schulen kämpfen mit veralteter technischer Ausstattung, einem Mangel an individuellen Fördermöglichkeiten und der Herausforderung, Schüler:innen für eine zunehmend digitalisierte Arbeitswelt fit zu machen. Gleichzeitig stehen Lehrkräfte unter enormem Druck, innovative Lernmethoden zu integrieren, um die Anforderungen einer modernen Bildung zu erfüllen – oft jedoch bei limitierten Ressourcen, Mangel an Personal und bürokratischen Hürden. Hier setzen EdTech-Start-ups an, die mit ihren innovativen Lösungen Schüler:innen und Lehrkräfte gleichermaßen unterstützen.
EdTech-Start-ups spielen eine zentrale Rolle bei der Modernisierung des Bildungswesens. Sie entwickeln Technologien, die sowohl den Unterricht verbessern als auch neue Lernformen ermöglichen. Beispiele hierfür sind adaptive Lernplattformen, die individuelles und selbstbestimmtes Lernen fördern, oder Software, die den organisatorischen Aufwand für Lehrkräfte minimiert. Laut dem ersten EdTech-Monitor gibt es in Deutschland bereits mehr als 200 EdTech-Start-ups, die sich auf den Bildungsbereich konzentrieren. Die Start-ups bieten Lösungen in den Bereichen digitale Lernplattformen, Software für Schulmanagement und Tools zur Förderung des personalisierten Lernens.
Ein zentrales Element des EdTech Next Pilotprojekts war das gezielte “Matching” von Schulen und Start-ups, das auf die spezifischen Bedürfnisse der Schulen abgestimmt wurde. In einem ersten Schritt haben Schulen ihre größten Herausforderungen und Wünsche hinsichtlich digitaler Bildung und Unterrichtsorganisation definiert. Basierend auf diesen Anforderungen wurden passende Start-ups ausgewählt, deren Lösungen auf diese Herausforderungen abgestimmt waren – sei es im Bereich des selbstbestimmten Lernens, der Unterrichtsorganisation oder der Kommunikation.
Für Schulen bedeutete diese Partnerschaft die Möglichkeit, direkt mit innovativen Start-ups zusammenzuarbeiten und deren Technologien im Schulalltag zu testen. Wichtig war dabei, dass die Lösungen nicht nur theoretisch vielversprechend klangen, sondern auch praktisch im Klassenzimmer funktionieren mussten.
Ein häufiges Problem im Alltag von Lehrer:innen ist der administrative und organisatorische Aufwand, der sie von der eigentlichen pädagogischen Arbeit abhält. Durch die Zusammenarbeit mit Start-ups, wie im EdTech Next Pilotprojekt, konnten Lehrkräfte diesen Aufwand signifikant reduzieren. Tools zur digitalen Verwaltung von Hausaufgaben, Stundenplänen und Lernfortschritten übernahmen viele dieser Aufgaben, sodass sich die Lehrkräfte wieder stärker auf die individuelle Betreuung der Schüler:innen konzentrieren konnten. Die Partnerschaften zielten darauf ab, den Arbeitsaufwand zu senken, anstatt ihn zu erhöhen. Die Einführungen der Technologien wurden begleitet, sodass Lehrer:innen nicht allein gelassen wurden, sondern durch Schulungen und Support unterstützt wurden.
Für die Schulen ist so eine Partnerschaft also eine Chance, neue Technologien stressfrei auszuprobieren und die tatsächlichen Effekte auf den Schulalltag zu bewerten – mit dem Ziel, langfristig entlastet und effizienter arbeiten zu können.
Die Kooperation zwischen Start-ups und Schulen ist ein entscheidender Schritt, um Bildungsinnovationen praxisnah und nachhaltig umzusetzen. Durch diese Partnerschaften können Schulen auf individuelle Bedürfnisse ihrer Schüler:innen besser eingehen und Lehrmethoden flexibler gestalten. Ein Beispiel dafür ist die Einführung adaptiver Lernplattformen, die es ermöglichen, den Unterricht stärker auf das Lernniveau und den Fortschritt einzelner Schüler:innen abzustimmen. So wird der Unterricht personalisierter, und Schüler:innen, die mehr Unterstützung benötigen, erhalten gezielt die Förderung, die sie brauchen.
Ein weiterer Aspekt ist die Entlastung der Lehrkräfte durch digitale Tools, die administrative Aufgaben automatisieren und die Kommunikation zwischen Lehrer:innen, Schüler:innen und Eltern erleichtern. Dies gibt den Lehrkräften mehr Zeit, sich auf die pädagogische Arbeit zu konzentrieren und die Lernfortschritte ihrer Schüler:innen individuell zu begleiten.
Besonders im Hinblick auf Bildungsgerechtigkeit spielt die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Schulen eine wichtige Rolle. Viele Schüler:innen haben noch immer keinen ausreichenden Zugang zu digitalen Ressourcen, was ihre Lernchancen erheblich beeinträchtigt. EdTech-Lösungen können hier Abhilfe schaffen, indem sie Tools bereitstellen, die auch in strukturschwachen Regionen oder unterfinanzierten Schulen eingesetzt werden können.
Durch gezielte Partnerschaften können Technologien flächendeckend implementiert werden, sodass digitale Lernmittel nicht nur einigen wenigen privilegierten Schulen vorbehalten bleiben. Dies kann dazu beitragen, die digitale Kluft zu schließen und den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung für alle Schüler:innen, unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund, zu verbessern. Somit leisten Start-ups einen wichtigen Beitrag zur Förderung eines inklusiven Bildungssystems, das allen Schüler:innen dieselben Chancen bietet.
EdTech-Start-ups bieten konkrete Lösungen für die alltäglichen Herausforderungen, mit denen Lehrkräfte regelmäßig konfrontiert sind. Viele Lehrer:innen fühlen sich durch administrative Aufgaben, mangelnde Zeit für individuelle Förderung und die Anforderungen der digitalen Bildung überfordert. EdTech-Lösungen setzen genau hier an, indem sie die Arbeit für Lehrkräfte effizienter und zielführender gestalten.
Ein Beispiel ist die Plattform Sdui, die den Kommunikationsaufwand zwischen Lehrkräften, Schüler:innen und Eltern deutlich reduziert. Lehrer:innen können Stundenpläne digital teilen, Hausaufgaben übermitteln oder kurzfristige Änderungen direkt per App mitteilen. Das spart wertvolle Zeit und reduziert den Verwaltungsaufwand, sodass mehr Fokus auf den Unterricht selbst gelegt werden kann.
Ein weiteres Beispiel ist die App Scobees, die es Lehrer:innen ermöglicht, individuelle Lernpfade für ihre Schüler:innen zu erstellen. Anstatt starr nach Lehrplan zu unterrichten, können Lehrkräfte den Lernprozess personalisieren und auf die individuellen Stärken und Schwächen ihrer Schüler:innen eingehen. Dies erleichtert auch die Differenzierung im Unterricht, was gerade bei heterogenen Lerngruppen eine zentrale Herausforderung darstellt.
Für Lehrkräfte bedeutet dies: weniger Zeitaufwand für organisatorische Aufgaben, mehr Zeit für pädagogische Arbeit und eine stärkere Unterstützung bei der individuellen Förderung der Schüler:innen. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels und steigender Anforderungen an die Schulen ist es entscheidend, dass technologische Lösungen Lehrkräfte entlasten, ohne den didaktischen Anspruch zu senken.
Die Herausforderungen im Bildungssystem sind vielfältig, aber die Zusammenarbeit von Start-ups und Schulen bietet große Chancen. Pilotprojekte wie das EdTech Next zeigen, dass Technologie einen positiven Einfluss auf die Selbstständigkeit der Schüler:innen haben und gleichzeitig das Lehrpersonal entlasten kann. Um die Bildung in Deutschland zukunftssicher zu gestalten, müssen Schulen, Start-ups und politische Akteure zusammenarbeiten. Es liegt an uns, mutig und offen für neue Kooperationen zu sein und die Zukunft der Bildung gemeinsam zu gestalten.
Virtuelle Lernwelten sind in der Lage, Lernende mit einer gänzlich neuen Perspektive auszustatten: Historische Ereignisse können als Quasi-Zeitzeuge nachempfunden, Blutkörperchen als Vehikel für eine Reise durch den menschlichen Körper genutzt und Sprachen anhand simulierter Alltagssituationen auf spielerische Weise erlernt werden.
Damit erweitert Virtual Reality den Instrumentenkasten der Schulbildung um die Komponente des Erlebens. Doch hat diese neue Art, wie wir Dinge vermittelt bekommen, auch ihren Preis – etwa im Sinne psychologischer und emotionaler Effekte? Ein Blick auf die Studienlage und das Spektrum an Expertenmeinungen verrät eine Tendenz.
Es ist durchaus beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit Virtual Reality Portale in fremde, ferne oder fiktive Welten öffnet. Doch beim Springen zwischen den Welten prasseln nicht nur viele, sondern auch intensive Eindrücke auf unsere Sinne ein. Eindrücke, die unser Gehirn als Erlebnis registriert und entsprechend abspeichert.
Ein Effekt, den insbesondere Jeremy Bailenson im Rahmen seiner Forschungen an der Stanford University akribisch untersucht. So untermauerten bereits seine frühesten Forschungen in dem Themenfeld, dass VR-basierte Lernmodule die intrinsische Motivation der Lernenden signifikant steigern können. Die Proband:innen, die VR im Unterricht nutzten, zeigten ein signifikant höheres Engagement und eine aktivere Teilnahme im Vergleich zu den Nutzer:innen konventioneller, arrivierter Lernmethoden.
Diese immersive Technologie bietet nicht nur eine erhöhte Motivation, sondern auch ein tieferes Verständnis komplexer Konzepte. So belegt eine Studie von David Markowitz, ebenfalls Stanford University (2018), dass nach dem Einsatz von VR im Biologieunterricht ein besseres Verständnis und eine tiefere Wissensverankerung bei den Proband:innen nachgewiesen werden konnte.
Diese Lernmethode eröffnet gänzlich neue Möglichkeiten – entlang des Fächerkanons. So können nicht nur biologische Prozesse hautnah erlebt werden, sondern nahezu alle Fächer, insbesondere im MINT-Bereich. Die Interaktion in virtuellen Welten verankert das Gesehene dabei abrufbar im Gedächtnis.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis der Studien, vorwiegend von Bailenson, ist die Förderung von Empathie und sozialer Intelligenz durch den Einsatz von VR. In Programmen zum Training von Empathie konnten die sozialen Kompetenzen und das Mitgefühl der Teilnehmer erheblich verbessert werden. Hintergrund hierfür ist das Urprinzip der virtuellen Lernwelten – die Simulation von Prozessen, Situationen, Orten. In diesem Falle hilft der Einsatz von VR dabei, eine Immersion in die Perspektive anderer Menschen herbeizuführen, und diese mitsamt ihren Lebensumständen besser nachempfinden zu können.
