Magdeburg. Künftig soll es in Sachsen-Anhalt möglich sein, auch ohne allgemeine Hochschulreife den Lehrerberuf zu ergreifen. Wie der MDR berichtet, wird aktuell darüber nachgedacht, über ein duales Pädagogik-Studium an der Hochschule Anhalt den Mangel an Lehrpersonal zu minimieren.
Die Initiatoren des Modells sind die Dessauer Abgeordnete Anja Schneider (CDU) und die Hochschule Anhalt. Das “Dessau-Roßlauer Modell” sieht vor, Bewerber:innen unabhängig vom Abi-Schnitt und mit Realschulabschluss das duale Studium an der Fachhochschule zu ermöglichen. Während der Ausbildung sollen die Student:innen mit ausgewählten Partner-Schulen von Beginn an in Kontakt treten, um im Anschluss die Lehrberechtigung für Grund- und Sekundarschulen zu erlangen. Die Einsatzfächer sollen sich vorerst auf die Bereiche Wirtschaft, Technik, Hauswirtschaft und künstlerisch-musische Themengebiete beschränken.
"Es geht darum, Menschen für den Beruf zuzulassen, die dafür brennen. Und dazu gehören auch Menschen mit Realschulabschluss", so Anja Schneider über die Pläne.
Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) sowie Bildungs-Experte und Programmdirektor von “Bildung und Next Generation” der Bertelsmann-Stiftung Dirk Zorn sehen in dem Modell die Möglichkeit, die Abbrecherquote zu senken, da der Praxiszugang bereits in frühen Studienphasen ermöglicht wird. “Der Vorschlag ist es wert, ihn auszuprobieren”, so Zorn.
Bedenken hinsichtlich des Vorhabens äußerte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Für GEW-Landeschefin Eva Gerth ist das Modell ohne ein zusätzlich verpflichtendes Fortbildungs-Programm unerlässlich. Auch das SPD-geführte Wissenschaftsministerium lehnt das Modell ab mit Begründung: „zu teuer“, „unausgereift“ und „nicht praktikabel“.
Potsdam. Die Verhandlungsrunden zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaften im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes sind zu Ende. Nachdem drei Versuche im Jahr 2023 bereits gescheitert waren, eine Serie von bundesweiten Warnstreiks von Kitas, Verwaltungen und öffentlichen Nahverkehr folgten und die Schlichtungskommission Empfehlungen abgab, kam am Sonntag eine Einigung zustande.
Die Ergebnisse der Verhandlungen sehen einen Inflationsausgleich in der Höhe von 3.000 Euro vor. Dieser wird unterteilt in eine einmalige Sonderzahlung von 1.240 Euro mit dem Entgelt für Juni dieses Jahres, sowie monatliche Sonderzahlungen in Höhe von 220 Euro vom Juli 2023 bis Februar 2024. Alle Beiträge sind steuer- und abgabenfrei, Auszubildende bekommen allerdings nur die Hälfte aller Zahlungen. Des Weiteren sollen die Tabellenentgelte zum 1. März 2024 um 200 Euro erhöht werden und daraufhin linear um 5,5 Prozent steigen. Die Laufzeit beträgt 24 Monate.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser äußert sich zufrieden über die Einigung: “Wir tragen eine große Verantwortung für die Beschäftigten, für die öffentlichen Haushalte, für die soziale Gerechtigkeit – und für einen starken, zukunftsfähigen Staat”, erklärte die SPD-Politikerin. Insgesamt profitieren 2,5 Millionen Beschäftigte in Bund und Kommunen von der Einigung, darunter Beamte wie Lehrkräfte, Richter, Soldaten und Pensionäre des Bundes.
Der Tarifabschluss selbst wird von Kommunen und auch vom Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds Gerd Landsberg als “Teuerster Tarifabschluss aller Zeiten” bezeichnet. Dem Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge stehen den Kommunen massive finanzielle Belastungen vor. DIW Präsident Marcel Fratscher prophezeit dass es zu “weiteren Einschränkungen der Daseinsvorsorge” kommen wird und appelliert an die Politik: “Die Krise der Kommunen wird sich solange weiter verschärfen, bis die Politik eine dringend notwendige Reform des Bund-Länder-Finanzausgleichs und eine bessere finanzielle Ausstattung und eine Entschuldung der Kommunen umsetzt".
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wiederum sieht das Ergebnis als einen “guten Kompromiss”. GEW-Vorsitzende Maike Finnern zeigte sich erfreut darüber, dass Beschäftigte mehr Finanzen zur Verfügung haben, um mit den aktuellen Preissteigerungen umgehen zu können. Auch steht sie positiv zu den Schlichtungsempfehlungen. „Die Schlichtungsempfehlung vom 15. April war – trotz Lichts und Schattens – eine gute Verhandlungsgrundlage für die vierte Runde. Sie hat Bewegung in die Verhandlungen und gegenüber den letzten Vorschlägen der Arbeitgeber substanzielle Verbesserungen gebracht”, so Finnern.
Der GEW-Tarifchef Daniel Merbitz ist ebenfalls zufrieden und betont den positiven Einfluss der Streiks. „Die Streiks waren erfolgreich! Gegenüber den Angeboten der Arbeitgeber in drei Verhandlungsrunden haben wir kräftig zulegen können und Gegenforderungen der Arbeitgeberseite abgewehrt.“
Der Girls’ Day, auch bekannt als "Mädchen-Zukunftstag", findet jedes Jahr im April statt. Dieser Tag bietet Mädchen und Frauen die Möglichkeit, technische, naturwissenschaftliche und handwerkliche Berufe kennenzulernen, die derzeit hauptsächlich von Männern ausgeübt werden. Der Boys' Day ist das Pendant zum Girls' Day und gibt Jungen die Chance, Berufe im sozialen Bereich und in der Pflege auszuprobieren. Beide Aktionstage werden vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. organisiert und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
Am Girls' Day können Mädchen nicht nur Einblicke in die Arbeit von Unternehmen, Hochschulen oder Handwerksbetrieben gewinnen, sondern auch an praktischen Workshops in Laboren, Werkstätten oder Büros teilnehmen. Sie haben die Möglichkeit, Fragen zur Ausbildung, zum Studium und zu Berufschancen zu stellen und wichtige Kontakte zu knüpfen, die ihnen auf ihrem Karriereweg helfen können. Laut Projektinformationen des Girls Day stellen etwa jedes vierte Unternehmen ehemalige Teilnehmerinnen des Aktionstages als Praktikantinnen oder Auszubildende ein. Seit seiner Einführung im Jahr 2001 haben etwa 2 Millionen Schülerinnen am Girls' Day teilgenommen. Der Aktionstag hat sich mittlerweile nicht nur national, sondern auch international etabliert und wird in 20 verschiedenen Ländern in Europa, Asien und Afrika abgehalten.
Das Hauptziel des Girls Day ist es, das Interesse von jungen Frauen an Berufsfeldern zu wecken, in denen sie bisher unterrepräsentiert sind. Insbesondere im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich gibt es noch immer eine große geschlechtsspezifische Kluft. Der Aktionstag soll Mädchen und Frauen ermutigen, ihre Berufswahl unabhängig von gesellschaftlichen Normen zu treffen und ihre Talente und Interessen zu verfolgen. Dadurch soll die Chancengleichheit von Männern und Frauen im Berufsleben gestärkt werden.
Trotz Fortschritte bei der Geschlechtergleichstellung sind die traditionellen Geschlechterrollen nach wie vor ein wichtiger Faktor bei der Berufswahl. Aktuelle Studien zeigen, dass Frauen in MINT-Berufen, -Ausbildungen und -Studiengängen weiterhin unterrepräsentiert sind.
So gibt ein Bericht zur Gleichstellung Ein Bericht der Hans-Böckler-Stiftung Auskunft über die unterschiedliche Geschlechterverteilung verschiedener Berufsfelder:
Wie sich zum Beispiel in Baden-Württemberg zeigt, hat der Girls' Day einen neuen Rekord verzeichnet. Laut der Industrie- und Handelskammer haben sich rund 13.400 Schülerinnen angemeldet, im Vergleich zu knapp über 8.000 im Vorjahr. Der Girls' Day ermöglicht es Schülerinnen, typische Männerberufe kennenzulernen und soll das Bewusstsein für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern stärken. Zahlreiche Unternehmen in der Region Heilbronn und im Kreis Schwäbisch Hall beteiligen sich an diesem Tag und bieten Schülerinnen Einblicke in technische und naturwissenschaftliche Berufe. Audi in Neckarsulm und die Polizei in Heilbronn gehören zu den teilnehmenden Unternehmen. Im Kreis Schwäbisch Hall können Schülerinnen Berufe im Landratsamt oder im Forstamt kennenlernen.
Der Girls' Day verliert seinen Einfluss auch nicht lokal. So wurde in Halle (Saale) die Ausbildung im Betrieb BS-LINE Werbung & Design in Halle von Bahya Alma, eine Lehrling für Schilder und Lichtreklameherstellung zusammen mit Markus Behrens, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, und Thomas Keindorf, dem Präsidenten der Handwerkskammer Halle vorgestellt. Dabei wurde betont, dass junge Frauen in vielen Handwerksberufen beste Entwicklungschancen haben und im Kammerbezirk Halle bereits jeder fünfte Ausbildungsvertrag von einer Schülerin unterzeichnet wurde.
Keindorf ermutigte Mädchen und Jungen, Berufe kennenzulernen und sich für einen Ausbildungsberuf zu entscheiden, auch wenn sie damit Klischees brechen. Behrens betonte, dass es faktisch keine Grenzen bei der Berufswahl für Mädchen gibt und dass sie in vielen Ausbildungsberufen erfolgreich sind.
So wurde auch in Leipzig beim Fußballverein RB Leipzig im Jahr 2023 der Fokus darauf gelegt, Mädchen Einblicke in Bereiche zu geben, in denen Frauen traditionell unterrepräsentiert sind. Inspiriert durch den Girls' Day wurden insbesondere IT, Sport, Workplaces und Greenkeeping vorgestellt - alles Bereiche, in denen der Frauenanteil vergleichsweise gering ist. Um den Mädchen die verschiedenen Arbeitsprozesse in diesen Bereichen näherzubringen, wurden Workshops, Gesprächsrunden und praktische Übungen angeboten. Die Teilnehmerinnen hatten die Gelegenheit, die verschiedenen Arbeitsorte wie das Stadion, die Akademie und die Geschäftsstelle zu besuchen und konnten sogar ein Heimspiel in der Red Bull Arena erleben. Besonders interessant war für die Mädchen auch die Trainingseinheit mit den Trainern aus dem Frauen- und Mädchenbereich des Vereins.
Möchtest du dazu beitragen, die Zukunft von Mädchen und Frauen zu gestalten? Dann nimm am Girls' Day teil! Schreibe uns auch gerne deine Meinung und dein Feedback in die Kommentare!
Hannover. Nicht nur in Schulen gibt es einen Mangel an qualifizierten Lehrkräften. Auch in den Kindertagesstätten gibt es Probleme. Kitas in Niedersachsen haben nicht mehr genug Personal. Das niedersächsische Kultusministerium kündigte jetzt an, am 25. Mai einen “Kita-Gipfel” zu veranstalten, um die “Überbrückung personeller Engpässe” zu erörtern, berichtet der NDR.
Zuletzt wurden die Betreuungszeiten in dem Land wegen Personalmangels gekürzt. Das Problem ist nicht neu, bereits vergangenes Jahr wurde prognostiziert, dass bis zu 12.000 zusätzliche Erzieher:innen benötigt werden, im selben Jahr mussten die Hälfte aller Kitas Gruppen schließen. Laut Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese von der CDU, sei in Niedersachsen der Mangel soweit ausgebreitet, dass inzwischen beinahe jede Kommune betroffen ist. "Wir fordern daher eine längerfristige Anpassung und Flexibilisierung der Standards in den Kindertagesstätten, bis dieses Fachkräfteproblem gelöst ist", sagte Griese.
Auch Kultusministerin Julia Willie Hamburg hat in der Vergangenheit die Komplexität des Problems betont. Es sei eine riesige Herausforderung, so sagt sie, aber auch eine, für die es “leider keine einfache oder schnelle Antwort gibt.”
Der Kita-Fachkräfteverband ist entschlossen, keine Einbußen bei der Betreuungsqualität hinzunehmen und sich weiterhin dafür einzusetzen, dass eine anspruchsvolle Betreuung für eine möglichst große Anzahl von Kindern gewährleistet wird. Am 25. Mai soll nach mehreren Wochen des Forderns nun ein Dialog über die Problemlage des Kitapersonals stattfinden. Im “Forum Frühkindlich Bildung" soll besprochen werden, wie gegen den Fachkräftemangel vorgegangen wird. Was sich aus diesem Kita-Gipfel ergeben wird und welche Lösungen implementiert werden können, bleibt abzuwarten.
Ein wachsender Diskussionsbedarf ist im Bereich der Anwendung von Chatbots und KI-Systemen in Schulen zu beobachten. Unterschiedliche Meinungen und erste Bestrebungen zu Regularien, Ethik, Datenschutz und Einsatz häufen sich seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende letzten Jahres. Für das Bildungssystem heißt dies momentan vor allem, Vorgaben rund um die Prüfungskultur zu überdenken.
Doris Weßels – Wirtschaftsinformatikern der Fachhochschule Kiel hat ChatGPT bereits im vergangenen Wintersemester 22/23 in der Arbeit mit ihren Studierenden erfolgreich einbetten können. Das KI-System konnte von ihren Studierenden als ein mögliches Werkzeug herangezogen werden und floss somit auch in die Bewertung mit ein. Sie schlägt vor, final zu schauen, ob die Studierenden sich bei der Auswahl der Werkzeuge geschickt angestellt haben und zusammen mit dem Forschungsdesign und dem Konzept, den gesamten Produktionsprozess zu bewerten, anstatt nur das Endergebnis.
Laut der KI-Expertin sollen zukünftige Aufgabenstellungen so konzipiert sein, dass sie nicht “mit einem Klick durch digitale Systeme” gelöst werden können. Aufgaben, die einen höheren Praxistransfer haben und an den Lebensrealitäten von Schüler:innen und Studierenden anknüpfen können, sind demnach gefragt. Weiterhin müssten Prüfungsmethoden und Bewertungen neu durchdacht und überarbeitet werden, ein Verbot ist laut Weßels allerdings kein Weg. Sie argumentiert, dass mit dem Taschenrechner und dem Internet damals ebenfalls große Umstellungen auf die Menschheit zukamen und es notwendig geworden war, sich “neu zu arrangieren”. Dazu betont Weßels, dass wir sicherlich “in einigen Jahren darüber schmunzeln werden”, dass wir jetzt im Jahr 2023 noch tatsächlich über ein Verbot von diesen generativen KI-Modellen gesprochen haben. Eine gemeinsame Abstimmung über die Verwendung und Verhaltenskodizes sieht sie für maßgebend auf den Ebenen von Schulen und Universitäten.
Währenddessen haben bereits 27.567 Menschen den offenen Brief zur sechsmonatigen Pausierung von weiteren großen KI-Experimenten unterzeichnet, darunter auch namhafte Personen, wie Twitter-Chef Elon Musk, Apple-Mitgründer Steve Wozniak, Historiker Yuval Noah Harari sowie zahlreiche andere Wissenschaftler:innen und KI-Pioniere. Hintergrund des Briefes sei ebenfalls die notwendige Auseinandersetzung und Erarbeitung eines Regelwerks und Sicherheitsstandards. Andererseits werden dem Brief und seinen Unterzeichnenden “KI-Hype” und “PR” vorgeworfen, da dieser nicht die echten KI-Probleme adressieren würde, sondern mit “Weltuntergangsszenarien” und “beängstigender Rhetorik” für Chaos sorge.
Ein gesunder Rücken ist eine wichtige Voraussetzung für den Lehrerberuf. Lehrkräfte verbringen viel Zeit im Stehen, Sitzen und Gehen, was auf Dauer zu Verspannungen und Schmerzen im Rücken führen kann. Eine Möglichkeit, um dem entgegenzuwirken, sind regelmäßige Bewegung und gezielte Rückenübungen. Bewegung in den Unterricht zu integrieren kann dazu beitragen, die Konzentration und Aufmerksamkeit der Schüler:innen zu steigern und gleichzeitig die Lehrer:innen körperlich zu entlasten. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel kurze Bewegungspausen oder sportliche Aktivitäten im Rahmen des Unterrichts, die wir euch hier vorstellen wollen.
Bewegung im Unterricht? Aber klar doch! Schon mal dran gedacht, dass auch eure Schülerinnen und Schüler schon zu viel (still) sitzen? Ganz genau: Kinder und Jugendliche brauchen Bewegung, um fit und konzentriert zu bleiben. Auch ihr profitiert von mehr Bewegung im Schulalltag. Eine Möglichkeit sind z.B. Bewegungspausen in längere Unterrichtseinheiten einzubauen:
Auch könnt ihr Lernen mit Bewegung ausprobieren, was insbesondere bei ermüdendem Nachmittagsunterricht eine hilfreiche Auflockerung sein kann. Eine beliebte Möglichkeit ist z.B. ein Lesespaziergang: Dabei wird einem einem Partner ein Text vorgelesen oder beide rekapitulieren gegenseitig den Inhalt eines zuvor gelesenen Textes, während dabei durch den Raum oder die Schule gegangen wird.
Egal ob in der letzten Unterrichtsstunde des Tages oder früh am Morgen, wenn noch nicht alle richtig wach sind – Bewegung schadet nie. Probiert gerne einige der Übungen mit euren Schüler:innen aus. Mit etwas Musik funktioniert das Ganze noch ein bisschen besser. Mehr Infos und Material dazu findet ihr bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und beim Deutschen Schulportal.
Eine ergonomische Arbeitsumgebung ist von entscheidender Bedeutung, um Rückenbeschwerden und anderen körperlichen Beschwerden vorzubeugen. Eine Möglichkeit, um dies zu erreichen, ist die Schaffung eines ergonomischen Arbeitsplatzes. Hierfür können beispielsweise höhenverstellbare Tische und Stühle eingesetzt werden, um eine individuelle Anpassung an die Körpergröße und -haltung zu ermöglichen. Auch die Platzierung von Bildschirmen und anderen Arbeitsmitteln in einem optimalen Abstand und Winkel zum Körper kann helfen, Nacken- und Rückenschmerzen vorzubeugen. Eine gute Beleuchtung und ausreichende Belüftung tragen ebenfalls zu einem angenehmen Arbeitsumfeld bei. Wenn ihr darauf achtet, euren Arbeitsplatz ergonomisch zu gestalten, kommt ihr nicht nur entspannter durch die Woche, sondern tragt auch zum langfristigen Erhalt eurer Gesundheit bei.
Laut Umfrage der DAK gaben etwa ein Viertel der befragten Lehrkräfte an, häufig unter starken Nacken- und Rückenschmerzen zu leiden. Um diesen vorzubeugen oder sie zu lindern, können euch gezielte Übungen helfen. Sie tragen dazu bei, die Muskulatur im Rücken zu kräftigen und zu dehnen, Verspannungen zu lösen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern. Für die meisten Übungen braucht ihr kein Fitnesstudio, ihr könnt sie auch ganz einfach in eure Pause integrieren. Hier sind ein paar Beispiele, die euch zeigen, wie ihr euch mit einfachen Übungen im Alltag fit und frei von Verspannungen haltet:
Regelmäßige Bewegung im Alltag kann eure körperliche Fitness verbessern sowie Rückenschmerzen und Herz-Kreislaufproblemen vorbeugen. Dazu kann beispielsweise das regelmäßige Betreiben von Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen beitragen. Krafttraining und Yoga können helfen, Muskulatur und Beweglichkeit zu erhalten und Verspannungen zu lösen. Es ist jedoch wichtig, dass die körperliche Belastung entsprechend der individuellen Fitness und Gesundheit angepasst wird. Zu viel Anstrengung kann sich sonst negativ auswirken. In jedem Fall ist es hilfreich, sich von einem Arzt oder Physiotherapeuten beraten und schulen zu lassen.
Wie bindet ihr Bewegung in euren Schulalltag ein? Welche Spiele und Übungen kommen bei euren Klassen gut an? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!
Hannover. Da der Lehrkräftemangel in Niedersachsen ein noch nie dagewesenes Ausmaß annimmt, hat Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) vergangenen Monat zum Bildungsgipfel geladen. Die gesammelten Erkenntnisse, wie das schlechte Abschneiden von Grundschüler:innen beim Lesen und Rechnen oder die mangelhafte Unterrichtsversorgung sind erschreckend, die Hoffnung auf Besserung jedoch besteht noch.
Die Unterrichtsversorgung liegt in Niedersachsen bei 96,3 Prozent. Dieser Wert erscheint zunächst nicht wirklich besorgniserregend, ist jedoch bei weitem nicht ausreichend, um ständigen Unterricht zu gewährleisten. Er gibt Auskunft über das Verhältnis von Schüler:innen zu Unterrichtsstunden der Lehrkräfte und sollte nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie Angelika Meyer vom niedersächsischen Schulleitungsverband (SLVN) bei 107 Prozent liegen, um die Unterrichtsversorgung auch bei Ausfall von Lehrkräften zu sichern. Die Auswirkungen dieser fehlenden Kapazitäten machen sich bereits bemerkbar, denn niedersächsischen Grundschüler:innen fehlt es – Ergebnissen einer IQB-Studie zufolge – an notwendigen Kompetenzen in grundlegenden Bereichen wie Lesen, Schreiben und Rechnen.
Ministerin Hamburg sieht die Ursachen des Problems in der steigenden Zahl an Schüler:innen, während gleichzeitig viele Lehrkräfte aufgrund einer Schwangerschaft oder Teilzeitbeschäftigung nicht wie benötigt zur Verfügung stünden. Hamburg geht davon aus, dass das Bundesland noch länger vor schwierigen Zeiten steht: “Mindestens zehn Jahre werden wir durch eine Talsohle gehen, wo wir nicht ausreichend Lehrkräfte haben werden.” Diese drastische Aussage hat Hamburg, die erst seit Herbst 2022 Ministerin ist, Lob seitens des niedersächsischen Philologenverbandes und der GEW eingeheimst, die den Umgang “mit echten Zahlen” anerkannten.
Hamburgs Mittel gegen Lehrkräftemangel
Um den Lehrkräftemangel wenigstens kurzfristig bestmöglich zu hemmen, will Hamburg nun auf multiprofessionelle Teams, die Lehrkräfte abseits des klassischen Unterrichts entlasten können, Quereinsteiger:innen, Fachkräfte mit ausländischem Abschluss und auf die Besoldungsstufe A13 setzen. Letztere soll die Attraktivität des Berufs stärken und vor Abgang in andere Bundesländer schützen. In der gegenwärtigen Debatte steht auch die “Kraftanstrengung”. Ein Projekt, das bestehende Lehrkräfte dazu veranlasst, jetzt mehr zu arbeiten, um als Gegenleistung früher in den Ruhestand oder Altersteilzeit gehen zu können.
Außerdem macht es Hoffnung, dass im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern das Klima zwischen Kultusministerium und Lehrerverbänden in Niedersachsen offenbar deutlich besser ist. Es ist eine klare, ergebnisorientierte Kooperation zu erkennen, die früher oder später ein fruchtbares Fundament im Kampf gegen den Lehrkräftemangel legen könnte. So sagt Torsten Neumann vom Verband niedersächsischer Lehrkräfte, dass es einen “wirklichen Willen” gibt, etwas zu verändern. Und auch Franz-Josef Meyer vom Verband Bildung und Erziehung umschreibt den Schulgipfel als gewinnbringendes Treffen.
Stuttgart. Das Baden-Württembergische Kultusministerium um Ministerin Theresa Schopper (Grüne) hat ein „Sofortprogramm für verlässliche Unterrichtsversorgung“ durchgesetzt, um den akuten Lehrkräftemangel – mehr dazu hier – im Bundesland die Stirn zu bieten. Geplant sind 18 kurz- und langfristige Maßnahmen, mit denen der Südwesten das Thema angehen will.
Dabei setzt die Landesregierung drei inhaltliche Schwerpunkte: So soll mit dem Themenfeld “Personalbasis vergrößern” der Direkteinstieg für Grundschulen und die Sekundarstufe 1 ausgeweitet werden. Es ist geplant, dass Personen, die ein nicht-Lehramtsbezogenes Studium abgeschlossen haben, ihr entsprechendes Fach bei Bachelorabschluss in der Grundschule und bei Masterabschluss in der Sekundarstufe 1 lehren können. Die fehlenden pädagogischen Kenntnisse sollen in parallel laufenden Seminaren vermittelt werden. Die Landesregierung kündigt ebenfalls an, dass Fachkräften mit einer ausländischen Lehramtsausbildung eine klare Perspektive aufgezeigt und ihnen der Einstieg in die Schule erleichtert wird.
Des Weiteren sollen Schulleitungen durch die Erhöhung der Leitungszeit entlastet werden und Lehrkräfte beispielsweise durch die erhöhte Bereitstellung pädagogischer Assistenz. Außerdem werden 250 weitere Plätze für ein freiwilliges soziales Jahr im pädagogischen Bereich zur Verfügung gestellt.
Das Angebot zur Teilzeit aus „sonstigen Gründen“ soll eingeschränkt werden. Das bedeutet, dass Lehrkräfte ab dem Schuljahr 2024/2025 – wenn sie sich nicht der privaten Kinder- oder Angehörigenpflege widmen müssen – ihre Unterrichtszeit um maximal 25 Prozent einschränken können. Diese Regelung kann für Lehrkräfte mit schwerer Behinderung ausgesetzt werden. Auch Referendare und Referendarinnen sollen mehr Verantwortung übernehmen und im Rahmen ihres Vorbereitungsdienstes eine Wochenstunde mehr unterrichten, dafür aber an anderen Stellen entlastet werden.
Einschränkung der Teilzeit in der Kritik
Der Entwurf der Landesregierung traf insbesondere bezüglich der Teilzeiteinschränkung auf Kritik von Lehrerverbänden und Opposition. Der SPD-Fraktionschef und ehemalige Kultusminister Andreas Stoch bemängelt, dass die Einschränkung der Teilzeit zukünftig dafür sorgen könnte, “dass sich Lehrkräfte aus dem Beruf verabschieden” und es so zu noch mehr Unterrichtsausfall kommt. Gerhard Brand, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), schlägt in eine ähnliche Kerbe und fürchtet, “dass sich am Ende weniger junge Leute für den Lehrerberuf entscheiden.” GEW-Landesvorsitzende Monika Stein ist der gleichen Meinung und begründet, dass viele Teilzeitkräfte aus gesundheitlichen Gründen nicht länger unterrichten könnten, das aber nicht als offizielle Erklärung anführen wollen. Ergänzend kritisiert sie, dass Referendarinnen und Referendare eine Wochenstunde mehr unterrichten sollen, da die Belastung der Auszubildenden zu dieser Phase bereits enorm hoch ist.
Das vollständige Entlastungspaket der Landesregierung findet ihr hier.
Podcasts gibt es bereits seit über 20 Jahren. In den letzten Jahren erfreuen sie sich jedoch immer größerer Beliebtheit. Handys und mobile Abspielgeräte machten es möglich. Doch nicht nur für Jugendliche und Schüler:innen können Podcasts nützlich sein, um Sachverhalte greifbarer zu machen, auch für Lehrkräfte bieten sie reichlich Potenzial und Unterhaltung. Beispielsweise, um auf dem Laufenden zu sein, was die aktuelle Bildungspolitik angeht. Im folgenden Artikel stellen wir euch einige Podcasts zum Thema vor:
Bildung mal anders wurde von Laura Natasha, Mutter, Sonderpädagogin und seit 2017 Montessori-Pädagogin, im Juli 2019 unter dem Namen “Schulbildung mal anders” gestartet. Seitdem hat er sich um das Frauenteam Laura, Jacqueline, Vera und Mia weiterentwickelt. Das Quartett befasst sich mit allen Dingen rund um Unterricht, Schule und Bildung. In bisher über 200 Folgen setzen sie ihren Fokus auf selbstbestimmte Bildung, gewaltfreie Kommunikation, Inklusion, Bildungsgerechtigkeit und Achtsamkeit, gemischt mit einer Vielfalt von Sichtweisen.
Als Teil ihres selbst gewählten Bildungsauftrags haben sie zuletzt unter anderem eine Reihe gestartet, in der sie besprechen, wie Spiritualität von rechtsextremistischen Gruppierungen ausgenutzt werden.
Für alle, die einen gebündelten Überblick über die wichtigsten Nachrichten im Bereich Schule und Hochschule wollen, gibt es den Podcast Campus & Karriere. Neue Beiträge erscheinen an Wochentagen regelmäßig um 14:35 Uhr und sind sofort zum Anhören bereit mit Themen wie Kultusministerkonferenzen, Umgang mit KI und Ratschläge für den Schul- und Arbeitsalltag. Gesponsert von der ARD, ist das Ziel des Bildungsmagazins die aktuelle Entwicklung der Bildung zu Verfolgen und zu Vermitteln
Bei dem Podcast mit dem treffendsten Namen zum Artikel, Bildungspolitik Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, handelt es sich um ein digitales Kolloquium. Koordiniert wird der Podcast von Johanna Behr, die auch für den Blog und die Podcast Publikation zuständig war. Inhaltlich werden vielerlei Fragen in Bezug auf Gegenwart und Zukunft der Bildung und Bildungspolitik besprochen, mit dem Ziel, den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis anzuregen.
Alle archivierten Beiträge des Podcasts könnt ihr hier finden.
Daniel Jung hat eine gewisse Reputation im deutschen Bildungswesen. Als Bildungsinfluencer und Online-Mathe Tutor, erreichen seine Lektionen über 60 Millionen Aufrufe pro Jahr. Aber Jung erreicht nicht nur seine Leute über seine Mathevideos oder seinen Instagram Kanal. In seiner Podcast Serie In Bild & Ton, redet er mit den Vordenkern unserer Zeit über das Thema Bildung. Unter anderem über Themen wie Digitalisierung, zusammen mit dem Gründer der Schulkommunikationsplattform Sdui Daniel Zacharias, oder mit dem Physiklehrer & Produzent Max Metelmann über sein Projekt Physik mit c.
Physische und besonders mentale Gesundheit ist notwendig in allen Lebensbereichen, auch der Bildung. Martina Schmidt, Expertin für Burnout-Prävention und Ex-Lehrerin, führt aus diesem Grund den Podcast die kleine Pause. Die Idee zu dem Podcast kam ihr aus eigener Erfahrung in ihrem ehemaligen Beruf “Ohne Gesundheit ist alles nichts. Wenn ich mich nicht wohlfühle, dann kann ich mein Leben nicht genießen und kann auch nicht für andere da sein – weder in der Familie noch im Job”, sagt Schmidt über sich. Mit ihren Podcasts zu will sie Menschen helfen gelassener, gesünder und besser gelaunter im Schulalltag zu bleiben und hat dafür Themen wie Belastbarkeit unter die Lupe genommen, als auch den Präsident des deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger befragt zur stärkung von Lehrkräften.
Seit 2017 wird der EduCouch-Podcast vom Institut für digitales Lernen betrieben. In Form von Interviews mit zahlreichen Persönlichkeiten, wie dem ehemaligen Verbrecher Philip Schlaffer und der Bildungspolitikerin Sandra Gockel (CDU), fokussiert der Podcast sich auf Digitalisierung und Bildung und deckt dabei ein breites Feld an Themen und Interviewpartnern ab.
Neue Folgen erscheinen regelmäßig, jede zweite Woche mit einer Länge von ungefähr 20 Minuten.
Bildungsplausch ist der Forschungspodcast der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Wissenschaftler:innen tauschen sich in den Folgen des Podcasts alltagsnah über den aktuellen Stand der Bildung aus und geben Einblick, woran die Wissenschaft gerade arbeitet.
Außerdem bietet Bildungsplausch eine interaktive Option für Zuhörer:innen in der Form von “Ihre Frage des Monats”. Jeder kann seine eigenen Fragen dem Team senden, woraufhin die Hochschule Heidelberg sich auf die Suche nach Expert:innen macht, um die Frage in der nächsten Folge zu beantworten. Die zweite Staffel begann am 16. Februar mit dem Thema Horrorfilme und Theologie, aber auch politische Themen werden angeboten, wie beispielsweise der Stand der Migration.
Was sind eure Lieblingspodcasts rund um das Thema Bildung und Bildungspolitik? Teilt es uns gerne in den Kommentaren mit!
Damit Lehrer:innen ihren Unterricht effektiv gestalten können, benötigen sie eine Vielzahl von Materialien, von Lehrbüchern und Arbeitsblätter bis hin zu Computer und Software. Den Erfahrungswerten vieler Lehrkräfte zufolge kommt es dabei nicht selten vor, dass sie für bestimmte Ausgaben im Zusammenhang mit ihrem Beruf aus eigener Tasche aufkommen müssen. Die Beschaffung von Lehrmaterialien und Ressourcen kann im Laufe eines Schuljahres erheblich anwachsen und eine finanzielle Belastung für Lehrer:innen darstellen. Wie die (Rechts-)Lage ist und was Lehrkräfte von der Schule erstattet bekommen, erfahrt ihr im folgenden Artikel.
Grundsätzlich hat jede Schule einen festen Schuletat zur Verfügung. Gemäß der Erhebung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zu Ausgaben für öffentliche, allgemeinbildende Schulen im Haushaltsjahr 2021 gaben beispielsweise die Bundesländer Berlin (14.200 Euro) und Hamburg (12.900 Euro) am meisten und Nordrhein-Westfalen (9.000) am wenigsten pro Schüler:in aus. Der Durchschnitt der Ausgaben aller Schularten lag bei 9.200 Euro.
Das Budget der Bundesländer variiert und es kommt vor, dass die Haushaltsmittel einiger Schulen im Hinblick beispielsweise auf geplante Veranstaltungen oder Ausflüge nicht mehr ausreichen. In der Vergangenheit haben daher einige Lehrkräfte eine Verzichtserklärung unterschrieben und eingewilligt, ihren Anteil für Unterkunft oder Reisekosten bei Exkursionen zu zahlen und nicht rückerstattet zu bekommen. Ein ungewöhnliches Phänomen, denn wo sonst würde man für die finanziellen Lücken seiner Arbeitgeber einstehen?
Auf die Klage eines Realschullehrers hin entschied im Oktober 2018 das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in seinem Urteil (BVerwG 5 C9.17), dass Lehrkräften ein Anspruch auf Erstattung der vollen Reisekosten für Klassenfahrten zustehen. Selbst dann, wenn sie zuvor eine (Teil-)Verzichtserklärung unterschrieben haben. Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing sagte dazu: „Die Praxis, die Genehmigung einer Klassenfahrt an den freiwilligen Verzicht der Lehrkräfte auf die Rückerstattung von Reisekosten durch die Schule zu koppeln, ist nicht rechtens! Lehrkräfte werden damit in unzulässiger Weise vor die Wahl gestellt, ihre berechtigten Interessen einer Reisekostenerstattung gegen ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag abwägen zu müssen, weil der Dienstherr hier sparen will.“
In zwei weiteren Gerichtsurteilen wurde ebenfalls Klarheit bezüglich der Kostenübernahme geschaffen. Schulbücher gehören seit März 2013 gemäß dem Urteil (BAG 9 AZR 455/11) des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt ebenfalls zu jenen Ausgaben, für die Lehrer und Lehrerinnen nicht aufkommen müssen. Anders sieht es bei privaten Arbeitszimmern aus. Obwohl Lehrkräfte oft als Teil der Unterrichtsvorbereitung von Zuhause aus arbeiten, wurde die Klage eines Gymnasiallehrers aus Niedersachen mit dem Urteil vom 24.01.2013 abgelehnt.
Bei allen anderen Anschaffungen, sei es Dienstlaptop, Laminierfolie oder Büromaterial, kommt es jedoch sehr auf die individuellen Budgetgrößen der jeweiligen Schule an. Laut Stimmen aus dem Twitter-Lehrerzimmer summieren sich die Kosten für einige Lehrer:innen schnell auf eine dreistellige und bei manchen sogar einer vierstelligen Zahl. Arbeitsmittel und ähnliches können oft steuerlich geltend gemacht werden. Doch wenn die Bemühungen den Lehrerberuf attraktiver zu gestalten fruchten sollen, gilt es an dieser Stelle auch durch Finanzierungskonzepte und Verwaltung, die Lehrkräfte von zusätzlichem Papieraufwand zu entlasten.
Wie viel Geld gebt Ihr für die Unterrichtsmaterialien, Utensilien, Spiele, Einrichtung und Co. aus und wie sieht die Lage bei euch an der Schule aus? Schreibt uns eure Erfahrung gern in die Kommentare!
Berlin. Wie im Rahmen der Recherche "Verschlusssache Prüfung" durch “Frag den Staat” ans Licht kam, können Eltern und Schüler in vielen Bundesländern die mit Steuergeldern erstellten Abiturprüfungen in vielen Fällen nicht nutzen. Stattdessen müssen sie teure Übungshefte beim Stark Verlag kaufen, die bis zu 15 Euro pro Heft kosten – der Verlag selbst kommt dabei günstig an die Klausuren. Das Recherchematerial wurde exklusiv von Table.Media und der Süddeutschen Zeitung ausgewertet.
Der Stark Verlag ist die bekannteste Quelle für die vergangenen Abiturprüfungen. In seinen roten Heften druckt das Unternehmen, das zur britischen Pearson-Gruppe gehört, die Originalprüfungen vergangener Jahre mit Lösungsvorschlägen ab. Der Staat erhält für den Ankauf der Altklausuren nur einen verhältnismäßig geringen Betrag. Die Bundesländer verlangen im Schnitt zwischen 100 und 200 Euro pro Fach und Jahrgang. Hamburg stellt die Nutzungsrechte sogar kostenlos zur Verfügung.
Für das Unternehmen ist das ein großer Erfolg: 2021 erzielte der Stark Verlag laut Bundesanzeiger einen Umsatz von rund 13 Millionen Euro, wobei die roten Hefte für die Prüfungsvorbereitung ganze 82 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachten. Mit 15 Euro pro Fach für die Sammlung vergangener Prüfungen können sich die Kosten bei mehreren Fächern schnell summieren – ein Problem mit Blick auf die Bildungsgerechtigkeit.
Die Pisa-Studien zeigen regelmäßig, dass der Bildungserfolg in Deutschland maßgeblich vom Einkommen der Eltern abhängt. Schülerinnen, deren Familien es sich nicht leisten können, vergangene Prüfungen von privaten Anbietern zu kaufen, sind somit bei der Vorbereitung benachteiligt.
In neun von 16 Bundesländern haben Schüler keinen flächendeckenden Zugriff auf alte Prüfungen. Weder werden die Aufgaben veröffentlicht, noch erhalten Schüler einen geschützten Zugang. Nur Lehrer haben Zugriff darauf, um ihren Unterricht vorzubereiten. In vier Bundesländern können Schüler über ein Portal mit Passwort auf die Aufgaben zugreifen. Zum Beispiel können Schüler in Mecklenburg-Vorpommern über itslearning darauf zugreifen. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein werden die Aufgaben aller Schulformen und Fächer niedrigschwellig online veröffentlicht, um allen Schülern die gleiche Chance zu geben, sich anhand dieser Aufgaben auf Abschlussprüfungen vorzubereiten.
Die Ministerien scheinen die Entscheidung den Eltern zu überlassen, ob sie alte Abiturklausuren für ihre Kinder kaufen möchten oder nicht. Einige Ministerien argumentieren, dass der Kauf bei privaten Verlagen nicht notwendig sei und alte Abiturklausuren auch über den Aufgabenpool der Länder zugänglich seien. Das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz betont, dass der Kauf bei privaten Verlagen eine private Kaufentscheidung sei, die von ihnen nicht bewertet werde.
“Die Lüge ist wie ein Schneeball: Je länger man ihn wälzt, desto größer wird er”, sagte einst der Theologe und Reformator Martin Luther. Obwohl er in den Zeiten des 15 Jahrhunderts lebte, sind seine Worte immer noch relevant.
Über soziale Medien können sich falsche Informationen auch in den Klassenräumen viel weiter verbreiten, was sie zu einem beliebten Mittel für extremistische Bewegungen macht. 82 Prozent der Befragten schätzen Fake News als Gefahr für die Demokratie ein, eine berechtigte Sorge, unter anderem weil 76 Prozent der 14-24 Jährigen mindestens einmal pro Woche auf Fake News stoßen. Laut einer Studie des Oxford Internet Institute generieren solche Nachrichten sogar eine sechsmal höhere Anzahl an Klicks und allein 2019 verursachten sie Schäden in Höhe von 78 Milliarden US-Dollar.
Durch Fake News werden Wahrheiten verzerrt, Feindbilder aufgebaut und Meinungen manipuliert, weshalb es zunehmend wichtig wird, Medienkompetenzen schon im frühen Alter zu fördern. 85 Prozent von 14-24 Jährigen sind laut Umfrage der Ansicht, dass Falschnachrichten zu einem Pflichtthema im Unterricht werden sollten, wobei nur 28 Prozent von Lehrkräften diese auch als Unterrichtseinheit vornehmen. Dabei ist die Thematik, unter anderem durch den Zuwachs an Künstlicher Intelligenz, die auch benutzt werden kann, um falsche Tatsachen darzustellen, relevanter denn je.
Ein Mittel den Wahrheitsgehalt von digitalen Informationen zu prüfen ist das Tool Codetect, welches unter anderem von der Digital Democracy Alliance unterstützt wird und dessen Möglichkeiten wir euch im Folgenden vorstellen möchten.
Codetect ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, allen die Möglichkeit zu bieten, selbst gegen Falschinformationen aktiv zu werden und sich für eine gut informierte Gesellschaft und resiliente Demokratie einzusetzen. Sie wollen diese Mission erfüllen, indem sie Falschinformationen eindämmen und Strategien zum Erkennen entwickeln. Als Teil dieses Zieles bietet die Plattform selbst einen Bewertungsdienst zur Erfassung davon, wie vertrauenswürdig Online-Artikel und Nachrichten aus Sozialen Medien sind. Diese Nachrichten können selbst geprüft oder von der Community geprüft werden lassen, in der Hoffnung, die Medienkompetenzen der Nutzer zu stärken.
Seine Ursprünge hat der Verein im Hackathon WirVsVirus im März 2020, wo die Seite konzipiert und kurz darauf von einem ehrenamtlichen Team aus ganz Deutschland umgesetzt wurde. Im November desselben Jahres folgte die Gründung als gemeinnütziger Verein. Finanziert wird Codetect durch Spendenaktionen und Förderungen, unter anderem von Update Deutschland, Digital Democracy Alliance und Mimikama.
Codetect hat ein spielerisches System implementiert, um Teilnehmer:innen zu motivieren Onlinequellen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Nachforschungen anzustellen gibt den “Online-Detektiv:innen” Punkte, wodurch sie in Levels aufsteigen können, vom Lupenhalter bis hin zum Superintendenten. Um selbst teilzunehmen, wird lediglich ein Accountname, ein Passwort und eine E-Mail Adresse benötigt. Fälle einreichen kann aber jeder über das Portal.
Die Analyse von Quellen selbst erfolgt in einem mehrstufigen Bewertungs- und Peer Review verfahren.
Der Kern von Codetects Methodik ist das Trust-Checking Prinzip. Anders als beim Fact-Checking, dem Überprüfen von Behauptungen über Fakten, welches Zeit, Expertise und idealerweise eine journalistische Ausbildung benötigt, befasst sich das Trust-Checking eher mit dem Prüfen der Vertrauenswürdigkeit. Diese Herangehensweise ist für eine breitere Öffentlichkeit, schneller möglich und nutzt als Basis bewährte journalistische Qualitätskriterien.
Faktoren, die einen Artikel weniger vertrauenswürdig machen, sind beispielsweise fehlende Quellenangaben, falsche Zitate und unpassende Bilder.
