Laut Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes ist die Würde des Menschen unantastbar. Dieses Grundrecht gilt auch für die Institution Schule und zwar für Schüler:innen und Lehrer:innen. Auch weiß jeder aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, diesem Recht Geltung zu verschaffen – besonders in der Schule. Neben Erfahrungen, die wir selbst machen, stammt das meiste, was wir über die Schule zu wissen glauben, aus den Medien. Sich persönlich über die Schulen ein realistisches Bild zu machen, ist deswegen praktisch  unmöglich. Aus diesem Grund bleiben Fragen weitgehend offen: Was kann gegen Mobbing getan werden? 

Laut der Statistik wurden in Deutschland im Jahr 2018 mehr als 20 Prozent der 15-jährigen Schüler:innen häufig an ihren Schulen gemobbt. Ein großer Teil des Mobbings verlief auf psychischer Ebene: 13 Prozent aller 15-Jährigen wurden mehrmals im Monat von ihren Mitschülern verspottet. Über zehn Prozent der Schüler:innen wurden unangenehme Gerüchte verbreitet. Fünf Prozent der 15-Jährigen erlebten Mobbing mit physischer Gewalt. Nach den Daten der OECD, die im Rahmen der PISA-Studie 2018 erhoben wurden, sind in Deutschland sechs Prozent aller 15-jährigen Schülerinnen und Schüler sehr häufigem Mobbing ausgesetzt. Auch eine Umfrage von UNICEF Deutschland aus dem Jahr 2019 unterstreicht das Ausmaß des Problems. Nach dieser sind 14 Prozent der Befragten schon einmal im Internet, 16 Prozent in der Freizeit und 30 Prozent in der Schule oder auf dem Schulweg gemobbt worden.

Umfrage: Mobbing an Schulen

Hinderung von Mobbing – eine Aufgabe von Schule?

Ist die Schule dazu da, um Mobbing zu bekämpfen? Eine Antwort darauf ergibt sich automatisch bei der auseinandersetzung mit den Problemen. Lehrer:innen sind den Problemen von Mobbing nicht hilflos ausgeliefert. Sie können durch die Erarbeitung von Verhaltensregeln oder durch Projekte der Streitschlichtung gezielt an der Verbesserung des sozialen Schulklimas arbeiten. 

Erziehungsmängel, welche aus dem Elternhaus stammen, lassen sich zwar nicht durch die Schule komplett beheben, dennoch wirkt die Schule auf die Schüler:innen ein und prägt deren Persönlichkeitsentwicklung mit, sei es durch die angewandten Lernformen und Unterrichtsmethoden oder die Leistungsbewertung, durch den Erziehungsstil das Klassen- bzw. Schulklima, sowie durch das Lehrer:innen-Schüler:innen- oder das Schüler:innen-Schüler:innen-Verhältnis. Wer nun für die “Schulfähigkeit” der Kinder zuerst zuständig sei, läuft ins Leere. Da sich die Institution Schule ihre Schüler:innen nicht aussuchen kann und sich auf die “veränderten” Kinder und Jugendlichen einzustellen hat. Das “Kerngeschäft” der Schulen ist nach wie vor das Unterrichten, nicht die Sozialarbeit oder die Therapie.

Allgemeine Möglichkeiten der Prävention

Aufgrund der entsprechenden pädagogischen Professionalitäten und Kompetenzen sind Lehrer:innen jedoch prinzipiell dazu verpflichtet, dem Anspruch nachzukommen, dass die Würde der Schüler:innen gewahrt wird.

Folgende rahmenbedingungen belegen die notwenigkeit von Prävention an Schulen

Mobbing: das systematische Quälen – was ist zutun?

Mobbing herrscht nicht nur zwischen Schülern, sondern auch zwischen Schülern und Lehrkräften oder auch unter Lehrkräften. Da Mobbing und Gewalt für die Betroffenen sehr gravierende Folgen haben kann, ist eine schnelle Schlichtung nötig. Dabei sollte das realistische Ziel die Gewaltverminderung anstatt die Gewaltverhinderung. Den Lehrkräften sollte bewusst sein, dass sie wichtige Rollenvorbilder für die Kinder sind. 