Wenngleich VR über ein hohes Potenzial verfügt, Bildung inklusiver, integrativer und schlichtweg fairer zu gestalten, indem individuellen Schwächen und Stärken sowie Einschränkungen Raum gegeben wird, wird im Zusammenhang von Virtual Reality in der Bildung immer wieder ein Argument laut: die sogenannte Simulator-Krankheit. Betroffene klagen über Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen.
Diese treten bei einigen Personen aufgrund der Diskrepanz zwischen den visuellen Eindrücken und den körperlichen Empfindungen auf. Rebenitsch und Owen fanden in ihrer Studie aus dem Jahr 2016 heraus, dass etwa 20bis 30 Prozent der Nutzer:innen von VR-Systemen zumindest gelegentlich Symptome der Simulator-Krankheit erleben. Dabei sei es wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, um diese Symptome zu minimieren – etwa regelmäßige Pausen und die Anpassung der VR-Umgebung.
Nun stammt diese Studie aus dem Jahr 2016 – seither hat sich viel getan. Kaum ein Medium entwickelt sich so schnell, wie Virtual-Reality-Headsets. So ist insbesondere das Tracking, also das Erfassen der eigenen Kopf- und Körperbewegungen, in den vergangenen Jahren drastisch optimiert worden. Das Ergebnis: Meine realen Bewegungen werden in Echtzeit in Bewegungen im virtuellen Raum überführt.
Mein Spaziergang durch das alte Rom findet also nicht mehr sitzend statt, sondern wird durch ganz reale Schritte vorangetrieben. Im Falle von Platzmangel kann auch eine Teleport-Funktion gewählt werden. Wozu führt das? Letztlich verschwindet hierdurch die Schere zwischen dem Gesehenen und den Bewegungen meines Körpers. Die Ursache für Schwindel, Kopfschmerz und Übelkeit ist hiermit ausgemerzt, und Virtual Reality weitaus massentauglicher.
Während die oben genannten Auswirkungen derweil sehr gut analysiert werden konnten, ist die Studienlage zu Langzeitfolgen noch sehr überschaubar. Auswirkungen der regelmäßigen Nutzung von VR auf die psychische Gesundheit sind noch nicht umfassend erforscht. Die Vermutung: Eine übermäßige Nutzung, insbesondere vor dem Hintergrund immer realer aussehender VR-Lernwelten, könnte die Realitätseinschätzung beeinträchtigen.
Es ist daher wichtig, die Nutzung von VR im Bildungsbereich ausgewogen zu gestalten und sicherzustellen, dass Schüler:innen auch weiterhin reale soziale Interaktionen und physische Aktivitäten pflegen.
VR sollte daher als ergänzendes Tool und nicht als Ersatz für traditionelle Lehrmethoden verstanden werden. Einzig die Kombination aus traditionellen Unterrichtsmethoden und VR kann den gewünschten Mehrwert bieten und Lernende dabei unterstützen, den maximalen Lernerfolg zu erzielen. Dies untermauert auch die sehr gute Untersuchungslage (vgl. Cheng, Makransky & Lilleholt) zur Aufmerksamkeitsspanne von Lernenden beim Einsatz von VR.
So ist aufgrund minimierter Ablenkungen während der VR-Nutzung nachweislich eine größere Aufmerksamkeitsspanne gegeben – und zwar nicht nur im Moment der Immersion, sondern nachhaltig und themenbezogen. Die Untersuchung von Cheng et al. aus dem Jahr 2017 zeigte, dass VR-Lernmodule die Aufmerksamkeitsspanne der Schüler verlängern und ihre kognitiven Fähigkeiten verbessern können. Die interaktiven und visuellen Aspekte von VR fördern die aktive Beteiligung und das kritische Denken der Schüler. Damit bleibt am Ende ein tendenziell positives Fazit mit Blick auf die Nutzung von VR im Schulunterricht.
So bietet die Nutzung von Virtual Reality im Schulunterricht zahlreiche psychologische und emotionale Vorteile. Sie steigert die Motivation und das Engagement der Schüler, fördert ein tieferes Verständnis und verbessert soziale Fähigkeiten wie Empathie. Trotz einiger Herausforderungen wie der Simulator-Krankheit und potenziellen Langzeiteffekten auf die psychische Gesundheit überwiegen die positiven Effekte deutlich. Eine ausgewogene und durchdachte Integration von VR in den Unterricht kann die Lernumgebung bereichern und den Lernerfolg der Schüler nachhaltig verbessern. Die kontinuierliche Forschung und Anpassung der pädagogischen Praxis wird dabei helfen, das volle Potenzial von VR im Bildungsbereich auszuschöpfen.
Früher Spielzeug – heute Werkzeug: Virtual Reality (VR) hat sich längst als kluge Ergänzung in industriellen Trainings, medizinischen Ausbildungen sowie der akademischen und schulischen Bildung bewiesen. Die Annahme: Immersive Lernerfahrungen bieten einen niederschwelligen Zugang zu komplexen Themenfeldern, visualisieren schwer greifbare Prozesse, ermöglichen gefühlte Reisen durch Raum und Zeit – und nehmen dabei jeden Lernenden mit.
Ist Virtual Reality damit das Allheilmittel einer strukturell maroden Schulbildung – oder lässt sich ein Mehrwertgefälle entlang des Fächerkanons beobachten?
Um sich der Frage zu nähern, ob das Eintauchen in virtuelle Realitäten das Lernen per se verbessert, ist es ratsam, die Technologie zunächst zu verstehen. So verdankt Virtual Reality seine Prominenz zwar in weiten Teilen der Spieleindustrie, ist letztlich aber ein neutrales Vehikel für beliebig geartete Inhalte. Ein Tool zur Visualisierung, ohne thematische Färbung.
Sich selbst per “Ich-Perspektive” beliebig oft in Szenarien befördern – das ist die Quintessenz von VR. Ob dieses Szenario nun eine Brandbekämpfung oder ein Besuch im Anne-Frank-Haus in Amsterdam ist: grundsätzlich egal! Daraus ergeben sich Anwendungsszenarien für den schulischen Kontext, die einzig durch die Fantasie der Entwickler:innen limitiert sind.
Der jüngste PISA-Schock hat den traurigen Trend bestätigt – insbesondere in den MINT-Fächern besteht akuter Handlungsbedarf. So verfehlten zuletzt 23 Prozent der Teilnehmenden die Mindestanforderungen in den naturwissenschaftlichen Fächern, in der Mathematik war es jede:r Dritte. Die Hoffnung: VR kann hier Barrieren abbauen und durch den spielerischen Aspekt neue Zugänge zu oft ungeliebten Inhalten öffnen. Bereits jetzt – ohne nennenswerten Sog aus Politik und Bildungssektor – existieren zahlreiche Bildungsanwendungen mit MINT-Orientierung für Virtual Reality.
Stellt euch vor, ihr könntet in eine mathematische Funktion hineinspringen. Mit VR ist genau das möglich – so könnt ihr den Graphen einer Funktion verschieben und in Echtzeit beobachten, wie sich die dazugehörige Funktion verändert. Diese direkte Interaktion kreiert ein Verständnis für Zusammenhänge und abstrakte Konzepte und befähigt Lernende, Prinzipien auf eine Weise zu erleben, wie es mit Pen and Paper schlichtweg nicht möglich ist.
Auch in der Geometrie spielen virtuelle Lernwelten ihre Stärke aus: So werden die Beschaffenheiten geometrischer Körper aus der Ich-Perspektive und durch die Begehung des Raumes viel besser greifbar. Doch neben der Mathematik sind es insbesondere die Naturwissenschaften, die durch ihren oft hohen Abstraktionsgrad für Frust und ausbleibende Motivation sorgen. Die spielerische Komponente virtueller Lernwelten könnte hier gegensteuern.
Man stelle sich beispielsweise einen Flug als Blutkörperchen durch den menschlichen Körper vor – eine VR-Achterbahn mit nachhallendem Lerneffekt. Auch können Experimente der Physik und Chemie in sicherem Rahmen und ohne Einsatz von Schadstoffen und realer Gefahr beliebig oft reproduziert und anschließend auf Teilchenebene beobachtet und verstanden werden – das ist nicht nur effizient und sicher, sondern auch inklusiv.
Der zentrale Aspekt der VR ist also das Simulieren von Prozessen, Situationen, Orten – und zwar möglichst immersiv aus der Ich-Perspektive. Dadurch eignet sich die Technologie hervorragend, um der Nacherzählung historischer Ereignisse die Intensität zu verleihen, die es braucht, um im Gedächtnis verankert zu werden.
Lernende können in unzähligen Büchern das gebündelte Wissen der Menschheit über das alte Rom finden und aufsaugen. Sie können mit VR aber auch durch eben jenes Rom spazieren, mit Kaisern und Gladiatoren sprechen und sich einen Eindruck der Epoche verschaffen. Genauso verhält es sich mit dem Alten Ägypten – wie wäre es beispielsweise mit einer Erkundung alter Pyramiden? Die Aufzählung könnte ewig weitergehen – im Grunde kann jede Epoche und jedes historische Ereignis mittels VR als Quasi-Zeitzeuge nachempfunden werden.
Dabei stiftet ein zentraler Aspekt virtuellen Lernwelten immensen Mehrwert, insbesondere für den Geschichtsunterricht: die Täuschung unseres Gehirns. So registriert unser Gehirn das in virtuellen Welten Erlebte als reales Erlebnis – und speichert es dementsprechend ab. Das Ergebnis: Lehrinhalte werden nachhaltig gespeichert und bleiben besser abrufbar – eine Studie der University of Maryland spricht von knapp 10 Prozent gesteigertem Erinnerungsvermögen.
Dabei adressiert Virtual Reality nebst Anforderungen aus dem Bildungssektor auch die Themen der Zeit. insbesondere beim Grad der Inklusion sowie bei der Integration Geflüchteter stößt unser Bildungssystem oft an seine Grenzen und bietet wenig Raum für individuelle Stärken und – noch schlimmer – Schwächen. Durch virtuelle Räume kann ein Klassenzimmer zu 30 individuellen Räumen werden – und ungeachtet etwaiger Sprachbarrieren oder körperlicher Einschränkungen jeden Lernenden mitnehmen.
Aber auch beim Erlernen von Fremdsprachen ist die Immersion eine der effektivsten Methoden. So kann auch hier spielerisch in Alltagssituationen eingetaucht und mittels Punktesystem, das die korrekte Dialogführung belohnt, der Ehrgeiz beim Lernen getriggert werden. Dabei werden Grammatik, Vokabular und Aussprache nach dem Learning-by-Doing-Ansatz gestärkt.