Der Prozess von Codetect unterteilt sich in fünf verschiedene Phasen.
Eine Übersicht aller bearbeiteten Fälle findet Ihr im Archiv.
Das Prinzip kann im Unterricht auf vielfältige Art und Weise eingesetzt werden. Innerhalb von einer Doppelstunde in Informatik könnte der Wert von Vertrauenswürdigkeit vermittelt werden, unter anderem im Kontext von ChatGPT und deren Nutzen sowie Schwächen, wie unsere Redaktion bereits erfasst hat. Im Rahmen eines Kursübergreifenden Projektes, könnten Schüler:innen an der Website angemeldet werden, um nach einer Woche einen kleinen Preis zu überreichen für den Detektiv:in mit den meisten Fällen. Des Weiteren kann auch ein Spiel daraus gemacht werden, in der Klasse Artikel zu erstellen und sie untereinander auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.
Zur Unterstützung von Lehrkräfte die ihre Schüler:innen auf die Gefahren von Fake-News vorbereiten wollen, hat codetekt ein Set von Unterrichtsmaterialien entwickelt, die als “Trust-Checking-Kit” betitelt sind. In diesem werden Qualitätskriterien zur Vertrauenswürdigkeit von Informationen behandelt mit einer Skala, die von “wenig” bis “sehr vertrauenswürdig” geht. Das Kit besteht aus einer Präsentation mit Sprechernotizen, Videos, ein Handbuch für Lehrkräfte mitsamt Hintergrundinformationen und Arbeitsblättern, sowie den Trust-O-Mat, ein Online-Quiz bei dem die Schüler:innen spielerisch selbst Falschinformationen prüfen können. Das Kit kann in der Form eines Pakets erworben werden mit dem Basis-Preis in der Höhe von 39 Euro.
Wie vermittelt ihr das Thema Fake-News im Unterricht? Kennt ihr weitere praktische Tools und Materialien ? Teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren!
Die Lehrerausbildung steht vor einer neuen Ära: Angesichts der Herausforderungen, die mit Digitalisierung und Lehrermangel einhergehen, müssen Lehrerinnen und Lehrer künftig über neue Fähigkeiten und Kompetenzen verfügen. Neben der Fachkompetenz sind dabei nicht zuletzt auch Soft Skills gefragt, um Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern und den Lernprozess zu unterstützen. In diesem Artikel, der Teil unserer Themenwoche “Zukunft der Bildung“ ist, möchten wir deshalb die wichtigsten Skills, die die Lehrkräfte der Zukunft benötigen, etwas genauer aufschlüsseln. Darüber sprachen wir auch mit dem Verband Bildung und Erziehung (VBE).
Natürlich ist eine fundierte Fachkompetenz nach wie vor unverzichtbar für Lehrkräfte. In Zeiten von Digitalisierung und sich wandelnden Lehrmethoden muss diese jedoch um eine interdisziplinäre Perspektive und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit erweitert werden. Nur wer über ein fundiertes Wissen in seinem Fachgebiet verfügt, kann den Unterrichtsstoff angemessen vermitteln und auf individuelle Fragen und Bedürfnisse eingehen. Zudem trägt eine solide Fachkompetenz dazu bei, die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Schülerinnen und Schüler zu stärken und ein professionelles Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden aufzubauen.
Die Wissensvermittlung und die Auswahl geeigneter Vermittlungsmethoden sind von großer Bedeutung für eine erfolgreiche Lehrpraxis. Lehrerinnen und Lehrer müssen in der Lage sein, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären und den Unterrichtsstoff an die Bedürfnisse und das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler anzupassen. Gleichzeitig sollten sie verschiedene Methoden beherrschen, um unterschiedliche Lernstile und -bedürfnisse abzudecken und eine vielfältige Lernumgebung zu schaffen. Durch die Anwendung von unterschiedlichen Wissensvermittlungsmethoden können Lehrkräfte nicht nur den Lernprozess unterstützen, sondern auch die Motivation und das Interesse der Schüler:innen am Unterricht fördern.
Die Lehrerausbildung sollte ausreichend Praxisphasen enthalten, um angehende Lehrerinnen und Lehrer auf die Anforderungen des Lehrberufs vorzubereiten. Nur wer im Studium die Möglichkeit hat, seine fachlichen und didaktischen Kenntnisse in der Praxis anzuwenden, kann sich ein fundiertes Verständnis für die Anforderungen des Berufs aneignen. Praktische Erfahrungen ermöglichen es den Studierenden, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen zu erproben, Feedback von erfahrenen Lehrkräften zu erhalten und ihre Unterrichtspraxis kontinuierlich zu verbessern. Eine enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis in der Lehrerausbildung ist daher von großer Bedeutung, um angehende Lehrerinnen und Lehrer optimal auf die Herausforderungen der Berufspraxis vorzubereiten. Kritik an der Einheitlichkeit der Lehramtsausbildung übte auch Bob Blume, hier geht es zum Artikel.
Angesichts von Lernrückständen durch Corona und Lehrermangel müssen Lehrerinnen und Lehrer in der Lage sein, Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern. Dazu sind Empathie, Kommunikationsfähigkeit und Konfliktlösungskompetenz unverzichtbar. Durch die Fähigkeit, sich in die Perspektive der Schüler:innen hineinzuversetzen und ihre Bedürfnisse und Sorgen zu verstehen, können Lehrkräfte ein Vertrauensverhältnis aufbauen und eine positive Lernatmosphäre schaffen. Empathie trägt dazu bei, dass sich Schüler sicher und verstanden fühlen, was wiederum zu einer höheren Motivation und einem besseren Lernerfolg beitragen kann. Lehrkräfte, die empathisch sind, können auf individuelle Bedürfnisse und Unterschiede ihrer Lernenden besser eingehen und so für eine inklusive Lernumgebung sorgen.
Lehrer sollten ihre eigenen Methoden und Ansätze kritisch hinterfragen und regelmäßig reflektieren, um ihre Unterrichtsgestaltung kontinuierlich zu verbessern. Reflexions- und Kritikfähigkeit sind wichtige Kompetenzen, die Lehrkräfte benötigen, um ihre Unterrichtspraxis kontinuierlich zu verbessern. Lehrer sollten in der Lage sein, ihr eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen und auf Basis von Feedback und Erfahrungen gezielt Anpassungen vorzunehmen. Durch die Fähigkeit zur Selbstreflexion können Lehrkräfte ihre Stärken und Schwächen erkennen und ihre Kompetenzen zielgerichtet ausbauen. Eine offene Haltung gegenüber konstruktiver Kritik und Feedback ermöglicht es, Unterrichtskonzepte zu optimieren und auf die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler abzustimmen. Reflexions- und Kritikfähigkeit sind somit entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Unterrichtspraxis und eine kontinuierliche professionelle Weiterentwicklung.
Lehrkräfte müssen in der Lage sein, auf individuelle Bedürfnisse und Stärken aller Schüler:innen einzugehen und inklusive Lehrmethoden anzuwenden. Angesichts der zunehmenden Diversität in den Klassen ist interkulturelle Kompetenz gefragt, um ein respektvolles und tolerantes Miteinander zu ermöglichen. “Dabei ist es besonders im Bildungsbereich notwendig kulturelle Hintergründe zu kennen und sich den verschiedenen kulturellen Kontexten angemessen zu verhalten”, antwortete der Verband für Bildung und Erziehung (VBE) auf die Frage, wie wichtig interkulturelle Kompetenz für Lehrerinnen und Lehrer ist. Für die Erarbeitung dieser Fähigkeiten seien Konzepte und Workshops und besonders praktische Erfahrungen essentiell, Austauschprogramme würden Möglichkeiten der Vertiefung bilden. “Insgesamt ist aber auch eine Anpassung der Lehrpläne notwendig, sodass die Herausforderungen im Schulalltag abgebildet sind.” Interkulturelle Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit, die kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Schülerinnen und Schülern zu erkennen, zu respektieren und zu erhalten. Lehrkräfte, die inklusiv und interkulturell kompetent sind, können eine Lernumgebung schaffen, in der sich alle Schülerinnen und Schüler sicher und wertgeschätzt fühlen. Dadurch wird ein positiver Lernprozess und eine höhere Motivation der Schüler:innen gefördert. “Inklusion und Diversität spielen eine sehr wichtige Rolle in der Lehramtsausbildung. Dabei ist die Vermittlung von unterschiedlichen Behinderungen, Beeinträchtigungen, kulturellen und sprachlichen Hintergründen essentiell. Dazu gehört ebenso, dass Lehrkräfte in ihrer Ausbildung lernen, wie der Unterricht auch in diesen Zusammenhängen gestaltet werden können, sodass er zugänglich für alle Schüler:innen ist”, so der VBE.
Lehrkräfte müssen in der Lage sein, digitale Technologien und Tools sinnvoll in den Unterricht zu integrieren, um den Lernprozess zu unterstützen und zu verbessern. Im Hinblick auf die Digitalisierung muss das Lehrpersonal geübt im Umgang mit digitalen Medien um dem Einsatz digitaler Technologien und Tools im Unterricht sein. Nur so ist eine sinnvolle und interaktive Einbindung in den Unterricht möglich. Dabei müssen Lehrkräfte auch in der Lage sein, Schüler:innen in Bezug auf Datenschutz, Urheberrecht und Cybermobbing zu begleiten und zu unterstützen. Im Hinblick darauf gibt es großen Schulungsbedarf, nicht zuletzt durch die Schnelllebigkeit der technischen Innovationen. Laut VBE benötigt man um das Lehrkräfteprofil in der Ausbildung zu fördern u.a. E-Learning-Plattformen, angemessene Online-Kommunikation, digitale Lehrmaterialien, Online-Schulungen sowie die Vermittlung von Kenntnissen zur Nutzung von Online-Tools (z.B. Statistiktools, Kollaborationstools). Weitere Infos, warum die Digitalisierung im Bildungssektor nicht richtig in Schwung kommt, gibt es hier.
Medienkompetenz ist in Zeiten von Social Media, Digitalisierung und Fakenews eine unverzichtbare Fähigkeit, die Lehrer beherrschen sollten. Schüler:innen benötigen das Wissen und die Fähigkeiten, um digitale Medien sinnvoll zu nutzen, Informationen und deren Quellen kritisch zu hinterfragen und sich gegen Falschmeldungen und Desinformation zu schützen. Darüber hinaus ist ein Bewusstsein für Urheberrecht und Datenschutz erforderlich. Lehrkräfte, die Medienkompetenz vermitteln, helfen ihren Schülerinnen und Schülern, sich in einer immer stärker digitalisierten Welt zurechtzufinden und sicheres Handeln im Internet zu erlernen. Eine solide Medienkompetenz fördert nicht nur die digitale Bildung der Schülerinnen und Schüler, sondern trägt auch zur aktiven Teilhabe an einer demokratischen Gesellschaft bei. Schwerpunkte sollten auch auf kritische Denkweisen gelegt werden, so ist eine Einbeziehung bzw. Herstellung von Lebensbezug möglich und nachvollziehbar, besonders bei der Handhabe von Fake News, so der VBE.
Lehrkräfte sind im Schulalltag täglich hohen Anforderungen ausgesetzt und müssen sich auf unterschiedliche Situationen und Schüler:innen einstellen. Eine gesunde Psyche und eine gute psychische Belastbarkeit sind daher für Lehrkräfte von großer Bedeutung, um den Herausforderungen im Schulalltag gewachsen zu sein. Lehrerinnen und Lehrer, die über eine ausgeglichene Psyche und eine hohe Belastbarkeit verfügen, können ihre Aufgaben im Schulalltag besser bewältigen und haben auch eine höhere Frustrationstoleranz. Physisch wie psychisch ist der Job sehr fordernd, weshalb Lehrkräfte besonders auf ihre Gesundheit achten müssen. Auch Strategien zur Stressbewältigung und Entspannung sollten daher ein wichtiger Bestandteil einer guten Lehramtsausbildung sein.
In Zukunft wird es wichtig sein, dass die Lehrerausbildung noch stärker auf die Anforderungen des Lehrerberufs ausgerichtet wird. Dazu gehört auch eine stärkere Einbindung digitaler Medien und die Vermittlung von Medienkompetenz. Angehende Lehrkräfte müssen zudem verstärkt auf interkulturelle Kompetenzen und Inklusion vorbereitet werden. Die praktische Ausbildung kann durch Hospitationen und Praktika noch besser auf den späteren Schulalltag vorbereiten. Darüber hinaus sollten auch die physische und psychische Belastbarkeit sowie die Reflexions- und Kritikfähigkeit angehender Lehrkräfte weiter gestärkt werden. Durch eine verbesserte Ausbildung und die Vermittlung dieser Kompetenzen kann die Lehrerausbildung dazu beitragen, dass angehende Lehrkräfte bestmöglich auf ihre Aufgaben im Schulalltag vorbereitet sind und ihren Schülerinnen und Schülern eine optimale Bildung und Förderung ermöglichen können.
Unterricht ist Kooperation. Schüler:innen lassen sich für einen bestmöglich funktionierenden Unterricht auf ihre Lehrkräfte ein und andersherum lassen sich Lehrkräfte auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen ein. Diese beiden Bedingungen unterscheiden sich jedoch insofern, dass die Schüler:innen mit einer Lehrkraft zu einer Zeit kooperieren müssen und Lehrkräfte auf die verschiedenen Bedürfnisse und Eigenschaften von oftmals deutlich mehr als 20 Schüler:innen gleichzeitig eingehen müssen. Kommen dann Demotivation und Undiszipliniertheit mancher Schüler:innen hinzu, scheint selbst die Vermittlung grundlegender Unterrichtsinhalte am Rande des Unmöglichen zu liegen. Berücksichtigt man jetzt noch weitere Faktoren, wie beispielsweise den im Klassenzimmer herrschenden Lärm, zeigt sich, wie viel Stress der Lehrerberuf birgt. Daher ist es leider auch nur wenig überraschend, dass sich etwa ein Drittel aller Lehrkräfte zu hohen Belastungen ausgesetzt fühlt, wie ein Gutachten des Aktionsrats Bildung ergeben hat. Die dadurch gefährdete Berufsgesundheit veranlasst uns dazu, im Folgenden über eine häufig auftretende Lehrerkrankheit – das Burn-Out – zu informieren und darüber, was ihr möglicherweise machen könnt, um euch davor zu schützen.
Vorab: Besonders bei psychischen Krankheiten und Burn-Out-Erscheinungen können die Symptomatiken und Erscheinungsbilder von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfallen und auch nachfolgend aufgelistete Präventiv- und Interventivmaßnahmen müssen nicht immer wirken. Wenn ihr euch also ausgebrannt oder dauerhaft überlastet, erschöpft oder antriebslos fühlt, ist es wichtig und empfehlenswert, professionelle Hilfe aufzusuchen.
Das Phänomen Burnout
Ein Burnout ist zwar aus wissenschaftlicher Perspektive keine eigenständige Krankheit, sondern ein Zustand tiefer physischer oder psychischer Erschöpfung, trotzdem können die Konsequenzen verheerend sein. Besonders, weil die ersten (meist körperlichen) Symptome oftmals übersehen werden. Indizien für ein Burn-Out-Syndrom können beispielsweise Müdigkeit, Schlafstörungen oder ein geschwächtes Immunsystem, also Infektanfälligkeit, sein. Wenn diese körperlichen Äußerungen übersehen oder ignoriert werden, kann sich das Burn-Out auch in der Psyche bemerkbar machen. Innere Unausgeglichenheit, vermehrte Wut oder nicht zu stillende Unzufriedenheit alarmieren das berufliche Verhalten umzustellen und möglicherweise die Arbeitszeiten zu drosseln. Die markantesten und meist am spätesten eintretenden Symptome: Empathielosigkeit, abnehmende Leistungsfähigkeit oder sich verschlechternde körperliche Symptome, sind zugleich die gefährlichsten. Außerdem verstetigt sich jetzt auch das Gefühl, dass Wochenenden oder Ferien nicht ausreichen, um sich vollständig zu regenerieren und zu entspannen. Sollte dieser Zustand über einen längeren Zeitraum bestehen, könnte es gar der Fall sein, dass man sich auf der Vorstufe einer Depression befindet.
Deswegen ist es ratsam, bereits bei ersten Anzeichen eines Burnouts entsprechende Vorkehrungen zu treffen und Verhaltensweisen zu überprüfen.
Anzeichen von Burnout: Das könnt ihr tun
Natürlich, vor einem Burn-Out schützt, dass man sich nicht überarbeitet oder stets zu erfüllenden Pflichten hinterher eilt. Konkret hilft im Alltag als erstes oft das Gespräch. Transparenz mit euren Schüler:innen schützt und hilft, dass die Erwartungshaltungen realistisch bleiben. Kommuniziert zum Beispiel, wenn ihr manche Forderungen oder Wünsche nicht umsetzen könnt oder wollt, begründet diese Entscheidungen und die Schüler:innen werden ihre Ansprüche mildern und Verständnis zeigen.
Dazu gehört auch, dass Lehrkräfte viele Tätigkeitsfelder übernehmen, die die Grenzen der reinen Schulpädagogik oder den Inhalt ihrer Schulfächer überschreiten. Wenn ihr der Meinung seid, dass ihr manchen Aufgaben nicht gerecht werden könnt oder für eine Situation nicht qualifiziert genug seid, ist es – aus mehrerlei Gründen – nützlich, mit Personen aus eurem Kollegium zu sprechen. Zum einen können sie Hinweise und Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung geben und erleichtern es so, einen stets abwechslungsreichen und ansprechenden Unterricht zu gewährleisten, was wiederum den individuellen Arbeitsstress senkt. Zum anderen sind sie vergleichbaren Situationen ausgesetzt und können euren Zustand vielleicht nachvollziehen oder gar persönliche Erfahrungen teilen. In jedem Fall ist es nicht nur für mögliche Anregungen sinnvoll, sich auszusprechen, sondern auch dafür, um seine persönlichen Sorgen nicht alleine mit sich herumtragen zu müssen.
Ein guter Weg, um angebauten Stress darüber hinaus zu kanalisieren, ist es, Sport zu treiben. Bewegung in jeglicher Form hilft negative Energie, die durch einen Burnout regelmäßig entsteht, produktiv abzubauen. Außerdem passiert es häufig, dass man sich als Lehrkraft beim Arbeiten zu wenig bewegt. Sport ist dafür natürlich auch ein guter Ausgleich.
Achtet also auf eure körperlichen Ressourcen und trefft Vorkehrungen, um euch vor einem Burnout zu schützen. Wenn ihr merkt, dass die beschriebenen Symptome auf euch zutreffen, tauscht euch mit anderen Lehrkräften aus, vermittelt euren Schüler:innen, eure Grenzen, versucht Sport zu treiben oder sucht natürlich professionelle Hilfe auf.
Manchmal hat sich ein Burnout aber auch schon verstetigt, kann zur Depression werden. Dann ist es hilfreich, professionelle Unterstützung vom Fach zur Rate zu ziehen. Informationen zu Angeboten oder akuten Fragen und Problemen zur psychischen Gesundheit, bietet beispielsweise die Telefonseelsorge, die online, telefonisch oder vor Ort an 25 Standorten deutschlandweit 24 Stunden täglich anonym und kostenlos erreichbar ist. Der Patientenservice hilft unter der Telefonnummer 116 117 mit zusätzlichen Möglichkeiten, den passenden Arzt und Psychotherapeuten zu finden, auch der eigene Hausarzt kann Diagnosen stellen und beratend weitere Schritte empfehlen.
Wenn ihr eigene Erfahrungen mit Burnout habt, dann teilt sie gerne in den Kommentaren! Weitere Infos zum Thema Burnout und wie man einem solchen vorbeugen kann, findet ihr auch in unserem Artikel: “Wie der Phönix aus der Asche”.
Nordrhein-Westfalen. Für etwa 72.000 Abiturient:innen und ihre Lehrkräfte folgte in dieser Woche eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Erst gab Serverprobleme, dann Verschiebung, plötzlich auch noch Bahnstreik. Wir haben einmal alle Pleiten und Pannen der vergangenen Woche bei den Abiturprüfungen in NRW zusammengefasst.
12:00 Uhr: Der Download der Abiturprüfungen für die Fächer Biologie, Chemie, Ernährungslehre, Informatik, Physik und Technik beginnt. An etwa 300 Schulen funktioniert er, es kommt bereits zu ersten technischen Schwierigkeiten. Wenig später kommt es dann zu ernsthaften Serverproblemen, bis schließlich gar nichts mehr geht. Etwa 600 Schulen hatten überhaupt keinen Zugriff auf Server und Aufgaben. Nach viel hin und her zieht das Ministerium am Abend die Notbremse: gegen halb neun wird mit einer E-Mail an die Schulen bekannt gegeben, dass die Prüfungen auf Freitag, den 21.04, verschoben werden.
Der zusätzliche Stress für die Prüflinge sowie die zeitliche Neuplanung könnten sich negativ auf das Prüfungsergebnis auswirken. Schließlich wurde monate- und wochenlang auf diesen einen Termin hingearbeitet. Für die Lehrerinnen und Lehrer bedeutet das Chaos ebenfalls mehr Belastung: Die Prüfungsverschiebung kann große logistische und organisatorische Schwierigkeiten verursachen. Raumbelegung, Prüfungsaufsicht und Materialbereitstellung müssen komplett neu geplant und umgesetzt werden.
Von allen Seiten hagelte es daraufhin Kritik für das Schulministerium NRW und die dortige Bildungsministerin Dorothee Feller. Schulleitungen sowie Schüler- und Lehrerverbände und einige Politiker:innen warfen dem Ministerium mangelnde Kommunikation vor. Durch die technischen Probleme könnten Rechtssicherheit und Geheimhaltung der Prüfungsaufgaben ebenfalls nicht gewährleistet werden. Die Opposition warf Feller vor, die Prüfungen auf den 21. April verschoben zu haben, an dem Tag begehen Muslimas und Muslime das Ende des Fastenmonats Ramadan mit dem Zuckerfest. Von den verschobenen Prüfungen betroffene Schüler:innen und Lehrkräfte machten ihrem Unmut in den sozialen Medien Luft, so zum Beispiel auf Twitter mit #nrwabi.
9:00 Uhr: Kurzfristig kündigte die EVG weitere Warnstreiks für den Bahnverkehr an, ausgerechnet am Freitag. “Wir setzen ein deutliches Zeichen, dass wir nicht die Fahrgäste, sondern die Unternehmen treffen wollen, indem wir diesmal zu einem zeitlich befristeten Warnstreik in den frühen Morgenstunden aufrufen”, sagte Cosima Ingenschay von der Bahngewerkschaft EVG gegenüber der Tagesschau. Viele der betroffenen Abiturient:innen dürften das anders sehen. Für sie ging es nun darum, ob und wie sie pünktlich zur Prüfung kommen sollten. Der Streik fiel in den Zeitraum von 3:00 bis 11:00 Uhr, also genau in den Zeitraum, zu dem die Prüflinge in die Prüfungen starten sollten.
Ca. 14:00 Uhr: Das nordrhein-westfälische Schulministerium gab bekannt, dass es diesmal neue Aufgaben geben würde, da die Geheimhaltung der alten Prüfungsaufgaben nicht mehr gewährleistet gewesen seien. Online habe man zwar keine geleakten Aufgaben finden können, sei aber lieber auf Nummer sicher gegangen, so der WDR. Sollten doch Aufgaben durchgesickert sein, sollten dennoch gleiche und rechtlich sichere Bedingungen für alle Abiturient:innen gelten. Für muslimische Schüler:innen wird es außerdem einen zentralen Nachschreibetermin am 09.05 geben, damit sie am Zuckerfest teilnehmen konnten.
Diesmal gab es keine technischen Schwierigkeiten beim Herunterladen der Aufgaben, dafür aber mehrere Fehler in den Aufgaben selbst. Wie der Westfälische Anzeiger meldete, handelte es sich dabei um kleinere Fehler wie vertauschte Abbildungen und fehlerhafte Links. Bis zum Start der Prüfungen am Folgetag konnten die Fehler erfolgreich behoben werden.
9:00 Uhr: Um diese Uhrzeit haben die zentralen Prüfungen für alle Abiturient:innen in den Fächern Biologie, Chemie, Ernährungslehre, Informatik, Physik und Technik begonnen. Trotz des Warnstreiks der EVG konnten die Prüfungen erfolgreich durchgeführt werden.
17:00 Uhr: Presse und sozialen Medien sind bisher keine Informationen über Verspätungen oder Nichterscheinen aufgrund des Bahnstreiks zu entnehmen. Der Bahnverkehr ist inzwischen wieder angelaufen und funktioniert in den meisten Regionen wieder zuverlässig.
Bereits am Dienstag kündigte Bildungsministerin Feller eine vollständige Aufklärung des technischen Fehlers an, damit bei weiteren Prüfungen keine weiteren Probleme auftreten würden. Am Donnerstag entschuldigte sie sich bei allen Schüler:innen, Eltern und Lehrkräften im WDR Fernsehen. Die Panne hätte nicht passieren dürfen und die dadurch entstandene Unruhe, Unsicherheit und Belastung würde sie sehr bedauern. Es habe im Vorfeld Tests der digitalen Infrastruktur gegeben, die alle erfolgreich verlaufen seien. Weiterhin stehen Ministerium und Ministerin in der Kritik. Ob die nächsten Prüfungen reibungslos stattfinden können, muss sich zeigen.
Berlin. Das Bündnis für Bildung hat bei den Koalitionsverhandlungen zehn Forderungen vorgelegt, die eine umfassende Verbesserung der Bildungspolitik in Berlin zum Ziel haben. Diese Forderungen beinhalten unter anderem die Stärkung der Inklusion und Antidiskriminierung, den Ausbau der Infrastruktur und Digitalisierung sowie den Neubau und die Sanierung von Bildungseinrichtungen. Weitere Forderungen betreffen die Stärkung des Personals in Kitas und im Ganztag, den Ausbau der Lehramtsstudienplätze sowie die Förderung von multiprofessionellen Teams, um die Arbeit in Schulen zu erleichtern.
Die GEW-Vorsitzende Martina Regulin betonte, dass es sich hierbei um eine Krise des gesamten Bildungssystems handelt und nicht um einzelne Probleme oder Versäumnisse. Allerdings gibt es Bedenken, dass es erneut an finanziellen Mitteln scheitern könnte. Landeselternsprecher Norman Heise kritisierte, dass einige Finanzpolitiker noch immer behaupten, dass es an den Schulen kein Geldproblem gäbe. Trotz der angeblich besten Pro-Schüler-Finanzierung in Deutschland fehle es jedoch an allen Ecken und Enden. Die Vermutung liegt nahe, dass die teuren kostenlosen Horte und das kostenlose Schulessen dazu beitragen, dass die finanziellen Mittel nicht ausreichen, um die dringend notwendigen Verbesserungen in der Bildungspolitik umzusetzen.
Die Probleme im Bildungssystem beschränken sich nicht nur auf Einzelfragen oder Versäumnisse, sondern haben inzwischen eine systemische Krise erreicht. Diese Ansicht teilt auch die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Martina Regulin, und sieht darin das Kernanliegen des Bündnisses für Bildung. Ein Beispiel dafür ist der Mangel an Personal in Kitas, insbesondere in den Krippen, wo laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ein Drittel mehr Personal notwendig wäre. Auch die Erlassung der Kitagebühren hat nicht zur Verbesserung der Qualität der Kitas beigetragen.
Bündnis für Bildung wurde im Jahr 2011 als gemeinnütziger Verein gegründet und engagiert sich seitdem für den digitalen Wandel in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Es fungiert als Vermittler zwischen der Bildungsbranche und der öffentlichen Hand. Obwohl viele Themen, für die sich das Bündnis einsetzt, nicht neu sind, wurden sie durch die Corona-Pandemie gesamtgesellschaftlich stärker wahrgenommen und dringlicher.
Die Organisation setzt sich dafür ein, die Möglichkeiten digitaler Medien, Werkzeuge und Kommunikationsmittel für alle Beteiligten im Bildungsprozess zugänglicher und nutzbarer zu machen. Das Bündnis umfasst eine Vielzahl von Akteuren, darunter IT-Unternehmen, Verlage, Startups, Bildungsinstitute und Vertreter der öffentlichen Hand, die sich besonders für die Entwicklung und Umsetzung von Standards und Referenzlösungen für die Bildung und Infrastrukturen in Lehr- und Lernumgebungen engagieren. Als ideeller Träger dieser Mission ist das Bündnis für Bildung unabhängig von einzelnen Unternehmen und setzt sich dafür ein, dass die Digitalisierung in der Bildung zum Wohl aller Beteiligten gestaltet wird.
EdTech Lösungen und Startups im Bildungsbereich sind enorm wichtig, um frischen Wind in die durch Tradition geprägten Strukturen von Lehr- und Lernangeboten zu bringen und so die Entwicklung von innovativen Ansätzen in Bildungsinstitutionen voranzutreiben. Obwohl das Thema Bildung im Zusammenhang mit Digitalisierung häufig diskutiert wird, scheinen die zugehörigen Startups zumindest in der DACH-Region ein Nischenphänomen zu sein. Woran dies möglicherweise liegen könnte, möchten wir euch angesichts des heutigen Weltkreativitäts- und Innovationstages mit dem folgenden Artikel vorstellen.
Trotz dünner Datenlage zu Bildungsstartups in Deutschland lässt sich auf Basis einiger Zahlen aus vergangenen Jahren feststellen, dass der Gründungs- und Finanzierungsumfang von EdTechs hierzulande im internationalen Vergleich weitaus klein ist. 2018 wurden in Deutschland insgesamt 4,6 Mrd. Euro Venture Capital (Risikokapital) in Start-ups investiert, davon gingen nicht einmal 1 Prozent (43 Mio.) des gesamten Investitionsvolumens in EdTech-Unternehmen. Dabei wurden im vergangenen Jahr rund 3,5 Prozent der existierenden Startups dem Bildungssektor eingeordnet. Auch im Gründungsbereich liegt Deutschland laut einer Umfrage vom März 2020 mit 1,6 Prozent hinter Ungarn (4,3 %) und Bulgarien (3,6 %).
Auf Anfrage an das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) zu aktuellen Daten hieß es, dass die Besonderheiten der EdTech-Startups und ihre spezifischen Geschäftsfelder (extended reality, personalized learning, blended learning, gamification, cloud services) im Geschäftsbereich des BMWK nicht gesondert adressiert werden. Die BMWK verwies uns zum Bundesbildungsministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem Hinweis, dass diese möglicherweise über eigene statistische und andere Informationen aus diesem Bereich verfüge. Die BMBF allerdings gab uns keine Rückmeldung auf unsere schriftliche Anfrage bezüglich aktueller Entwicklungen im deutschen Bildungssektor und Edtech-Start-ups. Daher basieren die folgenden Informationen größtenteils auf den Ergebnissen des Diskussionspapiers, welches vom Stifterverband herausgegeben wurde.
Das Ökosystem der Bildungslandschaft dreht sich hauptsächlich um den Weiterbildungs- und Nachhilfemarkt (wie beispielsweise Sofatutor). Sehr beliebt ist das Angebot der Coding Bootcamps. „Online Lernen“ und „Tools & Support für das Lernen“ belegen die zweit- und drittgrößte Kategorie, gefolgt von Unternehmen, die eine Lösung für die Infrastruktur von Schulen anbieten. Viele fokussieren sich dabei auf das Begleiten und Unterstützen des Lernprozesses von Schule bis zum Universitätslevel mit verschiedenen Apps und Materialien. Geschäftsmodelle, welche Software-Lizenzen oder Buchung von Onlinekursen im Fokus haben, tauchen allerdings kaum im öffentlichen Bildungssektor auf. Es ist davon auszugehen, dass sich EdTechs in Deutschland vor allem in den Weiterbildungsbereich verlagern, da Abnehmer aus dem Unternehmens- und Privatkundensektor einfacher zu adressieren sind als staatliche Bildungsinstitutionen.
Im föderalistisch organisierten Bildungssystem Deutschlands gibt es zwar viele öffentliche, kostenfreie und qualitativ hochwertige Bildungsangebote, der Anteil der digitalen Lösungen ist allerdings recht klein und die Innovationsrate dementsprechend langsam. Mehrere Faktoren können gemäß der Analyse des Stifterverbandes hierbei eine Rolle spielen:
Demnach können Markteintrittsbarrieren, ein hoher administrativer Aufwand und staatliche Regulierung sowie Entscheidungsstrukturen, die dezentral auf Ebene von Bund und Länder existieren allesamt zu dem dünn besiedelten Bildungsstartup-Markt beitragen.
Um die Zusammenarbeit von Bildungsinstitutionen und Edtech-Startups zu stärken, haben sich in Deutschland mittlerweile einige Initiativen gebildet. Beispielsweise hat sich EDUvation als Anlaufstelle und Ratgeber für Startups auf die Bereiche Bildungsmanagement und -technologie spezialisiert. Das Beratungsunternehmen bietet Lösungen für Bildungsstartups an und unterstützt diese in der Umsetzungen von ihren Ideen.
Auch auf den Fachmessen didacta oder learntec – welche als die wichtigsten Veranstaltungen zur Förderung von EdTech-Startups gelten – gibt es für Akteurinnen und Akteure die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Bildungsinteressierten auszutauschen. Zudem bieten der EdTech-Kompass und der EdTech-Entwicklungszirkel des Hochschulforums Digitalisierung Einblicke in die Welt der Startups und fördert somit die Sichtbarkeit dieser.
Letztendlich sieht das Einführen von Produkten oder Dienstleistungen in Schulen und Klassenzimmern anders aus als in einem privatwirtschaftlichen Markt. Es muss nicht an einem Mangel an innovativen Ideen liegen, dass Lösungen oft nicht da ankommen, wo sie gebraucht werden, da häufig komplexe Implementierungsmechanismen dazwischen stehen. Gerade deshalb ist es wichtig, förderliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Welche Handlungsempfehlungen der Stifterverband diesbezüglich vorschlägt, könnt ihr hier in voller Länge lesen.
Wie beurteilt ihr die aktuelle Lage der Startup-Bildungslandschaft? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare!
Als am 27. Januar 2020 die erste Corona-Infektion in Deutschland bestätigt wurde, war klar, dass das Virus auch bei uns angekommen ist. Jedoch hätte wohl kaum einer ahnen können, wie sehr das Virus dem Land und besonders dem Bildungswissen, allen voran Lehrkräften und Schüler:innen, zusetzen würde. Die Pandemie schuf einen Ausnahmefall, wie man ihn in Deutschland noch nicht gesehen hat. Schnelles Handeln und Innovation waren erforderlich, schließlich konnte der Unterricht nicht permanent stillstehen. Am 16. März desselben Jahres waren in den meisten Bundesländern schon Schulen und Kitas geschlossen, der Lockdown kam – der Rest ist mittlerweile Geschichte. Im Rahmen unserer Themenwoche “Zukunft der Bildung” wollen wir uns deshalb der Frage widmen, welche Lehren wir aus der Pandemie in Zukunft für unser Bildungssystem ziehen können.
Die psychosozialen Folgen der Pandemie kamen überraschend und trafen unser Bildungssystem ins Mark Die Zahl von Schüler:innen die eine Klasse wiederholen mussten, ist um 67 Prozent gestiegen, die Anzahl von psychischen Problemen bei Kindern hat sich verdoppelt von 15 auf 30 Prozent und die Bildungsungerechtigkeit in Deutschland wurde verstärkt.
Als Reaktion haben das Bundesfamilienministerium und das Bundesgesundheitsministerium, gemeinsam Anfang Februar 2023 Maßnahmen verabschiedet, um Kinder und Jugendliche langfristig und nachhaltig mental zu unterstützen. Das Programm „Aufholen nach Corona“, des Bundesbildungsministerium, sollte mit einem Betrag von insgesamt zwei Milliarden Euro die Bildungsprobleme lösen, brachte allerdings nur gemischte Erfolge.
Zur Corona Situation haben sich auch schon der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, und die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing geäußert. Die Kultusministerkonferenz war laut Meidinger schlichtweg nicht vorbereitet und Lin-Klitzing äußerte die Meinung, digital unterstützter Präsenzunterricht sollte zum Regelfall werden, mit Verweis auf den Mehrwert von persönlicher Interaktion zwischen Schüler:in und Lehrkraft.
John F. Kennedy sagte einst, “Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen – das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.” Mit der Pandemie war das nicht anders. Inmitten des Schocks kam es zu notgedrungener Kreativität und vielfältigen Lösungen, wobei der Kern dieser Lösungen im digitalen Raum lag.
“Es lässt sich ohne Zweifel von einem pandemiebedingten ‚Digitalisierungsschub‘ sprechen.“ behauptet Prof. Dr. Benjamin Fauth, Leiter der Empirische Bildungsforschung am Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW). Als Resultat mangelnder digitaler Infrastruktur kam es in wenigen Monaten zu nötigen Veränderungen.
Zwischen März 2020 und Dezember 2020 hat sich die Nutzung digitaler Medien von 37 Prozent bis hin zu 64 Prozent erhöht im Bezug auf den Austausch zwischen Lehrkräften und dasselbe Wachstum kam beim Austausch zwischen Schüler:innen mit 16 Prozent zu 49 Prozent. Seit Dezember 2020 besitzen 86 Prozent der Schulen eine digitale Plattform, 60 Prozent von Lehrkräften nutzen digitale Mittel im Unterricht und fast die Hälfte der Lehrkräften (44 Prozent) meinen einen langfristigen positiven Wandel in der Schule bemerkt zu haben als Folge der Schließungen.
Tatsächlich wäre es in bestimmten Bereichen vorteilhaft, Möglichkeiten für Digitalunterricht beizubehalten. Schritte wie der Digitalpakt sollen die Basis dafür setzen, dass wir auch in Zukunft auf derartige Situationen vorbereitet sind und die dringend notwendige Auf- und Umrüstung unseres Schulsystems in Tritt kommt. Neu geplante und nicht improvisierte Bildungsformen bieten ungenutztes Potenzial zur Wissensvermittlung. Flexible Zeiteinteilung, gesteigerte Motivation durch die Einbeziehung von Quiz-Elementen, Vermittlung tagesaktueller Inhalte und höherer Lernerfolg als Resultat von angepassten Inhalten sind einige der Vorteile. Prüfungen weiterhin remote abzulegen, etwas, das sich schon in der Vergangenheit viele Universitätstsudent:innen wünschten, wäre ebenfalls möglich. Nach der Pandemie wurden vielerorts die Voraussetzungen eines solchen hybriden Unterrichts geschaffen.
Das Goethe Institut hat zum Thema Remoteunterricht beispielsweise eine nützliche Broschüre erstellt, die Ihr hier lesen könnt.
Es bleibt zu hoffen, dass die letzte Pandemie vorerst die letzte war. Dennoch bleibt die Lektion, dass digitale Möglichkeiten und Kompetenzen an Schulen dringend ausgebaut werden müssen, nicht nur, um für derartige Ausnahmesituationen gerüstet zu sein. Die Notlösung von gestern könnte mit großer Wahrscheinlichkeit die Bildung von morgen bieten.
Wie gut gewappnet denkt Ihr, ist das deutsche Bildungssystem gegenüber einer weiteren Pandemie? Teilt eure Meinung gerne in den Kommentaren!
Berlin. Das Ergebnis der vergangenen Kultusministerkonferenz (KMK) greift die Debatte rund um eine Angleichung der Rahmenbedingungen für ein gerechteres Abitur auf. Drei Jahre nach der Einführung des bundesweiten Zentralabiturs mit gemeinsamen Aufgabenpool für Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch sind noch immer große Unterschiede in der Leistung der Schüler:innen und in der Handhabung der Bundesländer zu verzeichnen. Daher sollen nun einige Neuerungen auch den Weg zum Abitur – und damit die Qualifikationsphase – vereinheitlichen.
Explizit geht es um die Anzahl der Leistungs- und Pflichtkurse sowie die Berechnung der Abiturnote. Künftig sollen zwei oder drei Leistungskurse gewählt werden, wo bisher bis zu vier möglich waren. Bei den Pflichtkursen einigte sich die KMK nun auf 40, statt wie bisher 32 bis 40. Davon sollen endgültig 36 in die Gesamtqualifikation mit einfließen. Die Neuerungen treten spätestens 2027 in Kraft und finden demnach Geltung für die heutigen Fünftklässler:innen, die 2030 ihr Abitur ablegen würden.
Die Reform der „Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe“ und deren bundesweite Vorgaben zur Qualifikationsphase werden vom Philologenverband begrüßt. Vor allem die Chancengleichheit bei der Bewerbung auf Studienplätze an Universitäten wäre damit gefördert.
Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) begegnet den geplanten Änderungen der KMK allerdings skeptisch. Zusätzliche Regelungen gingen der GEW zufolge nur auf Kosten der Flexibilität. In der Potsdamer Erklärung auf die Stefan Edelman – Gymnasiallehrer und Mitglied der GEW Hessen – Bezug nimmt heißt es „Um der zunehmenden Heterogenität durch vielfältige Herkunftsgeschichten, sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen, Begabungen und Interessen gerecht zu werden, bedarf es einer Flexibilisierung von Raum-, Zeit- und Lerngruppenstrukturen. Heterogenität als Chance zu sehen und zu nutzen, führt zu mehr Bildungsgerechtigkeit.“. Diesem Standpunkt würden die Vorschläge der KMK zur weiteren Vereinheitlichung der Bedingungen entgegenstehen, da diese die freie Wahl bei Fächern in Oberstufen eingrenzen würden.
In einem kleinen Ort am südöstlichen Rand des Schwarzwaldes wird an der Alemannenschule Wutöschingen (ASW) das Konzept der Schule ganzheitlich anders gelebt, als es uns von klassischen Schulen in Deutschland bekannt ist. Wir möchten euch mit unserer aktuellen Themenwoche „Zukunft der Bildung“ eine Gemeinschaftsschule vorstellen, die als Vorreiter und Innovationstreiber der Bildungslandschaft seit über zehn Jahren zeigt, wie die Schule von Morgen länderübergreifend aussehen könnte.
Doch bevor wir uns der Genese dieser Schule widmen, hier zunächst ein kurzer Überblick, warum wir euch die ASW im Rahmen unserer Themenwoche “Zukunft der Bildung” vorstellen.
2005 kam Stefan Ruppaner als Rektor an die Alemannenschule, die zu der Zeit noch als Grund- und Hauptschule galt. Zwei Jahre später stoß Ruppaner durch Zufall auf die Dokumentation “́Treibhäuser der Zukunft” ́von Reinhard Kahl. Im Film wurde darüber berichtet, wie Achtklässler selbständig lernen. Ruppaner sagt, er habe diesem Konzept am Anfang nicht viel Glauben schenken wollen und musste sich erst einmal persönlich ein Bild verschaffen. So besuchte er mit zwei weiteren Kollegen die Bodenseeschule in Friedrichshafen. Dies gab ihm Anschub, eine Veränderung in Gang zu setzen und es selbst einmal – anfangs mit einer fünften und sechsten Klasse – auszuprobieren. Dazu überzeugte Ruppaner die Gemeinde, dass kooperative Lernbereiche notwendig seien, weshalb in der oberen Etage der Schule Wände rausgerissen wurden, um das jetzige Lernatelier zu schaffen. Zu Beginn – erzählt Ruppaner – gab es nur fünf bis sechs von 30 Kolleg:innen, die mit ihm zusammen bei der Neukonzeptionierung mitgingen. Gemeinsam mit ein paar engagierten Grundschullehrer:innen, die sich bereit erklärten die fünfte und sechste Klasse zu übernehmen, der externen Hilfe des Pädagogen und Schulgründer Peter Fratton, welcher das Konzept schrieb und der Zustimmung des Bürgermeisters, begann so eine Reise die mit vielen Strukturaufbrüchen. Mittlerweile begleitet die ASW rund 900 Schüler:innen und einige sogar bis zur gymnasialen Oberstufe.
