Am 10.02.2022 fand das Auftakttreffen der Veranstaltungsreihe Brücken bauen – Bildung beleben statt, die von der Zukunft Digitale Bildung gGmbH ins Leben gerufen wurde. 

Mit dieser ersten Veranstaltung wird das Ziel einer langfristigen Aufarbeitung wichtiger bildungspolitischer Themen verfolgt. Zum ersten Mal kamen Vertreter:innen aus Politik, Verbänden und Startups sowie Lehrkräfte für einen produktiven Austausch über die Zukunft der digitalen Bildung in Deutschland an einen Tisch. 

Gemeinsam mit Rebecca Rabe, Dario Schramm und Fredrik Harkort von der iddb.school (Initiative deutscher digitaler Bildungsanbieter), der bildungspolitischen Sprecherin der FDP Ria Schröder, dem BLLV Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband, der Bundesschülerkonferenz, dem Bundesverband innovative Bildungsprogramme e.V. sowie der ​​GEW und dem deutschen Lehrerverband wurde differenziert und umfassend diskutiert, wie Schule und Unterricht im Zeitalter der Digitalität realisiert werden kann. Gemeinsam wurde analysiert, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss und ob für eine effektive, digitale Bildung gegebenenfalls neue geschaffen werden müssen. 

Der Abend begann mit einer Begrüßung des CEOs der ZDB Nicolas Colsman gefolgt von Forderungen und Positionen der Gäste zum Thema Digitale Bildung. Anschließend wurde insbesondere über die Erwartungen an den im Koalitionsvertrag beschlossenen Digitalpakt 2.0 sowie eine Zertifikation von digitalen Lernangeboten diskutiert.

Gütesiegel für digitale Lernangebote

Im Rahmen der Diskussion kamen die Teilnehmer:innen insbesondere beim Thema Gütesiegel bzw. Zertifikat für digitale Angebote zum Konsens.

Dario Schramm hebte hervor, dass die digtitalen Angebote schon lange ein fester Bestandteil der Bildung von Schüler:innen sei. Es gehe nun darum, die digitalen Angebote in die Schule zu bringen. Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Lehrerverband merkte hier jedoch an, dass es schwer sei, einen Überblick über die Vielzahl an Anbietern zu bekommen. Ein Siegel wäre hilfreich, um Übersichtlichkeit zu schaffen und einen Qualitätsstandard zu etablieren. Dies könne insbesondere Eltern und Lehrkräften Sicherheit geben.

Seitens der GEW bestätigte Dr. Birgita Dusse diesen Eindruck: “Schulbuchverlage durchlaufen einen sehr engen Prozess der Anerkennung von Schulmaterialien. Hier ist im Moment tatsächlich, was Apps und Software betrifft, noch ein großer, starker Wildwuchs.”  Die GEW setze sich daher für eine Standardisierung sowie Whitelist von digitalen Bildungsangeboten seitens öffentlicher Hand ein, die Orientierung und Sicherheit für die Integration eben derselben in den Unterricht geben.

Fredrik Harkort sowie Rebecca Rabe gaben jedoch zu bedenken, dass der Prozess zur Zertifikation von digitalen Lernangeboten schwierig sei, da sich diese ständig weiterentwickeln. Eine Zertifikation sei zwar wünschenswert,  aber  schwierig zu realisieren. Datensicherheit wurde von Dr. Brigita Dusse als wichtiger Faktor aufgeführt, der die Zertifikation erschweren könne.

Bei der Frage, wer diese Zertifikate ausstellen könnte, wäre eine zentrale Stelle denkbar. Helena Dreznjak vom Bundesverband für Innovative Bildungsprogramme merkte an, dass ein Bildungsinnovationszentrum wesentliche Fragen und Aufgaben bewerkstelligen könne, so auch die Zertifikation von digitalen Bildungsanbietern. “Die Digitalisierung muss im Hintergrund funktionieren. (…) Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, und vor allem auch der einzelnen Lehrer:innen, sich darum zu kümmern: welche Plattform darf ich nutzen? Wie kann ich die technisch einrichten? Systemadministration, und so weiter.” (1:30:00). Ein zentrales Innovationsmanagement könnte Lehrkräfte dahingehend entlasten.

