In Uvalde, Texas ereignete sich vergangenen Dienstag eine Tragödie: Der 18-Jährige Salvador Ramos drang in die Robb Elementary School ein und tötete dabei Schüler:innen und Lehrkräfte, bevor er schließlich selbst von Polizisten überwältigt und erschossen wurde. Auch vier Tage nach dem Amoklauf ist der Schmerz der Betroffenen noch gewaltig – und es wird Kritik an den Waffengesetzen in Texas und der USA laut. Denn die Zahl der Mass Shootings in den USA, also Massentötungen mit Hilfe einer Schusswaffe, beläuft sich mit dem Amoklauf in Uvalde allein in diesem Jahr bereits auf 288 Vorfälle.

Ablauf der Geschehnisse

Der Amoklauf ereignete sich in der Kleinstadt Uvalde in Texas an der Robb Elementary School, einer Grundschule mit rund 600 Schüler:innen zwischen sieben und zehn Jahren. Salvador Ramos schoss nach Angaben der Behörden am Morgen des 24. Mai zunächst auf seine Großmutter. Er floh anschließend aus der Wohnung und rammte sein Auto in einen Graben in Nähe der Grundschule. Gegen 11:30 Uhr kam er an der Grundschule an, bewaffnet mit einer Pistole, einem Sturmgewehr, und ausgestattet mit einer kugelsicheren Weste. Er drang durch eine unverschlossene Tür in ein Klassenzimmer ein und setzte die Tat fort, die er zu Hause in seiner Wohnung begonnen hatte. Dabei tötete er 19 Kinder und zwei Lehrkräfte. Auch zwei Polizisten und andere Anwesende wurden verletzt und werden derzeit noch in nahegelegenen Krankenhäusern behandelt. In einem anderen Klassenzimmer konnte eine Lehrerin die Schüler:innen ihrer Klasse vor dem Eindringen des Täters bewahren, indem sie einen Active-Shooter-Drill durchführte. Dabei wird die Klasse abgeschlossen, alle Lichter werden ausgeschaltet und die Kinder verstecken sich unter ihren Tischen. Erst nach einer Stunde konnte Ramos von den anwesenden Polizisten überwältigt und erschossen werden. Warum der Täter gerade die Grundschule als Ziel seiner Tat wählte, ist laut den Behörden noch unklar.

Kritik an der Polizei und bestehenden Waffensicherheitsgesetzen

Im September letzten Jahres unterzeichnete der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, ein Gesetz, das das Tragen einer Waffe ohne einen Erlaubnisschein ab bereits 18 Jahren möglich machte. Der Täter kaufte sich am 16. Mai – seinem 18. Geburtstag – die zum Teil vollautomatischen Waffen also völlig legal und setzte sie kurze Zeit später auf schreckliche Art und Weise ein. Abbott steht in der Kritik, da er zwar einen 40-Punkte-Plan zur mentalen Unterstützung der betroffenen Schüler:innen aufstellen möchte, es jedoch vermeidet, das eigentliche Problem anzusprechen: Den leichten Zugang zu Schusswaffen und die schwachen Sicherheitsgesetze. 

Gegen die Polizisten, die während des Amoklaufs vor Ort eingesetzt waren, werden ebenfalls schwere Vorwürfe erhoben. Die ersten Berichte seitens der Polizei seien widersprüchlich gewesen: Erst wurde angegeben, dass der Täter direkt konfrontiert wurde und bei der nächstbesten Gelegenheit überwältigt werde. Später nahm die Polizei diese Aussage jedoch zurück und erklärte, dass sich der Täter in einem Klassenraum verschanzt hätte. In diesen konnte die Polizei nicht eindringen und es dauerte eine volle Stunde, bis externe Spezialeinheiten die Tür aufbrechen konnten. Videoaufnahmen, in denen verzweifelte Eltern vor der Schule von der Polizei in Handschellen gelegt werden, während sich der Täter noch in der Schule befand, erzürnten die Bevölkerung zusätzlich. Javier Cazares, ein Augenzeuge und Vater einer Tochter, die am 24. getötet wurde, berichtet: “Sie [die Polizei] sagten, dass sie direkt das Gebäude stürmten. Doch wir sahen nichts dergleichen.”

Täter stand in Kontakt zu einer Schülerin aus Frankfurt

Ein 15-Jähriges Mädchen aus Frankfurt stand bereits seit Wochen vor der Tat in Kontakt mit Ramos. Er fantasierte davon, seine Großmutter zu erschießen und schrieb am 24., dass er dies nun in die Wirklichkeit umgesetzt habe. Dass er einen Amoklauf an einer Grundschule ausüben wollte, gestand er der 15-Jährigen ebenfalls. In einem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtensender CNN erklärte das Mädchen, dass sie Ramos am 9. Mai auf einer Social Media App kennen gelernt habe. Sie sprachen fast täglich mithilfe der App FaceTime und Ramos hatte Pläne, sie in Deutschland besuchen zu kommen. “Er sah glücklich und entspannt aus, wenn er mit mir sprach”, erklärte sie in dem Interview. Es gab jedoch auch Nachrichten, die das Mädchen alarmierten. So erklärte sie, dass ihr Ramos eine Weile vor der Tat gestand, “tote Katzen auf die Häuser anderer Menschen” zu werfen.