Statt Lehrer:innen gibt es an der ASW sogenannte Lernbegleiter. Eine Umfrage ergab, dass sich zukünftig ca. 40 Prozent der Lehrer:innen in der Rolle eines Lernbegleiters sehen statt in der eines reinen Wissensvermittlers. Der Anspruch an die Lernbegleiter sind dementsprechend auch andere. Ein typischer Tagesablauf eines Lernbegleiters an der ASW könnte – laut Angaben von Herrn Ruppaner – demnach folgendermaßen aussehen:
Im Vergleich zu den Aufgaben, die einer klassischen Lehrrolle zukommt, unterrichtet ein Lernbegleiter in der ASW keine 27 Deputatsstunden, sondern nur noch 12 Unterrichtsstunden, berichtet uns Herr Ruppaner. Dafür ist der Lernbegleiter allerdings 35 Zeitstunden an der Schule anwesend. In dieser Zeit gibt er seine 12 Unterrichtsstunden als Input-Stunden für bestimmte Fächer oder steht als Fachcoach für Beratungen zur Verfügung. Außerhalb dieser 12 „Unterrichtsstunden“ (die eigentlich keine mehr sind) begleitet der Lernbegleiter eine Lerngruppe von 15 Lernpartnern aus drei unterschiedlichen Jahrgängen. Jeder Lernpartner bekommt dabei pro Woche mindestens 15 Minuten Lerncoaching.
Die Lernmaterialien sind im Materialnetzwerk (MNW) der Schule kostenlos als Open Educational Resources für das selbstorganisierte Lernen bereitgestellt. Lehrenden und Lernenden sind die Materialien frei zugänglich. Mit der Digitalen Lernumgebung (DiLer) können die Schüler:innen zudem jederzeit ihren Lernprozess dokumentieren. Bei Interesse an einer Mitgestaltung der Materialien als Autor:in, ist ein Zugang zu dem Editor nötig, für den sich alle Privatpersonen und Schulen registrieren können. Voraussetzung für das Erstellen von Materialpaketen und Einzeldokumenten ist das Bausteinprinzip, welcher die Struktur und das Layout bestimmen. Des Weiteren müssen Kriterien erfüllt werden, welche die Niveaustufen Mindest-, Regel- und Expertenstandard bedienen. Diese basieren auf der Theorie von Gerhard Ziener und gelten als Grundlage der von der ASW entwickelten Kompetenzraster.
Laut Ansprechpartnerin Isabel Budde – zuständig für Verwaltung, Kommunikation und Koordination des Materialnetzwerkes – arbeiten aktuell bereits 40 Schulen und 1000 Lehrpersonen mit dem MNW-Editor. Darunter sei von Grundschulen bis Montessorischulen, Realschulen, Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und Berufsschulen alles dabei.
Auf die Frage wie lange es anfangs gedauert hat, bis sich die Entscheidungsträger auf ein Konzept geeinigt hatten und dieses final umsetzbar war antwortet Herr Ruppaner, dass dies in Wutöschingen kein Problem war, da er selbst seit fast 30 Jahren im Gemeinderat tätig ist. Auch die finanziellen Aspekte einer solchen Neustrukturierung sollten anderen Schulen nicht im Wege stehen, er sieht diese eher als „vorgeschobene Argumente“, da die ASW mit dem aktuellen System sogar Geld einspare und es insgesamt eindeutig günstiger ausfallen würde.
Ob es auch Tiefpunkte gab, beantwortet Ruppaner, damit dass es vor allem die Kritiker und „Angriffe von außen“ waren, die bezweifelten, ob die Ideen und Visionen alltagspraktikabel seien und ob es überhaupt funktioniere „wenn man Kinder alles machen lässt“. Er schildert, dass es an der ASW jedoch genauso Regeln und Vereinbarungen gibt, wie an jeder anderen Schule auch. Heute kann er sowohl mit der Unterstützung der Eltern als auch der Gemeinde fest rechnen. Den Erfolg reflektieren vor allem die überdurchschnittlichen Leistungen der Kinder sowie die Auszeichnung des Deutschen Schulpreises 2019.
Habt ihr schon mal von der Alemannenschule Wutöschingen gehört? Wie findet ihr das Konzept des selbstorganisierten Lernens? Lasst uns gerne einen Kommentar da.
Berlin. Mit dem kürzlich vorgestellten Koalitionsvertrag der CDU und SPD ist auf Ebene der Bundesländer das erste große bildungspolitische Versprechen nach dem enttäuschenden Bundesbildungsgipfel im März erfolgt. Noch bis zum 21. April ist es Berliner SPD-Mitgliedern möglich, über den Vertrag abzustimmen, der die zwischen Christ- und Sozialdemokraten vereinbarten Herangehensweisen über die akuten bildungspolitischen Fragen, wie den Lehrkräftemangel und die Digitalisierung der Schulen in Berlin, klärt.
Die Berliner GroKo will den landesweiten Stab an Lehrkräften in ihrer Legislaturperiode soweit vergrößern, dass es künftig nicht mehr zu Unterrichtsausfall kommen muss. Dazu “prüft die Koalition Möglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Entlastung des pädagogischen Personals“. Auch der von der “Rot-Rot-Grünen-Regierung“ geforderte Quereinstieg für Lehrkräfte soll beibehalten und “verstetigt“ werden. In diesem Zusammenhang “wird der Quereinstieg von Ein-Fach-Lehrkräften in Mangelfächern geprüft.“ Andere Mittel zur Behebung des Berliner Lehrermangels sind die “Lehrkräfteverbeamtung“ und die “schnellstmögliche Umsetzung des Nachteilsausgleich für tarifbeschäftigte Lehrkräfte“. Internationale Fachkräfte sollen durch die “Entbürokratisierung und Beschleunigung der Anerkennung ausländischer Abschlüsse“ ebenfalls schneller in Berliner Schulen integriert werden.
Um den Prozess der Digitalisierung voranzutreiben plant die Koalition “alle öffentlichen Schulen an das gigabitfähige Breitbandnetz anzuschließen und die Bezirke beim Abruf der Mittel aus dem Digitalpakt Schule und Ausbau der IT-Infrastruktur zu unterstützen“. Man wolle “sich auf Bundesebene für einen Digitalpakt 2.0 einsetzen“, heißt es weiterhin im Koalitionsvertrag. Ebenfalls wird als Ziel genannt, dass an allen Berliner Schulen eine permanente IT-Betreuung installiert wird.
Des Weiteren sprechen sich CDU und SPD im Koalitionsvertrag für das Vorantreiben der Berliner Schulbauoffensive aus und wollen diesbezüglich die finanziellen Mittel verdoppeln. Die Parteien bekennen sich darüber hinaus zum mehrgliedrigen Schulsystem, Schulen in freier Trägerschaft und dem Landesprogramm “Schulsozialarbeit“. Nicht zuletzt widmet sich der Koalitionsvertrag der Weiterentwicklung der Inklusion, der Förderung von Mehrsprachigkeit und der Integration geflüchteter Kinder in den Regelschulbetrieb.
Den ganzen Koalitionsvertrag findet Ihr hier.
Potsdam. Britta Ernst, seit 2017 Ministerin für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg, ist am Montag offiziell zurückgetreten. Als Grund nannte sie Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Landtagsfraktion ihrer Partei, deren “Geschlossenheit nicht mehr gegeben” sei.
Die SPD-Politikerin und Ehefrau von Bundeskanzler Olaf Scholz stand wegen ihrer Bildungspolitik seit langem in der Kritik von Fachverbänden, Schulen und Vertretern der Opposition im Landtag. Der Landeselternrat warf ihr im Dezember 2021 “Versäumnisse bei der Organisation des Unterrichts in Pandemiebedingungen” vor und forderte damals ihren Rücktritt. Zuletzt habe es jedoch konstruktive Gespräche gegeben. Als KMK-Präsidentin stand sie für einen lockeren Kurs in der Pandemiepolitik.
"Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir die anstehenden Herausforderungen nur mit maximaler Geschlossenheit bewältigen werden", erklärte Ernst ihren Schritt. "Diese Geschlossenheit ist nicht mehr gegeben" so Ernst in ihrer Rücktrittserklärung.
Ein Grund dafür könnte ihr Krisenmanagement beim Lehrermangel in Brandenburg gewesen sein, Ernsts Maßnahmenplan war höchst umstritten. Aktuell gibt es im Bundesland einen Bedarf an 1.800 Lehrer:innen. 600 von diesen Stellen werden wohl offen bleiben.
Ihre Pläne zur Bekämpfung des Lehrkräftemangels im Bundesland sahen vor, 200 nicht besetzte Lehrerstellen in Arbeitsplätze für Verwaltungsfachkräfte und Schulsozialarbeiter umzuwandeln. Darüber hinaus sollten Lehrerwochenstunden gekürzt werden, die für Extra-Unterricht wie Förderunterricht und flexibles Lernen eingesetzt werden. Die Pläne stießen auf die scharfe Kritik von Seiten der Opposition, aber auch innerhalb der SPD selbst. Der Rücktritt habe “seine Gründe in der verfehlten Bildungspolitik", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linken im Brandenburger Landtag, Kathrin Dannenberg, gegenüber dem RBB. In den Augen der Opposition hat Ernst insbesondere in den Bereichen Lehrermangel und Digitalisierung zu wenig geliefert.
Vorschläge seien immer “von oben herab” gemacht worden und nicht auf den Konsens von Schulen und Kitas gestoßen, kritisierte Brandenburgs GEW-Landesvorstand Günther Fuchs.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bedankte sich bei Ernst für “Weitsicht, Mut und Durchsetzungswillen" und überreichte ihre Entlassungsurkunde samt Blumenstrauß. Ihre Nachfolge tritt nun Bildungsstaatssekretär Steffen Freiberg an.
Wie es jetzt für die 62-jährige weitergeht und welche Maßnahmen stattdessen getroffen werden um Brandenburgs Lehrermangel in den Griff zu bekommen, bleibt abzuwarten. Auf ihren Nachfolger, Steffen Freiberg, der als Digitalisierungsaffin gilt, warten jedenfalls große Herausforderungen.
In einer zunehmend digitalen Welt wird die Rolle der Bildung immer wichtiger, um die nächste Generation auf die Herausforderungen von morgen vorzubereiten. Jacob Chammon ist ein Digitalisierungsexperte, der sich seit Jahren für die Digitalisierung der Schulen einsetzt. Er ist Vorstand im Forum Bildung Digitalisierung, einem Netzwerk von Experten, das sich für die Förderung digitaler Bildung einsetzt. In diesem Interview sprechen wir mit Jacob Chammon über die Bedeutung der Digitalisierung für die Bildung, den aktuellen Stand des Digitalpakts und die Rolle des Forum Bildung Digitalisierung bei der Umsetzung von digitalen Lernkonzepten in der Schule.
Jacob Chammon ist seit dem 1. April 2020 geschäftsführender Vorstand des Forum Bildung Digitalisierung. Er war Schulleiter der Deutsch Skandinavischen Gemeinschaftsschule in Berlin und hat dort gemeinsam mit dem Kollegium wichtige Entwicklungsprozesse hin zu einer digitalen Schule angestoßen sowie die Weichen für einen fächerübergreifenden und projektorientierten Unterricht in einer Kultur der Digitalität gestellt. Wir sprachen mit ihm über den Digitalisierungsstand der deutschen Schulen, dem Digitalpakt und dem Forum Bildung Digitalisierung.
Lehrer-News: Welche Rolle spielt die Vernetzung von Schulen und Bildungseinrichtungen bei der Digitalisierung der Bildung?
Chammon: Die Vernetzung und der Austausch der unterschiedlichen Akteur:innen sind entscheidend, damit die digitale Transformation des Systems Schule gelingen kann. Als Forum Bildung Digitalisierung wollen wir mit unseren Formaten aufzeigen, dass niemand allein ist und wir viel voneinander lernen können. Dazu haben wir zum Beispiel mit dem LabBD einen Dialog- und Experimentierraum für Schulleitungen, Schulträger und Schulaufsichten geschaffen, in dem wir die gemeinsame Zusammenarbeit und den ko-konstruktiven Austausch zwischen den Akteur:innen anregen und sie im Prozess bei der Gestaltung digitaler Bildung begleiten und unterstützen. Lehrkräfte und Schulleitungen müssen nicht jedes Mal wieder von Null anfangen. Es geht darum, Erfahrungen, gute Beispiele, Materialien oder Konzepte miteinander zu teilen und ko-konstruktiv an Lösungen zu arbeiten. Diese Kultur des Teilens und das gemeinsame Lernen sind für Transformationsprozesse unerlässlich. Am Ende müssen dann die einzelnen Aktivitäten der unterschiedlichen Akteur:innen im Austausch miteinander abgestimmt und die bestmögliche Lösung für die Schule vor Ort gefunden werden. Unserer Erfahrung nach gelingen die digitalen Transformationsprozesse dort am besten, wo Schulen in gutem Austausch mit ihrem Träger und der Schulaufsicht stehen.
Lehrer-News: Welche technischen Lösungen gibt es, um Schulen bei der Digitalisierung zu unterstützen, wie sieht es z.B. beim Thema Breitband im ländlichen Raum aus?
Chammon: Entscheidender als die Frage nach der technischen Infrastruktur ist die wirksame und lernförderliche Nutzung digitaler Potenziale in Lehr-Lern-Settings. Wie kann ich neue Möglichkeiten der Visualisierung in den Fächern nutzen? Wie kann ich Apps oder individualisierte Lernplattformen für Schüler:innen im Unterricht einbinden? Wie verzahne ich analoge und digitale Lernsituationen sinnvoll miteinander? Lehrkräfte müssen gut auf diese Fragen vorbereitet und bei der Umsetzung unterstützt werden, der Schlüssel dafür ist eine hochwertige Aus- und Weiterbildung unserer Lehrkräfte. Und natürlich müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen: Dazu gehört eine einheitliche Versorgung mit Breitband auch im ländlichen Raum, die Ausrüstung mit Endgeräten inklusive einer regelmäßigen Wartung sowie eindeutige Datenschutzregeln, welche Lehrkräfte und Schulleitungen eine sichere Nutzung digitaler Anwendungen ermöglichen.
Lehrer-News: Wie kann Digitalisierung als Mittel für mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung genutzt werden?
Chammon: Die Heterogenität der Lernenden stellt eine der größten Herausforderungen für das Bildungssystem dar. Im Sinne der Chancengerechtigkeit gilt es, die Potenziale der digitalen Technologien zu nutzen, um Lehr-Lern-Prozesse inhaltlich und methodisch individueller und kreativer zu gestalten und unterschiedliche Lernpfade für alle Schüler:innen zu ermöglichen. Neben diesen individualisierten Fördermöglichkeiten brauchen wir aber ein Umdenken im gesamten System, auch Leistungsbeurteilung oder Prüfungsformate müssen für mehr Chancengerechtigkeit an die individuellen Voraussetzungen von Schüler:innen angepasst werden. Bildungsteilhabe in einer digitalisierten Welt bedeutet zudem mehr als die Verfügbarkeit digitaler Infrastruktur für alle, sondern vor allem einen gleichwertigen Aufbau digitaler Kompetenzen unabhängig vom sozialen Hintergrund.
Lehrer-News: Welche konkreten Veränderungen können dank eurer Arbeit im Forum Bildung Digitalisierung für Schulen leichter erkenntlich gemacht werden, bzw. wie können Lehrer:innen und Schulen von eurer Arbeit profitieren?
Chammon: Als Forum Bildung Digitalisierung haben wir es uns zum Ziel gesetzt, ein vielfältiges Angebot zur Verfügung zu stellen. Wir wollen Lehrkräften und Schulen eine Plattform bieten, um miteinander in den Austausch zu gehen, sich mit anderen Akteur:innen im System Schule zu vernetzen und Good Practices sichtbar zu machen. Dazu setzen wir auf niedrigschwellige Angebote zum regelmäßigen Austausch wie unsere Community Calls oder veranstalten Fachtagungen und die Konferenz Bildung Digitalisierung, unsere große Jahreskonferenz, die sich mittlerweile zur Leitkonferenz für gute Schule in der digitalen Welt im deutschsprachigen Raum entwickelt hat. In Kooperation mit unseren Mitgliedsstiftungen haben wir zum Beispiel ein Konzept zur digitalisierungsbezogenen Schulleitungsqualifizierung entwickelt. In diesem Zusammenhang pilotieren wir in diesem Jahr eine mehrteilige Train-the Trainer-Qualifizierung, um den Transfer in staatliche Angebotsstrukturen zu unterstützen. Wir verstehen uns aber auch als Experte und Kurator für zukunftsweisende Konzepte und Strategien und informieren über unser Online-Magazin Plan BD über diverse Themen im Zusammenhang mit Schule in der Kultur der Digitalität.
Lehrer-News: Was muss beim Kompetenzerwerb von Lehrer:innen im Umgang mit digitalen Technologien getan werden?
Chammon: Wir leben in einer digital geprägten Gesellschaft. Schule muss Kinder und Jugendliche deshalb dazu befähigen, aktiv und selbstwirksam an dieser Gesellschaft teilzuhaben. Um das zu ermöglichen, brauchen Lehrkräften digitale Kompetenzen und vor allem auch die Kompetenz, die schnelllebigen Veränderungen akzeptieren und annehmen zu können. Dazu ist auf der einen Seite eine Weiterentwicklung der Fachdidaktik notwendig, welche die neuen Möglichkeiten in der Kultur der Digitalität des jeweiligen Faches berücksichtigt. Auf der anderen Seite sind aber auch neue Qualifizierungskonzepte erforderlich, damit Lehrkräfte bestmöglich auf den Job vorbereitet werden. Dabei sollten wir offen sein für neue Konzepte und Denkanstöße, sei es Design Thinking, Ko-Teaching oder Deeper Learning.
Lehrer-News: Wie können Schulen sicherstellen, dass digitale Technologien nicht dazu führen, dass Schüler:innen sich zu sehr von ihren eigenen Lernprozessen abhängig machen, Stichwort Digitalpakt: Was ist der aktuelle Stand und was muss noch getan werden?
Chammon: Bei allen bildungspolitischen Debatten sollten wir nicht vergessen, um wen es bei der Diskussion eigentlich geht: die Kinder und Jugendlichen. Anstatt abzuwarten und sich über Zuständigkeiten zu streiten, sollten wir endlich damit beginnen, Lösungen zu suchen! Das erfordert ein Kooperationsgebot und eine ernsthafte Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen sowie strukturelle Reformen. Vor allem sollten wir damit aufhören, immer nur über Kinder und Jugendliche zu sprechen, sondern die Perspektiven der Schüler:innen noch viel stärker in die Diskussion einzubeziehen.
Lehrer News: Vielen Dank für das Interview!
Was denkt ihr über den Stand der Digitalisierung und die Aussagen von Jacob Chammon? Schreibt uns eure Meinung oder eurer Feedback in die Kommentare!
Zu Beginn unserer Themenwoche "Zukunft der Bildung" haben wir uns die Frage gestellt, wie die Schule von morgen aussehen könnte, danach sind wir auf aktuelle Trends und Zukunft der Pädagogik eingegangen. Heute soll es ausführlich um die Thematik der Digitalisierung unseres Bildungswesens gehen.
In Deutschland schreitet die Digitalisierung weiter voran, auch in Schulen. Die jüngere Generation lernt bereits den Einsatz neuer Technologien und wie sie mit deren Hilfe Wissen erwerben kann. Einige Schulen haben bereits schulinterne Netzwerke eingerichtet und ihre Schüler mit Tablets oder Notebooks ausgestattet. Interaktive Whiteboards werden auch immer häufiger eingesetzt und ersetzen die herkömmlichen Schultafeln. Nicht selten müssen Lehrkräfte noch immer ihre eigenen Laptops zur Vorbereitung des Unterrichts nutzen, da sie nicht darauf warten können, dass die Schule ihnen diese Geräte bereitstellt. Wo steht die Digitalisierung unserer Schulen im Jahr 2023?
Digitale Medien haben viele Vorteile für Schüler und Lehrkräfte. Sie ermöglichen es beispielsweise, den Schulranzen zu entlasten, indem die Bücher auf Tablets oder Notebooks gespeichert werden. Apps erleichtern die Arbeit und Schüler können ihre Referate am eigenen Medium vorbereiten und präsentieren. Auch das gemeinsame Arbeiten an Projekten gelingt oft besser.
Es gibt jedoch noch einige Schwierigkeiten bei der Digitalisierung an Schulen, die unter anderem im Rahmen des von der Bundesregierung aufgelegten Digitalpakts angegangen werden sollen. Wo stehen wir hier bei der Umsetzung?
Der Digitalpakt Schule hat ein Budget von 6,5 Milliarden Euro. Ziel ist es, eine zeitgemäße digitale Bildungsinfrastruktur flächendeckend aufzubauen. Allerdings sind bis Ende 2021 nur etwa 1,2 Milliarden Euro abgeflossen und weitere 2,4 Milliarden Euro wurden bewilligt, aber noch nicht ausbezahlt. Ein weiteres Problem ist, dass die Schüler oft besser mit den digitalen Geräten umgehen können als die Lehrer. Die Forscher der mmb-Studie haben untersucht, wie Schulen, Politik und Verwaltung besser zusammenarbeiten können, aber laut den Recherchen des Handelsblatts.de verhalten sich alle Beteiligten bisher eher "eigensinnig" und es fehlt an vernetztem Denken und Handeln. Die Lehrenden denken eher an die Anschaffung von Geräten, die ihren didaktischen Vorstellungen entsprechen, während Schulträger darauf achten müssen, dass die Geldverteilung förderrechtskonform ist und Datenschutzbehörden die Vorgaben der DSGVO beachten müssen. Landesbehörden agieren oft auf einer höheren Ebene und berücksichtigen nicht unbedingt die konkreten Bedürfnisse der Schulen vor Ort. Einige Probleme können von den Schulen selbst nicht gelöst werden, wie zum Beispiel der Breitbandausbau oder der Fachkräftemangel im IT-Sektor, was die Digitalisierung der Schulen bremst.
Bevor Schulen von den Vorteilen des Digitalpakts profitieren können, müssen sie zuerst ein aufwendiges Antragsverfahren durchlaufen. Hierbei müssen Schulen ein Konzept erstellen, in dem sie angeben, welche digitale Ausstattung sie benötigen, wie die Schule bereits ausgestattet ist, was gebraucht wird, warum und wie Lehrerinnen und Lehrer für die Nutzung der Technologie qualifiziert werden sollen. Dieses Konzept muss dann an die Schulträger weitergeleitet werden, die in der Regel Städte, Gemeinden oder Landkreise für öffentliche Schulen oder Vereine oder Religionsgemeinschaften für Privatschulen sind. Die Schulträger stellen dann einen Förderantrag beim Land, indem sie die Anträge der Schulen bündeln und einen Gesamtantrag stellen. Das Land prüft dann den Antrag und bewilligt ihn gegebenenfalls, sodass die beantragten Geräte oder Software bestellt oder installiert werden können. Das Geld wird jedoch erst freigegeben, wenn der gesamte Prozess abgeschlossen ist.
Nach Ansicht der Bildungsgewerkschaft VBE sind die Antragsverfahren für Fördergelder aus dem Digitalpakt, die zwar im Zuge von Corona vereinfacht wurden, immer noch zu kompliziert. Der Vorsitzende des VBE, Udo Beckmann, schlug eine Vereinfachung und mehr Unterstützung der Schulen vor, damit das Geld schneller und einfacher dort ankommt.
Das Bundesbildungsministerium bietet hier eine Übersicht über Förderrichtlinien, zuständige Stellen und Beratungsmöglichkeiten in den jeweiligen Bundesländern an.
Obwohl die Zustimmung zum Digitalpakt hoch ist, kommt es drei Jahre nach der Einführung immer noch zu wenig in den Schulen an. Eine Umfrage unter Lehrkräften im Dezember 2020 und April 2022 ergab, dass 61% bzw. 66% der Befragten der Meinung sind, dass ihre Schule unzureichend auf die Ausstattung mit digitalen Medien vorbereitet ist. Auch Eltern schulpflichtiger Kinder sehen großen Nachholbedarf bei der Digitalisierung der Schulen. Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom aus dem April 2021 zeigt, dass 77% der Eltern der Meinung sind, dass die Digitalisierung der Schulen zu langsam voranschreitet. 83% sind der Ansicht, dass verstärkt in IT und Ausstattung mit digitalen Endgeräten investiert werden sollte. Die derzeitige digitale Ausstattung der Schulen wird nur mit einer 3- bewertet, während die Versorgung mit WLAN in Klassenräumen sogar nur mit einer 4+ bewertet wird.
In Deutschland gibt es derzeit einen großen Lehrermangel und zugleich sinken die Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Die Digitalisierung allein kann diese großen Herausforderungen nicht lösen, jedoch können digitale Anwendungen Lehrerinnen und Lehrern helfen, Zeit zu sparen bei der Korrektur von Tests und bei der Vorbereitung von Unterrichtsstunden und Übungen. Diese Zeit können sie stattdessen für einen intensiveren Austausch mit ihren Schülern und Schülerinnen nutzen. Außerdem können digitale Lernprogramme dazu beitragen, dass sich die Schule zu mehr Selbstständigkeit, Gerechtigkeit, Kreativität und Teamarbeit entwickelt. Trotzdem ist künstliche Intelligenz in deutschen Klassenzimmern noch selten und wird meist nur von Lehrkräften genutzt, die sich dafür begeistern. Es gibt nicht nur einen Grund, warum Deutschland in Bezug auf die Digitalisierung im Bildungsbereich zurückhaltend ist, sondern es ist eine Kombination aus verschiedenen Faktoren. Zum einen fehlen immer noch Geräte für Schüler und Lehrer, und es gibt zu wenig fachkundige Menschen, die Laptops und Tablets einrichten können. Digitale Angebote von freien Anbietern sind zwar vielfältig, aber oft nicht durchschaubar für technische Laien und entsprechen nicht den hohen Anforderungen des deutschen Datenschutzes. Hinzu kommt eine föderale Struktur, die dazu führt, dass jede Schule alles allein erarbeiten, beantragen, erlernen und einrichten muss.
Um diesen Zustand zu verbessern, hat die Ständige Wissenschaftliche Kommission gefordert, wissenschaftlich überprüfte Lernmaterialien zentral zu entwickeln und allen zur Verfügung zu stellen. Zudem sollten alle Pädagogen und Pädagoginnen aus- und fortgebildet werden.
Allerdings gibt es auch eine große Skepsis vieler Lehrkräfte, die bis vor Corona eher auf die Gefahren der Digitalisierung fokussiert waren, als auf die Chancen. Oft verwechseln sie auch die wenig attraktiven Lösungen für den Corona-Fernunterricht, wie etwa den Frontalunterricht über eine Videokonferenz, mit pädagogisch wertvollem Digitalunterricht. Manchmal steckt hinter der Skepsis auch die alte Angst, dass Lehrkräfte dauerhaft durch Maschinen ersetzt werden könnten. Dabei haben Lehrer:innen, Eltern und Schüler:innen während der Schulschließungen deutlich gespürt, wie wichtig die echten Kontakte zwischen den Kindern, aber auch zu ihren Lehrer:innen und Erzieher:innen sind. Lernen ohne Beziehungen funktioniert nicht.
Wie bewerten Expert:innen den Stand der Digitalisierung an Schulen in Deutschland? Dazu lest ihr mehr in unserem Interview mit Jacob Chammon. Schreibt uns auch gerne eure Meinung zur Digitalisierung an deutschen Schulen in die Kommentare!
Im Jahr 2023 ist der Ramadan vom 23. März bis zum 21. April angesagt. Für Muslime auf der ganzen Welt hat damit die Fastenzeit begonnen. In muslimischen Ländern werden die Straßen mit Lichtern geschmückt und die Moscheen sind gefüllt, aber auch in Deutschland werden Millionen von Muslime den Ramadan begehen, darunter auch Schüler:innen. Was der Ramadan genau bedeutet und wie ihr als Lehrkraft am besten damit umgeht, wenn eure Schüler fasten, erklären wir euch in diesem Artikel.
An sich ist der Ramadan, übersetzt als ‘Brennendes Feuer' der neunte Monat im islamischen Kalender, welcher auf dem Mondzyklus basiert. Im Islam läutet der Ramadan die Fastenzeit ein, die allerdings laut dem herkömmlichen Kalender jedes Jahr zu anderen Zeiten ist. Der islamische Kalender hat nur 354 bis 355 Tage im Schaltjahr, weswegen sich die Fastenzeit immer um 10 Tage verschiebt. So erleben Muslime die Fastenzeit mit den Jahren in allen Jahreszeiten. Die Bedeutung der Fastenzeit im Glauben ist stark verankert als eine der fünf Säulen des Islams, zusammen mit dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, der sozialen Pflichtabgabe und der Pilgerfahrt nach Mekka.
Beim Fasten selbst werden alle körperlichen Bedürfnisse eingeschränkt. Es wird nicht gegessen oder getrunken, vom Morgengrauen (Imsak), bis zum Sonnenuntergang (Aksam). In derselben Zeit wird auch nicht geraucht und auch sexueller Kontakt soll vermieden werden. Nach Sonnenuntergang ist allerdings alles wieder erlaubt. Beim üppigen Fastenbrechen, auch Iftār genannt, wird reichlich aufgetischt. Der muslimische Prophet brach seins mit einer Dattel, was ihm bis heute einige Nachtun. Des Weiteren sollen während des gesamten Ramadan Lügen oder Streit vermieden werden. Der Religionsgründer Mohammed soll einst gesagt haben: “All diejenigen, die das Lügen nicht vermeiden, auf deren Fasten legt Allah keinen Wert”. In vielen islamischen Ländern ist außerdem das Zuckerfest (das Fastenbrechen am Ende des Ramadans) ein Feiertag wie in Deutschland Christi Himmelfahrt.
Die Wirkung von Fasten ist mittlerweile sogar Gegenstand der Neurowissenschaften. Die Idee dahinter ist, den Geist durch den körperlichen Entzug von Nahrung zu schärfen. Die spirituelle Weiterentwicklung soll durch innere Einkehr gefördert und Ablenkungen vermieden werden. Man kann daher Fasten statt Verzicht, auch als eine Art Fokussierung betrachten. Darüber hinaus soll durch das Hungern und Dursten Empathie für die Armen und Leidenden geweckt werden.
Es handelt sich um einen nicht ganz stressfreien Prozess, weshalb auch nicht alle mitmachen müssen. Jüngere Kinder unter 14, Kranke, Schwangere und Ältere sind vom Fasten freigestellt.
Der Ramadan stellt nicht nur für die Fastenden, sondern auch für die Lehrkräfte eine große Herausforderung dar. Eine Schulgemeinschaft kann nicht einfach Andersgläubige ausschließen, und die Religionsfreiheit ist im Grundgesetz verankert. Dennoch bietet das Fasten selbst interne Probleme an der Schule. Die Schüler:innen können, besonders bei Hitze, Schwächeanfälle oder sogar Kreislaufkollaps erleiden. Es gibt auch Fälle, bei denen muslimische Kinder ihre Medikamente zum Teil des Fastens machen. Daniela Töpfer, Sozialpädagogin an einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen, bemerkte dies bei einem Jungen mit ADHS. Seine Hibbeligkeit störte den Unterricht. Auch können fastende Schüler:innen allgemein nicht ihr Bestes im Unterricht oder bei Prüfungen geben.
Unter anderem gibt es deswegen Kompromisse. Bei der Deutschen Islam Konferenz 2009 wurde beispielsweise beschlossen dass Fasten verschoben werden kann sofern es den Noten schadet. "Im Islam ist es nicht erwünscht, dass wegen des Fastens die Leistungen in der Schule schlechter werden", heißt es in einer Erklärung der Konferenz.
Sofern man allerdings in der Lage ist, werden Muslime dazu ermutigt, den Ramadan anzutreten. In vielen Communities ist eine Teilnahme ab der fünften Klasse üblich. Dennoch geht der Alltag normal weiter, so auch in der Schule. Wie können fastende Schüler:innen also unterstützt werden, ohne dass der Lernerfolg leidet? Schließlich ist nicht jeder Pädagoge oder jede Pädagogin gleich Experte in Sachen Ramadan.
Zu Beginn ist es hilfreich, über die Tradition aufzuklären und die Eltern als auch die anderen Schüler:innen zu informieren und sensibilisieren. Ein Rundschreiben könnte rausgeschickt werden, in dem die wichtigsten Fakten genannt werden.
In diesem Kontext bietet der Ramadan eine gute Gelegenheit, die Religion und seine Mitmenschen besser kennenzulernen. Viele Moscheen bieten bei Sonnenuntergang sogar freie Mahlzeiten an. Lehrkräfte könnten dies als außerschulische Aktivität zur Förderung der interkulturellen Kompetenz in Erwägung ziehen.
Abgesehen davon gibt es einige Wege, die Situation angenehmer für die Fastenden zu machen. Konkret könnte man beispielsweise Möglichkeiten geben, die Schüler:innen während der Essenspausen zu beschäftigen, ohne dass Essen dabei ist und Schulfeste möglicherweise nach hinten verschieben. Gebetsräume zu separieren, in denen die muslimischen Schüler:innen ihre sechs Tagesgebete abhalten können, wäre ebenfalls eine mögliche Geste. Andere individuelle Lösungen mit Absprache der Eltern sollten ebenfalls in Betracht gezogen werden, um eventuell dauerhafte Regelungen zu erstellen. Darunter fallen Kompromisse, wie eine Wasserflasche zum Sportunterricht mitzunehmen als Trinkmöglichkeitm und dagegen auf Süßigkeiten verzichten. Auch sollte das Gespräch mit muslimischen und nichtmuslimischen Jugendlichen gesucht werden, um Respekt zu schüren. Das Fasten ist eine Individuelle Sache zwischen einer Person und ihrem Glauben und sollte nicht zur herabwürdigung und disrkiminierung dienen. Bei Repressalien sollten Lehrkräfte einschreiten und ‘Kulturkämpfe’ vermeiden.
Der Psychologe und Muslim Ahmad Mansour hat auch einige Erfahrungen gemacht mit dem Fasten in Schulen. So wurde er einmal von einer Grundschullehrerin angesprochen, die ihm mitteilte, einer ihrer Schüler sei fast ohnmächtig geworden. Er mahnt dazu, den Ramadan nicht als Entschuldigung zu nutzen, um sich Prüfungen oder der Schulpflicht zu entziehen. "Ich erwarte von den Verbänden, dass sie den Eltern in den Gemeinden am Freitag in aller Deutlichkeit sagen: "Die Schule in Deutschland hat Vorrang, die Schulpflicht ist enorm wichtig”, so Mansour gegenüber dem NDR.Eine Berliner Schule hat zu dem Thema eine Infobroschüre herausgebracht, die ihr hier herunterladen könnt.
Was aber jeder tun kann, ist Respekt zu zeigen und die Bräuche anderer Religionen zu respektieren. Auch wenn das manchmal nur heißt, nicht demonstrativ vor fastenden Schüler:innen zu essen.
Habt ihr schon Erfahrungen mit dem Ramadan gesammelt, wie geht ihr in eurer Klasse damit um? Teilt es uns doch in den Kommentaren mit!
Die Digitalisierung hat den Pädagogik- und Bildungssektor nachhaltig verändert. Es gibt zahlreiche Trends, die sich in diesem Bereich abzeichnen, wie E-Learning, Mobile Learning oder Gamification. Diese Entwicklungen ermöglichen neue Formen des Lernens und fördern eine individualisierte und flexible Wissensvermittlung. Durch Einsatz digitaler Tools und Lernplattformen können Lehrende den Unterricht interaktiver und abwechslungsreicher gestalten. In Zukunft werden wir wahrscheinlich eine noch stärkere Integration von digitalen Technologien im Bildungssektor sehen, die es Schüler:innen ermöglicht, ihr Wissen noch individueller und praxisorientierter zu erwerben. Die Didaktik wird sich somit zunehmend auf die Förderung von Selbstständigkeit, Kreativität und kritischem Denken fokussieren, um den Anforderungen einer sich schnell verändernden Arbeitswelt gerecht zu werden. Diese und weitere Themen werden wir in unserer Themenwoche “Zukunft der Bildung” beleuchten.
Digitale Tools können den Alltag von Lehrkräften erheblich erleichtern. Sie ermöglichen nicht nur eine effiziente Organisation des Unterrichts, sondern fördern auch eine aktive Beteiligung der Klasse. Lehrer:innen können so Zeit sparen und sich auf das Wesentliche konzentrieren: die Vermittlung von Wissen und die individuelle Förderung.
Die Gruppeneinteilung im Unterricht kann eine schwierige Aufgabe für Lehrkräfte sein. Ein Zufallsgenerator kann helfen, indem er zufällige Gruppeneinteilungen erstellt. Dadurch wird sichergestellt, dass die Gruppen fair zusammengestellt werden und dass alle Schüler:innen die gleiche Chance haben, mit verschiedenen Klassenkamerad:innen zusammenzuarbeiten. Eine schnelle und unkomplizierte Gruppeneinteilung lässt sich zum Beispiel mit dem UltimateSolver.com Zufallsgenerator vornehmen.
Quizze sind eine beliebte Methode sowohl im digitalen als auch im Präsenzunterricht, um das Wissen von Schüler:innen zu testen und zu fördern. Durch ihre interaktive und unterhaltsame Gestaltung können Quizze die Lernmotivation der Schüler:innen steigern und helfen, den Unterrichtsstoff auf spielerische Weise zu vermitteln. Es gibt eine Vielzahl von Tools und Plattformen, die es Lehrkräften ermöglichen, digitale Quizze zu erstellen und durchzuführen. Einige der bekanntesten sind Kahoot!, Quizlet und Quizizz. Diese Tools bieten verschiedene Funktionen wie zum Beispiel das Erstellen von Multiple-Choice-Fragen, das Hinzufügen von Bildern und Videos oder die Möglichkeit, den Fortschritt der Schüler:innen in Echtzeit zu verfolgen. Sie bieten die Möglichkeit, Quizfragen zu erstellen, Fortschritte zu verfolgen und individuelle Rückmeldungen zu geben. Durch den Einsatz von digitalen Quizzen kann der Unterricht abwechslungsreicher und ansprechender gestaltet werden und Schülerinnen und Schüler werden motiviert, sich aktiv am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen. Spielerischer Wettkampf kann außerdem den Ehrgeiz steigern.
Anschaulichkeit und Interaktivität sind wichtige Aspekte im modernen Unterricht. Ideensammlungen, wie MindMaps oder andere kreative Formen der Visualisierung, bieten Schüler:innen die Möglichkeit, ihr Wissen zu strukturieren und weiter zu vertiefen. In Fächern wie Biologie, Geschichte oder auch Mathematik können komplexe Zusammenhänge so auf eine übersichtliche und verständliche Weise dargestellt werden. Die Interaktivität von digitalen Tools wie Padlet, Mentimeter, Coogle oder Lucidchart erlaubt es den Lernenden, gemeinsam an der Erstellung von Ideensammlungen zu arbeiten und so ihr Wissen zu teilen und zu erweitern. Dadurch wird der Unterricht dynamischer und schafft Raum für eine aktive Beteiligung der Schüler:innen. Die Visualisierung kann später ebenfalls als Lerngrundlage genutzt werden.
E-Learning ermöglicht es, Wissen digital zu vermitteln und auf vielfältige Weise zugänglich zu machen. Dabei geht es nicht darum, analoge Wissensvermittlung zu ersetzen, sondern diese durch digitale Möglichkeiten zu ergänzen und zu erweitern. Digitale Tools und Plattformen können helfen, den Lernprozess individueller und abwechslungsreicher zu gestalten, ohne dabei den persönlichen Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden zu vernachlässigen. Wenn Digitalisierung und Wissensvermittlung im Einklang stehen, kann ein effektiver und erfolgreicher Lernprozess entstehen.
E-Learning-Plattformen bieten Lehrkräften die Möglichkeit, Lernmaterialien und Videos zur Verfügung zu stellen. Diese Plattformen erleichtern die Organisation des Unterrichts und ermöglichen eine flexible und individualisierte Wissensvermittlung. Ein Beispiel für eine solche Plattform ist Moodle, eine Open-Source-Plattform, auf der Lehrkräfte Lehrmaterialien hochladen, Diskussionsforen einrichten oder Aufgaben und Tests erstellen können. Moodle wird heute schon an vielen Hochschulen und Universitäten genutzt. Plattformen dieser Art können den Unterrichtsalltag erheblich erleichtern und Schüler:innen die Möglichkeit geben, selbstständig und in ihrem eigenen Tempo zu lernen, auch von zuhause aus. Wir ihr Moodle am besten nutzt, haben wir euch in einem Interview zusammengefasst.
Eine virtuelle Lernumgebung bietet Schüler:innen die Möglichkeit, in einer interaktiven und digitalen Welt zu lernen und zu experimentieren. Diese virtuellen Lernumgebungen reichen von virtuellen Laboren bis hin zu Simulationen von historischen Ereignissen oder wissenschaftlichen Experimenten. Ein Beispiel ist die PhET Interactive Simulations der University of Colorado Boulder, die interaktive Simulationen in Physik, Mathematik, Chemie und anderen Naturwissenschaften anbietet. Lehrer:innen können diese virtuellen Lernumgebungen nutzen, um das Verständnis der Schülerinnen und Schüler zu fördern, indem sie ihnen die Möglichkeit geben, selbstständig zu lernen und zu experimentieren sowie den Umgang mit IT zu schulen.
Die fortschreitende Digitalisierung hat dazu geführt, dass wir heute nahezu alle Informationen auf unserem Smartphone abrufen können. Die Bildung hat diesen Trend erkannt und es gibt zahlreiche Apps, die Wissen in Form von Videos, interaktiven Übungen oder Quizzen bereitstellen. Ein Beispiel für eine solche App ist Duolingo, mit der Sprachkurse absolviert werden können, oder StudySmarter, eine App, die Unterrichtsmaterialien in verschiedenen Fächern und Lernen mit Karteikarten anbietet. Lehrkräfte können solche Apps nutzen, um Lernenden auch außerhalb des Unterrichts Lernmaterialien zur Verfügung zu stellen. So können die Schüler:innen beispielsweise auf dem Schulweg oder in ihrer Freizeit Vokabeln üben oder ihr Wissen erweitern und vertiefen.
Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten für die analoge Wissensvermittlung durch digitale Didaktik. So können beispielsweise klassische Unterrichtsmethoden wie Frontalunterricht oder Gruppenarbeit durch den Einsatz von digitalen Tools und interaktiven Methoden erweitert werden. Der Einsatz digitaler Medien eröffnet Lehrkräften neue Perspektiven, um den Unterricht ansprechender und abwechslungsreicher zu gestalten und so den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler zu steigern.
Kooperatives Lernen im Kontext der analogen Wissensvermittlung ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, aktiv am Lernprozess teilzunehmen, Wissen auszutauschen und gemeinsam Probleme zu lösen. Hierbei kann die Digitalisierung einen Mehrwert bieten, indem sie beispielsweise den Einsatz von Online-Plattformen oder digitalen Tools zur gemeinsamen Erstellung von Präsentationen, Mindmaps oder Gruppenarbeiten erleichtert. Durch die Kombination von analogen und digitalen Methoden kann das kooperative Lernen im Unterricht optimiert werden und einen größeren Lernerfolg erzielen.
Die Planung von Unterricht und die Bereitstellung von Lernmaterial ist eine wichtige Aufgabe von Lehrkräften. Hierbei kann die Digitalisierung und digitale Didaktik helfen, den Arbeitsaufwand deutlich zu reduzieren und Lehrkräfte zu entlasten. Digitale Tools und Plattformen ermöglichen es, Unterrichtsmaterialien einfach zu erstellen, zu bearbeiten und zu teilen. Die Verwendung von Online-Plattformen und -Tools ermöglicht es Lehrer:innen, Unterrichtsmaterialien zentral zu speichern und schnell auf diese zuzugreifen. Dadurch können Materialien auch einfacher aktualisiert und angepasst werden.