Der Einsatz von VR bietet eine Fülle an Möglichkeiten und Chancen, auch für die schulische Bildungslandschaft. Insbesondere im MINT-Bereich werden Barrieren abgebaut und individuelle Schwächen nichtig gemacht – den herkömmlichen Unterricht ablösen kann die Technologie jedoch nicht. Vielmehr sollte sie als kluge Ergänzung verstanden werden, um sich die spielerische Natur des VR-Lernens zunutze zu machen und Bildung möglichst inklusiv und fair zu gestalten. Pilotprojekte können dabei helfen. Lokale Medienzentren können bei der Umsetzung dieser unterstützen, und u.a. VR-Ausstattung bereitstellen.
Zuhause hinter dem Laptop sitzen, weil die nächste Prüfung ansteht – Diese Situation kennen fast alle, die zur Schule oder Uni gehen. Natürlich, Lernen an sich ist erst einmal etwas sehr Bereicherndes, kann aber auch schnell einsam sein. Vielleicht ist es gar nicht direkt greifbar, sondern vielmehr ein Gefühl, das sich nach und nach anschleicht, ganz unscheinbar – und dann doch oft sehr schmerzhaft sein kann. Nadine und ich haben seit über einem Jahr einen gemeinsamen Instagram Account, auf dem wir über positives Lernverhalten und mentale Gesundheit sprechen. Tagtäglich bekommen wir Nachrichten wie: “Ich fühle mich beim Lernen oft so alleine” oder “Aktuell ist daheim so viel los, dass ich mich gar nicht richtig konzentrieren kann”. Verschiedene Stimmen, mit fast immer derselben Message: Alleinsein tut weh, ist aber leider ein Gefühl, das junge Menschen in vielen Situationen begleitet.
Vor allem seit den Lockdowns während der Coronapandemie wurden einige Studien durchgeführt, die die Einsamkeit der unterschiedlichen Altersklassen messen wollten. Doch obwohl die Pandemie mittlerweile vorbei ist, scheint das Thema präsenter denn je – gerade bei Jüngeren. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hat gezeigt, dass sich fast jeder zweite junge Mensch einsam fühlt: Sowohl emotionale als auch soziale Einsamkeit spielen hier eine große Rolle. Emotionale Einsamkeit beschreibt das Gefühl, sich innerlich allein und isoliert zu fühlen, selbst wenn man von anderen Menschen umgeben ist. Es bedeutet, dass eine tiefe emotionale Verbindung zu anderen fehlt, was oft zu einem anhaltenden Gefühl der Leere und des Unverstandenseins führt. Die soziale Einsamkeit wiederum meint das Gefühl, isoliert zu sein, weil es an sozialen Kontakten und einem unterstützenden sozialen Netzwerk fehlt. Menschen, die sozial einsam sind, haben oft das Gefühl, dass sie nicht genügend enge Beziehungen oder Freundschaften haben, auf die sie sich verlassen können. Das kann entstehen, wenn jemand wenige soziale Interaktionen hat oder sich von den sozialen Gruppen, in denen er sich befindet, ausgeschlossen fühlt.
Kurz gesagt: Hier scheint ein gesellschaftliches Problem zu bestehen, mit dem schon längst nicht mehr nur die ältere Generation zu kämpfen hat. Öfter sind junge Frauen betroffen, am stärksten sei es zwischen 19 und 22 Jahren.
Doch was steckt eigentlich dahinter? Unterschiedlichste Faktoren bedingen, dass wir uns gerade in jungen Jahren oft alleine fühlen. Die Bertelsmann Stiftung konnte feststellen, dass meistens die Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben der Auslöser für das Empfinden von Einsamkeit ist. Vielleicht habe ich private Probleme, bin unzufrieden mit meinem Studium oder vermisse wertschätzende soziale Kontakte, die mir Halt geben. Oft fehlt es an Austausch, an sicheren emotionalen Bindungen, die es uns erlauben, uns mit unseren Sorgen und Anliegen zu öffnen. Nicht alle haben einen besten Freund oder eine beste Freundin an der Seite, viele sind im Alltag dann doch ausschließlich auf sich gestellt und fühlen sich damit schlichtweg überfordert. Wenn doch fast niemand mit mir über mein psychisches Wohlbefinden spricht, wie soll ich dann eine Achtsamkeit dafür entwickeln und wissen, was mir hilft? Genau an dieser Stelle müssen wir alle zusammen ansetzen und uns die große Frage stellen: Was können wir dagegen machen?
Nun haben wir heute den Vorteil, dass wir immer und überall vernetzt sind: Face-Time, Instagram, WhatsApp – alles gar kein Problem. Doch nur diese Medien alleine genügen anscheinend noch nicht. Gerade in der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern erscheint es umso bedeutender, ihnen Ideen und Strategien mit auf den Weg zu geben, die an schweren Tagen helfen. Hier braucht es vielseitige Ansätze, die sowohl individuelle als auch gemeinschaftliche Maßnahmen einschließen.
Ein guter Anfang ist es immer, echte und tiefere soziale Verbindungen zu fördern, ein Miteinander: Regelmäßige Treffen mit Freundinnen und Freunden, mit der Familie, mitmachen in lokalen Gruppen oder gemeinsamen Hobbys nachgehen. Ich für meinen Teil hätte mich in der eigenen Schulzeit gefreut, wenn meine Lehrerinnen und Lehrer mich ab und an daran erinnert hätten, wie wichtig mein Leben abseits des Klassenzimmers doch auch ist.
AGs in der Schule können ein tolles Tool sein, um Jugendliche mit ähnlichen Interessen zusammenzubringen und sie gemeinsam neue Erfahrungen sammeln zu lassen. Auch Gruppenarbeiten im Unterricht fördern den Austausch. Aber ein Punkt erscheint hier noch wichtiger:
Wenn du Lehrkraft bist und bis hier hin gelesen hast, dann schau dir doch mal diese Anlaufstellen an, die deine Schülerinnen und Schüler unterstützen: Krisenchat ist ein tolles Tool, bei dem junge Menschen 24/7 eine Fachkraft erreichen können. Eine kurze Nachricht über WhatsApp genügt und schon können sie mit jemandem chatten. Auch wenn es nach wenig klingt: Eine kurze Textnachricht, die es mir ermöglicht meine Gefühle endlich einmal offenzulegen, kann aus Erfahrung so einiges bewirken. Auf Social Media sprechen Accounts wie jugendnotmail, male.geers, elenaannamayr oder auch wir auf eine unaufdringliche und sanfte Art über mentale Gesundheit. So wird das Thema ganz nebenbei vermittelt und eine Wahrnehmung dafür geschaffen - und das ist vor allem für junge Menschen essenziell. Die App Headspace gibt kurze Meditations- und Entspannungsimpulse und ermöglicht uns, trotz Alltags- und Lernstress einmal kurz abzuschalten.
Auch die Nummer gegen Kummer ist telefonisch rund um die Uhr erreichbar und steht bei Problemen und Sorgen kompetent zur Seite. Wenn es also einfach mal Redebedarf gibt und eine Textnachricht nicht ausreicht, kann hier immer jemand am anderen Ende der Leitung weiterhelfen.
Klar ist: All das reicht noch nicht. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung: Darüber sprechen, Sicherheit geben, das Gefühl vermitteln, dass alle Gefühle valide sind. Zusammen können wir es schaffen, diese am Anfang genannten Zahlen zu verringern. Da sind wir uns ganz sicher.
Die Dynamik des Alltags verändert sich – stetig. Und zunehmend rasant. Politische wie ökologische Veränderungen, Krisen und Skandale sowie technologische Quantensprünge prasseln Tag für Tag auf uns ein. In vielen Köpfen keimt daher die Angst, abgehängt zu werden, nicht mehr Schritt halten zu können. Ein Ansatz, die zunehmende Geschwindigkeit des Zeitgeschehens zu kompensieren, ist eine Anpassung der Bildungspolitik – aber findet diese wirklich statt?
Die Digitalisierung des Lernens ist ein zentrales Thema in der globalen Bildungspolitik. Sollte man meinen. Zumindest in Deutschland gewinnt man allerdings den Eindruck einer eher stiefmütterlichen Behandlung dieses essenziellen Anliegens. Dabei steht der Instrumentenkasten für eine inklusive, faire und nachweislich effektivere Bildung längst bereit.
So zeichnet unter anderem Virtual Reality das Potenzial aus, den Unterricht nicht nur klug zu ergänzen, sondern die Art, wie wir lernen, spielerisch und damit nachhaltig zu gestalten. Die Lernenden werden im Vorbeigehen auf eine hochgradig digitalisierte Zukunft vorbereitet, und zu Mitgestaltern derselben gemacht. Auch KI fließt überall auf der Welt zunehmend in den Alltag des Lernens ein. Doch wie ist es global um die Integration von digitalen Lehrmitteln in den Lernalltag bestellt – und wo ordnet sich Deutschland in diesem Wettrennen ein?
Weltweit sind Länder unterschiedlich weit fortgeschritten, wenn es um die Integration digitaler Technologien in den Bildungsalltag geht. Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2020 variieren die Investitionen und die Implementierung digitaler Bildungstechnologien von Land zu Land stark. Dabei gehören Länder wie Südkorea, Finnland und Singapur zu den Spitzenreitern, was die aktive Nutzung und Integration von digitalen Tools im Unterricht betrifft. Diese Länder haben umfassende Strategien entwickelt, um digitale Medien, so auch virtuelle Lernwelten, in ihre Bildungssysteme zu integrieren.
Das Ergebnis: Signifikante Zugewinne in der Qualität der Bildung. So befinden sich Länder, deren Bildungssektor in hohem Grad digitalisiert ist, kompetenzübergreifend im oberen Drittel der PISA-Studie wieder.
Dabei lohnt sich insbesondere der Blick gen Fernost – denn in Südkorea ist der Einsatz von High Tech in der Schule längst Alltag. Dabei kommen nicht nur virtuelle Lernwelten zum Einsatz, sondern nahezu ausschließlich digitale Lehrbücher. Ab 2025 sogar mit KI-Integration, um individuelle Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler adressieren zu können. Auffällig dabei: Unser Verständnis von Digitalisierung, welches im Wesentlichen von WLAN-Infrastrukturen und Smartboards genährt wird, wird hier gnadenlos überholt.
Auch in Finnland nutzen bereits über 30 Prozent der Schulen VR-Technologien im Unterricht, während in den USA entsprechende Pilotprojekte stark zunehmen. In Singapur hat die Regierung erhebliche Mittel in die digitale Bildung investiert, was zu einer weitläufigen Technologieakzeptanz und Nutzung in den Klassenzimmern geführt hat.
Bei allem Tech-Einsatz wird die Frage aufgeworfen, inwiefern sich nicht nur das System verändern muss und wird, sondern auch der Beruf der Lehrkraft. Die Vermutung liegt nahe, dass die tatsächlich wissensvermittelnde Rolle durch den Mehrwert von VR, KI und Co. in den Hintergrund rückt, und die empathische, emotionale und pädagogische Flanke in gleichem Maße an Relevanz gewinnt.
