Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands in der Ukraine, der im Februar diesen Jahres begann, hat die Welt noch immer fest im Griff. Neben dem unsäglichen Leid der ukrainischen Bevölkerung, explodierenden Benzinpreisen und besorgten Blicken in die Zukunft, steht Europa vor der Herausforderung, den geflüchteten Menschen eine würdevolle Bleibe zu ermöglichen. Besondere Priorität hat dabei die auch die Eingliederung der mittlerweile knapp 92.000 ukrainischen Schüler:innen in den Schulbetrieb. Eine Umfrage der Robert-Bosch-Stiftung ergab nun, dass sich unsere Lehrkräfte dabei mehr Unterstützung wünschen würden.

Neue Herausforderung für Lehrkräfte

Der Krieg in der Ukraine ist längst im Alltag deutscher Lehrerinnen und Lehrer angekommen: Im Klassenzimmer jeder zweiten Lehrkraft sitzen bereits Kinder und Jugendliche aus der Ukraine. Während im April rund 61.000 geflüchtete Schüler:innen für einen Schulbesuch angemeldet waren, stieg die Zahl Anfang Mai weiter rasant an. Bisher wird der ukrainische Nachwuchs dabei hauptsächlich in die bestehenden Klassen integriert und nimmt so am Unterrichtsgeschehen ihrer deutschen Mitschüler:innen teil. Dies ist eine begrüßenswerte Entscheidung, da das Wohlbefinden der teils stark traumatisierten jungen Menschen zuallererst im Vordergrund stehen sollte. Durch die Einbindung in den normalen Unterricht kann so eine gewisse Normalität ermöglicht werden.

Unterbringung von Schüler:innen aus der Ukraine erfordert mehr Personal

Die Mehrheit der Lehrer:innen teilte mit, dass ihre Schule bereits über die notwendige EDV verfügt, um einen Unterricht mit ukrainischen Lehrmitteln zu ermöglichen. Woran es laut GEW-Vorstand Anja Bensinger-Stolze aktuell mangelt, sind Personal und Räumlichkeiten: „Die Schulen brauchen vor allem Lehrkräfte für Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache, aber auch Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, Schulpsychologinnen und -psychologen, Fachkräfte für den Umgang mit Traumata sowie Dolmetscherinnen und Dolmetscher“. Zwar sind viele Lehrkräfte bereits vertraut mit dem Unterricht geflüchteter Schüler:innen, aber das organisatorische Chaos an deutschen Schulen im Zuge der andauernden Corona-Pandemie erschwert die Eingliederung zusätzlich.

Wie gelingt die Eingliederung der ukrainischen Schüler:innen in das deutsche Schulwesen?

Um die Schülerinnen und Schüler optimal im deutschen Schulalltag ankommen zu lassen, bietet es sich an, die ebenfalls geflüchteten Lehrkräfte aus der Ukraine im deutschen Schulwesen einzubinden. Dies betont auch Dr. Dirk Zorn, Bereichsleiter des Ressort Bildung bei der Robert-Bosch-Stiftung: „Ukrainischsprachige Lehrkräfte und Übersetzer:innen können Schulen bei der Aufnahme der geflüchteten Schüler:innen wirksam unterstützen. Wir sollten deshalb die Beschäftigung ukrainischen Personals an deutschen Schulen unbürokratisch und schnell ermöglichen, auch in Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und staatlichen Stellen.“

Abschließend sollte auch erwähnt sein, dass es sich bei der Integration der ukrainischen Schüler:innen nicht um die größte Sorge der Lehrer:innen handelt: Laut dem Schulbarometer bereiten die ständig wechselnden Corona-Maßnahmen, sowie die mangelhaft fortgeschrittene Digitalisierung des Schulbetriebs, nach wie vor die massivsten Probleme für die Pädagog:innen.

Was sagt Ihr zu den Ergebnissen des Schulbarometers? Habt Ihr bereits Schüler:innen aus der Ukraine in euren Klassenzimmern? Wir sind gespannt auf eure Kommentare!