Um die Potenziale der Digitalisierung und der digitalen Didaktik voll ausschöpfen zu können, bedarf es allerdings auch einer guten technischen Ausstattung der Schulen sowie teilweise eigener Endgeräte auf Seiten der Schüler. Lehrkräfte benötigen außerdem Schulungen, um digitale Tools und Plattformen effektiv in ihren Unterricht zu integrieren und Lernmaterialien bereitzustellen. Nur so können sie ihren Schüler:innen ein zeitgemäßes und zukunftsorientiertes Lernumfeld bieten, das den Anforderungen der modernen Arbeitswelt entspricht.
In diesem Artikel haben wir verschiedene Aspekte der digitalen Didaktik beleuchtet, wie z.B. digitale Tools für den Unterricht, E-Learning-Plattformen, virtuelle Lernumgebungen, kooperatives Lernen, Bildungs-Apps und die Entlastung von Lehrkräften durch die Digitalisierung. Schulungen für Lehrkräfte, eine gute technische Ausstattung der Schulen sind dabei unabdingbar. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Zukunft der digitalen Didaktik eine effektivere, kollaborative und individuelle Lernumgebung für Schülerinnen und Schüler schaffen kann.
Digitale Didaktik wird die Rolle der Lehrkräfte in der Zukunft verändern. Diese wird sich zunehmend auf die Förderung von Selbstständigkeit, Kreativität und kritischem Denken konzentrieren, um den Anforderungen einer sich schnell verändernden Arbeitswelt gerecht zu werden. Lehrkräfte werden vermehrt als Lernbegleiter fungieren und den Schüler:innen helfen, ihre individuellen Ziele zu erreichen. Die Zukunft der digitalen Didaktik wird somit stark davon abhängen, wie gut Schulen und Lehrkräfte auf Veränderungen vorbereitet sind.
Supervised Learning (überwachtes Lernen) ist ein Teilgebiet des maschinellen Lernens. In diesem Kontext meint Lernen die Fähigkeit einer künstlichen Intelligenz, Gesetzmäßigkeiten nachzubilden. Mit dem überwachten Lernen können Algorithmen aus historischen Daten lernen und sie auf unbekannte Eingaben anwenden, um die richtige Ausgabe abzuleiten. Ziel ist es, eine genaue Mapping-Funktion zu erzeugen, die es dem Algorithmus ermöglicht, die Lösung vorherzusagen, sobald eine neue Eingabe erfolgt. Supervised Learning wird häufig in Anwendungen wie Bild- und Spracherkennung oder Klassifizierung eingesetzt.
Das fischertechnik Modell „Qualitätssicherung mit KI“ stellt haptisch und begreifbar die Funktionsweise von Supervised Learning vor und macht Theorie erlebbar. Im Verstehen der Funktionsweise von Supervised Learning erlernen die jungen Nutzerinnen und Nutzer, wie intelligente Maschinen in der Industrie angewendet werden. Dadurch wird die Hürde vor dieser vielschichtigen Technologie abgebaut. Das Modell eignet sich als Schulungs-, Simulations- und Demonstrationsmodell für Bildung, Industrie und Forschung. Die fischertechnik Qualitätssicherung mit KI wird mit Werkstücken in verschiedenen Farben geliefert. Diese Werkstücke sind mit drei Bearbeitungsmerkmalen sowie verschiedenen Fehlerbildern versehen. Sie werden von der Kamera gescannt und mit Hilfe von Supervised Learning klassifiziert und einsortiert – je nach Farbe, Merkmal und Fehlerbild.
Die verwendete KI ist mit maschinellem Lernen in Tensorflow realisiert, bei dem ein künstliches neuronales Netz mit Bilddaten eintrainiert wurde. Die eingelernte KI wird auf dem fischertechnik TXT 4.0Controller ausgeführt, der für zahlreiche Anwendungen die passenden, kabellosen Schnittstellen bietet. Die Ablaufsteuerung des Modells ist in der Programmierumgebung ROBO Pro Coding und in Python implementiert.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eigene KI-Anwendungen zu programmieren. Das Eintrainieren erfolgt über einen Algorithmus auf Basis von Python, einer universellen, höheren Programmiersprache. Für die Möglichkeit des Eintrainierens steht ein Beispielprojekt bereit.
„Mit dem Produkt möchten wir grundsätzlich sowohl problemlösendes als auch problemorientiertes Lernen fördern“, erklärt der Geschäftsführer von fischertechnik, Thomas Bußhart, den Hintergrund der Innovation. Die Stärkung von Technologiekompetenz sowie des Selbstbewusstseins, es anzuwenden, stehe dabei im Vordergrund:„Wir wollen so Einstiegshürden beim Thema Supervised Learning abbauen.“
Das Labor und Kompetenzzentrum für „Schwarmbasierte Logistik“ der Dualen Hochschule in Mosbach / Campus Bad Mergentheim fokussiert auf die Forschung im Kontext Künstliche Intelligenz mit den Schwerpunkten Schwarmintelligenz und Deep Learning. Der Campus Bad Mergentheim ist Teil der Dualen Hochschule in Mosbach und fokussiert die Lehre und Forschung zu Künstlicher Intelligenz. Prof. Carsten Müller erforscht dort die Anwendung von Schwarmintelligenz, insbesondere die Adaption von natur-inspirierten Algorithmen auf Anwendungsgebiete der Logistik. Bei seiner Forschung und Lehrtätigkeit zu Künstlicher Intelligenz mit dem Fokus auf Maschinelles Sehen wird die leistungsfähige Technologie von fischertechnik „Qualitätssicherung mit KI“ eingesetzt. „Das Zusammenspiel von Software und Haptik schafft Verständnis für Künstliche Intelligenz“,begründet Carsten Müller seine Entscheidung für fischertechnik. ImVerstehen der komplexen Vorgänge des Supervised Learning wirddeutlich, wie intelligente Maschinen in der Industrie funktionieren. „Das fischertechnik Modell ist leistungsfähig, smart und intuitiv zu bedienen und somit hervorragend dafür geeignet, Künstliche Intelligenzzu lehren“, erläutert Carsten Müller.
Weitere Informationen: http://www.fischertechnik.de
Schulabgänger:innen sehen die aktuelle Bildungslage und sind verblüfft, wie sehr sich unser Schulsystem in den letzten Jahren verändert hat. Die Corona-Pandemie hat ihren Teil dazu beigetragen, doch der Reformbedarf sitzt tief. In unserer Themenwoche “Zukunft der Bildung” möchten wir euch diese Woche einen Ein- und Ausblick auf die Schule von Morgen geben. Was braucht es, um die Schulen in Deutschland fit für die Zukunft zu machen? Der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, und die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, haben dazu einige Vorstellungen. “Lehrer News” hat zu diesem Thema mit beiden gesprochen.
Welche Ideale sollte die Bildung der Zukunft anstreben? Welche Vorstellungen sollten wir in die Zukunft tragen, um die Bildung in Deutschland für zukünftige Generationen zu verbessern?
Meidinger hat sein Ideal der Schule von Morgen bereits: “Eine gute und wertvolle Schule ist eine Bildungseinrichtung, die sehr gute Lernerfolge erzielt, an der individuelle Förderung nicht nur ein Schlagwort sondern gelebte Realität ist, an der für vielfältige Interessen und Begabungen Angebote vorhanden sind, an der ein gutes Schulklima herrscht, bei dem man sich auf Augenhöhe begegnet und wo man einen klar definierten Schulentwicklungsplan verfolgt.” Erfolg, Respekt, Vielfältigkeit und Klarheit sind seine Wünsche an die Schule. Lin-Klitzing fügt noch Sicherheit hinzu, dass die Schule ein geschützter Raum bleiben soll, “ein Ort der Ruhe, der Vertiefung, der Gründlichkeit, der realen Begegnung und der persönlichen Entwicklung”, besonders in einer sich stetig weiterentwickelnden, schnelllebigen und mental herausfordernden Welt.
Analoge und digitale Mittel sollen nutzbar gemacht werden, um die Welt auf eine Art und Weise zu erschließen, die Schüler:innen die Technik kontrollieren lässt und nicht selbst von der Technik kontrolliert werden.
Es ist absehbar, dass die Entwicklung der technischen Infrastruktur für die Digitalisierung weiterhin zu einem dominanten Feld in der Bildungspolitik entwickeln wird. Der Digitalpakt war laut Lin-Klitzing ein wichtiger Schritt, benötigt jedoch effektivere Wege um die Mittel zu vergeben und sei zu kompliziert. Eine Ressourcenverschwendung, so bemängelt sie:
“Bis heute haben viele Schulen noch gar kein Geld aus dem Digitalpakt erhalten – also fast vier Jahre nach Inkrafttreten und ein Jahr vor dem Auslaufen! Die Antragsverfahren sind viel zu kompliziert. Es kann nicht sein, dass sich Lehrkräfte vor Ort eigene Lösungen basteln müssen. Wir brauchen nicht nur eine Fortsetzung und Verstetigung des Digitalpaktes, sondern auch ein kräftiges Update, einen Digitalpakt 2.0!”
Auch Meidinger will Verbesserung, weg vom einen Digitalpakt zum nächsten, hin zu einem verlässlichen Fundament. Er merkt aber an, dass Deutschland besser dastehe, als noch vor der Pandemie, auch wenn sich der Rückstand von bis zu 10 Jahren nicht in drei Jahren leicht aufholen lasse.
Ein Zukunftsthema ist auch die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz, wie sie jüngst durch durch ChatGPT popularisiert wurde. Obwohl KI einen Nutzen für die Lehrkräfte selbst bietet, bleiben offene Fragen beispielsweise in Bezug auf das Betrugspotenzial und den Datenschutz. Laut Meidinger sei dies jedoch grundsätzlich nichts Neues. Sich “fremder” Hilfe zu bedienen sei auch in der Vergangenheit vorgekommen. Zwar ist die KI ein weitaus spezifisches Mittel, und in der Lage, komplette Texte zu erstellen, jedoch kommt es bei der Bildung nicht nur auf Hausaufgaben an. Der Erarbeitungsprozess, um sich dem Wissen zu erschließen und Verständnisfragen zu Detailwissen zu stellen, ist dabei viel bedeutsamer. Meidinger zufolge ist die KI kein Ersatz für Lehrkräfte. Stattdessen könnte sie bei der individuellen Förderung unterstützen. Auch Lin-Klitzing erkennt an, dass es eine Welt ohne KI nicht mehr geben wird. Stattdessen sollte der Prozess konstruktiv begleitet werden. Fortbildungen im Bereich ChatGPT im Unterricht sind bereits stark nachgefragt.
Die Corona-Pandemie hat deutliche Nachwirkungen und noch nie dagewesene Problematiken in der Bildung aufgezeigt, wie Isolation der Schüler:innen, psychische Probleme und Lernrückstände. Die Kultusministerkonferenz (KMK) war laut Meidinger schlichtweg nicht vorbereitet. Laut ihm ist eine Reform notwendig, mit einem unvermeidlichen Bildungsvertrag für die Vergleichbarkeit von Abschlüssen, auch wenn dies noch in der Ferne liegt. “Allein der Eiertanz um mehr Vergleichbarkeit beim Abitur ist ein Trauerspiel. Von einem bundesweit vergleichbaren Abitur in allen Bundesländern, so wie es das Bundesverfassungsgericht fordert, sind wir immer noch meilenweit entfernt”, sagt Meidinger.
Lin-Klitzing sieht auch einen weiterhin bewiesenen Mehrwert in der persönlichen Interaktion zwischen Lehrkräften und Schüler:innen. Der digital unterstützte Präsenzunterricht sollte zum Regelfall werden, in Verbindung mit qualifizierten Lehrkräften, praktischen Rechtsgrundlagen und psychologischer Unterstützung.
Ohne Lehrkräfte, keine Schule. Seit Monaten wird das Thema diskutiert, wobei auch bei uns zahlreiche Artikel Zeugnis ablegen, doch eine durchschlagende Lösung ist weiter nicht in Sicht.
Die bisherigen Empfehlungen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission sind dabei Lin-Klitzing zu Folge eher kontraproduktiv gewesen. Sie basierten auf falschen Daten und gingen an der Realität vorbei, so Lin-Klitzing. “Das Studium muss von Anfang an wieder klar auf den Beruf als Lehrkraft ausgerichtet sein, organisatorisch wie inhaltlich”, so Lin-Klitzing.
Meidinger weiß um die derzeit vorhandenen Notlösungen, mahnt allerdings die Politik, den Beruf langfristig nicht noch unattraktiver zu machen, zum Beispiel durch etwaige Arbeitszeiterhöhungen. Dennoch sieht er eine Lösung bei Rekrutierungsmaßnahmen.
“Ich denke dabei an die Nachqualifizierung von Quereinsteigern, an die Flexibilisierung der starren Pensionierungsgrenzen für diejenigen, die noch freiwillig weiterarbeiten würden, wenn die Rahmenbedingungen stimmten.”
Der Beruf selbst muss auch attraktiver werden, da sind sich beide Expert:innen einig. Laut Lin-Klitzing nicht nur finanziell sondern auch betreffend der Rahmenbedingungen. “Wie soll denn jemand Lehrkraft werden und bleiben wollen, wenn die Gebäude heruntergekommen sind, die IT aus dem letzten Jahrhundert stammt und sich das eine Lehrerzimmer Dutzende Kolleginnen und Kollegen gleichzeitig teilen müssen?“. Auch eine Fokussierung der Pflichten von Pädagog:innen sollte folgen, so meint Lin-Klitzing und hinterfragt, warum Lehrkräfte immer noch mit der Organisation von Klassenfahren und Abrechnungen beauftragt werden, wenn das Nichtpädagogen erledigen könnten.
Der Lehrkräftemangel wirkt sich laut Lin-Kitzing bereits auf Deutschlands Abschneiden im internationalen Vergleich z.B. im Rahmen der PISA-Erhebung aus. Langfristige Konzepte für kontinuierlich gute Absolventen sind besonders in MINT-Fächern gefordert – unter den aktuellen schulischen Rahmenbedingungen aber vielerorts nicht erreichbar. Auch ist ein disziplinierter Umgang zwischen Lehrkräften und Schüler:innen für sie wichtig und dessen Bedeutung muss bekannter sein.
Meidinger widerspricht allerdings komplett der Annahme, dass sich Deutschland so dramatisch verschlechtert hat in der PISA-Erhebung. Er bezieht sich dabei auf die stetigen Verbesserungen von Deutschlands Position im PISA-Vergleich von 2000 bis 2015 hinweg bis in die oberen Leistungsviertel. Zur selben Zeit haben die digital besser ausgerüsteten Länder wie Finnland ihren Vorsprung verloren. Seit einigen Jahren mag es einen Rückschlag geben, verstärkt durch Corona, unter anderem durch die wachsende Gruppe an leistungsschwachen Schüler:innen. Auch glaubt er, dass der Blick in andere Länder wenig hilft, mit der Bemerkung, dass nur asiatische Länder, definiert durch einen massiven Leistungsdruck und teure Privatschulen, sich verbessert haben. Stattdessen sollte Deutschland sich auf eine viel intensivere, umfassendere und verbindliche vorschulische Förderung fokussieren. “Kinder müssen, wenn sie eingeschult werden, dem Unterricht auch sprachlich folgen können”, so Meidinger.
Auch wenn das Notensystem einige Kritiker hat, so hält Meidinger nichts davon, die Noten selbst zu verurteilen. Laut Meidinger ist ein pädagogischer Umgang mit Zensuren unabdingbar, nicht ihre Abschaffung. Auch Hausaufgaben sieht er als prägend für die Halbtagsschulen Deutschlands und wünscht sich einen methodisch-didaktisch sinnvollen Umgang mit ihnen, mit dem Hintergedanken, Hausaufgaben als Mittel für Feedback über die Qualität des Unterrichts zu erhalten. Er verwies dabei auf die Ergebnisse einer Metatsudie von John Hattie, welche aufzeigen dass in der Sekundarstufe Hausaufgaben einen starken Effekt auf Lernerfolg haben (0,58) und zumindest einen mäßigen in der Grundschule (0,29). Den positiven Effekt sieht Lin-Klitzing ebenfalls als einen Teil der schulischen Erziehung und zur Förderung des selbstorganisierten Arbeitens.
Meidinger widerspricht der Annahme, Deutschlands Bildungssystem sei sozial ungerecht, auch wenn es sich international im Mittelfeld befindet. “Trotzdem haben wir aber natürlich einen starken Verbesserungsbedarf”, so Meidinger, der hierbei zwei Ansatzpunkte sieht: Den Ausbau der vorschulischen Förderung, da aus Studien entnommen wird, dass die Leistungsspanne während der Schulzeit eher zu- als abnimmt. Des Weiteren eine verstärkte Unterstützung von Schulen mit sozial benachteiligter Schülerschaft, was der Zweck des Startchancenprogramm der Bundesregierung sein soll, dessen Start allerdings auf das Ende der Legislaturperiode verschoben worden ist.
Deutschlands Position im internationalen Mittelfeld sieht auch Lin-Klitzing, schätzt die Chancen für sozial benachteiligte Kinder nicht gut, aber auch “nicht hoffnungslos” ein. Länderübergreifende Mindeststandards könnten dagegen wirken, mit dem Anspruch, keine Niveaus zu unterschreiten. Auch hier sieht sie wieder die Ursache des Problems beim Lehrkräftemangel.
Wenn es darum geht, was in der Welt von Morgen gebraucht wird, spricht man häufig von Qualitäten, die auch als 21th Century Skills bekannt sind, sowie unter den 8 Schlüsselkompetenzen der EU zusammengefasst werden.
Zu diesen gehören auch die “vier Ks”: Kommunikation, Kooperation, kritisches Denken und Kreativität. Diese müssten laut Lin-Klitzing im Fachunterricht stärker gefördert werden. Es wird mehr Wissen benötigt, nicht weniger, um kompetent mit Mitteln wie KI umzugehen.
Meidinger hingegen sieht die acht Schlüsselkompetenzen der EU als besser geeignet an. Für ihn geht es bei den OECD weniger um Wissen und Inhalte. “Als kritisch, kreativ, kollaborierend und kommunikativ würde sich wahrscheinlich auch manche Querdenkerfraktion einschätzen, ohne dass das meiner Vorstellung von umfassender moderner Bildung nahekommt.”
Meidinger würde bei den Schlüsselkompetenzen eine andere Gewichtung wählen, um zu verdeutlichen, dass Kompetenz und eine intelligent vernetzte Wissensbasis zusammen gehören.
“Es reicht eben nicht, sich Fakten einfach zusammenzugoogeln oder von der KI liefern zu lassen”, betont Meidinger. Ihm zufolge benötigt die Gesellschaft junge Menschen, die nicht nur ihre eigenen Lebenschancen wahrnehmen, sondern auch bereit sind, insgesamt Verantwortung zu übernehmen.
Wie die Schule von Morgen Realität sein wird, ist nicht in Stein gemeißelt. Es gibt zu viele Variablen zu bedenken und die Zukunft, wie in so vielen Teilen des Lebens, ist noch ungewiss. Es obliegt Politik und Gesellschaft, die Bildung der nächsten Generationen zu formen. Die Zukunft ist gefüllt mit zahlreichen Chancen, aber auch großen Herausforderungen, allen voran der Lehrermangel. Die Zeit zum Handeln ist jetzt: Denn die Visionen der Expert:innen dürfen nicht nur Visionen bleiben.
Was erwartet ihr euch von der Schule von Morgen? Schreibt uns eure Meinung gern in den Kommentaren!
Eine der großen Herausforderungen beim Unterricht mit Kurzgeschichten ist, dass Schüler oft Schwierigkeiten haben, sich mit den Charakteren und der Handlung zu identifizieren. Komplexe Erzählstrukturen, der Fokus auf kleine Details und die Kürze der Geschichten können sie deshalb zu einem unbeliebten Unterrichtsinhalt machen. Gleichzeitig haben Podcasts unter jungen Menschen gerade sehr große Beliebtheit. Dieser Beitrag soll euch Konzepte vorstellen, wie ihr Kurzgeschichten mithilfe von Podcasts in euren Unterricht integrieren könnt, um euren Schüler:innen eine andere Perspektive auf die Geschichte zu bieten und ihnen zu helfen, die Charaktere und die Handlung besser zu verstehen.
Es gibt verschiedene Gründe, warum es sich lohnen kann, Kurzgeschichten als Podcast anzuhören. Zum einen können Podcasts ein unterhaltsames und leicht zugängliches Medium sein, um Geschichten zu konsumieren, insbesondere für Schüler:innen, die nicht gerne lesen. Zudem können Podcasts durch die Verwendung von Soundeffekten und Musik eine besondere Atmosphäre schaffen und das Zuhören zu einem intensiven Erlebnis machen. Auch können Podcasts durch die Vorlesung von professionellen Sprechern oder Autoren eine höhere Qualität und Interpretation der Geschichte bieten. Schließlich bieten Podcasts auch die Möglichkeit, auf eine breite Auswahl an Kurzgeschichten zuzugreifen, die sonst vielleicht schwer zu finden wären. Überall da, wo es Podcasts gibt, gibt es auch Kurzgeschichten, die Auswahl für euren Unterricht ist also groß. Zu den gängigsten Plattformen gehören: Apple Podcasts (ehemals iTunes), Spotify, Google Podcasts, Stitcher, Pocket Casts und Podcast.de.
Das Anhören von Analysen von Kurzgeschichten als Podcast kann mehrere Vorteile bieten. Podcasts, die von anderen Schülern und Schülerinnen, Experten oder Schriftstellern erstellt wurden, die ein tiefes Verständnis der Kurzgeschichte haben (Schreibstil, Struktur, Bedeutung wichtiger Themen innerhalb der Geschichte) können diese besser erklären. Zusätzlich kann das Hören von Analysen als Podcast eine unterhaltsame und zugängliche Möglichkeit sein, sich mit der Literatur zu beschäftigen. Das Hören kann auch dazu beitragen, das Verständnis und die Wertschätzung von Kurzgeschichten zu fördern und das kritische Denken und die analytischen Fähigkeiten zu verbessern. Schließlich können Podcasts auch eine Gemeinschaft von Zuhörern schaffen, die sich über die Kurzgeschichte unterhalten und austauschen können. Auch hier habt ihr wieder eine große Auswahl auf den oben genannten Plattformen.
Das Erstellen eines Podcasts über die Analyse von Kurzgeschichten kann eine wertvolle Erfahrung für Schülerinnen und Schüler bieten. Hier sind einige Gründe, warum man mit Lernenden selbst einen Podcast über die Analyse von Kurzgeschichten aufnehmen sollte:
Damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wie so etwas aussehen könnte, ist hier ein Beispiel von Isabell Hollnack, die Podcasts mit ihren Schüler:innen aufgenommen hat: Analyse der Kurzgeschichte “Nachts bin ich fast unsichtbar”
Das Einbinden von Podcasts ist auf vielfältige Art und Weise möglich. Schüler:innen können ihre eigenen Ideen, Gedanken und Gefühle in einer kreativen Form ausdrücken und dabei ihre eigene Stimme und Perspektive finden. Das Erarbeiten einer Analyse erfordert Schreibtechniken wie Aufbau, Interpretation und Einordnung. Das Schreiben und Überarbeiten kann dazu beitragen, die Schreibfähigkeiten zu verbessern. Das anschließende Aufnehmen einer Kurzgeschichte erfordert ein gutes Hörverständnis. Die Schüler:innen verstehen, wie man eine Analyse in einer unterhaltsamen und ansprechenden Art und Weise präsentiert. Das stärkt natürlich Selbstvertrauen und Präsentationsfähigkeiten: Das Aufnehmen trägt ebenfalls dazu bei, das Selbstvertrauen in die eigene Leistung zu stärken, indem sie ihre eigene Stimme hören und ihre Arbeit einem breiten Publikum präsentieren können. Nicht zuletzt erlangen die Lernenden technische Fähigkeiten: Audioaufnahme, -bearbeitung und -produktion werden geübt. Am besten funktioniert das als Gruppenarbeit, das gemeinschaftliche Arbeiten fördert Kreativität und Kritikfähigkeit, indem Ideen und Gedanken geteilt und diskutiert werden.
Mathematikunterricht ist für viele Kinder eine Herausforderung und kann schnell zu Frust und Langeweile führen. Um Schülerinnen und Schüler in der Grundschule, Mittelstufe oder Oberstufe für Mathematik zu begeistern und sie erfolgreich beim Lernen zu unterstützen, ist es wichtig, geeignete Materialien und Methoden einzusetzen.
Eine der wichtigsten Methoden im Mathematikunterricht ist das handlungsorientierte Lernen. Dabei geht es darum, den Schülern Mathematik durch praktische Übungen und Erfahrungen begreifbar zu machen. Ein Beispiel dafür sind spielerische Materialien, wie beispielsweise Bausteine, Würfel oder Geobretter. Diese Materialien können genutzt werden, um geometrische Figuren zu bauen oder Mengen zu vergleichen. Dadurch wird Mathematik für die Kinder greifbarer und verständlicher.
Auf vielen Online-Plattformen gibt es interaktive Übungen, die die Schüler am Computer oder Tablet durchführen können. Diese Übungen sind oft sehr motivierend und bieten den Kindern eine Abwechslung zum klassischen Unterricht. Ein weiteres Beispiel für digitale Materialien sind Lernvideos. Sie können eine sehr gute Ergänzung zum klassischen Unterricht sein und den Schülerinnen und Schülern helfen, schwierige Themen zu verstehen. Viele Lernvideos sind speziell für die Grundschule konzipiert und vermitteln Mathematik auf eine spielerische Art und Weise. Um erfolgreich mit Materialien im Mathematikunterricht arbeiten zu können, ist es wichtig, dass Lehrer diese sorgfältig auswählen und auf ihre Schüler abstimmen. Die Materialien sollten nicht nur den Inhalt des Lehrplans abdecken, sondern auch die Interessen und Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen. Zudem sollten Lehrkräfte darauf achten, dass sie die Materialien didaktisch sinnvoll einsetzen. So sollten manipulative Materialien beispielsweise nicht nur als Spielzeug, sondern als Werkzeug zum Lernen genutzt werden. Auch Spiele und digitale Materialien sollten nicht als reine Unterhaltung betrachtet werden, sondern gezielt eingesetzt werden, um das Verständnis der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
Eine Möglichkeit, Materialien für den Mathematikunterricht in der Grundschule zu finden, ist der Besuch von Online-Plattformen, die kostenloses Lehrmaterial anbieten. Eine solche Plattform ist zum Beispiel das "ZUM-Wiki". Hier finden Lehrkräfte eine große Sammlung von Arbeitsblättern, Übungen und Spielen für den Mathematikunterricht in der Grundschule. Eine weitere hilfreiche Ressource ist die Website "Grundschulmaterial.de". Hier finden Lehrer eine Vielzahl von Materialien für den Mathematikunterricht, darunter Arbeitsblätter, Spiele und Kopiervorlagen. Die Materialien sind nach Themen wie Geometrie, Zahlen und Rechnen sortiert und können kostenlos heruntergeladen werden. Neben diesen Online-Plattformen gibt es auch eine Vielzahl von Büchern und Lehrmaterialien, die Lehrer verwenden können. Zum Beispiel gibt es das Buch "Mathe an Stationen" von Barbara Henneberger und Kerstin Mrowka. In diesem Buch finden Lehrer eine große Sammlung von Arbeitsblättern, die für den Mathematikunterricht in der Grundschule konzipiert sind und auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler abgestimmt sind.
Eine Auswahl an guten Materialien und Arbeitsblättern für euren Matheunterricht in der Grundschule findet ihrhier:
Ganita ist ein spannendes Lernspiel für den Mathematikunterricht am Gymnasium, das Schülern ab der 5. Klasse eine unterhaltsame Möglichkeit bietet, ihre mathematischen Fähigkeiten zu verbessern. Entwickelt wurde das Spiel im Fachbereich Mathematik der Universität Tübingen von Professorin Dr. Carla Cederbaum und Anja Fetzer. Unterstützt wurden sie dabei von Dr. Elke Müller und Lea Lange vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam sowie von Grafikdesigner Michael Féaux. Das Spiel besteht aus einem Brettspiel, auf dem die Spielerinnen und Spieler mit ihren Spielfiguren voranschreiten. Dabei müssen sie verschiedene mathematische Aufgaben lösen, die sich an den Lehrplan für die 5. bis 7. Klasse anlehnen. Die Aufgaben umfassen Themen wie Arithmetik, Algebra, Geometrie, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Datenanalyse.
Neben der Brettspielversion gibt es auch eine Online-Version von Ganita, die in Zeiten von Corona besonders relevant war. So können Schüler das Spiel auch von zu Hause aus spielen und ihr mathematisches Wissen auf spielerische Art und Weise vertiefen. Produziert wurde Ganita von der gemeinnützigen GmbH Mathe im Leben mit Unterstützung des Berliner Exzellenzclusters MATH+.
Das Lernspiel Ganita kann zu einem Preis von 34,95€ erworben werden. Ein besonderer Aspekt des Verkaufs von Ganita ist, dass alle Gewinne aus dem Verkauf des Spiels an die gemeinnützige Organisation "Mathe im Advent" sowie an andere gemeinnützige Projekte der Mathe im Leben GmbH gehen. Dies bedeutet, dass der Kauf des Spiels nicht nur dazu beiträgt, Mathematikunterricht interessanter und spannender zu gestalten, sondern auch einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leistet. Auf diese Weise können Schülerinnen und Schüler auf spielerische Art und Weise Mathematik lernen und gleichzeitig dazu beitragen, dass gemeinnützige Projekte unterstützt werden.
Serlo hat eine einzigartige Entstehungsgeschichte. Die Lernplattform wurde im Jahr 2009 von Schülern gegründet, die damals selbst noch die Schulbank drückten. In den folgenden Jahren haben diese Schüler Serlo komplett ehrenamtlich aufgebaut, während sie gleichzeitig ihre Schule und ihr Studium absolvierten. Die Idee für eine kostenlose Lernplattform entstand aus dem Wunsch, hochwertige Lernmaterialien für Schülerinnen weltweit zugänglich zu machen. Simon traf Aeneas nach seiner Rückkehr aus Nepal, wo sie gemeinsam den Serlo Education e.V. gründeten und mit der Entwicklung der Plattform begannen. Weitere Schülerinnen und Studierende, darunter Katharina, Jonas, Kulla und Wolfgang, schlossen sich der Idee an und trugen dazu bei, die Ziele von Serlo zu gestalten: mehr Bildungsgerechtigkeit und mehr Mitsprache für Schüler*innen in der Schule.
In den folgenden Jahren arbeitete man vor allem als studentische Arbeitsgruppen an der LMU München und TU München. Ein kompletter Recode und Relaunch von Serlo wurde umgesetzt und man arbeitete mit dem Team des freien Hochschulbuchs "Mathe für Nicht-Freaks" zusammen. Monat für Monat wurden mehr Schülerinnen beim Lernen unterstützt, bis man schließlich über 100.000 Nutzerinnen pro Monat erreichte.
Immer mehr Lehrkräfte begannen, serlo.org im Unterricht einzusetzen, und die Gründerinnen erkannten die Notwendigkeit, die Schule grundlegend zu verändern und mehr individuelle Förderung, insbesondere für benachteiligte Schülerinnen, zu ermöglichen. Aus diesem Grund wurde das "Serlo Lab School"-Format gegründet, bei dem an Partnerschulen regelmäßig mit Serlo gelernt und neue Unterrichtsformate getestet wurden.
Simon und Aeneas, die Gründer der Organisation, wurden stellvertretend für alle Gründerinnen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Obwohl man bereits viel erreicht hat, ist die Arbeit noch lange nicht abgeschlossen. Serlo soll es für alle Fächer und weltweit geben, und es sollen Allianzen mit anderen NGOs und Sozialunternehmen geschmiedet werden, um die Schule grundlegend zu verändern und Bildung als öffentliches Gut für alle zu erhalten. Die Vision von Serlo, dass hochwertige Bildung für alle gleichermaßen zugänglich sein soll, ist brandaktuell angesichts der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und der zunehmenden Privatisierung der Schulbildung.
Serlo.org ermöglicht es selbstständig und in ihrem eigenen Tempo zu lernen. Die Plattform bietet verschiedene Arten von Lerninhalten, die nach Themen und Lehrplänen sortiert sind. Alle Inhalte werden von einer ehrenamtlichen Redaktion erstellt und sind eng miteinander verknüpft, um ein effektives und spannendes Lernen zu ermöglichen.
Um die Lernplattform optimal nutzen zu können, gibt es verschiedene Funktionen, die dir helfen, besser zu lernen. Weitere Informationen dazu findest du auf der Website.
Mecklenburg-Vorpommern. Wie in den meisten Bundesländern, werden auch hier händeringend Lehrkräfte gesucht. Seit Jahren herrscht akuter Lehrermangel, besonders Schulen in ländlichen Regionen sind betroffen. Aktuell gibt es mehr als 300 offene Stellenausschreibungen, knapp die Hälfte davon an Regionalschulen. Zu Beginn des laufenden Schuljahres wurden knapp 700 Lehrkräfte neu eingestellt, ein neuer Höchstwert in den letzten Jahren. Etwa ein Drittel davon sind Seiteneinsteiger:innen.
Prognosen für die nächsten Jahre zeigen, dass Lehrermangel weiterhin ein Problem darstellen wird. Zunehmend können altersbedingt freiwerdende Stellen nicht mit neuen Lehrkräften besetzt werden. Die Tatsache, dass es in Deutschland einen großen Lehrermangel gibt, insbesondere in den MINT-Fächern, lässt sich auf zwei Gründe zurückführen: Demografie und mangelnder Lehramtsnachwuchs. Die Bevölkerung in Deutschland altert, was dazu führt, dass immer mehr Lehrerinnen und Lehrer in den Ruhestand gehen und nicht ausreichend nachwachsendes Personal vorhanden ist, um sie zu ersetzen. Hinzu kommt, dass es in den MINT-Fächern, wie Mathematik, Informatik oder auch Naturwissenschaften, eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Lehrkräften gibt, die oft nicht gedeckt werden kann. Der Nordkurier berichtete bereits 2021 über hohe Abbruchquoten in Lehramtsstudiengängen in Rostock (67 Prozent) und Greifswald (83 Prozent).
Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern bemüht sich um neue Lehrer:innen und um den Erhalt bereits tätiger Lehrkräfte. Auf der Website Lehrer-in-MV.de gibt es ein breit gefächertes Angebot aus Stellenangeboten, Lehrer- und Schulporträts sowie Veranstaltungen. Darin werden verschiedene Anreize für den Schuldienst vorgestellt:
Trotz der Anreize bleibt der Lehrermangel in Mecklenburg-Vorpommern ein großes Problem, das sich in den nächsten Jahren voraussichtlich noch verschärfen wird. Die Anreize sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, es bleibt jedoch abzuwarten, ob sie ausreichen, um genügend Lehrkräfte zu gewinnen und zu halten.
Berlin. Heinz-Peter Meidinger, Chef des deutschen Lehrerverbands, warnt vor einer von Misserfolg gekennzeichneten Integration ukrainischer Schüler:innen in das deutsche Schulsystem. Darum liegt es jetzt an den Bundesländern, dass Schulen und Lehrkräfte entsprechend unterstützt werden.
Meidinger kalkuliert, dass pro Schüler:in Personal- und Sachkosten von 7000 € bis 10.000 € entstehen. Hochgerechnet auf etwa 205.000 aufgenommene Kinder und Jugendliche aus der Ukraine hätten die Bundesländer also „bis zu zwei Milliarden Euro in die Integration ukrainischer Schulkinder stecken müssen.“ Die Realinvestitionen seien dagegen nur „sehr überschaubar“ gewesen, so Meidinger. Große Gefahr sieht der Verbandsvorsitzende darin, dass ukrainische Schüler:innen, entgegen aller Zielsetzungen der Politik, keine großen Chancen auf hohe Schulabschlüsse bekommen, da „Länder zu wenig tun, um den Schulen zu helfen.“
Damit ukrainische Schüler:innen bestmögliche Unterstützung erfahren und um den Lehrermangel zu hemmen, fordert Meidinger dazu langfristige Beschäftigungsangebote für ukrainische Lehrkräfte, die derweil die Möglichkeit erhalten sollen, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Des Weiteren seien Fortbildungsangebote für deutsche Lehrkräfte an Schulen mit vielen geflüchteten Kindern und Jugendlichen nötig, um eine bessere Integration zu gewährleisten.
Meidinger begründet weitere Sorgen, verweisend auf den IQB-Bildungstrend, dass schon frühere Zuwanderungsgenerationen mit großen Lernrückständen umzugehen hatten und die Politik auch hier „bislang kaum reagiert hat und nun durch Ignoranz der Herausforderungen bei den geflüchteten Kindern aus der Ukraine alles noch schlimmer macht.“ Abschließend stellt Meidinger fest: “Das bedeutet einen großen sozialen und gesellschaftlichen Sprengstoff, weil es die Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen massiv schmälert.”
Ob und in welchem Ausmaß Schulen dann finanziell unterstützt werden, wird sich wohl spätestens am 10. Mai entscheiden, wenn sämtliche politische Vertreter in Berlin zum Bund-Länder-Gipfel zusammenkommen werden.
Man kennt es aus der eigenen Schulzeit: Hausaufgaben nicht gemacht oder vergessen, man ist zu laut oder stört und als Konsequenz wird man vor die Tür geschickt, muss eine Strafarbeit schreiben oder Nachsitzen. Ob derartige Maßnahmen noch ihren pädagogischen Zweck erzielen oder eigentlich schon längst durch andere, bessere Methoden ersetzt werden sollten, besprechen wir im folgenden Artikel.
Im Jahr 2016 musste sich ein Lehrer aus Nordrhein-Westfalen vor Gericht verantworten, da er eine sechste Klasse daran hinderte, das Klassenzimmer zu verlassen, bis sie einen Wikipedia-Artikel als Strafarbeit vollständig abgeschrieben hatten. Ein Schüler verständigte daraufhin die Polizei, was im Nachhinein die Frage aufwarf, ob Nachsitzen als Freiheitsberaubung anzusehen sei. Der Musiklehrer wurde in erster Instanz wegen Freiheitsberaubung vom Amtsgericht Neuss verurteilt, in zweiter Instanz jedoch vom Düsseldorfer Landgericht wieder freigesprochen. Dies setzte eine Debatte zu zeitgemäßen, schulischen Disziplinarmaßnahmen in Gang. In den unterschiedlichen Schulgesetzen der Länder ist Nachsitzen grundsätzlich als Erziehungs- oder Ordnungsmaßnahme mit einigen Ausnahmen und Unterschieden erlaubt. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit ist aber dadurch noch nicht beantwortet.
Die Handlung des Musiklehrers folgte als Reaktion auf Unterrichtsstörung von Seiten der Schüler:innen. Unter Referendariat:innen und jungen Lehrer:innen wird das Thema „Unterrichtsstörung“ meist heiß diskutiert. Denn bei überfüllten Klassenzimmern und in Zeiten erhöhten Lehrermangels können die übrig gebliebenen Lehrkräfte schonmal an ihre Grenzen kommen, wenn sie beispielsweise vor pubertierenden Jugendlichen stehen, die aus Ablenkung, Hyperaktivität oder anderen privaten Gründen während der Unterrichtszeit auffallen, zu spät kommen oder mental abwesend erscheinen. Aber ist direkt mit einer Strafe zu reagieren die beste Lösung?
Es geht um die Schüler-Lehrer-Beziehung, die bei sofortigem Sanktionieren Gefahr läuft, eine negative Auswirkung zu erleiden. Studien haben ergeben, dass Strafmaßnahmen langfristig betrachtet das Verhalten, für das sie verhängt werden, nicht verhindern. Vielmehr lenken sie von einer echten Einsicht ab und sorgen mehr für ein Gefühl von Ungerechtigkeit, Wut oder Trauer. Beziehungen können als soziale Interaktionen über die Zeit verstanden werden. So entstehen auch zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen Beziehungen und gegenseitige Erwartungen. Was eine gute Beziehung ausmacht, ist vor allem Empathie, Respekt und Wertschätzung – und die kann eine Lehrkraft nicht unilateral einfordern, sondern es sind reziproke wechselseitige Angelegenheiten, so Prof. Dr. Alexander Wettstein. Das heißt, die gewünschte Anerkennung gelingt nur, wenn sie auch von beiden Seiten erwidert wird.
Wettstein ist seit 2016 Leiter des Schwerpunktprogramms "Soziale Interaktion in pädagogischen Settings” am Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation der Pädagogischen Hochschule Bern. Die einen sagen, Beziehungen sind überbewertet, Disziplin sei eigentlich das Wichtige, das in der Schule zu einem geordneten Alltag und schließlich zum Lernerfolg führt. Jedoch schließen sich diese – aus Sicht von Prof. Dr. Alexander Wettstein – nicht gegenseitig aus, sondern gehen vielmehr Hand in Hand. Es gibt zwei Dimensionen, die bei der Betrachtung eine Rolle spielen: die emotionale Ebene, die zwischen Wärme und Feindseligkeit variiert, und die Lenkungsdimension, die zwischen Dominanz und Unterwerfung unterscheidet. „Ich kann sehr klar machen, was ich von Schülerinnen und Schülern erwarte, aber das in einer positiv, emotional guten Weise“, „gleichzeitig könnte ich auch sehr lenkend sein, aber emotional kalt, strikt, tadelnd“ sagt Wettstein. Dazu betont er besonders, dass Pädagogen und Pädagoginnen stets auf der positiven Seite bleiben sollten. Im Quadrantenmodell befinden sich viele Lehrerpersönlichkeiten, dabei kommt es nicht auf den einzelnen Typen (führend, helfend, strikt, etc.) an, sondern darauf, dass die Lehrkraft auch in schwierigen Situationen emotionale Wärme ausstrahlt und den Menschen sieht anstatt das Kind zu “pathologisieren” und nur noch ein Störungsbild wahrzunehmen.
In einer etwas älteren Studie aus 2002, welche im Rahmen der Vergleichbarkeit der Schulatmosphäre weltweit zuletzt Daten von sechs Schulen aus Deutschland unter anderem bezüglich der Schüler-Lehrer-Verhältnisse erhoben hatte, kamen ebenfalls interessante Ergebnisse heraus. 13-16-jährige beurteilten das Verhältnis zu ihren Lehrer:innen deutlich schlechter als jüngere Schüler:innen. Dementsprechend zeigten sich wahrgenommene Spannungen zwischen Schüler:innen und Lehrer:innen zunehmend mit steigender Jahrgangsstufe. Schüler:innen wurden zudem über die Art der Strafe befragt, die sie selbst schon einmal bekommen hatten. Nachsitzen lag nach Strafarbeit, Verwarnung und einer schlechten Note auf Platz vier mit rund 23 %.
Spannend wäre es, dieselben Daten heute noch einmal zu erheben, um feststellen zu können, ob sich in den letzten 20 Jahren in der Methodik der Lehrkräfte etwas verändert hat, wenn es um den Umgang mit “Unterrichtsstörungen” und Disziplinierungsmaßnahmen geht.
„Prävention durch guten Unterricht ist besser als jede Form der nachträglichen Intervention.“ sagt Lehrer, Autor und Bildungsinfluencer Bob Blume. Dazu gehört für ihn beispielsweise eine gute Klassenführung und der reibungslose Unterricht – möglichst ohne Leerstellen, die Schüler:innen erlauben, ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken. Eine positive Grundhaltung und das Belohnen von erwünschten Verhaltensweisen statt die Bestrafung von unerwünschten Handlungen kommt laut Bob Blume ebenfalls zu kurz.