Anders als Südkorea und Finnland wird Deutschland in zahlreichen Reports als Nachzügler in der Digitalisierung von Bildung hervorgehoben. Der Bertelsmann-Digitalisierungsindex zeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich deutlich hinterherhinkt. Die OECD untermauert dies und betont, dass deutsche Schulen oft unzureichend mit digitaler Infrastruktur ausgestattet und die Lehrkräfte nicht ausreichend auf den Einsatz digitaler Technologien vorbereitet sind.
Konkret in Bezug auf Virtual Reality als Lerninstrument kontrastiert Deutschland mit den Vorreitern der PISA-Studie und offenbart großen Nachholbedarf – so wird die Technologie von weit unter 10 Prozent der Schulen überhaupt eingesetzt.
Die Gründe für den behäbigen Umgang mit Innovationen im Bildungswesen sind vielfältig. Eine wesentliche Herausforderung ist die unzureichende digitale Infrastruktur. Viele Schulen sind nicht ausreichend mit schnellem Internet und modernen Computern ausgestattet. Eine Umfrage des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) aus dem Jahr 2023 zeigt, dass nur 25 Prozent der deutschen Schulen über eine flächendeckende WLAN-Ausstattung verfügen, die für den Einsatz von VR notwendig ist.
Ein weiterer Faktor ist die mangelnde Ausbildung und Weiterbildung der Lehrkräfte. Laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fühlen sich viele Lehrkräfte nicht ausreichend auf den Einsatz digitaler Technologien vorbereitet. Dies führt zu einer geringen Akzeptanz und Nutzung von digitalen Helfern wie Virtual Reality im Unterricht.
Zu guter Letzt steht der Integration neuer Technologien auch immer die Finanzierungsfrage und ein daran angedockter bürokratischer Aufwand gegenüber. So kommt es nicht selten vor, dass über die Dauer des Prozesses von der Beantragung bis zur Bewilligung von zielgerichteten Mitteln das anzuschaffende Instrumentarium bereits wieder veraltet ist.
Trotz vieler Herausforderungen bietet VR enorme Potenziale für den Unterricht – die man nicht ungenutzt versanden lassen sollte. VR kann Lerninhalte anschaulich gestalten, komplexe Prozesse greifbar machen und das Lernen mit einer spielerischen Komponente für mehr Motivation und Lernerfolg verbinden.
So sind virtuelle Exkursionen zu historischen Stätten, Zeitreisen zu historischen Ereignissen oder beliebig oft reproduzierbare Experimente der Chemie und Physik nur wenige Vorteile, die der Einsatz von VR mit sich bringt.
Um das Potenzial von VR in deutschen Schulen abzurufen, sind jedoch umfassende Maßnahmen erforderlich. Zunächst gilt es, die digitale Infrastruktur erheblich zu verbessern. Der DigitalPakt Schule zielt zwar genau darauf ab, allerdings muss die Umsetzung dieser Maßnahme drastisch beschleunigt und ausgeweitet werden.
Des Weiteren müssen, wenn wir über das eingangs erwähnte Abgehängtwerden bei zu hoher Dynamik sprechen, alle Beteiligten an die Hand genommen werden. Dazu gehört auch die entsprechende Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften – um nicht nur den Umgang mit technologischen Innovationen zu vermitteln, sondern auch Anpassungen an der didaktischen Einbettung selbiger in den Unterricht vorzunehmen.
Programme wie "Digitale Schule NRW" bieten vielversprechende Ansätze, um Lehrende auf die Herausforderungen der digitalen Bildung vorzubereiten.
Die Integration von Virtual Reality in den Schulunterricht bietet enorme Chancen, die Art und Weise des Lernens der Schülerinnen und Schüler zu bereichern und den Unterricht effektiver zu gestalten. Ein globaler Vergleich zeigt, dass viele Länder bereits bedeutende Fortschritte in der Digitalisierung ihrer Bildungssysteme gemacht haben. Deutschland hingegen hat noch erheblichen Nachholbedarf.
Um den Anschluss an die Spitzenreiter nicht zu verlieren, sind umfassende Investitionen in die digitale Infrastruktur, eine verstärkte Ausbildung und Weiterbildung der Lehrkräfte sowie eine strategische Implementierung digitaler Technologien im Unterricht notwendig. Nur so kann Deutschland das Potenzial von VR und anderen digitalen Technologien voll ausschöpfen und seine Schülerinnen und Schüler zu Mitgestaltern einer hochgradig digitalisierten, dynamischen Zukunft machen.
Am 20. Juni war es wieder so weit, mehrere tausend Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeitende wurden von der GEW aufgerufen, in Berlin auf die Straße zu gehen. Die primäre Forderung ist bereits seit Längerem bekannt: kleinere Klassen – ein Wunsch, der mindestens schon so lange besteht wie die GEW selbst. Viele weitere Forderungen und Wünsche vonseiten des Bildungspersonals und der Schüler und Schülerinnen sind ebenso lange ein Streitthema. Wie steht es im Grundgesetz? Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. „Demokratisch“ – das bedeutet Mitbestimmung. Doch warum funktioniert das im Schulsystem nicht?
Das deutsche Schulsystem befindet sich im Wandel. Seit Jahren bestimmen Fachkräftemangel, Sparmaßnahmen, schulische Rahmenbedingungen sowie langwierige, bildungspolitische Debatten den Alltag und die Bildungsqualität an Schulen und Kitas. Der PISA-Schock von 2022 sitzt noch immer tief. Die Bildungspolitik fühlt sich genötigt, schnell zu handeln. Doch nicht alle Veränderungen scheinen zu fruchten, insbesondere wenn sie über die Köpfe der Bildungsakteure hinaus entschieden wurden.
Ein Blick in die tagesaktuellen Medien genügt, um die Fehlentscheidungen der Bildungsministerien nachzuvollziehen. In Sachsen-Anhalt sollen die Lehrkräfte aufgrund des anhaltenden Lehrkräftemangels eine Stunde mehr unterrichten, von der Landesregierung euphemistisch „Vorgriffsstunde“ genannt. Die Lehrkräfte klagten und unterlagen. Einer Lehrerin wurde sogar gekündigt, auch sie ging vor Gericht, das Ergebnis: Die Kündigung sei laut Arbeitsgericht rechtens. Wie viel Mitspracherecht hatten die Lehrkräfte bei dieser Entscheidung? Keines, so Christiane Rex, Pressesprecherin der GEW Sachsen-Anhalt. Die GEW Sachsen-Anhalt sei selbst mit dieser Ankündigung überrumpelt worden. Es habe keine vorherige Kommunikation zu dieser Entscheidung zwischen der GEW Sachsen-Anhalt und der Landesregierung gegeben - Mitspracherecht Fehlanzeige. Bereits zur Einberufung des Bildungsgipfels im Frühjahr 2023 war die Entscheidung zur Mehrarbeit beschlossene Sache. Die Maßnahme, deren ursprünglicher Sinn der Bewältigung des Lehrkräftemangels galt, führte mit der Kündigung sogar ins Gegenteil sowie zu einer erheblichen Zunahme ausgebrannter und demotivierter Lehrkräfte. Fakt ist, dem gegenwärtigen Wunsch nach weniger Stunden, kleineren Klassen und einer entsprechenden Lösung wurde bisher nirgendwo entsprochen.
Eine weitere Kuriosität im Mitspracherecht der Lehrkräfte bilden die Zwangsversetzungen von Lehrkräften, die aktuell im großen Maße stattfinden. Zwangsversetzung ist das Weiterreichen von Lehrkräften einer Schule zu einer anderen, auch ohne Zustimmung der jeweiligen Lehrkraft. Dabei sind es jedoch nicht die Schulen, die dies verantworten, sondern die Bildungsministerien. Die Folge sind teils erheblich längere Wege zur Arbeit und ein komplett neues Umfeld. Lehrkräfte werden wie Ware behandelt, die mittelalterlich zum Tausch angeboten wird. Weigert sich die betroffene Lehrkraft, bringt dies berufliche Konsequenzen mit sich, genauso wie bei der Vorgriffsstunde. Eine weitere Methode, den Lehrkräftemangel zu beseitigen, indem man ihn fördert.
Diese Maßnahmen stehen im klaren Widerspruch zur zeitgleich stattfindenden Anwerbung neuer Lehrkräfte, um den Lehrkräftemangel zu senken.
Die angehenden Lehrkräfte, also die Studierenden sowie Referendare und Referendarinnen, beschreiben den Weg in den Lehrkräfteberuf ebenso als steinig. Auf Beschwerden der Studierenden über das praxisferne Lehramtsstudium wird ebenso wenig eingegangen, wie auf den Arbeitsdruck und psychische Belastung im Referendariat. Angehende Lehrkräfte trauen sich oft nichts zu sagen und lassen meist alles über sich ergehen, weil sie Angst vor beruflichen Nachteilen in der Zukunft haben.
Auch die Rezipienten des Schulsystems, die Schüler und Schülerinnen, entgehen dieser Misere nicht. Die Jugendlichen sehen sich dazu verantwortlich, selbst etwas ändern zu müssen. Sie gehen in ihrer Freizeit auf die Straße, demonstrieren, schreiben an die Bildungsministerien und engagieren sich. Das klingt im ersten Moment vielleicht vorbildlich. Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch, dass den Kindern und Jugendlichen bereits eine Verantwortung auferlegt wird, die eigentlich die Aufgabe kompetenter Erwachsener wäre.
Die wenigen Umfragen an Schüler und Schülerinnen haben ergeben, dass diese sich den pädagogischen Einsatz neuer, digitaler Medien wünschen. Ein Blick in die Schulen genügt, um den Stand der Digitalisierung zu sehen. Die Bildungspolitik brüstet sich, dass es an jeder Schule ein oder zwei Beamer gibt. Wie konnte die Modernisierung des Schulsystems so ins Stocken geraten? Weitere Umfragen ergaben, dass sich die Lernenden in der Schule nicht gut genug auf das Leben vorbereitet fühlen. Auch in dieser Hinsicht werden die Belange der Kinder und Jugendlichen ignoriert.
Ebenso zeigen sich die Auswirkungen im Kindergarten. Seit Längerem werden die Kitas bestreikt. Erzieher und Erzieherinnen wünschen sich bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Ausbildung zu diesem Beruf. In einigen Teilen Deutschlands kommen bis zu zehn Kinder auf einen Erzieher bzw. eine Erzieherin. Die Belastung des pädagogischen Kita-Personals ist hoch, Überstunden und Überlastung sind keine Seltenheit. Langfristig verliert die Kinderbetreuung Qualität. Aus diesem Grund geht die Verdi mit dem Kita-Personal streiken, um darauf aufmerksam zu machen. Auch die ver.di-Arbeitszeitbefragung unterlegt die Belastung der Erzieher und Erzieherinnen. Bisher gab es auch hier keine Einigung, sodass weiterhin von oftmals schlechten Arbeitsbedingungen ausgegangen werden darf.
