Der heutige Weltflüchtlingstag dient der Solidarität mit allen Menschen, die dazu gezwungen sind, ihre Heimat zurückzulassen und sich, um ihr Leben zu schützen, auf gefährliche Wege begeben. Bereits seit dem Jahr 2000 findet der internationale Weltflüchtlingstag am 20. Juni statt. Dieser wurde mit dem 50 jährigen Bestehen der UNHCR, des Hohen Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen, ins Leben gerufen. Einerseits soll auf die Schrecken der Flucht und Vertreibung aufmerksam gemacht werden und andererseits den Mut und die Mühen der Menschen würdigen, welche auf der Flucht sind oder Menschen in Not helfen.

Aktuelle Zahlen des UNHCR zeigen die Dramatik der weltweiten Situation: Mehr als 100 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Die Anzahl an flüchtigen Menschen in der Welt ist innerhalb eines Jahres um acht Prozent angestiegen. Grund dafür ist nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine. 

Der internationale Weltflüchtlingstag soll daran erinnern, dass jeder Mensch das Recht auf Schutz und Sicherheit hat. So spricht sich die Hilfsorganisation der Vereinigten Nationen gegen Diskriminierung und gegen das Abweisen von Asylsuchenden aus und fordert ein allgemeingültiges Recht auf Asyl und einen humanen Umgang mit Menschen auf der Flucht. 

Rund 40 Prozent der weltweit von Flucht und Vertreibung betroffenen Personen sind noch nicht volljährig. Zahlen des UNHCR zu Folge wurden in den letzten drei Jahren eine Millionen Kinder als Geflüchtete geboren. Besonders seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine steigen die Zahlen an Geflüchteten, die Deutschland und andere europäische Länder erreichen. Das befeuert die gesellschaftliche Debatte um einen humanen und gerechten Umgang mit Asylsuchenden. Kinder und Jugendliche auf der Flucht haben schweren Zugang zu Bildung. Eine entscheidende Frage ist deshalb: Wie kann man Bildungs- und Chancengleichheit schaffen?

Zu sehen sind Kinder beim malen.

In Deutschland gibt es in diversen Bundesländern sogenannte Vorbereitungs- oder Willkommensklassen. Diese sollen Kinder, die neu in Deutschland sind, auf die Schule und den Unterricht in Regelklassen vorbereiten. Die Bildung von zugewanderten Lernenden mit verschiedenen schulischen Vorerfahrungen ist spätestens seit 2015 fester Teil der bildungspolitischen Agenda und Gegenstand vieler Studien. Die Modelle, wie der Unterricht in den Vorbereitungsklassen gestaltet ist, unterscheiden sich in den einzelnen Bundesländern teilweise stark. Mancherorts sind die Vorbereitungsklassen vollständig separiert, andere Modelle lassen mehr Kontakt zum Regelbetrieb zu und sehen gemeinsame Unterrichtsaktivitäten vor. 

Eine Studie der evangelischen Hochschule Berlin weist auf die Kernproblematik von separierten Vorbereitungsklassen hin: Diese Trennung vom Regelschulbetrieb kann ein “Einfallstor für Diskriminierung” bilden. Ziel der Beschulung von zugewanderten Kindern in Vorbereitungsklassen sollte immer sein, durch die Überwindung von sprachlichen und fachlichen Hürden, den Übergang in eine Regelklasse zu ermöglichen. Im Sinne der Integration und des Willkommenheißens stellt sich hier die Frage, inwiefern eine Trennung stattfinden sollte und welche Chancen sich bezüglich der gesellschaftlichen Öffnung und Sensibilisierung für Migrationsprozesse eröffnen. 

Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung weisen auf Gefahren von Vorbereitungsklassen hin. Die separate Beschulung kann dazu führen, dass zugewanderte Schüler*innen als Fremde wahrgenommen werden. Auch das Lehrpersonal beklagt häufig vom Kollegium und der Kommunikation im Team ausgeschlossen zu sein. Doch es gibt Alternativen – Konzepte der gemeinsamen Beschulung versprechen einen Gewinn für alle am Schulleben beteiligten.

Schon jetzt zeigt sich, dass viele Schulen Praktiken entwickelt haben, um gemeinsames Lernen und eine Schule für alle möglich zu machen. So findet der Übergang zur Erleichterung häufig prozesshaft und schrittweise statt. Generell ist jedoch klar, dass die Bildungspolitik mehr dafür tun muss, Integration und Mehrsprachigkeit an den Schulen zu fördern. Bislang fehlt es hier besonders an Ressourcen für Integrations- und Übergangsförderung und an schulrechtlichen Möglichkeiten, Nachteilsausgleiche in der Notengebung zu berücksichtigen. 

Wie sind eure Erfahrungen mit Vorbereitungs- und Willkommensklassen? Wir freuen uns auf eure Kommentare. Hier gehts zu einem weiteren Artikel zum Thema spielerisches Lernen im Unterricht.