Eine andere alternative Möglichkeit ist die Implementierung von Restorative Justice-Praktiken. Hierbei geht es darum, dass Schüler:innen ihre Handlungen reflektieren und sich aktiv an der Wiedergutmachung beteiligen. Dadurch wird das Verantwortungsbewusstsein der Schüler:innen gestärkt und die Beziehung zwischen Schüler:innen und Lehrer:innen durch das gemeinsame Suchen nach einer Lösung verbessert.
Ob Nachsitzen als pädagogische Maßnahme in der modernen Schule noch zeitgemäß ist oder ob es bereits überholt ist, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass Maßnahmen zuallererst die Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung unterstützen und ein positives Schulklima fördern sollten, da das Vertrauen zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen den Unterrichts- und Lernerfolg am meisten voranzutreiben scheint.
Wie geht ihr mit Unterrichtsstörung um und welche Maßnahmen haben sich bei euch besonders bewährt? Was haltet ihr vom Nachsitzen? Wir freuen uns über eure Kommentare!
Vor inzwischen mehr als vier Jahren erobert ein Mädchen aus Schweden die weltweiten Schlagzeilen. Aus Protest bleibt sie jeden Freitag dem Schulunterricht fern und nennt es „Skolstrejk för klimatet“ (Schulstreik für das Klima). Sie setzt sich für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels der Pariser Weltklimakonferenz ein und tritt eine Bewegung los, die globale Ausmaße annimmt. Die Bewegung ist bekannt unter dem Begriff „Fridays for Future“ (FFF). Das Mädchen heißt Greta Thunberg. FFF löste zu dieser Zeit schärfste Debatten aus. Sollten Kinder und Jugendliche für politische Proteste schulfrei bekommen? Ja oder Nein? Eine einheitliche Meinung ließ und lässt sich bis heute nicht finden. Denn nach einem Jahr freitäglicher Unterrichtsabstinenz, sollten die Klassenräume auch an den restlichen Wochentagen leer bleiben. Der schwere Schleier der Coronapandemie legte sich auf uns nieder und vernichtete jegliche Form des physischen Miteinanders, so auch die soziale Bewegung Fridays for Future, die jetzt nur noch digital stattfinden konnte. Das Problem Klimawandel bestand jedoch zu den Zeiten der Coronapandemie weiterhin und die Formen des Protests haben sich verändert.
Denn während sich die Fridays For Future Demonstrationen durch das Ende der Coronapandemie nun wieder beginnen zu häufen, liegt die mediale Aufmerksamkeit mittlerweile auf einem anderen, sich für das Klima einsetzenden Bündnis, „der letzten Generation“. Die letzte Generation begann Anfang letzten Jahres verstärkt auf sich aufmerksam zu machen, indem sie durch vielerlei Arten zivilen Ungehorsams versuchte, die Regierung dazu zu bringen, entscheidende Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel durchzusetzen. Besonderes öffentliches Aufsehen erregen die Aktivisten damit, dass sie sich auf Straßen festkleben und somit oftmals den Straßenverkehr weitgehend außer Betrieb nehmen. Diese Art des Protests machte sie deutschlandweit unter dem Begriff „Klimakleber“ bekannt.
Berichten der „Welt am Sonntag“ zufolge wollen die Aktivisten der „letzten Generation“ nun die Idee verfolgen, ihren Wirkungsbereich zu vergrößern und an Schulen über ihr Handeln zu informieren. Dabei soll beispielsweise über zivilen Ungehorsam als politisches Druckmittel aufgeklärt werden. Ferner lässt sich vermuten, dass die Aktivisten über diesen Weg neue Anhänger für ihre Organisation gewinnen wollen.
Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) reagierte empört auf den Bericht und forderte, dass Personen, die „fortgesetzt Straftaten“ begehen und „Skepsis gegenüber der repräsentativen Demokratie“ sähen, in „keiner schule der rote Teppich ausgerollt“ werden sollte. Lieber sollte ein solches Gedankengut „im Unterricht kritisch besprochen und eingeordnet“ werden.
Auch von Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, gab es eine klare Stellungnahme. Es sei unzulässig, wenn „Schulleitungen oder Lehrkräfte Organisationen und Referenten in die Schule einladen, die explizit für die Beteiligung an rechtswidrigen Aktionen werben und die Schule quasi als Rekrutierungszone nutzen“. Weiter argumentiert Meidinger, dass „der Schutzraum Schule missbraucht und instrumentalisiert“ werden würde. Meidinger appelliert daher an Bildungsministerien und Landesregierungen „eindeutig klarzustellen“, dass solche Veranstaltungen „nicht erlaubt seien“.
Ähnlich war Meidinger auch Fridays For Future eingestellt. Gegenüber dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ sagte er 2021: „Wir lehnen es ab, dass die Schulpflicht zugunsten politischer Aktionen – etwa im Rahmen eines sogenannten Klimastreiks – aufgehoben wird.“ Damals begründete er seine entschlossene Position damit, dass man sonst entscheiden müsste, für welche politischen Aktionen man schulfrei bekäme und dass man so die politische Neutralität der Schule gefährde.
Den gesellschaftlichen Umgang mit dem Klimawandel – der größten politischen Herausforderung unserer Zeit – aber aus dem Unterricht zu verbannen, zu tabuisieren, das funktioniert auch nicht. Es sollte den Schüler:innen in der Schule möglich sein, sich ein differenziertes Bild (in diesem Fall bezüglich verschiedener Protestformen) über die Sinnhaftigkeit und Richtigkeit der Mittel von „Fridays For Future“ und „der letzten Generation“ zu machen. Das ist natürlich in Form von klasseninternen Diskussionen möglich, in denen sich alle Positionen angehört werden. Aber auch in dem Vertreter dieser Organisationen über ihr Schaffen berichten, denn Aufklärung ist wertvoll und nicht gleich propagandistische Rekrutierung.
Zu diesem Thema bieten sich auch Projekt- oder Thementage an. Am 22. April ist beispielsweise der Tag der Erde, der die Wertschätzung unserer natürlichen Umwelt stärken soll. Dieser ließe sich also nutzen, um sich in einem schulischen Kontext dem Thema Klimaprotest zu nähern und über den Sinn der Protestaktionen der „letzten Generation“ zu diskutieren.
Wie steht ihr zu dem Thema? Sollten Anhänger der letzten Generation an Schulen referieren dürfen oder nicht?
Die Hacker School wurde mit dem Ziel gegründet, Kinder und Jugendliche für das Programmieren zu begeistern. Die Vision der Organisation ist es, dass jeder junge Mensch das Programmieren kennenlernen sollte, bevor er sich für einen Beruf entscheidet. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet die Hacker School mit Unternehmen, Schulen, Netzwerken und der Politik zusammen, um das Programmieren zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zu machen. Die Mission der Organisation besteht darin, junge Menschen, insbesondere Mädchen und Jugendliche aus einem sozioökonomisch benachteiligten Umfeld, fürs Programmieren zu begeistern und die notwendigen Fähigkeiten für die Zukunft zu vermitteln. Dabei setzt die Hacker School auf niedrigschwellige Kurse, die Spaß machen und die Kreativität und Problemlösungsfähigkeiten der Teilnehmenden fördern. Unter anderem arbeitet die Hacker School auch mit Unternehmen wie der Haufe Group zusammen.
Die Haufe Group, ein Unternehmen für digitale Arbeitsplatzlösungen, unterstützt die Hacker School im Rahmen ihres Engagements für soziale Nachhaltigkeit. Die Unterstützung erfolgt finanziell, aber auch durch Aktivitäten wie das Organisieren von praktischen Workshops. Die Hacker School war zu Gast bei der Haufe Group in Freiburg. Im letzten Workshop auf dem Freiburger Campus der Haufe Group nahmen elf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 13 Jahren teil. Dabei konnten sie den spielerischen Umgang mit dem kleinen Computer, micro:bit erlernen und eigene Anwendungen und Spiele programmieren. IT-Experten der Haufe Group begleiteten den Workshop und vermittelten den Kindern ihre Begeisterung für das Arbeitsfeld.
Im Fokus des zweitägigen Workshops stand das Programmieren mit micro:bit. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer programmierten Anwendungen zum Messen der Temperatur, dem Erzeugen von Tönen oder entwickelten eigene Spiele. IT-Experten der Haufe Group begleiteten den Workshop und vermittelten den Kindern und Jugendlichen ihre Begeisterung für das Arbeitsfeld.
Laut Daniel Thiemig, dem CSR-Manager der Haufe Group, ist Bildung ein zentraler Schlüssel, um junge Menschen auf die digitale Zukunft vorzubereiten. Durch die Unterstützung der Hacker School können die Kinder und Jugendlichen erfahren, wie sie Technik in ihrem Sinn gestalten können. Dabei lernen sie spielerisch wichtige Zukunftskompetenzen wie Problemlösung und entwickeln ein Gefühl der Selbstwirksamkeit. Diese Fähigkeiten sind nicht nur im Alltag, sondern auch bei der Berufsorientierung von großer Bedeutung.
Die Haufe Group betont die Bedeutung von digitaler Bildung und lebenslangem Lernen. Durch die Unterstützung der Hacker School können Kinder und Jugendliche Technologie unvoreingenommen entdecken und wichtige Zukunftskompetenzen wie Problemlösung und Kreativität erlernen. Der Workshop auf dem Freiburger Campus der Haufe Group war ein großer Erfolg und wurde von den Kindern und Jugendlichen begeistert aufgenommen.
Bei der Hacker School steht nicht der Profit im Fokus, sondern die Förderung von Zukunftskompetenzen durch spielerisches Entdecken der digitalen Welt. Um Chancengleichheit zu gewährleisten, bietet die Organisation drei unterschiedliche Ticketpreise an, damit jeder Teilnehmer unabhängig von finanziellen Hintergründen an den Kursen teilnehmen kann. In diesem Sinne setzt sich die Hacker School für Bildungsgerechtigkeit ein. So bietet die Organisation Teilnehmer:innen die Möglichkeit, an einem zweitägigen Kurs zum regulären Preis von 30 Euro teilzunehmen. Für alle, die sich aktiv für die Förderung der digitalen Bildung einsetzen möchten, besteht die Möglichkeit, ein Supporter-Ticket zum Preis von 50 Euro zu erwerben. Für diejenigen, die den regulären Preis nicht zahlen können, gibt es die Möglichkeit, einen frei wählbaren Ticketpreis zu wählen. Es wird jedoch darum gebeten, verantwortungsbewusst mit diesem Angebot umzugehen, damit auch zukünftig eine Teilnahme für alle Interessierten möglich ist. Es ist auch möglich, die Organisation durch finanzielle Unterstützung in Form von Spenden oder durch das Einbringen von Fachwissen beziehungsweise einer Zusammenarbeit zu unterstützen.
Die "Wirkung" der Hacker School beschreibt, was die Organisation langfristig für Kinder, Jugendliche und die Gesellschaft insgesamt verbessern möchte: Die Kurse sollen dazu beitragen, dass sich mehr junge Menschen Kompetenzen im Bereich Coding und IT aneignen und für IT-Berufe begeistern. Die Ergebnisse von Befragungen zeigen deutlich, dass die Hacker School erfolgreich ist und als Impulsgeber für die Selbstermächtigung einer eigenständigen Aneignung von digitaler Kompetenz fungiert. In einem umfangreichen Wirkungsbericht 2022 werden die Erfolge der Hacker School detailliert und faktenbasiert beschrieben.
Um die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Arbeit sichtbar und nachvollziehbar zu machen, nutzt die Hacker School den seit 2014 etablierten Social Reporting Standard. Dieser Standard wurde auf Grundlage von Forschungsarbeiten der TU München und der Universität Hamburg sowie in Zusammenarbeit mit einem Konsortium aus Stiftungen, Sozialinvestoren, Wissenschaftlern und Praktikern entwickelt. Der Social Reporting Standard bietet eine Systematik für eine ergebnis- und wirkungsorientierte Berichterstattung und ermöglicht es der Hacker School, ihre Erfolge und ihre Bedeutung für die Gesellschaft transparent darzustellen.
Die Hacker School hat eine Wirkungslogik entwickelt, die zusammenfasst, wie die Organisation konkret dazu beiträgt, bei jungen Menschen Interesse an IT- und Berufs- sowie Zukunftsperspektiven zu wecken. Eine Grafik veranschaulicht diese Wirkungslogik, welche im detaillierten Wirkungsbericht noch deutlicher dargestellt ist. Die Hacker School verwendet die Phineo Wirkungslogik als Referenz für ihre Wirkungsmessung und strebt ständig danach, die Messung der Wirkung und die Wirkungsziele zu verbessern.
Die Initiative ist nicht die erste, die die Kluft zwischen dringend benötigten Informatikern und der mangelnden digitalen Kompetenzen der Kinder schließen will. So hat der Internetriese Google 50 Millionen US-Dollar in das Programm "Made with Code" gesteckt, um Mädchen für ein Informatik-Studium zu begeistern. Auch Bill Gates und Mark Zuckerberg unterstützen eine Internetseite, die kostenlose Schulungen anbietet.
Die Wichtigkeit der digitalen Kompetenz steigt in unserer heutigen Gesellschaft immer weiter an. Wie findet ihr die Möglichkeit der Hacker School Schüler:innen diese Kompetenz zu lehren? Engagiert ihr euch schon selber für dieses Thema in eurer Schule? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!
Seit der Konzipierung von Virtual Reality und der ersten VR-Brille im Jahr 1968 hat die Technologie viele Fortschritte gemacht. Prognosen sagen voraus, dass im Jahr 2023 über 70 Millionen Virtual Reality und Augmented Reality Brillen verkauft werden. In Bereichen wie Gaming, Industrie und Architektur haben die Systeme bereits einen festen Platz gefunden. Auch im Bildungswesen gibt es Potenzial für die Technologie. Im Rahmen von Projektarbeiten wird VR bereits an einzelnen Schulen benutzt, wie der Josef-Durler-Schule in Rastatt Baden-Württemberg oder dem Gymnasium BG/BRG Villach St. Martin in Österreich. Wir zeigen euch, wie ihr die Technologie auch an eurer Schule einsetzen könnt.
VR, oder auch Virtuelle Realität, bezeichnet Technologien, die in der Lage sind, digitale Welten zu erschaffen, mit der eine Person durch die Nutzung spezieller Software interagieren kann. Im Gegensatz zur erweiterten Realität (Augmented Reality) werden nicht virtuelle Inhalte in die echte Welt eingeblendet, sondern die Person erlebt eine komplett konstruierte Welt. Die Nutzer:in kann mit dieser neuen Welt durch eine VR-Brille interagieren. Diese ermöglichen räumliches Sehen, welches die Brille von herkömmlichen Bildschirmen wie TV oder Smartphone unterscheidet.
Die Hardware für die Bilder selbst kommt von Computer, Konsolen oder Smartphones, die an die Brille angeschlossen werden. Das herkömmliche, natürliche Sehen mit unseren Augen wird dabei imitiert durch zwei verschiedene Display-Bilder.
VR-Technologie kann den Unterricht auf vielfältige Art und Weise erweitern. In erster Linie ermöglicht VR Technologie komplexe Sachverhalte zu veranschaulichen und neue Wege der Wissens-Darbietung. Orte, die wegen mangelnden Mitteln, aus Sicherheitsgründen oder aufgrund anderer Aspekte nicht erreichbar oder begehbar sind, aber dennoch einen wertvollen Beitrag zur Bildung leisten könnten, wenn die Schüler:innen sie entdecken können. Die vollständige Fokussierung durch VR und die geförderte Immersität liefern eine weitaus interessantere Lernerfahrung, die im kompletten Kontrast zum herkömmlichen Bücherwälzen steht.
Der WDR beispielsweise konnte einige interaktive Beispiele durch das Projekt ‘Schule Digital’ erstellen. So konnten Nutzer:innen im Rundumblick ein Bergwerk erkunden, Großbritannien mit einer App besichtigen, Beethovens Musik interaktiver erleben oder auch die Freund:innen der verstorben Anne Frank kennenlernen.
Andere Beispiele hat unsere Redaktion in der Vergangenheit bereits vorgestellt. Dazu gehören die virtuelle Zeitreise durch die Geschichte Deutschlands mit TimeRide und das Miterleben von Beethovens Biografie.
Besonders eignet sich die Technologie in naturwissenschaftlichen Fächern:
Auch künstlerische Bereiche können gefördert werden. So haben die Informatik Gruppen des BG/BRG Villach St. Martin mit dem Projekt “Slow Light – Seeking Darkness” eine Virtuelle Umgebung geschaffen, in der das Prinzip Dunkelheit in verschiedenen Facetten erfasst wird. In ihrem CHIP-Workshop “Virtual Reality Bubbles” werden außerdem künstlerische Materialien, wie Poesie oder Objekte, in die virtuelle Realität übertragen und somit erlebbar gemacht.
Einsatz von VR-Brillen an der Josef-Durler-Schule
Lehrkräfte, die solche Technologien selbst nutzen wollen, haben eine breite Auswahl an Programmen und Apps, die sie in Erwägung ziehen können. Darunter auch kostenlose Alternativen wie Google Blocks welches auf ein schnelles Modeling von 3D-Inhalten spezialisiert ist, und Google Earth VR zum Nutzen von Googles Erderkundungsdienst im VR-Format.
Rooom bietet sich ebenfalls zur Generierung von VR-Inhalten wie Kunstobjekten, Möbel und andere Objekte, kostet im Rahmen des Premium-Pakets allerdings bi zu 499 Euro pro Monat. Ein virtueller 3D Space kann aber bereits kostenlos heruntergeladen werden.
Speziell für die Bildung geeignet ist auch Unimersiv. Für 3,99 Euro können Schüler:innen die App von Steam herunterladen und auf vielfältige Angebote über Geschichte, den Weltraum und die menschliche Anatomie zugreifen.
Für die Hardware selbst gibt es Firmen wie Oculus VR, unter der Leitung von Meta, welche VR-Brillen wie die Meta Quest 2 anbieten. Oder auch das VR-Unternehmen Pico mit der Pico 4.
Das Eintauchen in die virtuelle Welt ist allerdings auch nicht ohne Probleme. Nicht alle Kinder haben die physischen Möglichkeiten, mit der Technologie umzugehen. Die standardkoordinationsstrategie von Heranwachsenden könnte gestört werden und obwohl Erwachsene Kopfbewegung vom Oberkörper einfach trennen und steuern können, müssen Schüler:innen diese Fähigkeit erst noch lernen, so dass empfohlen wird die Technologie erst mit 13 Jahren zu benutzen und nach einer Stunde der Nutzung eine 15 minütige Pause einzulegen. Kompetenzen im Umgang mit VR müssen ebenfalls erst trainiert werden, welche ein gewisses Maß an Medienkompetenzen in den Lehrkräften und im Schulplan erfordert. Diese müssen von den Pädagog:innen erlernt und weiter vermittelt werden. Ganz billig ist die Technik auch nicht, Schulen müssen mit Kosten zwischen 30 bis 60 Euro rechnen, mit einer VR-Brille welches Android oder iPhone integriert, und mit Preisen im Bereich von 400 Euro oder 240 Euro gebraucht bei Brillen mit integriertem Display.
Obwohl VR-Technologie nicht in jedem Fall Sinn machen dürfte, bietet sie dennoch ein einzigartiges, nicht anders replizierbares Lernerlebnis. Ob sie sich im Bildungssystem weiter verbreiten kann, bleibt abzuwarten. Solange dies mit Blick auf die bestehenden Risiken geschieht, könnte VR jedoch eine große Bereicherung für einzigartiges Lernen sein.
Was haltet Ihr von VR-Technologie? Teilt uns das doch in den Kommentaren mit!
Für das effektive Sprachenlernen sind Wiederholung und Konsistenz die wichtigsten Bausteine. Es gibt Apps, wie Duolingo oder Babbel, die extra für das Lernen neuer Sprachen entwickelt wurden und beim regelmäßigen Üben helfen, allerdings kann auch Instagram für ähnliche Zwecke genutzt werden. Zwischen Urlaubsfotos und Lifestyle-Inspirationen sind Posts über Aussprache, Sprichwörter oder neue Vokabeln eine gute Erinnerung daran, jeden Tag etwas Zeit zu investieren, um das gewünschte Niveau zu erreichen. Nachdem wir unsere Empfehlung zu Instagram-Kanäle für den Mathe und DaZ-Unterricht zusammengestellt haben, geht es nun weiter mit den vier besten Kanälen für die Tagesdosis Sprachen:
Filme geben uns eine besonders gute Möglichkeit, die Lernbedürfnisse unterschiedlicher Niveaus zu bedienen. Cartoons für eine jüngere Zuschauerschaft mögen bspw. einfache Vokabeln beinhalten, während Filme, die Dialoge mit komplexeren Satzstrukturen aufweisen, für die Vertiefung und Immersion etwas erfahrener Lerner hilfreich sind. @french.toons postet täglich Ausschnitte von bekannten Cartoons und animierten Grafiken. Jede Illustration wird mit einer kurzen Beschreibung auf Französisch und Englisch versehen. Die Cartoons sind humorvoll und zugänglich, was das Lernen der Sprache zu einem unterhaltsamen Erlebnis macht. Für Japanisch, Portugiesisch, Italienisch, Deutsch und Spanisch gibt es ebenfalls eigene Insta-Kanäle vom gleichen Stil.
@tofluency ist ein Instagram-Kanal, der sich auf das Erlernen von Englisch als Zweitsprache (ESL) konzentriert. Der Kanal wird von einem erfahrenen ESL-Lehrer betrieben, der seinen Schülern hilft, ihre Englischkenntnisse zu verbessern und das Selbstvertrauen beim Sprechen zu stärken. Mit kleinen Übungseinheiten, Erklärvideos und Methoden geht er gezielt auf Problembereiche ein, die während des Lernprozesses häufig auftreten. Außerdem bietet er mit seinem Podcast Lernenden die Möglichkeit, einen Einblick in Alltagsdialoge über verschiedene Themen zu bekommen, die zudem auch oft in Tests, wie IELTS oder TOEFL abgefragt werden.
@easyportugueseschool ist ein Instagram-Kanal, der sich darauf spezialisiert hat, Portugiesischlernenden dabei zu helfen, die Sprache auf einfache und unterhaltsame Weise zu lernen. In diesem Kanal gibt es eine breite Palette von Inhalten, die sich auf verschiedene Facetten der portugiesischen Sprache konzentrieren. Themen wie Grammatik, Wortschatz, Aussprache und kulturelle Besonderheiten werden behandelt und ausführlich erläutert. Neben den Beiträgen bietet @easyportugueseschool auch Live-Unterrichtseinheiten auf Instagram an, bei denen die Lernenden die Möglichkeit haben, ihre Portugiesischkenntnisse zu verbessern, indem sie Fragen an erfahrene Sprachlehrer:innen stellen können.
Auf dem Kanal @spanishafterhours bietet Laura ihren Followern interaktive Quizfragen, praktische Grammatikübungen, Vokabellisten und Lerntipps, um das Gelernte zu festigen. Der Schwerpunkt liegt hier auf Aussprache und dem alltäglichen Spanisch, das die Lernenden in realen Situationen anwenden können. Die Inhalte sind sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet. Bei Bedarf kann man sich die Videos von Instagram zusätzlich auf Youtube in voller Länge ansehen.
Nutzt ihr Instagram für euren Schulunterricht? Und welche Methoden und Materialien könnten noch zu einem besseren Erwerb von Fremdsprachen dienen? Schreibt uns gerne einen Kommentar!
Berlin ist nicht nur die Hauptstadt Deutschlands, sondern auch DAS pulsierende Zentrum für Kunst, Kultur und Geschichte. Mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten, wie dem Brandenburger Tor, dem Checkpoint Charlie und der Berliner Mauer, zieht es jedes Jahr unzählige Besucher aus aller Welt an. Doch nicht nur für Touristen ist Berlin ein Highlight — auch Schulklassen nutzen die Stadt als beliebtes Exkursionsziel. Denn hier gibt es nicht nur die Möglichkeit, das politische Zentrum des Landes hautnah zu erleben, sondern auch eine Fülle von Museen und Gedenkstätten zu besuchen, die einen tiefen Einblick in die Geschichte Deutschlands ermöglichen. Ob Kunst, Kultur oder Geschichte: Berlin hat für jeden etwas zu bieten und ist somit das ideale Ziel für Schulklassen, die auf der Suche nach einem unvergesslichen Ausflug sind. Hier finden Schülerinnen und Schüler zahlreiche spannende Ausflugsziele, die sowohl unterhaltsam als auch lehrreich sind. In diesem Artikel stellen wir euch, angelehnt an visitberlin.de, fünf Exkursionsideen für fünf Tage Berlin vor, die Sie mit Ihrer Schulklasse auf jeden Fall ausprobieren sollten.
Das Computerspielemuseum in Berlin ist eine der größten und bekanntesten Ausstellungen für Computerspiele in Europa. Es wurde im Jahr 1997 gegründet und beherbergt eine umfangreiche Sammlung von mehr als 50.000 Videospielen, Konsolen und anderen Artefakten der Computerspielgeschichte. Das Museum bietet eine interaktive und pädagogische Erfahrung für alle Altersgruppen und ist daher ein großartiges Ziel für Exkursionen. Die Ausstellung ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die die Entwicklung der Computerspiele von den Anfängen bis zur Gegenwart zeigen. Es gibt auch eine Vielzahl von interaktiven Ausstellungsstücken, welche die Besucherinnen und Besucher ausprobieren können, wie zum Beispiel alte Spielkonsolen und Arcade-Spiele. Darüber hinaus bietet das Museum eine Vielzahl von Workshops und Veranstaltungen an, die für Schulklassen und andere Gruppen geeignet sind. Hier können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Beispiel lernen, wie Computerspiele programmiert oder alte Spiele und Konsolen repariert werden. Es ist leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen: Ihr nehmt die U-Bahn-Linie U5 und steigt an der Haltestelle "Weberwiese" aus.
Ein prägendes Merkmal Berlins sind die zahlreichen Plattenläden, die in der Stadt zu finden sind. Besonders rund um den Boxhagener Platz gibt es eine hohe Ballung von Plattenläden, die jede Querstraße säumen. Hier kann man am Wochenende nicht nur einen Floh- und Wochenmarkt besuchen, sondern auch ausgiebig in den Plattenläden stöbern und sich in der Welt der Musik verlieren - ein Paradies für Musikliebhaber und Vinylsammler!
Berlin ist bekannt für seine Streetart und Graffiti, die an vielen Orten in der Stadt zu finden sind. Ob politische Statements oder reine Kunstwerke - es gibt für jeden Geschmack etwas zu entdecken. Besonders die Hauswände und Dächer in den Bezirken Kreuzberg und Friedrichshain sind mit Werken übersät. Für legale Graffiti kann man beispielsweise die Wand im Mauerpark besuchen, während man an der East-Side-Gallery am Ostbahnhof große Street Art-Malereien bewundern kann. Wer auf der Suche nach weiteren Kunstwerken ist, muss einfach nur die Augen offen halten und kann sich in Berlin in eine faszinierende Welt aus Farben und Kreativität stürzen. In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf Murals in Kreuzberg, obwohl sich die ersten beiden Kunstwerke unserer Tour eigentlich in Mitte befinden. Außerdem zeigen wir auch einige schöne Paste-Ups und Stencils. Mit Hilfe unserer Karte können Sie problemlos alle Kunstwerke der Tour nacheinander besuchen und entdecken.
Die Berliner Geschichte ist geprägt von traurigen, aber dennoch spannenden Ereignissen, die auch heute noch in Form von Gedenkstätten erfahrbar sind. Die Gedenkstätte Hohenschönhausen in Lichtenberg erinnert an die Zeit der kommunistischen Diktatur und gibt den Besuchern Einblick in die ehemalige Untersuchungshaftanstalt der Stasi. Der Besuch der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße ermöglicht es, ein Stück der Original Berliner Mauer zu sehen und gleichzeitig die beeindruckende Street Art an der East Side Gallery zu bestaunen. Das Denkmal zur Erinnerung an die ermordeten Juden Europas in unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes besteht aus mehr als 2.700 Säulen aus Stein und erinnert an die schrecklichen Taten des NS-Regimes. Eine Besichtigung des Denkmals ist kostenlos, ebenso wie der Ort der Information daneben.
Berlin ist berühmt für seine lebendige Kulturszene und das GRIPS Theater bietet besonders kreative Stücke für Jugendliche und Kinder. Die U-Bahn Station Hansaplatz ermöglicht eine barrierefreie Anreise zu diesem Theater, das sich mit aktuellen Themen beschäftigt. Da das Platzangebot im Vorstellungsraum begrenzt ist, empfiehlt es sich, den Besuch im Voraus anzukündigen. Seit den 1960er Jahren steht das GRIPS Theater in Berlin-Mitte für zeitgenössisches und politisches Theater für Kinder und Jugendliche. Die Gründer des Theaters, allen voran Volker Ludwig, hatten das Ziel, den jungen Zuschauern die Realität nahezubringen und ihnen Lebensperspektiven aufzuzeigen. Heute werden immer noch gesellschaftliche Themen künstlerisch aufbereitet, um das junge Publikum dort abzuholen, wo es steht. Der Erfolg des Theaters zeigt sich in über 1.800 Inszenierungen in 50 Ländern und 40 Sprachen. Schulklassen haben die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Erlebnisse am GRIPS Theater spielerisch aufzuarbeiten und zu verarbeiten, unterstützt durch die Theaterpädagogik. Besonders hervorzuheben ist, dass das GRIPS-Team direkt an die Berliner Schulen kommt, um diese Angebote anzubieten. Auch für Schulklassen außerhalb von Berlin und Brandenburg gibt es die Möglichkeit, die Angebote des GRIPS zu nutzen, indem sie im Rahmen ihrer Klassenfahrt das Theater besuchen. Die Theaterstücke “Linie 1” (empfohlen für Klasse 10-13), “#diewelle2020” (empfohlen für Klasse 9-12) und “Das schönste Mädchen der Welt” (empfohlen für Klasse 8-13) sind besonders für diesen Zweck geeignet.
Deutschlands Hauptstadt ist eine der grünsten Metropolen Europas, mit mehr als 2500 Parks und über einer Million Bäumen. Neben dem bekannten Grunewald gibt es viele weitere Wald- und Grünflächen, die zu ausgedehnten Spaziergängen und einer hohen Lebensqualität beitragen. Startups wie Green City Solution und Solaga setzen innovative Akzente für Luftqualität und Umweltschutz. Eine Führung zum Thema Nachhaltigkeit in Berlin kann zum Beispiel eine Urban Gardening Tour auf dem Fahrrad oder eine Green Fashion Tour beinhalten. Auf diese Weise können Besucherinnen und Besucher erfahren, wie die Berlinerinnen und Berliner sich für eine nachhaltige Zukunft einsetzen und welche Möglichkeiten es gibt, selbst einen Beitrag zu leisten. Die Führungen sind informativ und geben Anregungen, wie man im Alltag umweltbewusster handeln kann. Die Wochenmärkte in Berlin bieten eine große Auswahl an regionalen und saisonalen Bio-Produkten von Bauern aus Berlin und Brandenburg. In den historischen Markthallen können Sie in angenehmer Atmosphäre einkaufen und gleichzeitig auf eine kleine Zeitreise gehen. Besonders umwelt- und gesundheitsbewusste Menschen finden auf Bio-Märkten und veganen Märkten eine große Auswahl an Produkten. Ein beliebter Markt ist der Ökomarkt am Kollwitzplatz, der bereits seit über 20 Jahren jeden Donnerstag von 12 bis 19 Uhr stattfindet. Hier könnt ihrfrisches Obst und Gemüse, Wildkräuter, Brot aus selbst gemahlenem Mehl und Eier von glücklichen Freilandhühnern kaufen.
Mit der Auswahl dieser Ausflugsziele wollten wir euch fernab der bekannten Museumsinsel (die ohnehin meist Pflichtprogramm ist) eine Mischung aus Unterhaltung und Bildung bieten, die für Schulklassen geeignet ist. Jedes Ziel ist leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und bietet spezielle Führungen und Workshops für Schulklassen an. Schülerinnen und Schüler können in diesen Ausflugszielen mehr über die deutsche Geschichte, Technologie, Natur und Politik erfahren.
Was denkt Ihr über die alternativen Exkursionsideen? Habt ihr noch weitere Anregungen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!
Berlin. Die Ampelregierung hat am 17. März eine Reform des schon lange von vielen Wissenschaftler:innen kritisierten Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) vorgestellt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte den Gesetzentwurf und forderte die Koalition dazu auf, „nachzulegen“. Das Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMFD) setzt sich mit der Initiative zum Ziel, Wissenschaftler:innen frühzeitige Perspektiven aufzuzeigen, indem mehr unbefristete Stellen geschaffen werden und das Forschen allgemein familienfreundlicher gestaltet wird.
GEW fordert härtere Reformen
Der mutmaßlich kontroverseste Eckpunkt des Gesetzesentwurf behandelt die Postdoc-Phase. Also die Zeit nach Erlangung des Doktortitels und die Zeit des befristeten Arbeitens an einer Universität oder einer Forschungseinrichtung. Demnach wurde die Höchstbefristungsdauer in dieser Phase von sechs auf drei Jahre reduziert. Das setzt die jungen Wissenschaftler:innen unter hohen Druck, da sie nun – durch fehlende Entfristungsmöglichkeiten für die Zeit danach – sehr schnell mit Arbeitslosigkeit konfrontiert werden könnten. Die GEW führt aus, dass Postdocs sichere Perspektiven brauchen und ihnen die Chance auf eine Dauerstelle gegeben werden muss.
Auch für Promovierende fordert die GEW umfassendere Entlastungen in der schlussendlichen Reform. So soll die vom BMFD angestrebte dreijährige Mindestvertragslaufzeit von Doktoranden an Forschungseinrichtungen erhöht werden, da die durchschnittliche Promotionsdauer 5,7 Jahre beträgt und Doktoranden in der Vergangenheit häufig von ihren Forschungseinrichtungen “entlassen” worden sind, bevor sie überhaupt mit ihrer Dissertation anfangen konnten. Deswegen fordert die GEW eine Mindestvertragslaufzeit von sechs Jahren.
Auch die angestrebte Verbesserung der Familienfreundlichkeit des Gesetzesentwurfs wird von der GEW kritisiert. Laut Andreas Keller, stellvertretenden GEW-Vorsitzenden und Hochschulexperten, ist das Versprechen der Ampelkoalition, die familien- und behindertenpolitische Komponente für alle verbindlich zu machen, nicht eingetreten. Darüber hinaus soll es in der Hand des Arbeitgebers bleiben, die befristeten Verträge der Wissenschaftler:innen zu verlängern, die eine Elternzeit beanspruchen oder eine Behinderung oder chronische Krankheit haben.
Schlussendlich konstatiert die GEW, dass das Vorstellen möglicher Eckpunkte ein guter und notwendiger Schritt des BMFD war, um den Beginn einer nachhaltigen Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes zu markieren. Noch, und so waren auch die Rückmeldungen sämtlicher junger Wissenschaftler:innen, hinken die möglichen Reformen aber sowohl den Versprechungen als auch den Erwartungen hinterher. Denn schon seit zwei Jahren monieren viele junge Wissenschaftler:innen mit den Hashtags #IchBinHanna und #DauerstellenFürDaueraufgaben ihre prekäre berufliche Situation, aufgrund befristeter Arbeitsverträge. Die Ampel muss also nachlegen, sonst wird die Lage für junge Forschende bedrohlicher und die Flucht in Wirtschaft und Ausland noch größer.
Für Lehrkräfte ist es heutzutage nicht ausreichend, nur ihre Rolle als Lehrer oder Lehrerin zu erfüllen. Der Schulalltag erfordert von ihnen, viele verschiedene Rollen einzunehmen und zu beherrschen, wie zum Beispiel die des Pädagogen, des Vorbilds, des Mediators und des Menschen. Dabei ist es wichtig, bereits im Referendariat reflektiert und vorbereitet mit diesen Anforderungen umzugehen, da Freude und Motivation sonst schnell verloren gehen können oder die Rollenvielfalt zu schaffen macht. Das Interesse an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie die Vermittlung von Wissen und Kompetenzen sind zwar wichtige Aspekte, jedoch sind Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in der heutigen Zeit unerlässlich, um den Anforderungen im Schulalltag gerecht zu werden.
Für Lehrer:innen und Referendar:innen ist der Einstieg in den Beruf oft von einer schwierigen Phase geprägt, die als Praxisschock bezeichnet wird. Überforderung und Belastungen im Schulalltag können dazu führen, dass Berufseinsteigerinnen an ihre Grenzen stoßen. Diese Belastungen können aus verschiedenen Quellen kommen, wie dem Umgang mit schwierigen Schülerinnen, dem Erwartungsdruck seitens Kolleginnen und Schulleitung, sowie Bewertungen von Schulleitung und Schulamt, die sich oft nur auf den Unterricht beziehen.
Auch die Zusammenarbeit im Lehrerkollegium gestaltet sich oft schwierig und es fehlen verlässliche und kompetente Ansprechpartner:innen. Der Berufseinstieg ist unstrukturiert und erfolgt ohne professionelle Begleitung, was bei auftretenden Problemen nur zufällige Hilfestellung ermöglicht. Ganz grundsätzlich ist auch ein Quer- oder Seiteneinstieg in jeder Schulform möglich. In der Praxis schließen manche Bundesländer aber die eine oder andere Schulform aus – insbesondere der Zugang zu Grundschulen bleibt den Quereinsteigenden häufig verwehrt. Berufsschulen freuen sich meistens über Zuwachs, besonders in den technischen Bereichen.
Es ist wichtig, Zweifel an der eigenen beruflichen Eignung zu erkennen und sie ernst zu nehmen. Dies gilt nicht nur zu Beginn der Karriere, sondern auch später. Es kann gesund und hilfreich sein, gelegentlich die eigene Motivation, Ressourcen und berufliche Ziele zu überprüfen. Allerdings kann anhaltende Unzufriedenheit und Überforderung zu negativen Gedanken und Gefühlen führen, die sich auf die Gesundheit und die berufliche Leistung auswirken können. In solchen Fällen sollte man unrealistische Anforderungen von außen und die eigenen (perfektionistischen) Haltungen unterscheiden und entsprechende Lösungsansätze finden.
Es gibt sowohl überzogene externe Anforderungen als auch überzogene interne Anforderungen, die zu fehlenden Ressourcen führen können. Eine pauschale Unzufriedenheit sollte konkret benannt werden, um entsprechende Lösungen zu finden. Mehr Rückzugsräume, eine verbesserte Organisationsstruktur oder Stressmanagement für Lehrkräfte können hilfreiche Schritte sein. Eine aufmerksame, kritikfähige Schulleitung kann dabei unterstützen und sich für eine Kultur des Miteinanders und der Wertschätzung an der Schule stark machen.
Ein offener Austausch innerhalb des Kollegiums über Missstände und individuelle Probleme kann Gold wert sein. Erfahrene Kollegen können jüngeren Lehrkräften wertvolle Rückmeldungen geben und ihnen Mut machen, am Lehrerberuf festzuhalten oder einen neuen, passenderen Weg einzuschlagen.
Wenn die Entscheidung getroffen wird, den Beruf zu wechseln, sollte eine detaillierte Bestandsaufnahme gemacht werden, um den Weg in eine neue Richtung zu ebnen. Es ist wichtig, zu wissen, wo es im Schulalltag hakt, und die eigenen Stärken und Kompetenzen zu kennen. Neben einer schulnahen Tätigkeit in der Bildungsbranche kann auch ein weiteres Studium infrage kommen. Ein Auszeit kann ein guter Zwischenschritt sein, um Klarheit und Abstand zu gewinnen. In Umbruchphasen ist der Austausch mit anderen wichtig, um Kraft und Zuversicht zu bekommen. Kollegen, Familie und Freunde können hierbei unterstützen und positive Erfahrungsberichte von anderen "Aussteigern" können Mut machen.
Tipp 1: Die Schule kennenlernen
Tipp 2: Sich selbst organisieren
Tipp 3: Den Perfektionismus zwischendurch beiseite lassen und einfach Spaß haben
Wenn dich als Lehrerin oder Lehrer Fernweh packt, musst du nicht zwangsläufig auf deinen Beruf verzichten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um in diesem Berufsfeld auch im Ausland tätig zu sein. Eine Option ist es, eine entsprechende Weiterbildung zu absolvieren oder an Hospitationen teilzunehmen. Der pädagogische Austauschdienst bietet hierbei die Vermittlung von ein- bis dreiwöchigen Hospitationen in verschiedenen europäischen Ländern an, vorrangig jedoch für Lehrende mit Sprachkenntnissen der entsprechenden Länder. So ist beispielsweise ein Einsatz als Lehrkraft in Spanien, Frankreich oder Großbritannien möglich. Als Vertreter des Auslandsschulwesens sind Sie auch Botschafter der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.
Die Grundlagen für eine erfolgreiche Unterrichtserfahrung liegen in den Kennenlernprozessen sowie in der effektiven Organisation des Unterrichts. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine zu starke Fixierung auf Perfektion möglicherweise hinderlich sein kann. Stattdessen ist es oft hilfreicher einfach Spaß zu haben, sich darauf zu konzentrieren, eine positive Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die sich durch das gesamte Schuljahr zieht. Indem du dich bemühst, eine unterstützende und einladende Umgebung zu schaffen, können Schülerinnen und Schüler motiviert werden und das Lernen wird effektiver.
Habt ihr schon Erfahrungen vom Berufseinstieg als Lehrer:innen erleben können oder habt ihr selber Tipps, die ihr an zukünftige Lehrer:innen weitergeben könnt? Teilt Sie uns gerne in den Kommentaren mit!
Was haben Amazon-Gründer Jeff Bezos, Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und die Schauspielerin Heike Makatsch gemeinsam? Sie alle waren alle Teil einer Montessorischule und vermutlich unter den bekanntesten Absolvent:innen des Schulsystems. Dabei ist Montessori weiter verbreitet als angenommen. In Deutschland allein gibt es rund 600 Kindertagesstätten und etwa 400 Schulen, die dieses pädagogische Konzept in ihren Alltag integrieren. Weltweit sind es sogar um die 40.000 Montessori-Schulen. Aber worum handelt es sich bei dem Montessori-Konzept? In diesem Artikel erfahrt Ihr, was es mit dieser neuen Art des Lernens und Erziehens auf sich hat.
Entwickelt wurde das Montessori-Konzept von der italienischen Ärztin Maria Montessori, die am 31. August 1870 geboren wurde und eine der bekanntesten Pädagogen ihrer Zeit war. Nach ersten Arbeiten mit geistig behinderten Kindern verlagerte sie ihren beruflichen Schwerpunkt immer mehr auf Pädagogik und die Entwicklung pädagogischer Methoden. Obwohl sie ihre Ideen basierend auf Kindern mit Behinderungen entwickelten, wurden diese später verfeinert und auch auf mental nicht beeinträchtigte Kinder angewandt. Bewährt hat sich die Methode zuerst, als Montessori’s Kinder im Vergleichstest besser abschnitten als ‘normale’ Kinder, welches ihr eventuell internationale Anerkennung brachte. Aber was hat es mit Montessoris Konzept eigentlich auf sich?
Das Zunutze machen des Eigeninteresses vom Kind als Instrument der Bildung macht den Kern der Montessori-Pädagogik Konzepts aus. Das Montessori-Modell unterteilt sich in drei separate Entwicklungsstufen, welche die Kinder und Jugendliche begleiten, vom Kindergarten bis hin zum Abitur, mit jeder Stufe angelehnt an ein anderes Motto.