Eine weitere despektierliche Veränderung betrifft die Erzieher und Erzieherinnen an Berliner Brennpunktschulen, deren Brennpunktzulage vor Kurzem gestrichen wurde. Das bedeutet weniger Gehalt für den gleichen Job. Die Berliner Bildungssenatorin bezeichnete die Zulage sogar als Irrtum. Die Erzieher und Erzieherinnen der Brennpunktschulen fühlen sich missachtet und fordern, dass ihre Tätigkeit angemessen anerkannt wird. Eine Einigung ist bei dieser Angelegenheit jedoch noch nicht in Sicht.
Hohe Abbruchquoten im Studium und in der pädagogischen Ausbildung zeugen nicht unbedingt von Desinteresse am Beruf, sondern von schlechten Bedingungen in der Ausbildung. Auch dazu existieren zahlreiche Forderungen von Studierenden und Auszubildenden. Forderungen der Lehramtsstudierenden befassen sich etwa mit der Optimierung des Lehramtsstudiums und der Kritik an den praxisfernen Inhalten sowie der Reformation bis Abschaffung des Referendariats.
Bei allen angeführten Forderungen handelt es sich lediglich um einen Bruchteil der eigentlichen Wünsche der Bildungsakteure. Das befassende Gebiet reicht weit darüber hinaus. Die genannten Beispiele veranschaulichen diese prekäre Problematik daher nur basal.
Widersprüchlich zeigt sich ebenso das demokratische Verhältnis im Schulsystem, wenn es um das Streik- und Demonstrationsrecht von Lehrkräften, Schülern und Schülerinnen geht. Verbeamteten Lehrkräften ist es untersagt, zu streiken. 2023 klagten einige Lehrkräfte dagegen. Wie üblich in diesem Beruf haben die Lehrkräfte wieder verloren – das Streikverbot ist rechtens, der Tritt gegen die Demokratie damit genauso. Das Streikverbot verstoße nicht gegen das Menschenrecht. Jeder kann sich aus diesem Ansatz seine eigene Meinung begründen. Jedoch sind es nicht nur Lehrkräfte, die von solchen Einschränkungen betroffen sind, auch Schüler und Schülerinnen werden bei ihrem Demonstrationsrecht eingeschränkt. Denn demonstrieren dürfen sie nur dann, wenn sie Freizeit haben. Ansonsten dürfen Lehrkräfte unentschuldigte Stunden eintragen. In Deutschland besteht eine Pflicht, die für Arbeitende nicht gilt – die Schulpflicht. Auch darf aufgrund des Fehlens in der Schule eine Ordnungswidrigkeit eingeleitet werden. Für Leistungskontrollen, Klassenarbeiten und Klausuren droht eine Sechs. Einerseits besteht in Deutschland das Recht zum Demonstrieren, ein Grundsatz unserer Demokratie, trotzdem ist dieser Grundsatz für engagierte Schüler und Schülerinnen eingeschränkt. Bereits bei den Fridays-for-Future-Demonstrationen wurde auf diese Einschränkungen seitens der Bildungsministerien zurückgegriffen. Auch die Kultusministerkonferenz sieht in der Schulpflicht den höheren Rang. Warum kommt es denn erst so weit, dass Kinder und Jugendliche sich genötigt fühlen, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren? Das Ganze zeigt die Überforderung und Ratlosigkeit der Bildungspolitik.
Das größte Thema, welches alle Gruppen jedoch verbindet, ist der altbekannte Lehrkräftemangel. Mittlerweile hat sich dieser Begriff und Zustand an den Schulen etabliert. Hinweisen von Lehrkräften, Referendaren und Lehramtsstudierenden geht die Bildungspolitik leider nicht nach. Durch schlechte Bedingungen im Beruf, Referendariat und Studium gehen somit viele motivierte Lehrkräfte verloren.
In den deutschen Schulgesetzen ist die Mitbestimmung der Schüler und Schülerinnen verankert. Fraglich ist jedoch, warum dies in der Praxis nicht umgesetzt wird. Auf die Belange der Kinder und Jugendlichen wird bisher kaum bis gar nicht eingegangen. Während den Jugendlichen in der Schule gelehrt wird, was Demokratie bedeutet und dass Deutschland eine Demokratie ist, wird ihnen bei bildungspolitischen Anliegen das Gegenteil gezeigt. Ein Paradoxon mit weitreichenden Folgen.
Auch ich als bildungspolitischer Autor habe mit dieser Problematik Erfahrungen gemacht. Als ich vor mehr als zwei Jahren mein erstes Staatsexamen erhielt, war ich sehr motiviert, Lehrer zu werden. Diese Motivation schwand relativ schnell, als ich bemerkte, dass man mich trotz des Lehrkräftemangels nicht an einer Grundschule mein Referendariat absolvieren lassen wollte. Zwei Jahre setzte ich mich ein, hatte Kontakte zu Politik, bildungsnahen Organisationen und Institutionen. Viele Zeitungen berichteten über mich, auch auf lehrernews.de ist mein Erfahrungsbericht komplett und ausführlicher zu lesen. 35 weitere angehende Lehrkräfte befanden sich in derselben Situation, verändert wurde in der ganzen Zeit nichts. Der Berliner Bildungssenat kam immer wieder mit neuen Ausreden. Aufgegeben habe ich, als ich herausfand, dass im Senat nicht die Interessen der Bildungsakteure verfolgt werden, sondern die eigenen. So wurden für die Bildungssenatorin Günter-Wünsch und dem Berliner Bürgermeister Wegner extra Regeln geändert, damit diese eine Beziehung führen können. Dies war der Moment, der mir bewies, wie wenig Mitspracherechte ich als Lehrer habe. Nach meiner dritten Absage habe ich mich letztlich gegen das Referendariat entschieden.
Heute stehen wir vor einem annähernd irreversiblen Trümmerhaufen, der Auswirkungen auf die Kinder und Jugendlichen, sowie unserer zukünftigen Wirtschaft und Gesellschaft haben wird. Ein Handeln ist längst überfällig, wenn beachtet wird, dass sich das Schulsystem nicht erst seit gestern in der Krise befindet. Die Schule lehrte uns, was Demokratie ist, die Realität, was Antinomie ist.
“Virtual Reality war eines Tages mal Science Fiction. Das Internet aber auch. Genauso wie Computer und Smartphones“, verlautbarte META-CEO Mark Zuckerberg noch vor wenigen Jahren.
Seither hat sich viel getan – so konnte sich die virtuelle Realität ihres stark anhaftenden Labels des Video-Gamings entledigen und als neutrales Vehikel für beliebig geartete Inhalte etablieren – auch in der Bildung. Besonders im Schulunterricht birgt diese Technologie ein enormes Potenzial, das bislang oft unterschätzt wird. Wenn Ihr Euch fragt, wie VR sinnvoll in den Unterricht integriert werden kann, sind die folgenden Zeilen für Euch.
Wie oft habt Ihr schon erlebt, dass Schülerinnen und Schüler sich die Zähne am hohen Abstraktionsgrad naturwissenschaftlicher Prozesse ausbeißen? Ob es um die Struktur eines Atoms, chemische Reaktionen oder die Wirkung physikalischer Kräfte geht – oft bleibt das Verständnis auf der Strecke, weil die Vorstellungskraft an ihre Grenzen stößt.
Hier erweitert Virtual Reality den Instrumentenkasten eines jeden Lehrers – und zwar nicht nur in MINT-Themenfeldern. So ermöglicht VR, komplexe Sachverhalte in dreidimensionaler Form, vor allem aber in der Ich-Perspektive darzustellen und interaktiv erlebbar zu machen.
Stellt Euch vor, Ihr könntet mit Euren Schülern eine Reise durch den menschlichen Körper unternehmen, um das Zusammenspiel von Organen hautnah zu erleben. Oder Ihr besucht gemeinsam das antike Rom, um den Alltag der Menschen damals besser zu verstehen.
Mit VR können Schülerinnen und Schüler zudem weit entfernte oder nicht mehr existierende Orte besuchen, historische Ereignisse als Zeitzeugen nachempfinden und komplexe naturwissenschaftliche Prozesse ohne jeglichen Abstraktionsgrad und ungeachtet von Affinität spielerisch vermittelt bekommen. Wie eine Studie der University of Maryland belegt, erhöht dies den Lerneffekt – weitere Effekte, wie etwa eine stärkere Identifikation mit oft ungeliebten Themenfeldern sowie schlichtweg mehr Spaß am Lernen liegen derweil auf der Hand.
Ein weiterer großer Vorteil von VR ist die Möglichkeit, praxisorientiertes Lernen zu fördern. In vielen Fächern bleibt es oft bei der reinen Theorie, weil die Umsetzung in der Praxis entweder zu teuer, zu gefährlich oder schlichtweg nicht oft genug reproduzierbar ist.
Mit VR könnt Ihr solche Barrieren überwinden. Ein naheliegendes Beispiel sind etwa Experimente des Chemieunterrichts, die oft mit dem Einsatz von Schadstoffen und Gefahren einhergehen, und somit in der Lebenswirklichkeit von Schülerinnen und Schülern nur begrenzt vorkommen. Mit dem Einsatz von virtuellen Umgebungen können sie jedoch gefahrlos durchgeführt werden.
Oder denkt an VR-gestützten Biologieunterricht – der euch etwa Operationen am virtuellen Patienten ermöglicht, ohne dass ein echtes Lebewesen dafür leiden muss. Durch diese unmittelbare Anwendung des Gelernten wird nicht nur das Verständnis vertieft, sondern auch die Motivation der Schüler:innen gesteigert.
In einer zunehmend digitalisierten Welt ist Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation, die bereits frühzeitig in der Schule gefördert werden sollte – um Schüler:innen zu Mitgestaltern einer hochgradig digitalisierten Zukunft zu machen, nicht zu Nachzüglern.
VR kann das Instrumentarium dabei zielführend erweitern. Der Umgang mit dieser Technologie schult nicht nur technisches Know-how, sondern auch kritisches Denken und verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien. Wenn Ihr Euren Schülern VR-Erfahrungen ermöglicht, lehrt Ihr sie gleichzeitig, wie man sich in einer digitalen Umgebung zurechtfindet, wie man die Technik sinnvoll nutzt und welche ethischen Fragen damit verbunden sind. Ihr bereitet sie somit optimal auf die Herausforderungen der Zukunft vor. Zudem ist Virtual Reality kein reines Abspielgerät – auch das gemeinsame Erschaffen virtueller Welten kann Teil der VR-gestützten Lehre sein.