Auch Ria Schröder, Bildungspolitische Sprecherin der FDP, merkte bereits zu Beginn der Diskussionsrunde an, dass immer mehr Akteure des Bildungssystems erkennen, dass der Bildungsföderalismus eher zum Problem geworden sei. Man müsste mehr Unterstützung seitens des Bundes ermöglichen. Die digitale Infrastruktur an Schulen solle flächendeckend gleich gut funktionieren und zentral bereitgestellt werden. Auch Schröder könnte sich eine Art  “Bundeszentrale für digitale Bildung” vorstellen, die als Anlaufstelle für Lehrkräfte fungiert und digitale Lehrangebote sowie Fortbildungen zertifiziert.

Zu sehen sind drei Menschen, die diskutieren.

Digitalpakt 2.0 – Digitalisierte Bildung

Der Digitalpakt 2.0 wurde insbesondere von Seiten der Politik, der GEW, sowie des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes begrüßt.  Die Diskutierenden waren sich jedoch einig darüber, dass man den Digitalpakt verstetigen solle anstatt ihn zu erneuern.

Ria Schröder stellte fest: “Der Digitalpakt war der erste Schritt in Richtung Digitalisierung, aber Digitalisierung besteht nicht nur daraus, dass Geräte da sind.” Schröder kritisierte vor allem, dass der Digitalpakt zu bürokratisch und kompliziert sei. Der Mittelabruf müsse schneller funktionieren, zudem solle man eine langfristige Wartung digitaler Geräte ermöglichen und vor allem Systemadministrator:innen zur Verfügung stellen.

Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Lehrerverband betonte, dass Digitalisierung als Daueraufgabe von Bund, Ländern und Kommunen verstanden werden und demzufolge auch dauerhaft finanziert werden müsse. Dieser Auftrag solle mit allen am Event teilnehmenden Akteuren realisiert werden: “Das muss eine Daueraufgabe sein, wo (übrigens) alle eingebunden werden, auch die Wirtschaft, auch die Anbieter, auch die Start-Ups. Das ist nicht geschehen.”

Dr. Birgita Dusse hob hervor, dass der Digitalpakt auch Anwendung auf andere Bildungsbereiche finden solle. Beispielhaft hierfür sind Hochschulen und Weiterbildungsangebote aus öffentlicher Hand.

Unterstützung von Lehrkräften

Die Diskutierenden waren sich zudem eindeutig einig in der Forderung, dass Digitalisierung in Schulen nicht Mehraufwand und Belastung für Lehrkräfte bedeuten darf. Helena Dreznjak legte nahe, dass multiprofessionelle Teams das Innovations- sowie Transformationsmanagement an Schulen übernehmen könnten. So könnten Lehrer:innen sich vermehrt um den Unterricht kümmern und würden nicht mit administrativen Aufgaben n belastet werden. Ria Schröder und Dr. Birgita Dusse stellten die Wichtigkeit von System-Administrator:innen ebenfalls in den Raum

Bildungsföderalismus und Chancengleichheit in der Bildung

Im Rahmen der Diskussion wurde immer wieder die Funktionalität des deutschen Bildungsföderalismus infrage gestellt. Die Diskutierenden waren sich einig, dass flächendeckend eine digitale Infrastruktur bereitgestellt werden soll, die allen Schüler:innen eine gleiche digitale Bildung ermöglicht. Ria Schröder betonte hierbei, dass es sich bei der Lösung  nicht um eine Zentralisierung aller Bildungsangelegenheiten handele, sondern um verstärkte Kooperation zwischen Bund, Ländern und Schulen. 

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Dieser gesamtgesellschaftliche Diskurs war ein erster und wichtiger Schritt,  die Digitalisierung in der Bildung zukünftig weiter voranzubringen. Ein zweites Event im Rahmen der Veranstaltung Brücken bauen – Bildung beleben wird bereits geplant und Ende Sommer stattfinden.

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Dieser Beitrag wurde von Annika Ruppel verfasst.