Das Montessori-Kinderhaus, die Montessori-Version des Kindergartens, besuchen Kinder im Alter zwischen 0 und 6 Jahren. Das Motto hier: “Hilft mir es selbst zu tun”. Ab 6 Jahren besuchen die Montessori Schüler:innen die Grundschule bis zum 12 Lebensjahr, diesmal mit dem Motto “Hilf mir, selbst zu denken.” Zu guter Letzt folgt die Montessori-Sekundarstufe. Das neue Motto bezieht sich darauf, den Schüler:innen zu helfen, in einer Community selbstständig zu agieren und lautet: “Hilft uns, es selbst zu tun”. Abgeschlossen ist der Montessori-Bildungsweg mit 18 Jahren.
Der Aspekt, in dem sich Montessori’s Modell radikal von den damals verbreiteten Erziehungsansätzen unterscheidet, ist die Beziehung zwischen Kind und System. Im staatlichen Schulsystem ist genau geplant, was, wann, welches Kind zu wissen und können hat, mit wenig Fokus auf das Individuum selbst. Konkurrenzverhalten und Notendruck sollten im Montessori-System keinen Platz haben, da diese nur der persönlichen Entwicklung im Weg stünden. Stattdessen kommt es zu Einschätzungsgesprächen zwischen Lehrkraft und Schüler:in und es werden IzEL-Bogen (Informationen zum Entwicklungs- und Lernprozess) angefertigt, in denen Lernfortschritte und Verhalten der Schüler:innen notiert werden. Lehrkräfte und Pädagog:innen haben in diesem System eher eine Rolle als Unterstützer und Hilfesteller und bringen die Schüler:innen nicht in ein starres einheitliches System.
In der Schule ist der Unterricht unterteilt in zwei Kategorien. Die erste ist die Freiarbeit, in der es Schüler:innen erlaubt ist, im eigenen Tempo ihren eigenen, frei gewählten Interessen nachzugehen. In der Sekundarstufe ist diese Kategorie eher reduziert und es kommt häufig zu langfristigen Projekten. Die zweite Kategorie ist der gebundene Fachunterricht, welcher sich auf spezielle Fächer konzentriert. Darunter auch Mathe, Englisch oder Biologie. Die Lerninhalte und -ziele werden dann in Gruppen- oder Einzelarbeit aufgeteilt und erarbeitet. Während einige sich z. B. in Englisch mit neuen Vokabeln beschäftigen, lernen andere Zeitformen.
Im Idealfall bringt das Montessori-System ein Kind in die Welt, das selbstständig ist, aufgeschlossen, eigenständig denkt, soziale Kompetenzen hat und eine Begeisterung für das Lernen und eigene Interessen hat.
Kritik an diesem Schulkonzept gibt es allerdings reichlich. Unter anderem die Kosten, da Montessori-Schulen Privatschulen sind. Diese Gebühren belaufen sich in der Regel auf 300 Euro pro Monat und können je nach Bundesland zwischen 200 und 500 Euro betragen. Ein weiteres Problem: Das Abitur wird als staatlicher Abschluss an nur wenigen Montessori Schulen angeboten. Häufig müssen externe Prüfungen absolviert werden, sofern ein Montessori Kind das Abitur erlangen will.
Darüber hinaus wird das Montessori-System nicht überall gleich umgesetzt, was die Autorin Nadine Hilmar bezeugen kann. In ihrem Blog Buntraum beschreibt sie ihre Ansichten zu Montessori, als jemand, die selbst im Jahr 2012 die Montessoriausbildung Kinderhaus abgeschlossen hat. Damals war sie ein großer Fan des Bildungskonzepts. Die sogenannten Säulen des Systems erlebte sie in der Praxis allerdings ganz anders als erwartet.
So wurde der Fokus auf Selbstständigkeit von ihr auch als Druck wahrgenommen. Ihr Sohn wurde als schüchterner zweijähriger schon dazu aufgefordert, eigenständig seine Jacke auszuziehen. Laut Nadine kam auch Druck von Seiten der Pädagogin, die Windel abzulegen und auf das WC zu gehen. “Sie wollten, dass er soweit war", fasst Nadine die ständigen Einschätzungen der Pädagogin zusammen. Besonders eingebrannt hatte sich die Aussage: “Wir haben oben 60 Kinder, wenn er da in der Garderobe nicht klar kommt, geht er unter.”
Dem Ideal, die Kinder das machen zu lassen, was ihrem eigenen Interesse oblig, sei nicht nachgekommen worden. Stattdessen schildert Nadine, dass es bei Gesprächen mit ihrem vierjährigen Sohn immer hieß, dass “er bereit sei und das auch gut könne.” Seine Meinung war ohne Priorität.
Hingegen fand Nadine, dass ihre Tochter eine individuelle Erziehung, im Einklang mit Montessori Idealen, in einem Allgemeinkindergarten besser bekam als am Montessori-Kinderhaus. “Sie darf sich tagsüber beschäftigen, womit sie will und wenn sie anfangs schüchtern nur auf dem Sofa sitzt, beobachtet und Bücher anschaut, ist das okay. Mir wird nie gesagt, wozu sie nun “bereit sei.”
Mangelnde oder fehlerhafte Exekution, wie Nadine es erlebte, können dem System und auch den Schüler:innen schaden. Auch wie bei dem herkömmlichen Schulsystem müssen die Pädagogen ihren Teil erfüllen, jedoch einen anderen als denjenigen, den sie gewohnt sind. Jedoch kann das Montessori-Konzept, wenn richtig angewandt und wie von Maria Montessori erdacht, durchaus positiv auf ein Kind einwirken, sowohl damals als auch heute. Förderung von Engagement und Individualität sind an sich gute Ansätze, auch wenn sie mit systemkonformen Alternativen anecken. Inwieweit Montessori’s Ideen sich einmal stärker im öffentlichen Bildungssystem abbilden könnten, bleibt abzuwarten.
Was haltet ihr vom Montessori-System? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare!
Berlin/Stuttgart. Nach der von Linken-Vorsitzenden Janine Wissler eingebrachten Forderung, Hausaufgaben abzuschaffen, ist eine neue Debatte zu dem Thema entbrannt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), selbst ehemals Lehrer, gab dabei Wisslers Forderung zuletzt Rückenwind.
„Der alltägliche Hausaufgaben-Stress vergiftet das Familienleben, bedeutet Streit, Überforderung, Tränen und schürt Aggressionen“, schrieb Wissler in einem Gastbeitrag für den Berliner Tagesspiegel. Hausaufgaben seien das „Outsourcing“ schulischer Lehre in die Familien, so Wissler. Das Bildungsniveau der Eltern dürfe jedoch nicht entscheidend für die Erfüllung schulischer Aufgaben sein. „Machen wir Schluss mit diesem Outsourcing schulischer Aufgaben in die Familien und an private Nachhilfeanbieter, die man sich erst mal leisten können muss“, forderte Wissler.
Auch für den baden-württembergischen Ministerpräsidenten spricht viel dafür, den Nutzen von Hausaufgaben zu überdenken. „Ich habe fast nie Hausaufgaben gegeben, weil ich vom Sinn der Hausaufgaben, von ihrem Erfolg, nicht sehr überzeugt war“, so der Grünen-Politiker. Hausaufgaben sollten jedoch nicht ersatzlos gestrichen, sondern durch eine bessere Ganztagesbetreuung ersetzt werden. Ausgerechnet damit tun sich jedoch viele Eltern in seinem Bundesland schwer, entsprechende Reformkonzepte in diese Richtung sind bislang nicht in Tritt gekommen.
Kritik an dem Vorstoß kam unter anderem aus Bayern. Dessen Kultusminister Michael Piazolo sagte dem Münchner „Merkur“, dass Hausaufgaben beim Lernen helfen würden, „wenn sie ein gewisses Maß nicht übersteigen“. Einer generellen Abschaffung steht Piazolo jedoch ablehnend gegenüber. Mehr Verständnis kam hingegen von der bayerischen Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Martina Borgendale. Grund hierfür wären die sozialen Unterschiede, die sich mit Hausaufgaben noch verschärfen könnten, sagte Borgendale gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Für “unverzichtbar” hält Hausaufgaben hingegen der bayerische Philologenverband. “Um Lerninhalte wirklich zu durchdringen, muss man sie selbst durchdenken. Und genau dieser Verstehensprozess findet auch am Nachmittag statt - mit lernpsychologisch sinnvollem Abstand zum Unterricht”, so der Landesvorsitzende Michael Schwägerl. Netzlehrer Bob Blume äußerte sich differenziert. Hausaufgaben “können sinnvoll sein”, würden aber in vielen Fällen eher das Ungleichgewicht zwischen Schülern, die zu Hause Hilfe bekommen und jenen, bei denen dies nicht der Fall ist, verstärken.
Der reale Nutzen von Hausaufgaben gilt in der Wissenschaft seit längerer Zeit als umstritten. Eine Studie des Pädagogen Bernhard Wittmann aus dem Jahr 1964 kam zu dem Schluss, dass Hausaufgaben keinen signifikanten Zuwachs an Kenntnissen und Fähigkeiten bei Schülern bewirken. Wittmann beobachtete für die Studie vier Monate lang Volksschulklassen der dritten und siebten Jahrgangsstufe, von denen einige von Mathematik- und Deutschhausaufgaben befreit wurden. Lediglich die Siebtklässler verbesserten damals teilweise ihre Rechtschreibfertigkeiten.
Eine Studie der TU Dresden gelangte 2008 zu ähnlichen Ergebnissen. "Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser", erklärte Hans Gängler von der Fakultät Erziehungswissenschaften der TU Dresden die Studienergebnisse, "und schlechte Schüler begreifen durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben." Die Forschenden befragten für ihre Erhebung mehr als 1300 Schüler und 500 Lehrkräfte an sächsischen Ganztagsschulen. Bei drei Vierteln der Schüler stellte sich durch Hausaufgaben kein messbarer Lernerfolg ein. Andreas Wiere, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät für Erziehungswissenschaften, bezeichnete Hausaufgaben als „nicht mehr als ein pädagogisches Ritual“. Hilfreicher sei gezielte Förderung durch zusätzliche Trainingsstunden, so Wiere.
In den vergangenen Jahren scheint in der Praxis zumindest ein gewisses Umdenken stattgefunden zu haben: Junge Lehrer geben im Schnitt weniger Hausaufgaben auf als ihre älteren Kollegen.
Wann immer es um Sexualpädagogik geht, ist der richtige Umgang bei der Aufklärungsarbeit und Inhalt der Informationsvermittlung stark umstritten. Verständlicherweise, denn es handelt sich um ein hochsensibles Thema, das Schutzbefohlene betrifft. Daher ist ein Diskurs zwischen Eltern, Lehrer:innen, Schulsozialarbeiter:innen, Schülervertreter, Pädagogen und Mediziner sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Handlungsempfehlung äußerst wichtig. Lehrer-News möchte euch mit diesem Artikel einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der Debatte geben.
Sexualpädagogik ist im deutschsprachigen Raum weder ein geschützter Begriff noch eine geschützte Berufsbezeichnung, d.h. jeder, der eine Zusatzausbildung hat, darf seine Arbeit auch als sexualpädagogisch bezeichnen. Sie geht weiter als der Sexualkundeunterricht, da er nicht nur grundlegende Informationen und Wissen vermitteln, sondern den Schüler:innen auch Basiskompetenzen näherbringen möchte, die einer selbstbestimmten Sexualität in Verantwortung verhelfen sollen.
In einer Umgebung, wo eine frühe Konfrontation mit sexualisierten Medien und Inhalten durch Film und Internet möglich ist, ist eine souveräne Haltung von Bildungseinrichtungen gefragt, welche in Anbetracht der gesellschaftlichen Veränderungen, Schüler:innen unterstützend, informierend und aufklärend beisteht. Zudem hat der Schutz gegen Missbrauch und Gewalt von Kindern und Jugendlichen höchste Priorität, weshalb sich die Sexualpädagogik auch als Präventionsmaßnahme sieht.
„Sexualpädagogik ist ein bildungspolitischer Auftrag vom Schuleintritt bis zum Schulaustritt, der Kinder und Jugendliche dabei unterstützen soll, eine positive Haltung zu ihrer Sexualität und zu ihrer Geschlechtlichkeit zu entwickeln damit sie selbstbestimmt und verantwortungsvoll mit sich aber auch mit anderen umgehen können“ heißt es in der Moderation der Podiumsdiskussion „Reizthema Sexualpädagogik: Kompetenzvermittlung oder Übergriff“ vom April 2022. Mit an der Podiumsdiskussion beteiligt waren Dr. Olaf Kapella – tätig am Österreichischen Institut für Familienforschung und Mitgestalter der WHO-Standards für die Sexualaufklärung in Europa, Dr. Christian Spaemann – Facharzt für Psychiatrie, Suha Dejmek – Initiatorin von kindgerecht.at, Dr. Peter Stippl – Professor und Präsident des Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie und Leni Kesselstatt – Initiatorin von sexualerziehung.at.
In den Impulsvorträgen wurden zwei unterschiedliche Positionen vertreten. Dr. Olaf Kapella erläutert zu Anfang seiner Präsentation die Definition von Sexualpädagogik, dass diese nicht auf die reine „Genitalität“ zu beschränken sei sondern vielmehr um menschliche Grundbedürfnisse handele, welches u.a. mit Nähe, Geborgenheit, Vertrauen und Offenheit zu tun habe. Auch das Erkennen und Benennen von Gefühlen sowie das Setzen und Respektieren von Grenzen stand im Fokus, welche in der Sexualpädagogik „möglichst früh grundzulegen und aufrechtzuhalten“ ist. Des Weiteren werden auch Prävention und Schutz, Kompetenzen (emotional, körperlich, kommunikativ), Gesundheit, Wohlbefinden und Würde, sexuelle Entwicklung, respektvolle soziale und sexuelle Beziehungen sowie Rechte thematisiert. Dazu seien Vertrauens- und Bezugspersonen außerhalb der Familie äußerst wichtig für Kinder, da Gewalt und Missbrauch ebenfalls oft innerhalb des Familienkreises stattfinden. Durch die Bereitstellung von weiteren Ansprechstellen und Beratungsstellen erfülle die Sozialpädagogik dahingehend eben auch ihre Schutzfunktion.
„Pädagogik ist anfällig für Ideologien, ist eine Spielwiese für Ideologien“, eröffnete Dr. Spaemann seinen Vortrag. Ihm zufolge hat die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ – der sogenannte Mainstream der heutigen Sexualpädagogik – zwei Hintergründe. Zum einen würde sie aus der „neo-emanzipatorischen Sexualpädagogik“ der 80er Jahre stammen, wofür im deutschsprachigen Raum Helmut Kentler und im englischsprachigen Raum Herbert Marcuse als Verfechter galten. Zum anderen kommt sie aus der Gendertheorie, welche aus den 90er Jahren stammt und zurück zum Neostrukturalismus in der Philosophie (Jacques Derrida, Judith Butler) führt. In vielen Beispielen, welche er daraufhin aufbringt, sieht er eine äußerst problematische Entwicklung der derzeitigen Sexualpädagogik, wo eine “erwachsene Vorstellung von Sexualität in die Kinderwelt hineingetragen wird”, auch “moralische Indoktrination" und “gesellschaftspolitische Annahmen” werden in diesem Zusammenhang erwähnt.
In einer hitzigen Diskussion im Anschluss an die Vorträge tauschen sich die Expert:innen aus. Da vor allem der von Spaemann erwähnte Helmut Kentler mit seinen sogenannten Kentler-Experimenten als Skandal und Missbrauchsfall noch heute vom Berliner Senat und zahlreichen anderen Akteuren aus der Wissenschaft und Politik aufgearbeitet wird, ist der Titel der Veranstaltung gerade passend. Auch praxisnahe Berichte bezüglich negativen Erfahrungen mit externen Vereinen zur Unterstützung des schulischen Unterrichts und zu den WHO-Standards wurden Stellung bezogen.
Für viele der heutigen Politiker:innen, Bildungseinrichtungen, Gesundheitsexpert:innen und Fachkräfte, die in den Bereichen Bildung und Gesundheit tätig sind, gelten die Informationen der WHO-Standards als Anleitung für eine gesamtheitliche Sexualaufklärung. Diese werden in der weiteren Arbeit mit Minderjährigen als Hilfestellung verwendet. Die WHO-Standards für die Sexualaufklärung in Europa sind als Grundlage für die gesamte europäische Region der WHO (mit aktuell 53 Mitgliedsstaaten) zu verstehen, welches sich zum Ziel „die positive Haltung zu Sexualität und der Gewalt- und Missbrauchsprävention“ gesetzt hat. Entworfen wurden die Standards 2008 vom Regionalbüro der WHO in Zusammenarbeit mit der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Sie gibt auf 54 Seiten Richtlinien und Empfehlungen dazu, was Kinder und Jugendliche in verschiedenen Alterskategorien lernen und können sollten.
Fraglich ist jedoch, ob die Standards den heutigen Anforderungen gerecht werden. Dr. Stephanie Merckens – österreichische Rechtsanwältin und Leiterin des Bereichs Politik im Institut für Ehe und Familie (IEF), betrachtet dies kritisch. Ihren Aussagen zufolge waren bereits bei der Erstellung der Standards zum einen nur 9 der 53 Mitgliedsstaaten vertreten, zum anderen wären nur Pauschalaussagen ohne Quellenangaben getroffen worden. Als Hauptkritikpunkt sieht sie die zu frühe Konfrontation mit Themen zur Sexualität, die behandelt werden, noch bevor die Schüler:innen sich in der Entwicklungsphase befinden. Dadurch würden gerade die Schamgrenzen, welche Merckens zufolge als natürliche Schutzfunktion zu verstehen sind, im Gegenteil eher abgebaut als, dass die Kinder und Jugendlichen vor Missbrauch geschützt werden.
Prof.Dr. Karla Etschenberg – Diplom-Pädagogin und Lehrerin an Grund- und Hauptschule im Fach Biologie verfasste 2019 eine umfangreiche Stellungnahme zu den Standards, in welche sie unter den Punkten “Intransparenz”, “Fachlich unzeitgemäße Sichtweise/Akzentuierungen”, und “Sonstiges” sowohl fragwürdige Quellen, Interpretation kindlicher Verhaltensweisen und Ausführung überholter Modelle im Detail kritisiert.
Auch Mitverfasser Dr. Olaf Kapella betont, dass die WHO-Standards nun bereits als 11 Jahre alt sind und möchte sich daher ebenfalls nicht auf alle Aussagen stützen. Er sehe jedoch keine geplante Neubewertung oder Überarbeitung der Broschüre seitens der WHO in naher Zukunft kommen.
Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages dokumentierten zuletzt 2016 die unterschiedlichen Konzeptionen und Praxen der Bundesländer bezüglich der Sexualerziehung in Schulen. Dieser ging aus einer öffentlichen Debatte über „Sexuelle Vielfalt und ihre Behandlung im Unterricht im Grundschulbereich“ und „ab welchem Alter sich Schüler:innen mit Fragen der Sexualität in den Schulen beschäftigen sollen“ hervor.
Die BZgA bietet zudem im Auftrag des Schwangerschaftskonfliktgesetzes (SchKG) auf ihrer Webseite kostenlos Infomaterialien zur Sexualaufklärung und zur Familienplanung an. Auch eine Liste an Internetangeboten ist vorhanden, darunter:
Die Angebote sind zum Teil für Schüler:innen, aber auch für registrierte Lehrkräfte gedacht. Erkenntnisse aus Forschungsprojekten und Studien bis hin zu Foren zu Themen wie Liebe, Partnerschaft, Sexualität und Verhütung ist alles dabei.
Als Fazit kann gesagt werden, dass die Kritik sowie die Sorge der Eltern in einigen Fällen durchaus notwendig und berechtigt sind. Über, das Sexualpädagogik kindgerecht, altersgerecht und entwicklungssensibel sein sollte, scheinen sich die Parteien allerdings einig zu sein. Wie geht ihr mit den Themen der Sexualaufklärung im Unterricht um? Welche Materialien verwendet ihr? Was würdet ihr euch diesbezüglich wünschen? Teilt uns eure Meinung gerne in den Kommentaren mit.
Berlin. Das Projekt ”Wer Macht Meinung?” hat sich zum Ziel gesetzt, die Vielfalt im deutschsprachigen Journalismus zu fördern, sowohl in Bezug auf die behandelten Themen als auch auf die Zusammensetzung der Redaktionen. Die Kampagne wurde von Jeannette Gusko, Kübra Gümüsay, Salsabil Hamadache, Elisa Harlan, Julia Kloiber und Cecilia Palmér initiiert und ist eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen gemeinnützigen Organisationen, darunter future_s und SUPERRR Lab. Die Gruppe hat monatelang Daten gesammelt, analysiert und visualisiert, um die Ergebnisse auf der Website zu präsentieren. Durch die Veröffentlichung dieser Ergebnisse hoffen sie, eine Debatte anzuregen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Vielfalt im Journalismus zu verbessern.
Im Rahmen der Untersuchung wurden drei Stichproben durchgeführt und dabei fast 15.000 Artikel aus den Jahren 2021, 2022 und 2023 analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass lediglich 20 Prozent der untersuchten Artikel von Frauen verfasst wurden, während 52 Prozent von Männern stammen. Die durchgeführte Analyse über alle Medien hinweg zeigt, dass insgesamt mehr Männer als Frauen als Autor:innen tätig sind. Keines der untersuchten Medien wies eine ausgewogene Geschlechterverteilung bei den veröffentlichten Artikeln auf, mit Ausnahme der ZEIT. Besonders auffällig war der extrem niedrige Frauenanteil von nur 14 Prozent bei den analysierten Artikeln des Online-Angebots der BILD-Zeitung.
Obwohl die taz von drei Frauen geleitet wird, sind bei dieser Zeitung über die Hälfte der Artikel (58 Prozent) von männlichen Autor:innen verfasst, während Frauen nur knapp 28 Prozent der ausgewerteten Artikel schreiben.
Selbst das Mittelfeld der untersuchten Medien schneidet nicht gut ab. Der Frauenanteil bei der SZ, FAZ und SPON liegt lediglich zwischen 19 Prozent und 23 Prozent aller Autorinnen, was bedeutet, dass nur etwa jede vierte bis fünfte Autor:in weiblich ist.
Es ist wichtig zu betonen, dass sowohl Bild.de als auch Spiegel.de (SPON) unter den Top 5 der reichweitenstärksten Nachrichtenseiten in Deutschland sind. Ihre Artikel werden von Millionen Menschen gelesen und haben somit einen bedeutenden Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung. Trotz manueller Auswertung konnten viele Artikel nicht eindeutig dem Geschlecht ihrer Autorinnen zugeordnet werden. Dies betraf bei allen untersuchten Medien zwischen 10 und 28 Prozent der ausgewerteten Artikel. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Zum einen wurde in einigen Fällen ausschließlich auf Agenturmaterial zurückgegriffen, bei dem lediglich Kürzel wie "dpa" oder "afp" angegeben und keine Namen genannt wurden. Zum anderen waren in manchen Fällen die Autorinnen-Kürzel nicht eindeutig zuzuordnen oder es wurde als Verfasser schlichtweg "die Redaktion" angegeben.
Diese Recherche zeigt: In den Redaktionen deutscher Medien herrscht eine eklatante Schieflage in Bezug auf das Geschlechterverhältnis. Nur jede vierte bis fünfte Autor:in ist eine Frau. Besonders auffällig ist die geringe Anzahl weiblicher Autorinnen bei BILD.de mit lediglich 14 Prozent. Dieser Zustand ist laut “Wer Macht Meinung?” inakzeptabel und eine Gefahr für unsere Demokratie. Denn nur mit vielfältigen Perspektiven kann eine Gesellschaft in ihrer ganzen Komplexität differenziert berichtet werden. Weiterführend müssen Maßnahmen ergriffen werden, um mehr Vielfalt in den Redaktionen zu fördern und somit die Handlungsfähigkeit der Medien zu stärken.
“Wer Macht Meinung?” rufen alle Medienhäuser, Zeitungen und Newsrooms dazu auf, transparenter zu sein und ihre Daten bezüglich der Geschlechterrepräsentation in ihren Artikeln zu veröffentlichen. Sie fordern uns gleichzeitig auf, sich aktiv mit Diversität in der eigenen Berichterstattung auseinanderzusetzen, verschiedene Perspektiven zu fördern und zu unterstützen sowie sich kontinuierlich selbstkritisch zu hinterfragen.
Frankfurt, 04.04.2023 – Die Chancenstiftung startet in diesem Monat ihr neues Projekt „Sprache als Chance“, das bundesweit Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 18 Jahren mit Migrations- und Fluchtgeschichte unterstützt. Die jungen Menschen können über einen Zeitraum von 12 Monaten Angebote im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) in Anspruch nehmen. Bei Bedarf erhalten sie zudem Unterstützung in anderen Schulfächern.
„Gute Deutschkenntnisse sind nicht nur eine notwendige Voraussetzung dafür, dass Kinder und Jugendliche erfolgreich an Bildung und Ausbildung teilhaben können, nur sie garantieren auch, dass die jungen Menschen ihre Bedürfnisse und Wünsche, ihre Sorgen und Ängste auszudrücken und ihre Zukunft aktiv zu gestalten vermögen“, fasst Stiftungsgründer Dr. Christoph Börsch die Motivation für das neue Projekt „Sprache als Chance“ zusammen.
Mit „Sprache als Chance“ knüpft die Chancenstiftung an ihr erfolgreiches Projekt #Chance4Ukraine an, in dessen Rahmen im vergangenen Jahr fast 300 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine sowie weiteren Ländern über einen Zeitraum von vier Monaten DaZ-Unterricht erhielten. Die Stiftungsverantwortlichen freuen sich besonders darüber, dass viele dieser jungen Menschen im Projekt „Sprache als Chance“ nun eine Anschlussförderung erhalten können.
Vorgesehen sind zunächst 150 Projektplätze, für die Teilnehmenden wird mit Blick auf die derzeit hohen Lebenshaltungskosten der sonst in den Förderprogrammen der Chancenstiftung übliche Elternbeitrag übernommen.
Möglich gemacht wird „Sprache als Chance“ durch die Unterstützung der international aktiven Kinderhilfsorganisation BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ sowie den Förderpartner der Chancenstiftung, die Crespo Foundation.
Nach Angaben des Bundesamts für Umwelt hat etwa ein Prozent der weltweiten Bevölkerung Autismus. Das mag im ersten Moment wenig klingen, bedenken wir jedoch, dass es im Schuljahr 2022/2023 bundesweit etwa 11,1 Millionen Schüler:innen gibt, können wir alleine in Deutschland von ungefähr 100.000 zu beschulenden Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung ausgehen. Deshalb ist es unabdingbar, dass Lehrkräfte nötige Handlungshinweise erhalten, die Schüler:innen mit Autismus (der zeitgemäße und medizinisch korrekte Term lautet Autismus-Spektrum-Störung, kurz: ASS), ihnen selbst und allen anderen Schüler:innen den Schulalltag erleichtern. Zwar gibt es während des Lehramtsstudiums Module, die etwa die Grundfragen der Sonderpädagogik lehren, jedoch gestaltet es sich oftmals schwierig dieses theoretische Wissen gelungen in den Schulunterricht zu übertragen und einen passenden Umgang mit Schüler:innen mit einer ASS zu implementieren. Anlässlich des gestrigen Welt-Autismus-Tags haben wir für euch fünf praxisnahe Hinweise zusammengetragen, die den Umgang mit der Autismus-Spektrum-Störung möglichst erleichtern.
Wenn ihr erfahren habt, dass ihr eine:n Schüler:in mit einer ASS unterrichten werdet, ist es von großem Vorteil, ein Treffen mit dem Kind und einem Elternteil, möglichst in der Schule, zu vereinbaren. So kann das Kind nicht nur euch, sondern auch das Schulgebäude und die Klassenräume kennenlernen und somit langsam ein gewisses Vertrauen zu der Umgebung aufbauen und wird am ersten Schultag nicht mit einer schweren Reizüberflutung belastet. Ebenfalls könnt ihr so ein Kommunikationssystem mit den Eltern aufbauen, die individuellen Bedürfnisse und Eigenschaften des Kindes erfahren und nach persönlichen Tipps der Eltern fragen. In Absprache mit den Eltern und falls es überhaupt erforderlich ist, könnt ihr euch dafür stark machen, dass das Kind eine:n Schulbegleiter:in bekommt, damit ihr im Unterricht entlastet werdet. Zuletzt solltet ihr euch darüber erkundigen, ob es seitens des Kindes und der Eltern erwünscht ist, der Klasse mitzuteilen, dass eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegt.
Wenn in Absprache mit den Beteiligten eine Aufklärung zum Thema ASS innerhalb der Klasse erwünscht ist, wäre es hilfreich, eine fachkundige Person (Schulpsychologe) zur Rate zu ziehen, die sachlich und leicht verständlich über die ASS aufklären kann. In diesem Zusammenhang sind auch Rollenspiele möglich, da sie den Perspektivwechsel trainieren und bei Kindern oftmals mehr Einklang finden. Ziel des Gesprächs sollte also sein, Verständnis für die ASS zu schaffen. Denn ohne Verständnis funktionieren weder Sensibilisierung noch Bereitschaft zu helfen. Während des Klassengespräches solltet ihr stets darauf achten, dass sich das Kind mit der Autismus-Spektrum-Störung nicht bedrängt und unwohl fühlt.
Die Geräuschkulisse in einem herkömmlichen Klassenzimmer kann Schüler:innen mit einer ASS teilweise zu stark in Anspruch nehmen. Sollte eure Schule über ausreichend Räumlichkeiten verfügen, kommt die Bereitstellung eines Ruheraums vielen Kindern mit einer ASS entgegen. Sie können sich hier, falls nötig, in den Pausen vom unterrichtlichen Trubel erholen oder gegebenenfalls in Ruhe und ohne Ablenkung arbeiten. Falls Eure Schule diese zusätzlichen Kapazitäten nicht besitzt, ist es alternativ auch möglich, einen kleinen Bereich im Klassenzimmer abzugrenzen, damit zumindest visuelle Reize entfallen. Allgemein sollte ein separater Raum möglichst reizarm sein.
Besonders anfangs ist es sehr gut für das Wohl des Kindes, wenn der Unterricht einen bestimmten, immer wiederkehrenden Ablauf hat, sodass Schüler:innen mit einer ASS sich nicht zusätzlich auf eine neue Unterrichtsform konzentrieren müssen, sondern all ihr Konzentrationsvermögen dem Unterrichtsinhalt widmen können. Damit der Unterricht für alle anderen Schüler:innen aber nicht langweilig und redundant wird, könnt ihr Schüler:innen mit einer ASS im Vorhinein visualisierte Unterrichtspläne zur Verfügung stellen, damit sie sich entsprechend vorbereiten können. Wichtige Informationen sollten generell verbal und visuell und entscheidende Veränderungen immer mit einer gewissen Vorlaufzeit kommuniziert werden. Insbesondere Ironie und Sprichwörter sollten dann vermieden werden.
Ein praktisches Hilfsmittel für den Unterricht sind Signalkarten. Die könnt ihr verwenden, um die Konzentration der Schüler:innen auf belangreiche Themen zu lenken. Das ist bei Kindern mit einer ASS oftmals förderlich, da es ihnen schwer fallen kann, die Relevanz bestimmter Informationen abzuwägen. Ihr könnt Signalkarten also nutzen, um auf bestimmte Unterrichtsmaterialien aufmerksam zu machen, eine Pause anzukünden oder zum Beispiel um Ruhe zu bitten. Gleichzeitig sind Signalkarten auch für die Kinder hilfreich, um auf nonverbale Art zu kommunizieren. Beispielsweise können sie so nach Hilfe fragen oder zum Ausdruck bringen, dass sie etwas zum Unterricht beitragen können.
Bei aller angebrachter Fürsorge solltet ihr aber darauf achten, dass der Schonraum des Kindes ein gewisses Maß nicht überschreitet. Der Kontakt zu Mitschüler: innen darf – wie bei jedem anderen Kind auch – nicht vernachlässigt werden und auch für Kinder mit einer ASS ist es wichtig, die eigene Komfortzone auszutesten und zu erweitern. Natürlich dürfen die anderen Schüler:innen der Klasse auch nicht unter den möglichen Unterrichtsanpassungen leiden, genauso wenig wie ihr selbst! Zusätzliche Hilfe, Beratung oder Expertise an Bord zu holen, hat häufig einen helfenden und entlastenden Effekt und ist jederzeit möglich, schreckt davor also nicht zurück.
Wenn ihr noch mehr über die Autismus-Spektrum-Störung wissen wollt, findet ihr hier einen weiteren Artikel von uns dazu.
Habt ihr bereits Erfahrungen mit der Autismus-Spektrum-Störung in der Schule gesammelt? Schreibt uns doch gerne dazu einen Kommentar!
Die Wahl der passenden Schulsoftware ist längst nicht mehr eine Entscheidung, die rein auf Funktionalität beruht. Die Abhängigkeit von großen US-Konzernen, wie Microsoft, Google oder Apple, wirft vermehrt ethische Aspekte auf. Im Zentrum der Debatte stehen der Datenschutz und das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Schulen müssen sich immer mehr Gedanken darüber machen, wie sie die persönlichen Daten von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften schützen können. Die Verwendung von proprietärer (also kommerzieller) Software, die von den genannten Konzernen angeboten wird, birgt oft das Risiko, dass diese Unternehmen Zugriff auf sensible Daten erhalten. Dies kann in der Folge zu Missbrauch oder Datenpannen führen.
Im November 2022 wurde zudem mit einem Beschluss der Datenschutzkonferenz die Datenschutzkonformität von Microsoft 365 für Schulen für ausgeschlossen erklärt. Vor diesem Hintergrund zeigen wir euch, wie ihr freie und quelloffene Alternativen findet und stellen euch mit diesem Artikel acht freie Tools vor, die ihr in euren Schulalltag integrieren könnt.
Open-Source-Software (OSS) basiert auf offen gelegten und einsehbarem Quellcode und bietet mehr Transparenz und Kontrolle über die Daten. Dabei ist freie Software grundsätzlich kostenlos. Zudem gibt es eine aktive Community von Entwicklern und Nutzern, die sich für die Entwicklung und Verbreitung von freier Software einsetzen. Die Verwendung von OSS in Schulen würde dazu beitragen, eine sichere, transparente und demokratische Umgebung für Lernen und Lehren zu schaffen. Ein Beispiel für eine sehr gut funktionierende OSS ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia.
DiLer ist eine Lernplattform, die nahtlos am Schulalltag anknüpft und eine hervorragende Alternative zu bspw. Bildungsinhalt auf Youtube darstellt. Sie eignet sich für alle Schularten, jedoch besonders gut für Grundschulen, da die Kommunikation und Dokumentation zwischen allen Personen, die am Schulleben beteiligt sind, also Eltern, Schüler:innen oder Lernbegleiter:innen problemlos über die Plattform durch das Schultagebuch stattfinden können. Kompetenzraster, Lernaufgaben, Zusatzmaterialien, Kompetenzprüfungen sowie Zeugnisformulare können leicht in DiLer integriert und ausgewertet werden. Außerdem haben die Schüler:innen, unabhängig von Ort und Zeit, Zugriff auf alle Lernmaterialien und können durch das Nachrichtensystem bei Fragen leicht den Kontakt zu ihren Lehrer:innen aufnehmen.
LibreOffice dürfte den meisten von euch schon bekannt sein. Das Office-Paket bietet mittlerweile einen ähnlichen Funktionsumfang wie das Microsoft Office. Die freie Office-Suite ist im Hinblick auf die Lizenzkosten definitiv die bessere Option, da sie naturgemäß gratis angeboten wird. LibreOffice Writer, also das Textverarbeitungsprogramm von LibreOffice, kann auch Microsoft Office Dateien lesen und schreiben. Die Darstellung von Dateien aus Word, Excel und Powerpoint ist durch verbesserte Import- und Exportfilter sehr nah am Original und wirft nur Probleme bei komplexeren Dateien (mit komplex formatierten Grafiken etc.) auf. Zu den Features gehören: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation, Zeichenprogramm und Formeleditor.
Auf Anki kann man eigene digitale Karteikarten erstellen. Sie wird häufig von Medizinstudenten oder Sprach-Enthusiasten empfohlen, da das Prinzip des Programms auf einer sehr effektiven Lernstrategie namens „Spaced Repetition Method“ – auf Deutsch zeitlich verteilte Wiederholung bzw. Intervall-Lernen genannt, basiert. Der Lernstoff wird dabei, je nach individuellem Wissensstand, durch den Algorithmus in immer größer werdenden Zeitabständen mehrmals wiederholt. Zudem gibt es bereits eine große Gemeinschaft an Menschen, die Tipps und Tricks rund um Karteikarten erstellen und lernen, auf Anki teilen und austauschen. Daher kann Anki im Unterricht für Schüler:innen für die Nachbereitung von Unterrichtsstoff, oder die Vorbereitung auf Prüfungen eine große Hilfe sein. Es gibt sowohl eine kostenlose PC-Version als auch eine Handy-App.
Die Lernplattform Moodle ist weltweit eine der beliebtesten online Lernumgebung und bietet jeder Schule die Möglichkeit, kostenlos ein professionelles Learning Management System (LMS) zu nutzen. Schulen können für ihre Schüler:innen einen Account einrichten und diese in Klassen und Kursen organisieren. Dazu können Aufgaben erstellt und Arbeitsmaterial als Downloads von Lehrenden angeboten werden. Auch das Hochladen von Lösungen zur einfachen Bewertung gelingt auf der Lernplattform Moodle. Für Schulen in Deutschland ist es sinnvoll, Moodle über das kostenlose Angebot eines Bundeslandes zu nutzen. Die folgenden Bundesländer bieten für ihre Schulen bereits ein kostenloses Lernmanagement System an, das Moodle integriert:
Bei Mastodon handelt es sich um einen Dienst für Microblogging. Ähnlich wie bei Twitter liegt der Zweck in der Verbreitung von kurzen Nachrichten (Text, Bilder, Videos, Links) an die sogenannten Follower. Die Nachrichten sind auf 500 Zeichen begrenzt und werden in einer Art Zeitleiste chronologisch eingeordnet. Ein wesentlicher Unterschied zu Twitter ist zudem, dass es auf Mastodon auch private Profile gibt, die nur von Menschen eingesehen werden können, die der jeweiligen Person folgen. Bei sensiblen Inhalten kann auch ein „Content Warning“ eingestellt werden. Zurzeit finanziert sich das soziale Netzwerk durch die Arbeit von Freiwilligen und durch Spenden. Einige Freiwillige betreiben private Server (Knotenpunkte), damit die große Anzahl von Nutzer gestemmt werden kann. Diese Knotenpunkte werden im Hintergrund zu einem „Federated Universe“ (Fediverse) zusammengebunden, sodass die Kommunikation für alle auf Mastodon unabhängig vom Server möglich ist. Mastodon ist sowohl für iOS (iPhone und iPad) als auch für Android verfügbar.
Das Kommunikationssystem BigBlueButton hat eine große Zukunft vor sich, da immer mehr Bundesländer darauf setzen. Sie kann für die Lehre didaktisch gut genutzt werden und ist außerdem browserbasiert, das heißt eine Sicherstellung, dass für jedes Endgerät eine App vorhanden ist (bspw. für Linux-Nutzer), ist nicht notwendig. Zu den Funktionen gehören u.a. Konferenzräume teilen und Leute einladen, Gemeinsam zeichnen und Notizen machen, Live-Umfragen oder Breakout-Räume erstellen. Zur Anwendung von BigBlueButton haben wir zudem bereits einen Artikel verfasst.
Es gibt vielerlei Linux-Distributionen, die speziell für den Schuleinsatz gedacht sind. Je nach Lokalisierung, Dokumentation, Zielgruppe, Einsatzgebiet oder Einrichtungsaufwand können diese jedoch variieren.
Firefox ist ein Webbrowser, der auf allen Betriebssystemen einwandfrei funktioniert. Er bietet zahlreiche Themes, Plugins und Erweiterungen, die zusätzlich an die Bedürfnisse der Schüler:innen angepasst werden können. So kann auch Google, welches bei Firefox als Standardsuchmaschine erscheinen wird über die Einstellungen zu DuckDuckGo umkonfiguriert werden, um den genwünschten Datenschutz sicherzustellen.
Open-Source-Software ist eine oft kostengünstigere und weitaus datenschutzfreundliche Variante, jedoch sind viele Schulen noch sehr zögerlich bei der Wahl von nicht-kommerzieller Software. Unsicherheiten bzgl. der Qualität, der Benutzerfreundlichkeit, rechtlichen Risiken und „Sicherheitslücken“ begründen das Zögern größtenteils. Für Open-Source-Interessierte aus dem professionellen Bereich (Schulträger, Bildungsinstitute) sowie privaten Bereich möchten wir daher noch zusätzlich folgende Anlaufstellen vorstellen:
Für diejenigen, die sich mit dem Thema Schulsoftware allein gelassen fühlen und Unterstützung brauchen oder sich dafür interessieren, in welchen Schulen es gut läuft und wie die Erfahrungswerte sind, gibt es den Verein DigitalCourage e. V. Im Netzwerk Freie Schulsoftware findet sich eine Sammlung von Kontaktpersonen aus verschiedenen Schulen und Bundesländern, die bereits eine oder mehrere Open-Source-Angebote in ihren Schulalltag integriert haben und mit anderen über die Tauglichkeit der Programme im Austausch stehen. Außerdem bietet sie ein Verzeichnis von 150 OSS-Programmen an, die fächer- oder länderspezifisch gesucht werden können.
Ein weiteres Verzeichnis mit über 400 Open-Source-Alternativen zu proprietärer Software findet man auch auf der Seite opensourcealternative.to. Über die Option “Add project” kann zusätzlich ein Formular ausgefüllt werden, wenn es nach Meinung der Nutzer Alternativen gibt, die noch nicht ausgeführt wurden und einen Eintrag wert sind. So stellt die Seite zusammen mit den GitHub-Metriken, die täglich gepflegt werden, sicher, dass die Informationen stets aktualisiert bleiben. Die Suchfunktion kann nach beliebte Kategorien, Lizenzen und Sprachen gefiltert genutzt werden.
Wir hoffen, dass ihr durch diesen Artikel einen kleinen Einblick in die Welt der Open-Source-Software erhalten habt. Wenn ihr weitere Fragen oder Tipps zum Thema habt, lasst uns gerne einen Kommentar da!
Düsseldorf. Der Lehrer:innenverband SchaLL (Schutzgemeinschaft angestellter Lehrerinnen und Lehrer) hat ein Sondervermögen von 25 Milliarden Euro für Bildung in Nordrhein-Westfalen gefordert. Die Investitionen sollen Schulneubauten, -sanierung und -modernisierung, Räume und Personal der Offenen Ganztagsschule (OGS), eine hochwertige und nachhaltige digitale Infrastruktur sowie eine gleich gute Ausstattung aller Schulen in NRW unabhängig von der Finanzkraft der Kommunen umfassen.
Hintergrund der Forderung ist die aktuelle Bildungskatastrophe in NRW. Der dramatische Lehrkräftemangel von derzeit 8.000 unbesetzten Lehrstellen ist erst der Anfang. Die Kultusministerkonferenz geht von 25.000 fehlenden Lehrkräften bis 2025 aus, das Institut der deutschen Wirtschaft gar von einer Lücke von bis zu 70.000 Lehrkräften. Dieser eklatante Personalmangel führt zu einem dramatischen Unterrichtsausfall mit fatalen Folgen für die gesamte Gesellschaft. NRW rangiert bei den Bildungsausgaben auf Platz 16 von 16 Bundesländern. Aus Sicht des Lehrer:innenverbandes benötigt das Land dringend ein Sondervermögen, um diese Investitionen zu tätigen und den Lehrermangel langfristig zu lösen.