Zu den dominierenden Use Cases für VR zählen bekanntermaßen die MINT-Disziplinen. Ein oft übersehener Aspekt ist die Förderung der Kreativität durch VR. In der virtuellen Welt sind die Möglichkeiten nahezu grenzenlos. Schüler:innen können eigene Welten kreieren, Geschichten erzählen und künstlerisch tätig werden. Dies eröffnet neue Wege des kreativen Ausdrucks und lässt euch potenziell versteckte Talente spielerisch entdecken und entwickeln.
Warum also nicht einmal den Kunstunterricht in die virtuelle Realität verlegen und die Schüler:innen ihre eigenen Kunstwerke in 3D gestalten lassen? Oder im Deutschunterricht eine virtuelle Bühne erschaffen, auf der sie ihre eigenen Theaterstücke aufführen können? Die Möglichkeiten sind vielfältig und bieten eine überfällige Abwechslung zum traditionellen Unterricht.
Zu guter Letzt zahlt der Einsatz von Virtual Reality auf die Inklusions- und Integrationsansprüche dieser Zeit ein. So können Schüler:innen mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen von maßgeschneiderten VR-Erfahrungen profitieren, Sprachbarrieren überwinden und Defizite im Lernen mit herkömmlichen Unterrichtsmethoden umkurven. Besonders im inklusiven Unterricht kann VR eine wertvolle Unterstützung sein, um alle Schüler: gleichermaßen zu fördern und einzubeziehen. Ein Schüler mit einer körperlichen Behinderung kann beispielsweise an virtuellen Sportstunden teilnehmen, während ein Schüler mit einer Lernschwäche durch interaktive und anschauliche VR-Module einen besseren Zugang zum Fächerkanon erhält.
Das Willkommenheißen von virtuellen Welten im Schulunterricht ist nicht nur eine Investition in moderne Technologie, sondern vor allem eine Investition in die Zukunft unserer Schüler:innen.
VR ermöglicht es, Lernen auf eine neue, faszinierende und wirkungsvolle Weise zu gestalten – gar zu erleben. Sie hilft dabei, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen, praxisorientiertes Lernen zu fördern, Medienkompetenz zu schulen, Kreativität zu entfalten und eine inklusive Bildung zu unterstützen.
Ja, der Weg zur flächendeckenden Nutzung von VR im Schulunterricht mag herausfordernd sein, doch die Potenziale und Chancen, die sich daraus ergeben, sind immens. Lasst uns diese Gelegenheit nutzen und unsere Schulen fit für die Zukunft machen – zum Wohle unserer Schüler:innen und der Gesellschaft als Ganzes.
Nicht zuletzt sprechen auch die Zahlen für sich: Der Umsatz im VR-Sektor ist in den letzten Jahren exponentiell gestiegen. Laut einer Studie von Statista wuchs der weltweite Umsatz im VR-Markt von 6,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf beeindruckende 18,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020. Prognosen gehen davon aus, dass dieser Trend anhält und bis 2024 die 72 Milliarden US-Dollar-Marke überschreiten wird. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass VR nicht nur eine Modeerscheinung, sondern eine zukunftsweisende Technologie ist, die in immer mehr Bereichen an Relevanz gewinnt – und die Bildung sollte da keine Ausnahme sein.
Wie kann das sein: Der Zugang zur Hochschulbildung in Deutschland ist eigentlich für jede Person offen, doch die Realität zeigt, dass es deutliche Unterschiede in der sozialen Herkunft der Studierenden gibt – das Elternhaus spielt beim akademischen Werdegang der Kinder nach wie vor eine bedeutende Rolle. Die Unterschiede in den Zahlen von Studierenden aus Akademiker- und Arbeiterhaushalten sind schockierend: Fast 80 Prozent der Kinder aus Akademikerfamilien beginnen ein Studium, wohingegen sich nur 27 Prozent der Kinder ohne akademischen Hintergrund an ein Studium wagen. Dieser erheblicher Unterschied schlägt sich auch in den Studiumsabschlüssen nieder: Eine Studie der Bundeszentrale für politische Bildung hat 2021 herausgefunden, dass von 100 Akademikerkindern knapp die Hälfte einen Master absolvieren, wohingegen aus Arbeiterfamilien nur 11 Kinder den Masterabschluss erreichen. Das ist erschreckend und wirft Fragen auf: Warum macht der Großteil der Kids aus Arbeiterfamilien letztendlich keinen Studiumsabschluss? Und was können wir als Lehrkräfte machen, um genau diese Kinder abzuholen?
Eins von diesen 11 Nichtakademikerkindern ist Nadine. Nadine ist die erste in ihrer Familie, die studiert und kurz vor ihrem Masterabschluss steht. Die gesamte Studienzeit war geprägt von Herausforderungen, aber besonders deutlich hat sie den Studienanfang in Erinnerung: “Alles war komplett neu, ich wusste nicht, was ein Curriculum ist oder dass man nach einer Vorlesung akademisch applaudiert, hatte keine Ahnung, wie ich mich für Lehrveranstaltungen anmelde und fühlte mich im akademischen System maßlos überfordert!”. Studierende aus Akademikerhaushalten profitieren dagegen in den meisten Fällen oft von einem unsichtbaren Netz aus Privilegien: Eltern, die selbst studiert haben, können nicht nur mit praktischen Tipps bei einer besseren Studienvorbereitung helfen, sondern stellen häufig auch wertvolle Kontakte für die Praktika bereit.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das kulturelle Kapital, das Pierre Bourdieu als die Gesamtheit der intellektuellen, sozialen und kulturellen Fähigkeiten und Ressourcen definiert hat. Akademikerhaushalte fördern oft stärker kulturelle Aktivitäten und Lesegewohnheiten. Dies spiegelt sich meist in einem höheren Bildungshorizont wider, was wiederum den Kindern den Zugang zu akademischen Inhalten erheblich erleichtert und eine vertraute Umgebung für das Lernen und die persönliche Entwicklung schafft.
Für Studierende wie Nadine sieht die Situation oft anders aus. Viele von ihnen müssen neben dem Studium arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Diese Doppelbelastungen aus Job und Studium kann nicht nur zu schlechteren akademischen Leistungen führen, sondern auch zu einer längeren Studiendauer. Die finanziellen Ressourcen für Studienmaterialien oder Auslandsaufenthalte sind häufig begrenzt, was ihre Bildungschancen weiter einschränkt.
Jetzt wird’s interessant: Was können wir konkret tun, um Kinder wie Nadine zu unterstützen? Zunächst ist es einmal wichtig, als Lehrperson sein Bewusstsein für die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen der Kids zu schärfen und Empathie dafür zu entwickeln. Weiters müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass wir als Lehrpersonen eine entscheidende Rolle zur Förderung der Chancengleichheit tragen. Studierende aus Arbeiterfamilien wie Nadine ziehen ein Studium oft nicht in Betracht, da es keine Vorbilder in der eigenen Familie gibt, die denselben Werdegang aufzeigen oder unterstützend wirken können. Hier kann man als Lehrperson wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen: Zum Beispiel über seine eigene Studienzeit berichten, Fragen dazu klären, mit der Klasse eine Uni besuchen oder Studieninformationsbroschüren bereitstellen.
Wie kann man die Hürde in die akademische Welt so klein wie möglich gestalten? Diese Frage haben wir uns auch gestellt. Als Antwort auf die Frage haben wir “StudySpace“ gegründet – eine Lernplattform, die Kinder aus jeglichen Haushalten ans Lernen strategisch heranführt und sie dabei aber auch mental unterstützt. Uns liegt es besonders am Herzen, dass die Kinder schon früh mit einem gesunden Lernen in Kontakt treten, denn nur so werden auch wichtige Soft-Skills wie z.B. Selbstorganisation oder Selbstmotivation vermittelt, die fürs Studieren unerlässlich sind, zuhause aber oft nicht vermittelt werden. Wir möchten sowohl als Lehrerinnen als auch als Gründerinnen das Thema Chancengleichheit im universitären Kontext fördern und voranbringen, deshalb freuen wir uns besonders, wenn auch ihr eure Ideen und Anreize mit uns per Nachricht teilt! Wir sind gespannt!
Gerade sind die PISA-Offensiven der Bundesländer in die öffentlichen Diskussion gerückt (hier wurde ich vom Bayerischen Fernsehen dazu interviewt, etwa ab Minute 39:06 ), die als Reaktion auf die Ergebnisse einfach aus mehr Unterricht für Mathe und Deutsch in der Grundschule bestehen (in Bayern sogar auf Kosten von Zeit für Kunst und Musik). Man fragt sich: Mehr vom selben dessen, was vorher nicht geholfen hat? Wenn man Lernprozesse verbessern möchte, wie geht das am besten? Und: Die PISA-Ergebnisse sind besorgniserregend– aber messen sie auch das Richtige? Das ist eine hochpädagogische Frage, die nebenbei auch pädagogisch und nicht politisch gelöst werden sollte. Hilfreich ist da der Blick in andere Länder, die erfolgreicher sind: Wie hier nach Dänemark, das in Rankings zu Zukunftskompetenzen besonders gut abschneidet!
Denn insbesondere die skandinavischen Länder zeigen deutlich, dass man mit Wellbeing für Schülerinnen viel mehr erreicht. Finnland und Dänemark zählen laut World Happiness Report zu den glücklichsten Völkern - und erbringen gute Leistungen!
Dänemark belegt regelmäßig den zweiten Platz für die glücklichste Bevölkerung (nach Finnland), gemessen vom World Happiness Report der UN, der jährlich veröffentlicht wird. Die Glücksforscherin Maike van den Boom erklärt dieses wiederkehrende Ranking der skandinavischen Länder so: „In Deutschland vertrauen 30 Prozent ihren Mitmenschen, in Dänemark sind es 70 Prozent“. Sie führt das auf eine Art Wikinger-Mentalität zurück, den Zusammenhalt. „Dabei“, so van den Boom, „geht es nicht darum, der oder die Beste zu sein, sondern gemeinsam die beste Lösung zu finden“.
Ich frage mich: Wie gelingt es an dänischen Schulen, sowohl das Wohlbefinden als auch die Digitalisierung und Zukunftsorientierung zu fokussieren? Widerspricht sich das nicht, dänische Gemütlichkeit und cleane Technikorientierung?
Dänische Kinder lernen länger zusammen, der Unterricht gilt als innovativer, digitaler und inklusiver als anderswo. So titelte das Schulportal schon 2021 nach einer Dänemark-Reise „Mehr ‘hygge’ in Schulen?” Das wollte ich mir anschauen und bin im Herbst 2023 auf eine Bildungsreise zu dänischen Schulen gefahren. Dort konnte ich durch die Initiative von Leba Innovation Schulen und Bildungsorte anschauen, die selbst für dänische Maßstäbe besonders innovativ sind.