Die Maßnahmen gegen Mobbing können auf unterschiedlichen Ebenen betrachtet werden. Bei einem akuten Mobbingfall sind direkte Maßnahmen in der Klasse unerlässlich. Darüber hinaus sind Maßnahmen auf Schulebene, auf persönlicher Ebene, sowie  im Gespräch mit Eltern gerade auch im Hinblick auf die Prävention von Mobbing sehr hilfreich.

Mobbing und Gewalt an Schulen

Maßnahmen in der Klasse

Bei einem akuten Fall von Mobbing sind in erster Linie ernsthafte Gespräche sowohl mit den Tätern als auch mit dem Opfer notwendig. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Maßnahmen für die Klasse, die auch schon präventiv eingesetzt werden können. Hierzu zählen u.a. die Entwicklung einheitlicher und klarer Klassenregeln, positive gemeinsame Aktivitäten, häufiges Loben und Motivieren der Schülerinnen und Schüler etc..

Maßnahmen auf Schulebene

Doch nicht allein in den Klassen ist Aktivität gefragt. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Konzept, das die ganze Schule umfasst und langfristig ausgelegt wird, mehr Erfolg hat, als auf Klassenebene. Maßnahmen auf Schulebene können wirksam sein, wenn sie konsequent über längere Zeit hinweg durchgeführt werden und sich als feste Institutionen im Schulalltag implementieren. Dazu zählt unter anderem die Einführung einer Anti-Mobbing-Arbeit. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler bestimmte Einstellungen zum sozialen Umgang entwickeln und dazu befähigt werden, Bedingungen zu schaffen, die deeskalierend wirken.
Auch hier bietet es sich an, den Lehrkräften für die Thematik Mobbing den Umgang mit dem Problem beizubringen. Dazu könnte ein pädagogischer Tag oder eine Fortbildung durchgeführt werden.

Maßnahmen auf persönlicher Ebene

Damit Mobbing-Fälle bewältigt werden können, sollten sich Lehrer:innen grundsätzlich zuverlässig und vertrauensvoll um die Probleme ihrer Schüler:innen kümmern. Dabei sollten sie auf die Einhaltung der Regeln achten, Opfer ernst nehmen und schützen und Lösungsversuche bei den Opfer:n, Täter:n und Eltern beginnen. Meistens überschneiden sich die unterschiedlichen Maßnahmen. Darüber hinaus spricht sich ein positives Lehrer:innenbild, z.B. als Vertrauensperson in der Schule, herum und bietet den Opfern, die sich aus Distanz-Gründen z.B. nicht an den/die Klassenlehrer:in wenden möchten, eine Alternative auf.

Maßnahmen im Gespräch mit Eltern

Die Elternarbeit bedeutet auch, dass in der Regel die Eltern informiert werden, wenn ein Mobbingfall in der Klasse auftritt. Die Auskunft der Information kann im Rahmen eines Elternabends erfolgen. Dabei sollte der Vorgang und besonders auch das Verhalten der Unbeteiligten sachlich und klar beschrieben werden .

Ein solches Ziel sollte viele Lehrkräfte dazu motivieren, sich professionell zu engagieren. Mögliche positive Auswirkungen sind dabei unter anderem eine Verbesserung der Lehrer:innen-Schüler:innen-Beziehung oder des Lernklimas. Stress, Langeweile und Frustration entfallen als wichtige Faktoren zur Entstehung von Mobbing. Das Gefährdungsrisiko bei Tätern und das Mobbing-Risiko bei Opfern wird vermindert.

Anlässlich zum internationalen Tag gegen Gewalt und Mobbing an Schulen, einschließlich Cybermobbing informieren wir Euch die ganze Woche mit themenbezogenen Artikel, was Lehrkräfte gegen Mobbing bzw. auch Cyberbullying tun können und wie die psychologischen Auswirkungen von Cyberbullying zustande kommen und bewältigt werden können.