Die aus Sicht des Verbandes realitätsfernen Vorschläge der Kultusministerkonferenz zur Gewinnung von Lehrkräften haben in den Lehrerzimmern für Empörung gesorgt. Sie sind als kontraproduktiv zu sehen, weil sie den drohenden Kollaps des Bildungssystems noch befördern. Die finanzielle Aufteilung der Mittel für Bildung zwischen Bund, Ländern und Kommunen muss dringend neu verhandelt werden, dazu gehört die vollständige Aufhebung des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern. Der Lehrer:innenverband SchaLL betont, dass die Bildungsausgaben in NRW seit Jahren stagnieren und dringend erhöht werden müssen. Die Forderung nach einem Sondervermögen von 25 Milliarden Euro für Bildung ist daher ein dringender Appell an die Politik, endlich zu handeln.
Die Investitionen sollen nicht nur den Lehrermangel beheben, sondern auch die Qualität der Bildung in NRW verbessern. Eine hochwertige und nachhaltige digitale Infrastruktur ist dabei genauso wichtig wie Schulneubauten und Schulsanierung. Auch die Räume und das Personal der Offenen Ganztagsschule (OGS) müssen dringend verbessert werden. Der Lehrer:innenverband SchaLL fordert außerdem eine Einkommensgleichstellung zwischen angestellten und verbeamteten Lehrkräften sowie eine massive Qualifizierungsoffensive für den Quer- und Seiteneinstieg. Die Soforthilfe für die mehr als 1800 Brennpunktschulen in NRW mit dem Schwerpunkt Ruhrgebiet sowie Gewaltprävention sind weitere wichtige Forderungen des Verbandes.
Es bleibt abzuwarten, ob die Politik auf die Forderungen des Lehrer:innenverbandes reagieren wird. Angesichts der dramatischen Lage im Bildungssystem von NRW ist schnelles Handeln jedoch unumgänglich, um den drohenden Kollaps zu verhindern.
Hamburg. Zwischen 2019 und 2022 haben vier Hamburger Schulen in Kooperation mit dem Absentismusforscher Heinrich Ricking das Forschungsprojekt „Jeder Schultag zählt“ durchgeführt. Ziel dieser Initiative ist es gewesen, Schulabsentismus – also das Fernbleiben der Schüler:innen vom Unterricht – zu vermeiden, indem der Raum Schule attraktiver wird, Schüler:innen zu schulischer Teilhabe motiviert werden und der Umgang mit abwesenden Schüler:innen optimiert wird. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von der Joachim Herz Stiftung, der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S, der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung.
Absentismus ist, da es in vielen verschiedenen Formen (Schulschwänzen, geistige Abwesenheit im Unterricht, Vortäuschung von Erkrankungen) auftritt und schwer identifizierbar ist, ein schwerwiegendes Problem für unser Bildungssystem. Ebenfalls liegt vielen Schulabbrüchen oftmals Absentismus zugrunde. Da 2020 beispielsweise 5,9 % aller Schulabgänger:innen, die Schule ohne einen Abschluss verlassen haben, ist es gerade wichtig an Konzepten zu arbeiten, die Absentismus nachhaltig hemmen können. Und Nina Lemmens, Programmvorständin der Joachim Herz Stiftung, konstatiert: „Unser Projekt ‘Jeder Schultag zählt’ liefert konkrete Maßnahmen, um die Anwesenheit in Schulen zu steigern.“
Erfolgsrezept gegen Schulabsentismus
Denn trotz dramatischer coronabedingter Rahmenbedingungen zeigten sich die ergriffenen Maßnahmen erfolgreich und alle beteiligten Schulen konnten relevante Fortschritte besonders bezüglich der Prävention von Absentismus verzeichnen. Konkrete Schritte dahingehend sind eine intakte Datenlage über An- und Abwesenheit, eine angemessene Reaktion auf Abstinenz, um die Wichtigkeit des präsent sein zu vermitteln, altersgerechte Räumlichkeiten und Außenbereiche, um die Bindung der Schüler:innen zu ihrer Schule zu stärken und aber auch der Schutz vor starken sozialen Konflikten oder gar Mobbing. Die Joachim Herz Stiftung hat diese und noch weitere erprobte Maßnahmen ausführlich auf ihrer Website aufgelistet, die Ihr hier finden könnt.
Die Joachim Herz Stiftung zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen der drei Jahre andauernden Initiative merkt jedoch abschließend an: „Das Projekt „Jeder Schultag zählt“ hat gezeigt, dass die Prävention von Absentismus nicht durch singuläre Maßnahmen erreicht werden kann, sondern in das Gesamtkonzept innerhalb einer positiven Schulkultur eingebettet werden muss.“
Absentismus deutschlandweit aus den Schulen zu bekommen, ist also in der Praxis ein Prozess, der auch auf Grund dessen, dass jede der vier Testschulen ein Budget von 10.000 Euro zur Verfügung gestellt bekommen hat, noch einen Weg vor sich hat. Dass es aber möglich ist, wurde durch „Jeder Schultag zählt“ bestätigt und gibt Mut zur Hoffnung.
Stuttgart. Im kommenden Jahr soll der Roman "Tauben im Gras" von Wolfgang Koeppen als Pflichtlektüre für das Abitur an beruflichen Gymnasien in Baden-Württemberg eingeführt werden. Das Werk, das im Jahr 1951 veröffentlicht wurde, hat jedoch für Kontroversen gesorgt. Einige kritisieren den Roman als rassistisch, da das "N-Wort" darin mehrmals verwendet wird. Andere sehen den Roman jedoch im Kontext der damaligen Zeit. Eine Lehrerin aus Ulm hat öffentlich gegen die Entscheidung protestiert. Das "N-Wort" wird heute als eine rassistische Bezeichnung für Schwarze verstanden, die in der Vergangenheit häufig verwendet wurde.
In "Tauben im Gras" erzählt Wolfgang Koeppen die Geschichte eines Jungen in der Nachkriegszeit, dessen Mutter eine Beziehung zu einem schwarzen GI hat. Der Roman wird der sogenannten Trümmerliteratur zugeordnet, die sich mit den Erfahrungen und dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt. Der verstorbene Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zählte das Buch zu seinen persönlichen Favoriten und nahm es in den Kanon der wichtigsten Werke deutscher Sprache auf.
Eine Petition, die von etwa 2.400 Personen unterzeichnet wurde, fordert, dass der Roman "Tauben im Gras" nicht als Pflichtlektüre für das Abitur verwendet werden soll. Die Initiatoren argumentieren, dass das Buch aufgrund seiner rassistischen Sprache nicht für den Unterricht geeignet sei. Schülerinnen und Schüler könnten während der Besprechung des Romans im Unterricht immer wieder rassistischer Diskriminierung ausgesetzt sein, insbesondere wenn sie beispielsweise das N-Wort vorlesen müssten. Initiiert wurde die Petition von der Ulmer Lehrerin Jasmin Blunt aus Ulm, die sich geweigert hatte, den Roman im Unterricht zu besprechen und damit die Diskussion auslöste.
Bernd-Stefan Grewe, Leiter des Instituts für Geschichtsdidaktik an der Universität Tübingen, hat als einer der ersten die Petition gegen die Abitur-Pflichtlektüre von Wolfgang Koeppens Roman unterschrieben. Grewe, der zukünftige Lehrkräfte in seinem Fach unterrichtet, hält das Buch für ungeeignet und kritisiert die rassistische Sprache sowie die stereotypen Charaktere im Werk. Insbesondere Schülerinnen und Schüler, die selbst Rassismuserfahrungen gemacht haben, könnten durch das Buch erneut traumatisiert werden. Grewe betonte, dass Lehrkräfte nicht dafür ausgebildet seien, mit solchen Situationen umzugehen. Grewe stellt auch die Frage, ob der Unterricht zukünftig stärker die Geschichte und Literatur anderer Nationen berücksichtigen sollte, insbesondere vor dem Hintergrund einer Schülerschaft mit Wurzeln in verschiedenen Ländern.
Die grüne Kultusministerin von Baden-Württemberg, Theresa Schopper, verteidigt die Entscheidung hingegen, Koeppens Roman als Pflichtlektüre für das Abitur einzusetzen. Sie betont, dass das Buch dazu dienen soll, die gesellschaftsprägende Wirkung von Rassismus aufzuzeigen – sowohl in der Zeit, in der der Roman geschrieben wurde, als auch heute.
Schopper betont gegenüber der Südwest Presse, dass es wichtig sei, dieses Thema im Unterricht zu behandeln. Die Kultusministerin betont die Bedeutung, das Werk in den Kontext seiner Zeit einzuordnen und die rassistische Sprache darin zu thematisieren. Sie unterstützt Lehrkräfte mit Fortbildungen und zusätzlichem Material. Blunt äußerte Bedenken bezüglich der Pflichtlektüre und hat sich laut Medienberichten für das kommende Schuljahr beurlauben lassen. Schopper bedauert diese Entscheidung, betont jedoch auch, dass es noch weitere Werke gebe, die zur Aufarbeitung von Rassismus im Unterricht genutzt werden könnten, ohne eine Gruppe zu dehumanisieren.
Der Literaturwissenschaftler Erhart betont, dass "Tauben im Gras" bisher als unproblematische Schullektüre galt. Studierende hätten zwar Schwierigkeiten damit gehabt, aber nie darauf hingewiesen, dass der Text problematisch sei. Er hält es jedoch für notwendig, das Werk in seinem historischen Kontext zu betrachten, um es besser verstehen zu können.
In Nordrhein-Westfalen war der Roman bereits 2014 eine Abitur-Pflichtlektüre und in Baden-Württemberg zuletzt vor der Jahrtausendwende. Erhart gibt zu, dass der Roman aufgrund seiner Sprache rassistisch wirke und dadurch Menschen verletzen könne. Jedoch sei Koeppen als linksliberaler Autor bekannt, der die kolonialen Bestrebungen des Westens scharf kritisierte und auf der Seite von Minderheiten stand. Wer ihm Rassismus vorwürfe, missverstehe ihn deutlich.
Der Beruf einer Lehrkraft hat auch in Deutschland eine wechselvolle Geschichte. Im ersten Teil unserer Serie sind wir auf die historische Entwicklung der Lehrerausbildung eingegangen, aber wie steht es um das Thema im Deutschland des Jahrs 2023? Die Bedürfnisse und Forderungen an das Bildungssystem haben sich seit der Zeit der deutschen Wiedervereinigung stetig weiterentwickelt. Neue, in allen Bundesländern anerkannte Richtlinien für die Ausbildung von Lehrkräften wurden 2004 durch die Kultusministerkonferenz in dem Beschluss “Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften” festgelegt. Diese Standards sind seit dem Ausbildungsjahr 2005/2006 implementiert und wurden dreimal ergänzt. Zum ersten Mal 2014, um den Unterricht inklusiver zu gestalten, 2019 mit neuen Standards in Bezug auf digitale Erweiterungen und zuletzt 2022 um Kompetenzen in Prävention und Umgang mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, wie beispielsweise Antisemitismus zu stärken. Lehrkräfte werden heute definiert als Fachleute für das Lehren und Lernen, mit enger Verbindung zur Erziehung, dem Ausüben von Beurteilungs- und Beratungsaufgaben und dem Einverständnis, die eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Diese Kompetenzen sind in vier verschiedene Bereiche unterteilt und werden in 11 verschiedenen Aspekten definiert.
Kompetenzbereich Unterrichten:
Kompetenzbereichen Erziehen:
Kompetenzbereich Beurteilen:
Kompetenzbereich Innovieren:
Des Weiteren ist die Ausbildung selbst in zwei Phasen unterteilt, die universitäre Ausbildung und der Vorbereitungsdienst. Fort- und Weiterbildung wird als dritte Phase definiert. Doch obwohl diese bindenden Richtlinien existieren, ist die Ausbildung nicht immer gleich. Durch den Föderalismus sind auch die Ausbildungswege in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich. Das Referendariat nach dem Studium, welches den Vorbereitungsdienst beinhaltet, ist der verbindende Punkt. Im Referendariat, das abhängig von den Bundesländern innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach dem Abschluss erfolgen muss, kommt es zu den ersten richtigen Berufserfahrungen und wird oft als “Praxisschock” empfunden. Erst sobald dieses erfolgreich absolviert ist, ist die Ausbildung zur Lehrkraft beendet.
Doch ist unser System der Lehrerausbildung noch zeitgemäß? Hierzu mehren sich inzwischen immer mehr kritische Stimmen. Bob Blume, Lehrer und Bildungsinfluencer, fasst ein Kernproblem des Systems in einem Satz zusammen: “Der Weg ist steinig.” Was bedeutet das?
Die Ausbildung für den Bachelor dauert drei Jahre, darauf folgen drei weitere Jahre für den Master und danach folgt ein eineinhalbjähriges Referendariat. Bei diesem wird die angehende Lehrkraft darauf geprüft, ob sie die Kompetenzen hat, die im bisherigen Studium keine Rolle spielten – nämlich vor einer Klasse im Rahmen der Prüfungsnormen zu unterrichten. “Das Studium selbst hat wenig mit dem Job zu tun und wenn der Job selbst ausprobiert wird, ist es nicht der Zweck, die verschiedenen Facetten zu erforschen, sondern zu einem bestimmten Zeitpunkt so zu unterrichten, wie es die Fachleiter:innen wollen." " Wenn das scheitert, wird man keine Lehrkraft”, so Blume.
In einem Jahrzehnt, so kritisierte Blume, werden angehende Lehrkräfte auf einen Job vorbereitet, auf eine Art und Weise, die selbst nichts mit dem Job zu tun hat. Weiterhin bemängelt er, dass nach Jahren des Trainings die angehenden Lehrkräfte nur in einem Moment auf einen Bruchteil geprüft werden und es dann möglicherweise doch nicht schaffen.
Daniel Jung, (Online)-Lehrer und Matheexperte, beschäftigt sich ebenfalls mit den Problemen des Bildungssystems und wie die Zukunft aussehen könnte. Dabei ging er zuletzt insbesondere auf den Zukunftstrend der künstlichen Intelligenz ein, der bislang noch kaum Berücksichtigung in der Ausbildung fand. „Ich weiß das ist ein sehr schwieriges Thema und dass muss man mit Vorsicht genießen, aber wenn wir in zehn Jahren 60 Prozent Jobs haben die noch keiner kennt, die noch erst erfunden werden, da ist für mich einfach ein großer Ansatz dass man lernt zu lernen.“ Schulen und Universitäten sind in dieser Hinsicht laut Jung noch “sehr am Anfang”. Laut ihm ist die Künstliche Intelligenz etwas, dass es zu verstehen und weiterzugeben gilt. Lehrer:innen, Professor:innen und auch Schüler:innen sollten sich mit dem Begriff beschäftigen und welche Auswirkungen er noch haben könnte um nicht abgehängt zu werden. Eine Integration von KI in die Vorbereitungen zum Lehramt könnte dabei von nutzen sein.
Aladin El-Mafaalani, Soziologe und Inhaber des Lehrstuhls für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück, vertritt die These, dass das deutsche Lern- und Ausbildungssystem auch im internationalen Maßstab zufriedenstellend funktioniere. Auch wenn die Ausbildunglänge dauert und pädagogische Anteile kürzer sind, sieht er das Hauptproblem bei mangelnder Fortbildung: “Wir haben kein systematisches Fortbildungssystem”, kritisiert El-Mafaalani. Dabei gebe es heutzutage neue technologische Möglichkeiten zur Vorbereitung wie (Online-)Seminare. Hier scheint noch ungenutztes Potenzial zu ruhen.
Damit wären zwei der vier Hauptkompetenzbereiche bereits in Gefahr, die des Innovieren und des Erziehen, mit pädagogischen und Fortbildungsmöglichkeiten in nicht ausreichenden Mengen.
Forderungen zu einer Reform der Lehrerausbildung sind schon seit geraumer Zeit laut geworden und ein Mangel an Reaktionen ist womöglich auch ein Grund für den prävalenten Lehrkräftemangel in vielen Bundesländern. Im Kontext des jüngsten Bildungsgipfels bleibt abzuwarten, wann und ob sich daran etwas ändert. Mögliche Ansatzpunkte liegen allerdings in dem Fördern von Seminaren, Integrierung von Künstlicher Intelligenz sowie einem besseren verschmelzen zwischen Studium und Referendariat.
Was denkt Ihr von der Entwicklung der heutigen Lehrkraftausbildung? Gibt es etwas, dass ihr euch im Studium an Veränderungen gewünscht hättet? Lasst uns gerne einen Kommentar da!
Vom Ruf eines ‘unwürdigen’ Standes bis hin zur selbstverständlichen Existenz, der Beruf des Lehrers oder Lehrerin hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Teil dieser Geschichte ist, wie die Personen, welche die nächste Generation auf das Leben vorbereiten, selbst für ihren Beruf vorbereitet werden. Im ersten Teil unseres Artikels erfährst Du etwas über die Geschichte der Lehrer(ausbildung). Im zweiten Teil werfen wir dann einen Blick auf die aktuelle Lage und diskutieren, welche nächsten Schritte gegangen werden müssen, damit diese auf der Höhe der Zeit bleibt.
Das Konzept Wissen weiterzugeben gibt es schon so lange wie Wissen selbst, nur Namen und Titel haben sich geändert. Bereits im Mittelalter vollzogen Lehrkräfte ihre Arbeit, wurden damals allerdings dem geistlichen Stand zugeordnet, mit Verbindungen zur Kirche. Ihr Gehalt verdienten sie durch Spenden ihrer Auftraggeber und Pfründe der kirchlichen Gemeinde, die auch für ihre Ausbildung zuständig waren. Ein kleines Überbleibsel ist in Deutschland davon noch zu sehen: Auch heutzutage haben kirchliche Gemeinden immer noch einen Einfluss auf die Bildung in der Form von Religionsunterricht, als Träger von Bildungseinrichtungen und engagierter Partei im Bildungsdiskurs.
Mit der Erstarkung des Bürgertums und dem damit einhergehenden neuen Wissensdurst wurden Lehrkräfte im Mittelalter gefragter. Im Laufe der Reformation trennten sich Lehrkräfte teilweise von der Kirche und verdingten sich an privaten Schulen. Der bereits aus der Antike bekannte Beruf des Privatgelehrten kehrte zurück.
Jedoch gab es auch bis in die Neuzeit (1500-1800) zumeist keine Schulpflicht — Stand und Qualität der Bildung war des Weiteren nicht einheitlich und größtenteils abhängig von der Region (ein Schelm, wer da Vergleiche zur Gegenwart ziehen möchte). Erst im 19. Jahrhundert im Zuge der Nationalstaatsbildung wurde das Verlangen nach einer universellen Lehrerausbildung wahrgenommen, unter anderem als Folge des wachsenden deutschen Nationalbewusstseins. Leitmotiv war, die Qualität des Unterrichts zu erhöhen und Aufmerksamkeit und Verständnis für pädagogische Herausforderungen zu schaffen. Schon damals gab es zwei unterschiedliche Ausbildungsgänge in Form des niederen Schulwesens der Volksschule, oft betrieben von Handwerkern oder Künstlern. die sich einen Zusatzlohn verdienten, und des höheren Schulwesens, das sich auf Gymnasiallehrer spezialisierte. Ein erstes Staatsexamen für die Qualifikation zur Einstellung gab es erstmals 1810 in Preußen. Die gezieltere Ausbildung führte auch zu einer Säkularisierung, abseits von reiner Theologie. Erste pädagogische Schwerpunkte wurden Ende des 19. Jahrhunderts inkludiert.
Die Weimarer Republik hat Pädagogische Institutionen zur Vorbereitung der Lehrerschaft ins Leben gerufen. Die Aufnahme benötigte das Bestehen der Abiturprüfung, das Studium selbst dauerte zwei Jahre und setzte einen Fokus auf jeweils ein naturwissenschaftliches Fach und ein geisteswissenschaftliches Fach.
In Zeiten des Nationalsozialismus wurde das Bildungssystem für die Zwecke des Dritten Reichs missbraucht. Es wurde zu einem systematischen Teil des Schulalltags und des Arbeitstages von Lehrkräften, die Jugend zum Nationalsozialismus zu erziehen, als ein Instrument von vielen. So war die NLSB (Nationalsozialistischer Lehrerbund), bei dem über 90 Prozent aller Lehrer dabei waren, ein fester Bestandteil des Nazi-Regimes.
In der Nachkriegszeit und der DDR wiederum wurden Lehrkräfte weiterhin eine bedeutsame Rolle als Teil politischer Zielsetzung erteilt. Pädagogische Hochschulen, dem Ministerium für Volksbildung unterstellt, entstanden zuerst 1947. Durch die zahlreichen Kündigungen von Lehrkräften, die Teil des Nazi-Regimes waren, wurde der Entnazifizierungsunterricht häufig von Neulehrern geprägt. Das waren zumeist junge Pädagogen, die von der Vergangenheit unbelastet waren. Das Fachgebiet wurde zunehmend akademisiert und bis 1982 wurde die Ausbildungsdauer auf fünf Jahre verlängert. Auch in der Bundesrepublik wurde ein neues Schulwesen aufgebaut, der deutsche Bildungsföderalismus entstand dort als Lehre aus der Nazivergangenheit. Mit der Studentenbewegung ab 1968 erlebte schließlich auch dort die Entnazifizierung der Bildung einen dringend benötigten Schub. Lehrkräfte agierten unter einem sozialistischen Regime, dem laut der DDR einzig wahren System. Dies prägte die Kindergärten und alle Aspekte des Bildungssystems, und wurden von Lehrkräfte weitervermittelt, Lehrer weiterhin agieren in einer Erziehungsposition, beeinflusst vom Staat doch häufig ohne dass dieses hinterfragt wurde.
Nach dem Fall der DDR und der Wiedervereinigung Deutschlands kam es erneut zu einem Wandel. Nach dem Mauerfall und den damit verbundenen drastischen gesellschaftlichen Veränderungen wurden die Schulsysteme an das bundesrepublikanische Konzept angeglichen, was einige Lehrkräfte um ihren Beruf bangen ließ. Die Integration von westlichen Bildungsidealen wurde von einigen als Kulturschock empfunden. Einzug hielt die zweiphasige gesamtdeutsche Lehrkraftausbildung mit einem von der Fachausbildung abgekoppelten Referendariat. Pädagogische Hochschulen der DDR wurden entweder geschlossen oder in Universitäten eingegliedert. Das Studium selbst ist von nun an unterteilt in Lehramt für Grundschule, Real- und Hauptschule, Gymnasium, Sonderpädagogik und berufliche Schulen.
Deutschlands Bildungssystem und die Herausforderungen der Lehrkräfte haben eine Vielzahl von vergangenen Gesichtern. Doch wie sieht es mit der aktuellen Lage aus und was für Hindernisse gilt es noch zu bewältigen? Mehr dazu erfahrt ihr in Teil 2, der in den kommenden Tagen auf Lehrer-News erscheint. Schaut vorbei!
Brandenburg – das Bundesland im Nordosten Deutschlands hat von Eiszeitlandschaften, über Buchenwäldern bis hin zu Blütenmeeren viele überraschende Naturgebiete vorzulegen. Diese laden geradezu ein, von Schulklassen für Exkursionen genutzt zu werden. Dabei hilft auch die mittlerweile gute Infrastruktur und Erschließung durch den Tourismus. Vor allem Natur-Exkursionen unterstützen das Durchlaufen eines ganzheitlichen Lernprozesses, Stärken die Erinnerung an das Gelernte und bieten eine hervorragende Gelegenheit unterschiedliche Fachgebiete wie Biologie, Geologie, Physik oder auch Geschichte miteinander zu verknüpfen und so ein umfassenderes Verständnis für Naturzusammenhänge zu gewinnen. Lehrer-News hat euch die drei besten Exkursionsideen für Brandenburg zusammengestellt:
Eine Klassenfahrt zu den Glindower Alpen ist eine tolle Möglichkeit für Schüler:innen, die Natur und Geschichte Brandenburgs näher kennenzulernen. Zudem beherbergen die Glindower Alpen Sandflächen, umgeben von Trockenrasen. Diese gehören aktuell zu einer der ökologisch wertvollsten Bereiche des gesamten Schutzgebietes. Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg arbeitet bis 2026 – in Kooperation mit dem Botanischen Garten der Universität Potsdam und der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe – an der Aufrechterhaltung, der Wiederherstellung und dem Schutz dieser Trockenlebensräume.
Die Wanderung durch die Glindower Alpen ist mittelschwer, die meisten Wege sind jedoch gut begehbar. Die Anreise ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln – mit der Regionalbahn (RE1) bis Werder und weiter mit dem Bus 633 (Richtung Bliesendorf) bis zur Haltestelle Kirche in Glindow – einfach und unkompliziert. Als möglicher Startpunkt bietet sich entweder das Ziegeleimuseum für eine kleinere Route oder das Zentrum von Glindow für eine etwas größere Runde an. Am Marktplatz gibt es Infotafeln mit Informationen über den Ort und die Hintergründe, die den Schüler:innen helfen können, mehr über die Region und ihre Geschichte der Ziegelherstellung zu erfahren.
Grundschullehrer:innen können ihren Schüler:innen passend zur Exkursion in Anwendung des Bildungsmaterials der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg auch einen “literarischen Ausflug” zum Thema Trockenlebensräume bieten. Im Rahmen des Projektes “Life Trockenrasen” wurde die vierte Edition der Bücherreihe auf einer 36-seitigen Broschüre mit handgezeichneten Bildern entwickelt. Die Geschichte von Lilian zusammen mit Rätsel, Experimenten, Aktionen und Ausflugstipps kann gut in Deutsch, Sachkunde oder auch im NaWi-Unterricht integriert werden. Sie ist zudem kostenlos in Papier oder PDF erhältlich. Zum Thema “Trockenrasen” können alternativ auch die "Drei-Berge" in Milow oder der “Gollenberg” bewandert werden.
Die Brandenburgische Elbtalaue ist ein Paradies für Naturliebhaber und Vogelbeobachter. Die Elbe fließt hier durch eine weite Auenlandschaft und ist nicht nur ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, sondern auch ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel. Besonders die Beobachtung von Störchen ist in der “Storchenzeit” zwischen April und August ein spannendes Erlebnis. Die Ausstellung "Weltenbummler Adebar" gibt einen interessanten Einblick zum Weißstorch und seinem Lebensraum in der Elbtalaue.
Das von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe“ bietet zudem regelmäßig spannende Vorträge und Veranstaltungen zum Thema “Natur- und Kulturerbe” an. Für Schulklassen gibt es Bildungseinheiten, die speziell für Projekttage konzipiert sind. Sowohl für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren, als auch für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren ist was dabei. Die Vorträge sind meist kostenlos für Schüler:innen, können jedoch begrenzte Teilnehmerzahlen haben. Programm und Termine sind auf der offiziellen Webseite zu finden. Für mehrere Tage bietet sich als eine mögliche Unterkunft das Ferienschloss Gadow an, welches für Schüler:innen geräumige Mehrbettzimmer mit 4-8 Betten und für Begleitpersonen Einzel- oder Doppelzimmern jeweils mit eigenem Bad zur Verfügung stellt. Die Preise liegen zwischen 34 und 36 Euro pro Person.
Für all diejenigen, die ihr Wissen in die faszinierende Welt der Pilze vertiefen möchten, ist Brandenburg ebenfalls hervorragend geeignet. Hierfür würde sich vor allem der Spreewald im Südosten Brandenburgs anbieten. Eine Pilzwanderung ist ein fantastischer Weg, um die Schönheit und den Reichtum der Natur zu entdecken. Da jedoch Sicherheitsvorkehrungen und Gesetze je nach Gebiet unterschiedlich sein können, empfiehlt es sich hier eine fachkundige Person mitzunehmen. In den Monaten August bis Oktober finden regelmäßige Pilzkurse und -exkursionen statt, die den Teilnehmenden nicht nur das Bestimmen und Sammeln von Pilzen näherbringen, sondern auch die Rolle der Pilze in der Natur und ihre Bedeutung als Nahrungsmittel erklären.
Für Schulklassen gibt es im Spreewald außerdem zahlreiche Möglichkeiten, an Ein- oder Mehrtagestouren teilzunehmen. Für 30 Euro pro Schüler:in bietet Spreewald Survival bspw. ein Wildnis-Tagesprogramm unter dem Schwerpunktthema "Sensibilisierung gegenüber der Natur" Aktionen, wie Bogenschießen, Feuermachen ohne technische Hilfsmittel oder Nachtwanderungen an. Die Erlebnissurvival-Angebote eignen sich für Kinder- und Jugendgruppen zwischen der 3. und 10. Klasse. Im Freilandmuseum Lehde in Lübbenau erfährt man außerdem mehr über die Sorben – eine ethnische Minderheit, die den Spreewald seit Jahrhunderten prägt. Von Berlin aus erreicht man den Spreewald bequem mit der Regionalbahn (ODEG RE2), welcher stundenweise zu den Spreewaldorten Lübben und Lübbenau fährt.
Brandenburg bietet eine breite Palette an exzellenten Exkursionsmöglichkeiten für jeden Geschmack. Wir hoffen, dass diese Ideen euch dabei geholfen haben, eure nächste Klassenfahrt in Brandenburg zu planen, der für ihre Schüler zu einer unvergesslichen und lehrreichen Naturerfahrung werden könnte.
Der Lehrermangel ist in aller Munde, bundesweit fehlt es den Schulen an Personal. Laut einer Umfrage von Ende Januar 2023 gibt es aktuell 12.341 unbesetzte Stellen, auch Rheinland-Pfalz sucht händeringend nach PädagogenZum Schuljahr 2022/23 wurden in Rheinland-Pfalz 1.550 neue Lehrkräfte eingestellt. Darunter fallen 800 Stellen, die neu besetzt werden mussten, weil vorherige Kolleg:innen in den Ruhestand getreten sind. Wie die weitere Lage in Rheinland-Pfalz aussieht und welche Maßnahmen dort gegen den Lehrermangel getroffen werden, erfährst du hier.
Angesichts der steigenden Schülerzahlen hat Rheinland-Pfalz zusätzlich 750 unbefristete Stellen eingerichtet, die Versorgung der Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz sei gut, so die Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). In dem Bundesland sei es zwar eine andere Situation als in den übrigen Bundesländern, der Mangel an Fachkräften sei jedoch auch hier zu spüren, so die Bildungsministerin Hubig. Insgesamt beschäftigt das Land ca. 42.000 Lehrer:innen. Die Ministerin fügt hinzu, dass Rheinland-Pfalz es geschafft habe, alle Stellen mit ausgebildeten Lehrkräften zu besetzen.
In einer Erklärung zum Lehrkräftemangel legte sich die KMK mitte März diesen Jahres auf allgemeine, gemeinsame Maßnahmen fest. Einige Ziele sind:
Auch in Rheinland-Pfalz werden Maßnahmen überdacht, um dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken:
Gerade an Grundschulen arbeiten immer mehr Vetretungskräfte ohne Ausbildung. Gerade dort steigt deren Zahl nach Angaben des Bildungsministeriums an. Hier hat sich die Zahl der befristet eingestellten Lehrer:innen seit dem Schuljahr 2018/19 teils mehr als verdreifacht, von 657 auf 2.011. In diesem Jahr sind von diesen 1.851 an den Schulen, gerade einmal 105 haben das erste beziehungsweise das zweite Staatsexamen für ein Lehramt.
Auch wenn der Lehrkräftemangel in Rheinland-Pfalz weniger alarmierend als in den Nachbarbundesländern aussieht, so ist es keine Dauerlösung, Personal ohne pädagogische Fachausbildung lehren zu lassen. An dem Programm der KMK muss weiterhin gearbeitet werden und die passende Umsetzung sollte erfolgen, sodass der Lehrermangel kein Dauerzustand bleibt.
Karlsruhe. Im vergangenen Februar sind acht Karlsruher Schulen Opfer eines großen Hackerangriffs geworden. Über eine eingeschleuste Schadsoftware wurden sämtliche Systemdaten verschlüsselt. Wer hinter der Cyberattacke steckt, ist bisweilen unbekannt, jedoch wird pro Schule ein in Bitcoin auszuzahlendes Lösegeld von 41.000 Euro gefordert. Dass Bildungseinrichtungen Cyberkriminalität erfahren, ist keine Seltenheit. Allein binnen der letzten 15 Monate hat es über 30 registrierte Hackerangriffe auf deutsche Schulen und Universitäten gegeben.
Die Konsequenzen der Cyberattacke waren gravierend. Aus Sicherheitsgründen hat das Amt für Informationstechnik und Digitalisierung in Karlsruhe alle Server der 77 städtischen Schulen herunterfahren lassen, sodass die Schulen mehrere Wochen mit starken Einbußen im pädagogischen Betrieb und in der Verwaltung auskommen mussten. Genauere Informationen zur Vorgehensweise der Täter und den angegriffenen Systemen enthält die Stadt der Öffentlichkeit, aufgrund laufender Polizeiarbeiten noch vor.
Cyberattacken häufen sich im Bildungswesen
Der deutsche Bildungsserver berichtet, dass es nur wenige Ziele gibt, die so häufig wie das Bildungswesen unter den Auswüchsen der Cyberkriminalität leiden. Zurückzuführen ist das auf vielerlei Gründe. So sind Schulen und Universitäten zentralisierte Lagerplätze sensibler und persönlicher Informationen wie Geburtsurkunden oder Sozialversicherungsnummern. Es ist also nur ein Angriff auf ein einziges System notwendig, um viele relevante und private Informationen über viele verschiedene Menschen herauszufinden. Außerdem benötigt es meist kein großes Geschick, sich mit der informationstechnischen Infrastruktur von Universitäten vertraut zu machen, da beispielsweise alle in einer Universität eingeschriebenen Menschen einen Zugang zu der jeweiligen Infrastruktur bekommen. Dazu kommen die knappen finanziellen und personellen Ressourcen des Bildungswesens, die einer angemessenen IT-Infrastruktur und notwendigen Fach-Know-how oftmals im Wege stehen. Die meisten Erpressungstrojaner gelangen über das E-Mail-Postfach in die Systeme und werden von Lehrkräften oftmals nicht erkannt.
Um Lehrkräften die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie benötigen, gibt es mit dem Digitalführerschein (DiFü) inzwischen neues digitales Lernangebot für Lehrkräfte, welches rund um das Thema Digitalisierung unterstützt und sämtliche Fragen zu Cybersicherheit, digitaler Unterrichtsgestaltung und vielen weiteren Themen beantwortet. Entworfen und verwirklicht wurde das Projekt von Deutschland sicher im Netz e.V. und der Mutterorganisation von Lehrer-News, Zukunft Digitale Bildung. Zum DiFü kommt Ihr hier.
Berlin. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hat vergangene Woche zu einem Bildungsgipfel eingeladen (Lehrer-News berichtete). Kurz darauf führte der SPIEGEL eine Umfrage durch, ob Bildungspolitik weiterhin Ländersache bleiben soll. 68 Prozent der Teilnehmenden antworteten darin mit Nein. Obwohl die Mehrzahl der Kultusminister:innen zum Gipfel nicht erschienen ist, gibt es Potential zur Einigung und bundesländerübergreifenden Kooperation.
Mehr als 5000 Personen haben an der Umfrage der Zeitschrift im Anschluss an den Bildungsgipfel teilgenommen. Nur 27 Prozent sprachen sich dafür aus, die Bildungspolitik in Landeshoheit zu belassen. Fünf Prozent waren unentschlossen. Nur bei den Bayern hat sich eine gespaltene Meinung gezeigt: Dort meinten 47 Prozent der Beteiligten, Bildung sollte weiterhin Aufgabe jedes Bundeslandes bleiben. In Bezug auf die Parteizugehörigkeit wandten sich mit über 80 Prozent insbesondere Anhänger von SPD und Grünen gegen Föderalismus im Schulsystem. Angesichts dieser Werte zur traditionellen “Ländersache Bildung” gewinnt die Debatte um den Bildungsgipfel vom 14. und 15. März umso mehr an Brisanz.
Nicolas Colsman, Bildungsexperte und Gründer der Initiative Zukunft Digitale Bildung gGmbH, sieht diesen als Beweis, dass Veränderungen nötig sind. "Dass der Bildungsföderalismus in Deutschland nicht funktioniert, sieht man daran, dass am jüngsten Bildungsgipfel nur zwei von 16 Kultusminister:innen teilgenommen haben.”
Die 14 fehlenden Kultusminister:innen gaben als Gründe ihres Fehlens unter anderem Terminproblemen oder Mängeln bei der Organisation des Gipfels. Dabei gibt es schon allein angesichts des Lehrermangels, genug Themen zu besprechen.
Einiges an Kooperation scheint Bundesländerübergreifend aber möglich. Unter anderem gab es Einigungen bei der Finanzierung und Verteilung des Startchancen-Programm, sowie ein Solidäritatsfonds für Länder mit besonders vielen Schulen in schwierigen Situationen. Des Weiteren hat die Kultusministerkonferenz (KMK) sich auf neue Abiturregeln geeinigt die Vergleichbarkeit möglich machen sollen und soll 2024 spätestens beginnen.
Auch Colsman sieht ein Umdenken beim Thema Föderalismus als unerlässlich an: "Allein die Tatsache, dass wir in Deutschland 16 verschiedene Bildungssysteme versuchen zu koordinieren und in verschiedenen Bundesländern jeder sein eigenes Süppchen kocht – das wurde teilweise überhaupt nicht verstanden”, äußerte Colsman in Bezug auf den Bildungsgipfel in einem Beitrag des Senders Sat1. Colsman mahnte an, die Erfahrungen in anderen Regionen der Welt für die Debatte auszuwerten und verwies beispielhaft auf das südkoreanische Bildungssystem, das zusammen mit skandinavischen Ländern regelmäßig die vordersten Plätze der Pisa-Studie belegt.
Auch Deutsch ist ein Fach, das seine Schwierigkeiten mit sich bringt. Gerade für Schüler, die nicht deutsch als Muttersprache sprechen, kann dies besonders herausfordernd sein. Da können Lehrer:innen schon mal an ihre Belastungsgrenze stoßen, wenn sie merken, dass der komplizierte Unterrichtsstoff nicht so leicht im Gedächtnis bleibt. Neben dem normalen Unterricht kann es hilfreich sein, wenn die Unterrichtsthemen und die Sprache auf eine andere Art und Weise erklärt werden. Wir haben euch bereits eine ganze YouTube Reihe an Channel Empfehlungen zur Verfügung gestellt, darunter auch eins für den Deutschunterricht. In diesem Artikel geht es weiter mit einigen Insta-Channels, die wir für den Unterricht von Deutsch als Zweitsprache (DaZ) als besonders empfehlenswert erachten.
Benjamin legt mit seinem Instagram Account “deutsch_mit_benjamin” den Fokus auf das erlernen der Deutschen Sprache und eine Verbesserung der Aussprache. Er vermittelt authentisches Deutsch und bringt den Zuschauern bei, wie sie natürlich und sicher Deutsch sprechen lernen. Mittlerweile hat er schon über 803 Beiträge auf seinem Account hochgeladen, 107.000 Follower verfolgen seine Beiträge. Sein Account ist auch auf YouTube vertreten. Er beantwortet dort auch persönliche Fragen, die die Zuschauer an ihn im Bereich Schule, Lehren und Lernen haben. Er gibt Tipps, wie Wörter mit Umlauten korrekt ausspricht, Vokale lang gesprochen werden und welche Alternativsätze sich in Texten oder in einer Konversation verwenden lassen. Der Channel eignet sich somit sehr gut für jede(n) Schüler:in, da Benjamin die Basics behandelt, aber auch über kniffligere Themen wie “Wann verwende ich welche Zeitform” spricht.
Der Channel “deutschag” wird von Seda (Deutsch mit Seda) betrieben. Ihr folgen mehr als 150.000 Leute, sie ist eine Deutschlehrerin und Prüferin mit dem Sprachlevel A1-C2. Für sie ist klar: sie möchte den Zuschauern online Deutsch vermitteln, auf eine unterhaltsame Art und Weise. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache. Seda veröffentlicht Beiträge zu verschiedenen Themen wie der korrekten Satzstellung, dem Gebrauch von Artikeln und Possessivartikeln, um den Lernprozess zu erleichtern. Dabei steht sie nicht selbst vor der Kamera, sondern nutzt Grafiken und bunte Farben, um ihre Aussagen zu untermalen.
Der Channel “deutsch.lernen.mit.dialogen” bringt deutsch spielend leicht mittels animierter Videos bei. Die Beiträge stellen Konversationen dar und sind so bestens geeignet, um die deutsche Sprache besser zu erlernen. Die Videos zeigen Alltagssituationen und sind daher gerade für Schüler, die noch nicht gut deutsch sprechen bestens.
Der Instagram Channel von Max “deutschlernenmitmax” ist ein deutscher Lernchannel auf Instagram. Er selbst nennt sich “Happy German Language Teacher” und verbreitet mit seinem lachenden Gesicht auf seinem Kanal gute Laune. Er dreht verschiedene kleine und bunte Videoclips und fordert sein Publikum auf, bei einer Zungenbrecher- oder Aussprache-Challenge mitzuwirken.
Habt ihr vielleicht schon einen der Kanäle mit euren Schülern geteilt? Nutzt ihr soziale Medien als Ergänzung für den Unterricht? Lasst es uns doch gern wissen in den Kommentaren.
Gewalt und Konflikte sind in unserer Welt allgegenwärtig. Auch der Schulalltag bleibt davon nicht verschont. Gewalt in Bildungsstätten hat in den vergangenen Jahren sogar zugenommen. Allein im Jahr 2019, so eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, fühlten sich ein Viertel der Schüler:innen nicht sicher in der Schule. 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen mussten mit Ausgrenzung, Hänseleien und Gewalt umgehen. Für Lehrkräfte kann das je nach Situation der Hilfsangebote an der Schule im schlimmsten Fall zur Überforderung führen . Was also tun? Wie es zu Gewaltsituationen kommt und wie Lehrkräfte und Schulen erfolgreich vorbeugen können, hat die Lehrer-News Redaktion Kathrin Gomolzig von der Aktion Kinder- und Jugendschutz in Schleswig-Holstein (AKJS) gefragt. Gomolzig ist Expertin auf den Gebieten der Gewaltprävention, Mobbingprävention und seelischen Entwicklung und seit 1992 als Bildungsreferentin für die AKJS tätig.
Lehrer-News: Eine Frage gleich zu Beginn, die viele unserer Leser:innen umtreiben dürfte: Was sind die wesentlichen Ursachen für Gewalt an Schulen?
Gomolzig: Das ist ähnlich wie bei den Hauptursachen von Gewalt und nicht speziell auf Schulen zu beziehen. Gewalt hat das Bedürfnis von Menschen nach Macht, Kontrolle, bei Jugendlichen oft auch Anerkennung in der Gleichaltrigengruppe als Ursache. Gewalt wird von vielen als einfache Form der Konfliktlösung erlebt. In der Schule haben wir es mit Heranwachsenden zu tun, die oft noch keine Impulskontrolle haben und erst lernen müssen, mit ihren Impulsen umzugehen. Besonders körperliche Gewalt kommt häufiger im jüngeren Alter vor. Die Gründe sind manchmal tatsächlich Konflikte, die im Hintergrund stehen, aber manchmal ist es auch das Bedürfnis, Macht und Kontrolle über jemanden zu haben oder sich Anerkennung zu verschaffen – gerade wenn es um Mobbing geht.
Lehrer-News: Sie haben in einem früheren Interview erwähnt, dass gewaltfreie Konfliktlösung Kindern vorgelebt werden müsste. Wie können Lehrer:innen da zusammen oder anstelle von Eltern agieren? Wie können Lehrer:innen aktiv an Eltern appellieren?