Zur Vorbereitung befragte ich Jacob Chammon, den gebürtigen Dänen, der in beiden Ländern als Lehrer und Schulleiter tätig war und sich heute als Geschäftsführer der Deutschen Telekom Stiftung einen Namen macht. Was ist anders? Worauf sollte ich besonders achten? Er wies mich vor allem auf die unterschiedlichen Kulturen hin: „Die Kultur ist eine andere. Der Fokus in dänischen Schulen liegt weniger auf Noten und Abschlüssen – Noten gibt es dort erst ab Klasse 9 –, sondern stark auf dem Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen.“
Das leuchtet mir sofort ein. Jedes Land prägt mit seiner Kultur das jeweilige Schulsystem. Und auch meine Recherchen bestätigen: Das Wohlbefinden der Menschen in der Schule hat in Dänemark einen ganz besonderen Stellenwert. So ist im nationalen Bildungsrahmenplan bereits angelegt, dass es für das Wellbeing einen besonderen Fokus an Schulen geben soll und sie verpflichtet sind, hierfür Maßnahmen zu ergreifen.
Alle Schulen haben ein Programm für „Trivsel“, also das Wohlergehen. Jährlich werden die Schüler:innen dazu befragt. Die Ergebnisse und Durchschnittswerte werden offen auf der Homepage veröffentlicht, und zwar im Vergleich zu den Mittelwerten der Schulen der Kommune. Es lässt sich daran ablesen, wie der Wert der Schule für Wohlbefinden sich im Vergleich zum Vorjahr entwickelt hat, wie er sich im Vergleich zu den anderen Schulen der Kommune liest und welche Maßnahmen die Schule unternimmt, um den Wert zu erhalten oder zu verbessern. Die Kokkedal Skole in Kokkedal hatte beispielsweise auf einer Skala von 0-10 einen Durchschnittswert von 7,4 und liegt damit etwas über dem kommunalen Durchschnitt der Wohlbefindens von Schüler:innen. Auf deren Webseite finde ich ebenfalls den „Trivselhandleplan“ und die Antimobbingstrategie als Konzepte, die mit allen Kolleg:innen und Eltern ausgehandelt wurden. Die PISA-Ergebnisse werden in Dänemark ebenfalls in Kollegien und Bildungszusammenhängen diskutiert, aber nicht gegen das Wohlbefinden ausgespielt. Das Wohlbefinden hat eindeutig Vorrang, denn allen ist klar, dass nur ein entspanntes Gehirn aufnahmefähig ist.
Wenn ich meine Impulse der Bildungsreise vorstelle, diskutieren deutsche Kolleg:innen manchmal mit mir: Sie würden Kinder ja ebenfalls befragen, wie es ihnen geht, etwa ritualisiert im Morgenkreis oder als Klassenrat. Aber ein Ranking der Schulen nach Wohlbefinden geht eindeutig weiter und ist viel wirkungsvoller! Eine jährliche schulweite Befragung, der Vergleich mit dem Vorjahr und den Nachbarschulen bringt einen starken Fokus und die Verpflichtung, tief in die Strukturen zu schauen, die die Schulatmosphäre ausmachen. Die öffentliche Priorisierung des Wellbeings sowohl in der Bildungspolitik als auch gesellschaftlich und unter der Elternschaft reicht wesentlich tiefer als Einzelmaßnahmen innerhalb der Klasse es vermögen. Wir könnten z.B. endlich die Absentismus- und Drop-out-Quote – also derjenigen die die Schule nicht als ihren Ort empfinden und die Schule abbrechen – hinterfragen und mehr Jugendliche erreichen. Schließlich ist bekannt, dass Schulabsentismus und Drop-out ganz wesentlich mit der Atmosphäre an der Schule korrelieren!
Während in Deutschland eine Wohlfühlatmosphäre noch oft als Kuschelpädagogik abgetan wird, ist in Dänemark der Zusammenhang mit Leistungsbereitschaft viel bekannter. Ich spreche in meinem Podcast „Schule lass mal reden!“ mit Helle Jenssen, einer dänischen Schulpsychologin und Ex-Kollegin von Jesper Juul, warum die skandinavischen Länder ein anderes Verhältnis zum Wohlbefinden haben. Sie ist beim Projekt Empathie macht Schule international engagiert und spricht in diesem Zusammenhang von einer generationenübergreifenden Traumatisierung, die die deutsche Bevölkerung im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg erlebt hat. Was auf den ersten Blick als ungewöhnlicher Gedanke erscheint, macht Sinn, wenn man sich fragt: Sind wir vielleicht immer noch überzeugt, dass das Leben hart ist und dass Leistung anstrengend sein muss? Sehen das skandinavische Gesellschaften vielleicht anders?
Den ganzen Podcast mit Helle Jensen hört ihr hier.
Julie ist eine Schülerin der 7. Klasse in der Kokkedal Skole, die sich mit mir sehr sicher auf Englisch unterhält. Neben ihr sitzen der Lehrer Ole und die Schulleiterin Kirsten. Alle duzen sich. Auf meine Frage, wie gerne sie auf einer Skala von 0-10 zur Schule geht, antwortet sie mit gewinnender Ehrlichkeit, manchmal sei es eine 2 und manchmal eine 9. Darauf folgen Beispiele von ihr und dem Lehrer, die erzählen, wann sie Erlebnisse einer echten 9 hatte, beispielsweise als sie im Taucheranzug im Hafenbecken tauchte, um das Algenwachstum für ein Unterrichtsprojekt zu messen. Mir fällt auf, wie ungezwungen sie mit den Erwachsenen spricht. Sie besucht nachmittags nach dem Unterricht freiwillig die Innovateket, also etwa das naturwissenschaftliche Zentrum samt Makerspace und Podcast-Studio, das die Schule gerade für den Nachmittag aufgebaut hat. Dort nimmt sie mit einer Mitschülerin einen Podcast auf, in dem sie ein Interview zur Dänisch-Lektüre durchspielen. Alle Digitalisierung wird eher beiläufig eingesetzt. So gelingt die Verbindung von Zukunftsorientierung und dem Fokus auf das Wohlergehen scheinbar mühelos. Es bleibt trotzdem dabei, wie Julie sagt: „Sometimes it´s a 2, sometimes it´s a 9“. Aber man spricht offen darüber und es interessiert sowohl Lehrkräfte als auch die Schulleitung. Und: Die Schule ist ein guter Ort für sie, an den sie auch nachmittags gerne kommt. Das wünsche ich mir für deutsche Schüler:innen!
Was die PISA-Offensiven angeht: Mehr Zeit für Grundschulen ist eine tolle Initiative, aber an anderer Stelle, denn eine reine Erhöhung der Stundentafel nützt nichts! Stattdessen wäre die Zeit besser an anderer Stelle investiert: gemeinsam geplanter Unterricht durch Kolleg:innen, Zeit für Absprachen und Kooperation. Denn: Geht es den Lehrkräften gut, geht es auch den Schüler:innen besser. Weniger Druck und mehr Verständnis für die Bedeutung von Wohlergehen wäre ein nächster Schritt...
Welches Fach würde euch am meisten ansprechen: Informatik, Digitale Welt oder Technologie und Innovation? Was wirkt wohl besonders motivierend auf Lernende? Und welche Inhalte wären für dieses Fach aus eurer Sicht besonders wichtig?
Darüber hatte auch die Gesellschaft für Informatik diskutiert, als das neue Schulfach Digitale Welt für Hessen pilotiert wurde. LINK Und auch in vielen anderen Bundesländern wird das Fach Informatik implementiert oder ist es bereits für einige Klassenstufen, manchmal hat es einen anderen Namen und oft unterschiedliche Schwerpunkte. Besonders interessant war für mich daher bei meinem Besuch in Dänemark, wie die dänischen Schulen mit diesem Fach in all seinen Perspektiven umgehen. Denn während wir noch auf die Umsetzung des im Februar zugesagten Digitalpakt 2.0 warten, sind dänische Schulen schon lange deutlich besser digitalisiert - aber bedeutet das auch, dass sie auch offener für Innovation sind? Um es vorwegzunehmen: Ja. Schon im nationalen Rahmenlehrplan ist die Zukunftsorientierung mit den Future Skills festgelegt für alle Schulen, er heißt sogar Fremdtiden skole (Zukunftsschule). Innovationsfähigkeit ist insgesamt ein hoher kultureller Wert in Dänemark, die dänische Handelskammer schreibt sogar hier: „Die Weltbank stuft Dänemark als eines der besten Länder für die Gründung von Start-ups“… ein.
Auf der Suche nach dem neuen Fach bin ich bei TechX, einem LearningHub in der Kommune Rødovre fündig geworden: Dort berichtet der Head of TechX, Jesper Drachmann, wie das neue Fach entwickelt wurde.
1. Die Kommunen entscheiden über Lerninhalte
Das neue Fach, dass für alle Schulen in der Kommune Rødovre entwickelt wurde, heißt Technologie und Innovation - es entstand in der Zusammenarbeit von Lehrkräften, der Medienabteilung der Stadt und dem LearningHub TechX. Denn jede Kommune entscheidet selbst, welche Schwerpunkte sie setzt und wie der nationale Rahmenlehrplan konkret ausgestaltet wird. Das bedeutet einerseits eine große Passung dessen was gelehrt wird zu den jeweiligen Schulen. Es bedeutet aber auch, dass sich wirklich alle mit den Lehrplänen beschäftigen müssen und die Kommunen einen großen Einfluss haben, mit allen Vor- und Nachteilen. Dabei ist hier TechX für dieses neue Fach besonders geeignet , denn: TechX ist der Ort für Fort- und Ausbildung als eine Art Makerspace, Teil des Unterrichts der umliegenden Schulen, Teil der Kommune und damit auch zuständig für die Entwicklung des neuen Schulfaches Technologie und Innovation.
2. Inhalte des Faches
Jesper Drachmann, Head of TechX erzählt, welche Schwerpunkte das neue Fach abdeckt: Es geht um digital literacy, also etwa digitale Mündigkeit, aber auch um Kompetenzen wie Kreativität, Innovation und Produktion, also dass aus Lernenden aktive Gestalter:innen und nicht nur Konsumierende werden. Wer erstmal einen Filmclip, einen Podcast oder FakeNews mit KI selbst erstellt hat, weiß schließlich besser, wie das funktioniert und durchschaut eher andere Produktionen. Beim computational thinking geht es darum, welche Herausforderungen sich mit einem Rechner lösen lassen, wobei etwa Algorithmen helfen können. Andere Bausteine sind Programmierung, Systeme und digitale Netzwerke. Damit wird im Fach Technologie und Innovation deutlich mehr abgedeckt als unter dem Fach Informatik meist verstanden wird.
Und es entspricht auch dem, was Expert:innen fordern und übrigens ja auch die KMK-Strategiepapier in der Version von 2021 aufzeigt. Dort wird nämlich Bezug auf das Dagstuhl-Dreieck genommen (nach dem Schloss Dagstuhl benannt). Das Dagstuhl-Dreieck formuliert für das Lernen in der digitalen Welt drei wesentliche Fragen, die unterrichtlich aufgegriffen werden sollen:
Wie funktioniert das? (Technologische Perspektive)
Wie nutze ich es? (Anwendungsorientierte Perspektive)
Wie wirkt es? (Gesellschaftlich-kulturelle Perspektive)
Das Curriculum sieht dann auch ganz anders aus, als man es von einem Curriculum sonst kennt: Jeder QR-Code führt zu den Inhalten für die jeweilige Klassenstufe, beginnend ab Klasse 1.
Alle Spiele wurden selbst ausprobiert. Wenn sie inhaltlich nicht genug Lernstoff hergaben, wurden sie umgebaut, erweitert oder neu hergestellt. Auch das scheint eine typisch dänische Eigenschaft zu sein, sich die Dinge passend zu machen und nicht zu warten, bis sie von oben oder von Firmen geliefert werden. Überall finde ich auch in Schulen selbst hergestellte Handy-Hotels oder Produkte für den Unterricht. Ein bisschen wie die Pippi-Langstrumpf-Mentalität: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“
Laut Jesper Drachmann wurde die Einführung des neuen Faches gerade von der Kommune evaluiert: Sie war ein voller Erfolg! Das hängt damit zusammen, dass eben nicht nur ein neues Fach eingeführt wurde, sondern eine Implementierung in alle Fächer angestrebt wurde. Es soll sich die Rolle der Lehrkräfte verändern, daher war die Einbindung aller Lehrkräfte auch besonders aufwändig.
Nun ist es ja sehr erfreulich, dass Dänemark diese neue Herausforderung für Schulen so gut löst, aber ihr fragt euch vielleicht, was sich davon jetzt auf deutsche Schulen übertragen lässt. Hier meine Erkenntnisse gebündelt:
1. Das neue Fach sollte Spaß machen und Lust am Ausprobieren wecken. Schaut euch nochmal den dänischen Lehrplan an, was würdet ihr am liebsten sofort ausprobieren? Genauso sollte der Lehrplan für das neue Fach sein; er sollte Lust machen und Neugier wecken.
2. Wie ist der nochmal entstanden? Richtig, Grundschul- und Sekundarschullehrkräfte, Tekkies und Bildungsverwaltung haben zusammen gearbeitet - und dabei selbst ganz viel ausprobiert. Es müssen also inhaltliche Expert:innen mit denen zusammen am Tisch sitzen, die die Lerngruppe gut im Blick haben und vielleicht auch ethische Bedenken haben. Vielleicht können Lernende selbst auch Feedback geben, was sie lernen wollen?
3. Wie mit den Lehrkräften umgehen, die sich als nicht digital kompetent fühlen? Und das sind laut Ipsos-Studie immerhin 62% der deutschen Lehrkräfte! Sie brauchen Unterstützung, einen ausgestatteten Ort und Mentor:innen, damit sie nicht Vermittler:innen dessen sind, was sie selbst nicht gut können. Das führt sonst zu Stress und Widerstand.
4. Gut ausgestattete Orte wie Medienzentren sollten in den Lehrplan mit aufgenommen werden. Nicht jede Schule kann einen Makerspace ausstatten und alle digitalen Geräte und Spiele anschaffen. Vielleicht können auch Medienpädagog:innen von dort in den Unterricht eingebunden werden?
5. Das Pius-Gymnasium in Coesfeld hat mir mal erzählt, dass sie einen Fortbildungstag für Lehrkräfte veranstaltet haben - von Schüler:innen! Dort haben alle Lehrkräfte ausprobiert, was ihre Schüler:innen gerade online spielen, womit sie sich beschäftigen. Und die dortige Mediengruppe besteht natürlich auch aus Lernenden, Eltern, Lehrkräften und Schulleitung. Die Challenge heißt also: Wie lässt sich an eurer Schule der Generationen-Gap am besten schließen?
Wer das ganze Interview mit Jesper Drachmann hören möchte, findet das Interview und andere Eindrücke meiner Bildungsreise nach Dänemark hier.
Link zum Film: https://kurzelinks.de/5w4d
Link zur Webseite: https://katiahl-bildungsreisen.de/
Link zum Podcast: https://letscast.fm/sites/schule-lass-mal-reden-8e9b93b9
Und schließlich: Dänemark ist nicht nur das Land der digitalkompetenten Tekkies, sondern auch das Land von Hygge und Wellbeing. Wie passt das zusammen? Darum geht es in meiner nächsten Kolumne, erscheint in etwa vier Wochen hier! Stay tuned!
Manche Zahlen die wir tagtäglich so lesen, sind keine schönen Zahlen. Während der Entwicklung unserer Start-Up Idee mit StudySpace, haben wir uns vor allem in die Bereiche Lernverhalten, Motivation und psychische Gesundheit bei jungen Menschen reingelesen.
An dieser Stelle eine Sache vorweg: Ja, diese Themen sind komplex und herausfordernd. Unser Ziel mit dieser Kolumne ist es jedoch, dass ihr am Ende aus der Lektüre hier rausgehst und denkt: „YES – Ich kann junge Menschen beim Lernen entlasten und begleiten. Ich finde einen individuellen Weg, wie mir das gelingt“. Wir möchten euch mit diesen Artikeln eine Mischung aus Fakten, Ideen und Anreizen mitgeben. Jede und jeder von euch wird bestimmt schon ganz tolle Ansätze und Vorstellungen haben, wie er oder sie jungen Lernenden wertvollen Input mit auf den Weg mitgeben kann. Lasst uns deshalb einfach mal gemeinsam in die Materie reinstarten.
Eine Unicef Studie hat 2021 festgehalten, dass ganze 37% der 14–19-Jährigen angeben, von psychischen Problemen betroffen zu sein. Die Hälfte aller psychischen Erkrankungen erfolgt vor dem 19. Lebensjahr, sprich überwiegend während der Schulzeit. Das ist erschreckend und wirft Fragen auf: Warum geht es vielen jungen Menschen so schlecht und was können wir als Lehrkräfte und angehende Lehrkräfte machen, damit die Ergebnisse besser ausfallen?
Die Public Health Schweiz hat Mitte 2023 eine Tagung veranstaltet, wo genau diese Frage beantwortet werden sollte. Ettlich Jugendpsychiaterinnen und -psychiater berichteten von ihren Erfahrungen in der Arbeit mit den Betroffenen. Die Auslöser sind meist ähnlich: Schulischer Druck, Prüfungsstress und Angst vor der Berufswahl sind ganz oben mit dabei doch auch Krisen wie Corona, der Ukraine Krieg und die Inflation spielen hier eine große Rolle. Zwischen ersten Krankheitsanzeichen, einer Diagnose und dem eigentlichen Therapiebeginn vergeht in der Regel viel zu viel Zeit, oft ganze Jahre. Das kann dazu führen, dass sich Verhaltensmuster festigen und weitere Störungen entwickeln. Umso wichtiger ist also die Prävention: Früh ansetzen, früh begleiten und früh stärken. Nach wie vor mangelt es an psychologischer Unterstützung und junge Menschen finden häufig keine Anlaufstelle für ihre Sorgen. Auch wir beobachten selbst, wie häufig sich vor allem Jugendliche uns über Social Media anvertrauen und nach einem offenen Ohr fragen. Ganz oft, weil sie sich in der Schule einfach überfordert fühlen.
So frustrierend die Lage sein mag, ermöglicht sie uns Lehrpersonen – völlig egal, in welchen Kontext wir mit jungen Menschen arbeiten - deren Situation maßgeblich positiv zu beeinflussen. Was bedeutet das konkret? Wenn wir früh ansetzten und genau die herausfordernden Prozesse begleiten, von denen Jugendliche und junge Erwachsene klagen, können wir einen enormen Unterschied machen und die Zahl an Betroffenen reduzieren. Laut Fachpersonal sollten vor allem die Kompetenzförderung im Vordergrund stehen und die Vermittlung der Selbstwirksamkeit. Lernenden muss klar werden „Hey, ich kann selber beeinflussen, wie ich mich verhalte, von was ich mich stressen lasse und wie ich mit Belastungen umgehe. Das ist ja eigentlich richtig cool!“. In vielen Fällen braucht es gar nicht die ausführliche Beratungsrolle, die wir als Lehrkraft gerne mal einnehmen. Manchmal reicht es schon zuzuhören, sagt Liz Mohn von der Bertelsmann Stiftung – Und mit Sicherheit habt ihr, genauso wie wir, diese Erfahrung in eurem Arbeitsalltag auch schon häufiger gemacht. Wir haben schon mehrmals in unserer jungen Community nachgefragt: „Was hilft dir denn, damit du dich in Schule und Uni wohlfühlst?“. Die Antworten fallen meist ähnlich aus: Ganz oft wird der Wunsch nach aufrichtigem Interesse geäußert. Dass es uns als Lehrperson also wirklich interessiert, wer diese Menschen sind mit denen wir täglich arbeiten, was sie bewegt und wofür sie brennen. So empfinden sich junge Menschen als gesehen, als wichtig. Ähnlich ist es mit dem Punkt Sicherheit, also voll und ganz man selbst sein zu können, ohne Angst vor Wertung zu haben. Uns muss es gelingen, ein Bildungs-Umfeld zu bieten, wo Lernende gerne hinkommen, wo sie wissen, sie sind willkommen, werden gehört und bewirken durch ihre Mitarbeit etwas. Hier die Impulsfrage an uns alle: Was kann ich tun, damit mein Lernraum zu einem sicheren Raum für meine Schülerinnen und Schüler wird?
Schließlich spielt die Aufklärung zum Thema mentale Gesundheit natürlich eine tragende Rolle. Zum Glück reden wir in der heutigen Zeit intensiver und ehrlicher über dieses Thema, aber auch im Ausbildungskontext sollte die mentale Gesundheit häufiger thematisiert und integriert werden. Ein kleiner Ideen-Anreiz kommt hier aus den USA: Seit 2023 können Schülerinnen und Schüler in Colorado an sogenannten Mental Health-Checks teilnehmen, direkt in ihrer Schule. Hierfür wurde sogar ein Gesetz erlassen und das Ganze soll der Prävention dienen. Wir brauchen mehr Fortbildungen, sowohl für Lernende als auch Lehrkräfte und natürlich Fachkräfte Vorort, die Anlaufstelle sind. Nur so kann es uns gelingen, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene angemessen zu betreuen und zu begleiten.
Wir sind uns sicher, dass ihr, wenn ihr bis hier hin gelesen hast, etliche Ideen und Anreize habt, wie wir junge Lernende noch besser unterstützen können, wenn es um mentale Gesundheit im Bildungskontext geht. Kommt gerne mit uns in den Austausch, schreibt uns eine Nachricht und lasst uns brainstormen. Wir möchten sowohl als Lehrerinnen als auch als Gründerinnen das Thema mentale Gesundheit im Lernbereich fördern und voranbringen – und freuen uns riesig auf euren Input!