Gomolzig: Vor allen Dingen Vorbild sein. Selbst gewaltfrei Konflikte lösen. Das heißt: Konfliktpartner:innenn zuhören, eigene Gefühle und Beweggründe verständlich machen und kommunizieren; die Gegenseite verstehen, sich und anderen Fehler zugestehen. Das, denke ich, ist die Grundhaltung, wie man gut mit Konflikten umgehen kann. Was sicherlich kontraproduktiv wäre, sind Appelle. Appelle führen oft zum Widerspruch oder zur Rechtfertigung. Man fühlt sich nicht gehört, sondern, dass jemand aus einer Machtposition heraus etwas sagt. Eltern, die vielleicht auch andere Wertvorstellungen haben, könnte man so begegnen, dass man erkennt, dass es unterschiedliche Wertvorstellungen gibt, ohne es gleich zu bewerten. Dabei bleibt es wichtig, den eigenen Werterahmen zu vertreten. In diesem Fall den Werterahmen der Schule, welcher beispielsweise "Wir gehen gewaltfrei miteinander um, wir verhalten uns respektvoll und wir lösen Konflikte gewaltfrei" sein könnte. Wenn das Kind dagegen verstößt, dann gibt es in der Schule Regeln und Konsequenzen, die durchgeführt werden. Dazu können auch pädagogische Maßnahmen wie Peer-Mediation oder Tatausgleich zählen. Die Eltern haben möglicherweise andere Werte, aber man sollte vermitteln, dass die Schule auch ihre Werte hat und die Lehrkraft diese vertritt. Das halte ich für einen mehr zielführenden Umgang, als an Moral und Einsicht zu appellieren.
Lehrer-News: Sie sagten, dass das Bedürfnis nach Macht ein Grund für Gewalt ist. Kann die Vorbildfunktion von Lehrkräften und souveränes Verhalten diesem Machtbedürfnis entgegenwirken?
Gomolzig: Ja, genau. Vorbildfunktion ist das eine und das andere ist der von den Lehrkräften vertretene Werterahmen. Es muss aber diesen Werterahmen an der Schule auch erst mal geben. Die Schule sollte nicht davon ausgehen, dass ein gewaltfreier Umgang für jede und jeden selbstverständlich ist. Die Schulen sollten ganz klar definieren, was es gerade in Bezug auf ihre Einrichtung für wichtige Dinge gibt, die in diesem Werterahmen enthalten sein sollen, über die auch regelmäßig mit allen Beteiligten ins Gespräch gekommen wird, um ihn ggf. zu verändern. Denn Lebenslagen verändern sich, gerade die von Kindern und Jugendlichen. Digitale Räume kommen hinzu, welche möglicherweise eigene Regeln brauchen, die es zu besprechen gilt. Sie kennen vielleicht aus Ihrer eigenen Schulzeit den Klassenrat, den es vermutlich nur bis zur vierten Klasse gab und der nicht mehr da war, als Sie auf eine weiterführende Schulen gegangen sind. Man ist davon ausgegangen, dass Sie das jetzt “erwachsen” miteinander lösen können, aber das ist nicht unbedingt so. Auch Erwachsene brauchen Räume und Möglichkeiten, um ihre Konflikte lösen zu können. Streitschlichter und Konfliktlotsen sind eine Möglichkeit, die sich auch an Grundschulen sehr etabliert haben und an den weiterführenden Schulen oft nicht mehr so gut funktionieren. Sie funktionieren deswegen nicht, weil Erwachsene als Vorbild Konflikte in der Regel auch nicht mediativ lösen. Nicht miteinander und auf gleicher Augenhöhe, sondern auch sie neigen dazu, sich jemanden zu suchen, der sagt, wer von beiden Recht hat. Eine Form von Konfliktlösung, die immer wieder in der Erwachsenenwelt bedeutet, dass man vor Gericht zieht, anstatt sich zusammenzusetzen, um miteinander den Konflikt zu lösen. Das bekommen Kinder und Jugendliche mit. Die Kompetenz, einen Streit auf Augenhöhe miteinander zu lösen und diese in die Schulstruktur zu integrieren, wäre eine Chance für Schulen.
Lehrer-News: Sie bieten auch Fortbildungs- und Meditationsangebote an. Welche Ansätze haben sich Ihrer Meinung nach bewährt?
Gomolzig: Ich halte solche Maßnahmen für zielführend, an der die Zielgruppe auch selbst beteiligt ist. Wir bieten zum Beispiel Fortbildungen im Bereich Peer-to-Peer-Mediation an, bei denen Lehrkräfte im Tandem mit Schulsozialarbeitern Konfliktlotsenprojekte an ihren Schulen einführen oder weiterführen. Das sind Ansätze, die an der Grundschule am besten funktionieren und dort auch gut angenommen werden. Das lebt und fällt natürlich mit der Kontinuität und der Frage,ob die Schule dies als Teil der Konfliktkultur wahrnimmt und entsprechende Ressourcen dafür zur Verfügung stellt. Zum Thema Gewaltprävention und Mobbingprävention ist es wichtig, mit Klassen regelmäßig darüber ins Gespräch zu kommen, wie der Umgang miteinander ist und was verbessert werden kann. Es ist auch präventiv wirksam, dafür zu sorgen, dass Klassen gute Gemeinschaftserlebnisse haben. Lehrkräfte können auch dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche Anerkennung durch pro-soziales Verhalten bekommen. Darüber hinaus sollte es Möglichkeiten geben, dass Schüler:innen sich Rat und Hilfe bei Vertrauenspersonen innerhalb der Schule holen können.
Lehrer-News: Inwiefern würden Sie sagen, haben digitale Medien einen Einfluss, zum Beispiel mit Blick auf Cybermobbing? Verstärken sie das Problem oder sind sie nur eine Ausdrucksform derselben Ursache?
Gomolzig: Ich würde sagen: beides. Konflikte können in der Kommunikation in den sozialen Medien schneller entstehen und auch hochgekocht werden. Unter anderem durch bestimmte Dinge, wozu die sozialen Medien auch einladen: das Kommentieren, Weiterposten, Teilen und so weiter. Das kann positiv genutzt werden, aber leider auch dazu, andere runterzumachen, sich über sie lustig zu machen usw. Das schürt Konflikte, die dann auch im analogen Raum der Schule weitergeführt werden. Umgekehrt ist es genauso: Gerade Mobbing ist ein Phänomen, das häufig in Schulklassen beginnt, also im analogen Raum, und dann selbstverständlich in den Medien fortgesetzt wird. Diese Möglichkeit gibt es spätestens ab der vierten oder fünften Klasse, wenn die Kinder über Smartphones verfügen. Dieses Medium zu nutzen, wenn sie Interesse daran haben, jemanden zu mobben, lassen sie dann nicht aus. Dies ist auch sehr effektiv, da man über soziale Medien Beleidigungen und Demütigungen sehr weit verbreiten kann. Hinzu kommt die Anonymität im digitalen Raum, die Hemmschwellen sinken lässt.
Lehrer-News: Wie bewerten Sie die aktuelle Lage an deutschen Schulen mit Blick auf die Gewaltprävention?
Gomolzig: Es ist natürlich immer Luft nach oben. Es ist auch sehr unterschiedlich, was ich von Schulen erfahre. Es gibt Schulen, die sind hier sehr gut aufgestellt und haben eine ganz klare Konfliktkultur, mit pädagogischen Hilfsangeboten und präsentem Personal; die Schulsozialarbeit ist bekannt, hat genug Stunden, ist teilweise sogar zu zweit und arbeitet eng mit Lehrkräften zusammen. Das sind die positiven Beispiele. Man kann leider nicht überall sagen, dass Schulen sich mit den Themen soziale Kompetenzen, Umgang mit Konflikten und Gewaltprävention bewusst und nachhaltig auseinandergesetzt haben. Manche machen das auch nicht transparent, so dass beispielsweise Eltern oft wenig darüber wissen, was die Schule in dieser Hinsicht macht. Gut sind Präventionskonzepte, aber auch Interventionskonzepte gehören dazu. Wenn beispielsweise ein Mobbingfall zum Vorschein kommt, ist professionelle Handlungsfähigkeit gefragt. Oft erfolgt erst dann der Ruf nach externer Hilfe, wenn Gewalt, insbesondere auch Mobbing, passiert sind. Es ist auch richtig, dass Schule sich Hilfe holt. Aber auf lange Sicht ist es nachhaltiger, wenn die Kompetenzen dafür in der Schule selbst etabliert sind.
Lehrer-News: Vielen Dank für das Gespräch.
Dresden. Sachsen gehört zu den Bundesländern, die besonders stark vom Lehrermangel betroffen sind. Nach Angaben des sächsischen Kultusministeriums fehlen aktuell rund 1.200 Lehrkräfte an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen im Freistaat. Besonders akut ist die Situation an Grundschulen und Förderschulen, aber auch an Gymnasien und Berufsschulen gibt es nicht genug Lehrerinnen und Lehrer. Für das Problem Lehrermangel sieht die sächsische Landesregierung nun den Einsatz von ukrainischen Lehrkräften als potenzielle Lösung.
Es gibt deutliche Unterschiede in der Teilzeitquote unter den Lehrerinnen und Lehrern zwischen den Bundesländern. Laut den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes ist die Teilzeitquote unter den Lehrer:innen in Sachsen im Vergleich zu anderen ostdeutschen Bundesländern hoch: In Sachsen arbeiten 40 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer nicht in Vollzeit. Im Schuljahr 2021/2022 waren insgesamt etwa 709.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland tätig, von denen 40,6 Prozent in Teilzeit arbeiteten. In Bremen und Hamburg arbeitete im Schuljahr 2021/2022 mehr als die Hälfte des Lehrpersonals (je 52,4 Prozent) in Teilzeit, während es in Thüringen (21,9 Prozent) und Sachsen-Anhalt (20,7 Prozent) nur gut ein Fünftel war. Brandenburg hatte eine Teilzeitquote von 27,2 Prozent.. Das Kultusministerium in Sachsen setzt die Verringerung dieser Quote als Mittel ein, um Unterrichtsausfälle zu minimieren.
Sachsen plant, verstärkt Pädagoginnen und Pädagogen aus der Ukraine einzusetzen, um den massiven Lehrkräftemangel abzufedern. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) kündigte an, ihnen ab dem neuen Schuljahr eine dauerhafte Anstellung an sächsischen Schulen anzubieten, um ihnen eine berufliche Perspektive zu eröffnen. Der Einsatz von ukrainischen Lehrkräften könne auch dazu beitragen, den Unterricht abzusichern, da es derzeit schwierig sei, ausreichend Lehrkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden, so Piwarz. Derzeit sind bereits 522 Lehrkräfte und 154 Schulassistenten aus der Ukraine an sächsischen Schulen beschäftigt, die sich hauptsächlich um geflüchtete Kinder und Jugendliche kümmern. Insgesamt lernen derzeit 10.300 ukrainische Schülerinnen und Schüler an öffentlichen und freien Schulen in Sachsen, wobei 535 bereits in herkömmliche Klassen integriert sind. Die Gesamtkosten belaufen sich laut Kultusministerium bislang auf 19,4 Millionen Euro. Bundesweit sind etwa 200.000 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine in deutschen Schulen angemeldet.
Die Gründe für den Lehrermangel sind vielfältig. Einerseits gibt es einen hohen Bedarf an Lehrkräften aufgrund steigender Schülerzahlen und wachsendem Fachkräftemangel. Andererseits haben viele Lehrerinnen und Lehrer in den vergangenen Jahren das Berufsfeld verlassen oder befinden sich kurz vor dem Renteneintritt. Zudem haben die Einschränkungen und Belastungen durch die Corona-Pandemie die Situation verschärft. Für die betroffenen Schulen und die Schülerinnen und Schüler hat der Lehrermangel gravierende Auswirkungen. Viele Klassen können nicht mehr vollständig besetzt werden, es gibt zu wenig Unterricht in bestimmten Fächern und die Qualität des Unterrichts leidet unter dem Personalmangel.
Auch die Belastung der verbleibenden Lehrkräfte ist enorm, da sie oft Mehrarbeit leisten müssen und kaum noch Zeit für individuelle Förderung und Betreuung haben. Die sächsische Landesregierung hat in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken. Dazu zählen unter anderem die Einstellung von Seiteneinsteigern, die Verlängerung von Arbeitsverträgen und die Schaffung von Anreizen für Lehrerinnen und Lehrer, um in Sachsen zu bleiben oder zurückzukehren. Allerdings reichen diese Maßnahmen offenbar nicht aus, um den Lehrermangel langfristig zu beheben.
Experten fordern daher eine bessere Ausbildung und Qualifizierung von Lehrkräften, höhere Wertschätzung des Berufs und bessere Bezahlung. Auch die Digitalisierung und der Einsatz neuer Lehr- und Lernmethoden können dazu beitragen, den Lehrermangel zu mildern und die Qualität des Unterrichts zu verbessern. Insgesamt bleibt der Lehrermangel in Sachsen eine große Herausforderung für das Bildungssystem. Um langfristig gute Bildungschancen für alle Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten, müssen Politik, Schulen und Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam Lösungen finden, um den Lehrermangel zu bewältigen und die Qualität des Unterrichts zu sichern.
Vor einer Woche tagte der Bildungsgipfel 2023. Ziel war es, im Hinblick auf das besorgniserregende Fazit der vergangenen IQB-Studie Vertreter:innen von Bund, Land, Kommune, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenzubringen und zur gemeinsamen Diskussion anzuregen. Die Förderung einer stärkeren Zusammenarbeit und Kommunikation vor allem zwischen Bund und Ländern war beabsichtigt. Am 14. März um 10 Uhr eröffnete Journalist Armin Himmelrath mit einer Begrüßungsrede die Veranstaltung, gefolgt von Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP), der Schirmherrin der Tagung.
Unter den Besuchern des Bildungsgipfels fehlten die wichtigsten Akteure: 14 der 16 Kultusminister hatten abgesagt. Auf Nachfrage, weshalb sie nicht antreten konnten, hagelte es Kritik. "Das eingeplante Zeitfenster für den Austausch zwischen Bund und Ländern von etwas mehr als einer Stunde ist verhältnismäßig klein", erklärte beispielsweise die niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). Insgesamt lasse die Vorbereitung der Veranstaltung “zu wünschen übrig", so Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) aus Mecklenburg-Vorpommern. Eva Feußner (CDU), die in Sachsen-Anhalt für die Bildung zuständig ist, blieb der Veranstaltung fern, da “ohne Vorbereitung” nicht von “überzeugenden Ergebnissen auszugehen sei”. "Zu lapidar" die Einladung, "keinerlei inhaltliche Vorbereitung und Abstimmung" beklagt Christian Piwarz (CDU) aus Sachsen.
Die meisten Absagen wurden entweder mit inhaltlich schlechter Vorbereitung oder Terminproblemen begründet. Der Deutsche Lehrerverband reagiert mit Unverständnis auf die mangelnde Anwesenheit der Minister:innen. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, betont, dass ein „kleinkariertes Kompetenzgerangel“ in Anbetracht des Bildungsnotstands nicht angemessen sei. Zusammenarbeit, Absprachen und Stellungnahmen der Landespolitiker:innen zu entscheidenden Fragen bzgl. Lehrermangel, Unterrichtsqualität, Schulabbrecherquote und die Organisation des Bildungssystems im Allgemeinen wären dringend nötig gewesen. Stattdessen ist nun die Rede von einem „boykottierten Bildungsgipfel“, da die Priorität der Länderhoheit und Parteipolitik, laut Alan Posener, im Vordergrund zu stehen scheint.
Der Bildungsforscher Kai Maaz hingegen sagt: "Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem", was Lösungsansätze zur Digitalisierung angeht. Diese These trifft inhaltlich eventuell auf den gesamten Bildungsgipfel zu. Zumindest für Bildungsinfluencer Bob Blume, der die Podiumsdiskussionen als „Schall und Rauch“ bezeichnete, stellt sich die Frage, warum denn noch offensichtliche Aussagen wie die „Wichtigkeit einer Zusammenarbeit“ betont und besprochen werden müssen. Auch Realschullehrer-Verbandschef Jürgen Böhm sieht den Bildungsgipfel als misslungen. Klare Erkenntnisse und Beschlüsse bleiben aus.
Enttäuschung und Verärgerung spiegeln sich auch in sozialen Medien wider. Die Glaubwürdigkeit der Aussagen aus der Politik über Bemühungen um die Bildung nimmt ab, behaupten einige. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, selbst sieht das Treffen nicht als Versagen. Auf den Hauptkritikpunkt der Minister:innen bzgl. der fehlenden vorherigen Absprache über Inhalt und Format des Bildungsgipfels reagiert Frau Stark-Watzinger mit der Aussage, dass sie einen kontinuierlichen Prozess anstrebe: „Es ist ein Arbeitsprozess, den wir starten wollen. Denn wir werden nicht in zwei Tagen die großen Herausforderungen lösen.“. Mit der angekündigten Arbeitsgruppe “Taskforce Bildung” könne ein Neustart im föderalen Gefüge erreicht werden. Auf den Appell einiger Stiftungen, Verbände und Gewerkschaften hin, einen nationalen Gipfel mit dem Bundeskanzler zu organisieren, steht die Bundesministerin allerdings ablehnend gegenüber.
Ob Forderungen nach einem erneuten nationalen Bildungsgipfel diesmal mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Erfolg haben werden, bleibt noch abzuwarten.
Wie beurteilt ihr den Bildungsgipfel? Lasst gerne eure Kommentare da.
Millionen von Schüler:innen werden täglich in die Obhut von Lehrkräften und geschulten Pädagogen gegeben. Allein in Deutschland wurden zu Beginn des Schuljahres 2021/2022 771.700 Schüler:innen eingeschult. Es obliegt den Lehrkräften an jenen Schulen, den Eltern die Sicherheit zu geben, dass für ihre Kinder gesorgt wird. Wie diese Fürsorge genau definiert ist, klärt das Gesetzbuch. Laut Absatz eins des Artikel §1666 des Bürgerlichen Gesetzbuchs “wird das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes oder sein Vermögen gefährdet und sind die Eltern nicht gewillt oder nicht in der Lage, die Gefahr abzuwenden, so hat das Familiengericht die Maßnahmen zu treffen, die zur Abwendung der Gefahr erforderlich sind.” Unter anderem bezieht sich dies auch darauf, für die Einhaltung der Schulpflicht zu sorgen.
Im Bezug auf Schulen sieht das Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) seit 2012 vor, dass, sofern ein Verdacht auf Gefährdung oder Beeinträchtigung des Kindeswohls besteht, das Jugendamt und andere Stellen kontaktiert werden sollen. Kreise wie das Staatliche Schulamt Mannheim haben dazu etwaige Handlungsleitfaden erstellt. Hierbei werden Begriffe geklärt, Erscheinungsformen, Ablaufschemas und Vorgehen sowie Leitfäden für notwendige Gespräche und die nötigen Kontaktdaten. Die Bezirksregierung Köln fasste in Bezug auf Lehrkräfte zusammen, “dass alles zu tun ist, was der ihnen obliegende Erziehungsauftrag fordert und alles zu unterlassen ist, was diesem entgegensteht. Ein Lehrer muss alles tun, um jedweden Schaden von Kindern und Jugendlichen abzuwenden.”
Das Jugendschutzgesetz und seine Variation können am Ende des Tages nur Richtlinien liefern. Sie auszuführen obliegt den verschiedenen Autoritätspersonen, wie es Lehrer:innen sind. Allgemeine und rechtliche Informationen zum Thema Jugendschutz findet ihr unter Fachanwalt.de. Eine Lehrkraft ist befähigt, erzieherische Maßnahmen auszuführen, welches sich unter anderem bezieht auf:
Aber auch wenn eine Lehrkraft eine Autoritätsperson ist, so ist sie nicht dazu ermächtigt, die Rechte von Schüler:innen zu verletzen. Die Gesetze zum Kinder- und Jugendschutz greifen auch hier. Alles, was die Schüler:innen in ihren Rechten verletzt, ist somit außen vor. Dazu gehören:
Wie die FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter) bei einer Studie zum Jugendmedienschutzindex von 2022 feststellte, sind 77 Prozent der Eltern Deutschlands besorgt über die Online-Aktivitäten ihrer Kinder. Dahingegen ist die Zahl bei Heranwachsenden im Alter von 9 bis 16 Jahren weniger als die Hälfte mit 44 Prozent. Obwohl die Eltern noch besorgter sind als vor fünf Jahren, gibt es weniger aktives Handeln in Bezug auf Medienerziehung und ihre größte Sorge betrifft den Kontakt mit Fremden und verstörenden Inhalten, so die Studie. Die Kinder hingegen sind eher besorgt wegen anderen Heranwachsenden und ihrem Verhalten. Des Weiteren zeigt sich, dass Kinder heute viel eher mit den Risiken des Internets in Berührung kommen als noch vor ein paar Jahren. Unter den genannten Risiken waren dabei: zu viel Zeit im Internet, zu viel Werbung und Kontakt mit verstörenden Inhalten, Online Personen kennenlernen, denen nicht zu trauen ist, Online Belästigung und Online Mobbing.
Dr. Claudia Lampert, Senior Researcher am Leibniz-Institut für Medienforschung, meint, es kommt zu einer Entwicklung dahingehend, dass die größte Herausforderung Interaktion im Netz ist. Um diesem Problem zu begegnen, empfiehlt sie, enger mit pädagogischen Stellen zusammenzuarbeiten. Unterstützung und Hilfe für die Eltern ist ebenfalls vonnöten, da ein Bedürfnis zu Schutz und Teilhabe im Konflikt sind. Wenn gefragt wird, an wen sie sich wenden würden, wenn Hilfe benötigt wird, gaben drei von fünf Heranwachsenden an zu wissen, wer kontaktiert werden muss. Davon wiederum nannten 60 Prozent Lehrkräfte als Bezugspersonen.
Wenn eine Aktion nicht pädagogisch wertvoll ist oder der Jugendschutz verletzt wird, für den Lehrer:innen einstehen müssen, ist sie einer Lehrkraft untersagt. Diese Rechte erstrecken sich auch im Digitalen. Lehrkräfte dürfen wie andere Beamte soziale Medien privat nutzen, doch wird empfohlen, sich auch hier vernünftig zu verhalten. Das Kultusministerium sieht derweilen Umgang mit Medien als Schlüsselkomponente. Lehrer:innen sollten sich als Vorbild auch im Internet verhalten, um diese Werte ihren Schüler:innen zu vermitteln. Im Unterricht können Medien auch zum Aufarbeiten und Reflektieren verwendet werden. Rechte in Bezug auf persönliche Daten gelten allerdings weiterhin, wie etwa Schulnoten. Diese müssten im Unterricht oder innerhalb von schulinternen Portalen weitergegeben werden, nicht aber in Medien wie Twitter.
Denkst du, Lehrkräfte sollten noch mehr Rechte in Bezug auf den Schutz von ihren Schüler:innen haben? Wo denkst du, kann man den Jugendschutz noch ausbauen? Teil uns deine Meinung in den Kommentaren mit.
Der 21. März mag auf den ersten Blick ein Tag wie jeder andere sein, doch für ca. 50.000 Menschen allein in Deutschland ist das Datum ein Tag zur Anerkennung. Ein Tag, an dem die Welt an das Down-Syndrom und die tausenden davon betroffenen erinnert wird. Aber was ist das Down-Syndrom überhaupt und welche Initiativen für mehr Inklusion gibt es? Lehrer-News stellt euch einige spannende Projekte vor.
Beim Down-Syndrom handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine angeborene genetische Störung der menschlichen Chromosome. Chromosomen beinhalten unser Erbgut und bestimmen sowohl das Aussehen, als auch wie der Körper funktioniert.
Die Down-Syndrom Störung zeichnet sich dadurch aus, dass 47 Chromosome, also eins mehr als üblich, in der Genetik vorhanden sind. Das extra Chromosom ist das dreimal vorkommende Chromosom 21, weswegen Down-Syndrom auch als Trisomie 21 bezeichnet wird.
Von 600 Neugeborenen hat etwa eines, das extra Chromosom, welches für ihr auffallendes Aussehen verantwortlich ist. Dies geschieht in 95% der Fälle zufällig durch einen Defekt während der Reifung der Keimzellen, entweder im Ei oder im Samen. Wie genau es dazu kommt, ist allerdings noch ungeklärt.Was feststeht, sind die Konsequenzen durch das überschüssige Chromosom. Diese können sich vom bekannten äußerlichen Merkmalen (schräg stehende Augen, kleiner Kopf, kleine Mundhöhle mit großer Zunge…) erstrecken, bis hin zu Seh- und Hörstörungen, schwachem Immunsystem, psychischen Störungen, geistige Beeinträchtigung, größeres Risiko für gewisse Krankheiten, Knochen und Gelenkprobleme und Herzfehlern. In der Regel leben sie nicht länger als 60 Jahre als Resultat.
Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen sind ein Teil unserer Gesellschaft. Sie sind nicht mehr oder weniger Wert als jede andere Person und unter ihnen gibt es viele engagierte Menschen. Inklusion ist noch immer ein großes Thema in Deutschland und ein Gebiet, auf dem noch viel passieren muss oder wie Aktivist für Inklusion Raul Krauthausen es sagt, “Barrierefreiheit beginnt nicht im Kopf und Inklusion ist nicht einfach eine Frage der Haltung. Für behinderte Menschen sind es Menschenrechte, keine Gedankenspiele”. Ein Teil davon ist der Welt Down-Syndrom Tag.
Als Zeichen der Toleranz und sowie dem Schaffen von Bewusstsein wurde der Welt Down-Syndrom Tag ins Leben gerufen. Am 21. März, in Anspielung an das dreifach vorhandene Chromosom 21 bei Menschen mit Down-Syndrom. Seine Ursprünge hat der Welt Down-Syndrom Tag 2006 in Genf und wird seit 2012 auch innerhalb der Vereinten Nationen anerkannt. Ein beliebtes Zeichen der Unterstützung ist es, zwei unterschiedliche Socken zu tragen, in Bezug auf die menschliche Einzigartigkeit.
In der Vergangenheit wurden von Down Syndrome International (DSi), eine aus England stammende internationale Organisation mit dem Ziel die Lebensqualität von Menschen mit Down-Syndrom zu verbessern, gewisse Themen inkludiert wie 2022 Inclusion Means – zu deutsch Inklusion bedeutet und 2021 Connect – Verbinden. In diesem Jahr ist das Thema „With Us Not For Us“ – Mit Uns Nicht Für Uns. Hierbei wird ein Fokus gesetzt auf einen Menschen mit Down-Syndrom als Individuum und nicht als Ziel von Wohltätigkeit. Menschen mit Behinderungen sollen die gleichen Möglichkeiten haben wie alle anderen und mit anderen Arbeiten, um ihr Leben zu verbessern. Sie sollen ihre eigenen Entscheidungen treffen können, was Chancengleichheit verlangt. Chancengleichheit, die in der Vergangenheit kritisiert wurde.
Ein Problem bei der Inklusion wäre die mangelnde Definition und das pure Ersetzen von Integration durch Inklusion. Dies macht sich bemerkbar, aufgrund der Ausrichtung des Schulsystems zu homogenen Lerngruppen, wo andere eher individuelle Lerngruppen benachteiligt sind. Verschiedene Lernenden, insbesondere Schüler:innen mit Down-Syndrom haben verschiedene Bedürfnisse und inklusive Pädagogik besteht daraus Bildungs-, Entwicklungs- und Erziehungsansätze so zu strukturieren, dass Menschen (insbesondere Behinderte) in allen Lebensbereichen partizipieren können.
Dies ist allerdings meist noch nicht der Fall in Deutschland, was angesichts der hohen Anzahl an Schulabgänger:innen ohne Abschluss besonders problematisch ist. So betont GEW-Vorstandsmitglied Ralf Becker: „Der gemeinsame Unterricht aller Kinder und Jugendlichen in einem inklusiven Schulsystem muss dringend ausgebaut werden. Dafür müssen die allgemeinbildenden Schulen mehr personelle und materielle Ressourcen erhalten. Wir dürfen nicht weiter tatenlos zusehen, dass so viele junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen – und damit kaum Berufs- und Lebensperspektiven haben”.
Eine Stimme für die Gleichberechtigung kommt von Natalie Dedreux in einer Aufnahme mit dem WDR als Teil der Reihe "Moment mal! – wie ich ein politischer Mensch wurde". (9/9).
„Ich bin Natalie Dedreux und ich habe das Down-Syndrom. Ich bin politisch und interessiere mich für Politik.“ Sagt die 22-jährige Aktivistin und Journalistin für das Magazin “Ohrenkuss”, bei dem nur Menschen mit Down-Syndrom arbeiten.
Natalie war in einer inklusiven Gesamtschule, wie sie selbst berichtete und fand Schulfächer wie Politik und Geschichte gut, welche auch ihr Interesse an Politik selbst weckten. Etwas, das sie besonders anprangert im Vergleich mit Förderschulen, bei denen es solche Fächer nicht gibt. Somit bekommen Leute mit Down-Syndrom an solchen Schulen nicht dieselben Möglichkeiten wie sie Natalie hatte, was sie als nicht nachvollziehbar empfindet. „Wir sind doch nicht doof hier.“
Um die Inklusion von Menschen mit Behinderungen wie Down-Syndrom zu fördern, haben einige Personen bereits die Initiative ergriffen. Eine von ihnen ist Maria Möller, zusammen mit Laura Mohn Mitgründerin des Startups „Talking Hands“. Talking Hands haben sich auf farbenfrohe Daumenkinos spezialisiert, durch die Kinder spielerisch und interaktiv Gebärden erlernen können. Dadurch können Sprachbarrieren überwunden und Kommunikation gefördert werden, alles mit dem Ziel, Inklusion schon im Kindesalter als Lebensweise beizubringen. Den Service selbst gibt es auch als App.
„Inklusion funktioniert letztendlich nur, wenn alle mitmachen.“ So Maria im Gespräch mit Lehrer-News. „Wir sind damals mit der Mission gestartet, den Einstieg in die Gebärden-Welt für alle so leicht wie möglich zu machen. Der persönliche Antrieb dahinter ist Jami, die Schwester von Co-Gründerin Laura, die das Down-Syndrom hat.”
Möller beschreibt Gebärden insbesondere für Kinder mit Down-Syndrom als einen bedeutsamen Teil der Förderung, unter anderem weil deren Sprachentwicklung häufig stark verzögert ist. “Durch Gebärden gibt man den Kindern eine Möglichkeit, ihre Bedürfnisse mitzuteilen.” Um dies zu bewerkstelligen arbeiten sie eng zusammen mit Pädagog*innen, Logopäd*innen, Gehörlosen und Eltern von Kindern mit Behinderungen.
Maria Möller selbst kann bestätigen, dass die prävalente Meinung zum Gebärdenlernen positiv ist. „Viele sehen uns auch als Inspiration und überlegen selbst, inwiefern alle von Inklusions-Maßnahmen in ihrem Bereich profitieren können. Hinzu kommt, dass immer mehr Einrichtungen auf ein inklusives Konzept umstellen. Dadurch entstehen viele neue Chancen, frühzeitig ins Thema einzusteigen und die Gesellschaft langfristig inklusiver zu gestalten.“
Die Kinder werden von niemanden zur Inklusion gezwungen durch ihre Methoden. Stattdessen entscheiden sie sich selbst Gebärde zu lernen und werden durch die spielerische Art motiviert. Jedoch gibt es auch hier noch Dinge zum Ausbauen. Sie arbeiten stetig daran, ihren eigenen Wortschatz zu vergrößern, erstellen kontinuierlich neue Gebärden Illustrationen und entwickeln im Team zusammen neue Spiel-Ideen. Aber auch abseits des Services selbst gibt es Wünsche für die Zukunft. „Für die Zukunft wünschen wir uns mehr Selbstverständlichkeit für das Thema Inklusion. Viele Pädagog*innen kommen auf uns zu und erzählen uns, wie toll sie die Idee finden, aber hätten in ihrer Einrichtung momentan keine Kinder mit Behinderung und deshalb keinen Bedarf. Dabei geht es aber um so viel mehr. Kinder in der frühkindlichen Erziehung für das Thema Inklusion und beispielsweise Gebärden zu sensibilisieren, hilft uns, unsere Gesellschaft nachhaltig inklusiver zu gestalten”, so Möller.
Aber auch nach der Kita für den Schulalltag gibt es schon Möglichkeiten, wie die App SPLINT.
SPLINT ist eine Anwendung von Friedo Scharf, welcher leider nicht für den Artikel rechtzeitig erreichbar war. SPLINT’s Aufgabe ist es, individuelle Förderpläne für Schüler:innen zu erstellen. Die Diagnostik von bestimmten Kindern, wie etwa Down-Syndrom, können in die App eingegeben werden, welche dann einen Förderplan erstellt. So muss keiner im Unterricht zurückbleiben, egal wie viele Chromosomen sie haben.
Was sind eure Erfahrungen mit dem Down-Syndrom? Habt ihr Wünsche oder Ideen bezüglich der Inklusion? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Südafrika im Jahr 1960 – über der damals unter dem Namen „Südafrikanische Union“ bekannten Nation wütet das Gespenst der Apartheit. Der Staat segregiert systematisch schwarze von weißen Menschen und schränkt die Menschen- und Bürgerrechte der nicht europäischstämmigen Menschen wesentlich ein. Die schwarze Mehrheitsgesellschaft leidet in jederlei Hinsicht aufs schlimmste unter den menschenverachtenden Restriktionen. Aus Protest gegen ihre allumfassende Unterdrückung schließen sich Teile der schwarzen Bevölkerung zusammen und gründen die Befreiungsbewegung “Panafrikanischer Kongress” (PAC). Am 21.03.1960 versammelten sich mehr als 5000 Anhänger der Befreiungsbewegung in Sharpeville, einer 50 Kilometer südlich von Johannesburg gelegenen Stadt, um gegen die bestehenden Passgesetze zu protestieren, die die räumliche Abtrennung von schwarzen zu weißen Menschen bedingen und die schwarze Bevölkerung dazu verpflichten sich nur mit einer Aufenthaltsgenehmigung in von weißen Menschen bewohnten Vierteln aufzuhalten. Es war ein friedlicher, gewaltfreier Protest geplant, bei dem die Demonstrierenden auf ein Polizeirevier zuliefen, um sich danach – weil sie keinen Pass mit sich geführt haben – widerstandslos verhaften zu lassen. Recht schnell häufte sich ein großes Polizei- und Militäraufgebot an. Nachdem wohl einzelne Anhänger der PAC Steine in Richtung des Polizeireviers geworfen haben, wurde ein Schießbefehl seitens eines Polizeioffiziers ausgesprochen. 69 schwarze Menschen, darunter mehrere Kinder, wurden, bei dem heute als „Sharpeville-Massaker“ bekannten Ereignis, getötet, mehrere hundert Menschen wurden dabei verletzt.
Der daraufhin eintretende internationale Protest war enorm, der UN-Weltsicherheitsrat forderte das Ende der Apartheit und viele ausländische Unternehmen zogen sich aus Südafrika zurück. Die Vereinten Nationen entschieden sich im Jahr 1966 diesen schrecklichen Vorfall zum Anlass zu nehmen am 21. März den Internationalen Tag gegen Rassismus einzuführen.
Internationale Wochen gegen Rassismus
Seit 1979 finden um den Internationalen Tag gegen Rassismus auch die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Ziel der Aktion ist es, den Opfern von Rassismus Solidarität zu zollen und jeglicher Form von Rassismus und Rassendiskriminierung, international vereint, entgegenzutreten.
Dieses Jahr stehen die Internationalen Wochen gegen Rassismus, die bis zum 2. April andauern, unter dem Motto „Misch dich ein“. Jürgen Miksch, geschäftsführender Vorstand der Stiftung gegen Rassismus, spricht von 250.000 Menschen, die die zahlreichen, von Vereinen, Initiativen, Schulen, Kommunen und religiösen Institutionen geförderten, Diskussionsrunden, Workshops, Fotoausstellungen und Projekttage wahrnehmen werden. Miksch verspricht sich vom diesjährigen Motto „eine langfristige Offensive für ein gutes Miteinander und einen gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schaffen“. Denn, so führt Miksch weiter aus, sehen in Deutschland wieder mehr Leute Rassismus als ein großes gesellschaftliches Problem. Belegbar ist das dadurch, dass beispielsweise die Anzahl antisemitischer Straftaten in den letzten Jahren wieder gestiegen ist.
Rassismusformen in der Schule
Und auch in der Institution Schule findet Rassismus in vielen verschiedenen Formen weiterhin Einklang. Eine wäre die systematische Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund, trotz Erbringung der gleichen Leistungen wie Kindern ohne Migrationshintergrund. Das ergab eine Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). „Schüler:innen mit Migrationshintergrund werden in den Fächern Mathematik und Deutsch bei der Erbringung der gleichen Leistung durchschnittlich schlechter benotet.“ Ähnlich schwierig verhält es sich bei Gymnasialempfehlungen, die Schüler:innen mit Migrationshintergrund trotz gleicher Ergebnisse in standardisierten Leistungstests seltener bekommen.
Eine weitere Form von Rassismus, die in Schulen häufig erscheint, ist Alltagsrassismus, der im Schulkontext häufig unter sogenannten Mikroaggressionen zu Tage tritt. Dazu gehören verächtliche Blicke, eine aggressive Sprache und viele weitere Formen, die es zufolge haben, dass Kinder ausgegrenzt werden. Wissenschaftler:innen warnen vor den schweren psychischen und physischen Konsequenzen, die Mikroaggressionen haben.
Prof. Dr. Karim Fereidooni, Didaktik Professor an der Universität Bochum, benennt weitere, tiefsitzende Rassismusprobleme, die es an vielen Schule gibt. So wohnen vielen Schulbüchern immer noch viele Rassismus relevante Elemente inne, konkret moniert er die undifferenzierte Darstellung des afrikanischen Kontinents, der seinen Aussagen nach, zu sehr auf „wilde Tiere, Lehmhütten und unnötige Kriege“ reduziert wird und nicht die gleiche Vielfältigkeit in der Darstellung wie zum Beispiel Europa und Nordamerika bekommt.
Prof. Dr. Fereidooni beleuchtet auch, dass Lehrer:innen of Color zuweilen schweren rassistischen Ressentiments ausgesetzt sind. Aufgrund ihres Aussehens wird Lehrkräften häufig das „Deutschsein“ abgesprochen und darüber hinaus auch die Fachkompetenz.
Wie begegnet man Diskriminierung?
Um Rassismus nachhaltig aus dem Schulalltag zu beseitigen wünscht sich Prof. Dr. Fereidooni, dass das Thema Rassismus nicht weiterhin großflächig tabuisiert wird. Darüber hinaus appelliert er an Schulleitungen, Verantwortung zu tragen und sich lautstark gegen Rassismus auszusprechen.
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat einen Praxisleitfaden zum Abbau von Diskriminierung in der Schule herausgegeben, in dem sie schildert, wie Lehrkräfte präventiv und interventiv gegen Diskriminierung in der Schule vorgehen können. Als Präventivmaßnahmen wird beispielsweise empfohlen mögliche Opfer über ihre rechte aufzuklären und sie darin zu bestärken, diese im Ernstfall auch wahrzunehmen. Da es aber zweifelsohne fatal wäre, bei Präventivmaßnahmen nur bei den Opfern anzusetzen, werden Antidiskriminierungsworkshops nahegelegt, die Schüler:innen sensibilisieren.Um bei bereits geschehener Diskriminierung angemessen zu reagieren, wird geraten immer eine mediierende Person einzuschalten, um eine konstruktivere Kommunikation zu gewährleisten. Genauere Praxisanweisungen der Antidiskriminierungsstelle findet Ihr hier.
Es lässt sich konstatieren, dass Rassismus auch noch im Jahr 2023, besonders in Schulen, ein großes Problem darstellt. Gerade weil Rassismus in so vielen verschiedenen Formen auftritt, ist er so gefährlich und das Verhindern so kompliziert und situativ. Die Internationalen Wochen gegen Rassismus sind ein wichtiger Schritt, um dem gesamtgesellschaftlichen Problem Rassismus langfristig die Stirn zu bieten und ein einheitliches Zeichen gegen rassistisches Gedankengut zu senden. Dass die Schule als frühe Sozialisationsinstanz und Wertevermittler klare Hilfsangebote bietet, ist daher unabdingbar. Welche Programme es konkret gegen Rassismus in der Schule gibt, findet ihr hier.
Wie nehmt ihr Rassismus in euren Schulen wahr? Wie geht ihr damit um? Lasst es uns gerne wissen und schreibt einen Kommentar!
Berlin. Die Corona-Pandemie hat den Alltag und die Stimmung vieler Menschen zum Teil nachhaltig verändert, aber politische Ereignisse wie der aktuelle Krieg zwischen Russland und der Ukraine oder die wachsende Inflation sorgt die Erwachsenen und Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der Bepanthen Kinderförderung, welche die Stimmungslage in Familien in Folge der mehrjährigen Pandemie untersucht hat. Wir stellen euch im Folgenden die wesentlichen Ergebnisse vor.
Seit 2008 setzt sich die Bepanthen-Kinderförderung für Kinder und Jugendliche ein. Alle zwei Jahre führt sie gemeinsam mit der Universität in Bielefeld Sozialstudien durch, um aktuelle Problemfelder oder die Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen zu analysieren. Insbesondere Themen wie Achtsamkeit, Kinderarmut und Gewalt möchte die Organisation damit genauer beleuchten.
Bei der aktuellen Studie im Auftrag des Bayer-Konzerns wurden 1.007 Eltern befragt. 86 Prozent von ihnen sind der Auffassung, dass ihre Kinder sehr bzw. überwiegend positiv in die Zukunft blicken würden. Zehn Prozent hingegen meinen, dass ihre Kinder diesbezüglich eher negative Zukunftsaussichten hätten. Die eigenen Aussichten stuften die Eltern hingegen deutlich negativer ein. Nur 76 Prozent der befragten Erwachsenen gaben an, die Zukunft eher oder sehr optimistisch zu betrachten. 23 Prozent nehmen sie als mehr oder weniger negativ wahr. So betrachtet fast jedes vierte Elternteil die Zukunft negativ.
Des Weiteren wurden die Eltern gefragt, wie sie die Ängste ihres Kindes einschätzen würden. Wenn sich die Kinder sorgen, dann am ehesten über die Umweltverschmutzung (49 Prozent) oder, dass es in Deutschland zu einem Krieg kommen kann (45 Prozent). Eher weniger ängstlich seien die Kinder, wenn es um Terroranschläge (28 Prozent) oder eine schlechte Wirtschaft/ Preissteigerungen (28 Prozent) geht. Die Sorgen der Kinder um die Corona Pandemie befinden sich nur im mittleren Bereich.
Wie würdet ihr als Lehrpersonen das Stimmungsbild der Schüler:innen einordnen? Sind die genannten Sorgen der Kinder auch Teil vom alltäglichen Unterricht? Wenn ja, wie geht ihr damit um? Lasst es uns gerne unten in den Kommentaren wissen.
„Die Lösung, die ich fordere, besteht darin, die fatale Trennung von Fächern zu beseitigen, die die Vitalität unseres modernen Lehrplans zerstört. Es gibt nur einen Gegenstand für Bildung, und das ist das Leben in all seinen Erscheinungsformen.“ schrieb Philosoph und Mathematiker Alfred North Whitehead im Jahr 1929 in seinem Essay. Das Zitat ist zwar nun fast 100 Jahre her, doch seine Relevanz ist größer denn je. Hierin liegt die These zugrunde, dass der Unterricht, wie wir ihn heute kennen, wo Fächer wie Mathematik, Physik, Chemie oder Biologie voneinander getrennt unterrichtet werden, nicht zielführend ist. Die Frage, wie eine qualitativ hochwertige Bildung aussieht, beschäftigt Menschen nach wie vor. Wir, von Lehrer-News, möchten daher einige aktuelle Thesen, u.a. von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zu den wichtigsten Einflussfaktoren einer besseren Schulqualität, im folgenden Artikel diskutieren.
Bildung individualisieren.
Der BDA appelliert zur Berücksichtigung von individuellen Baustellen der Kinder. Soziale Benachteiligung, mangelnde Sprachkenntnisse und unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten brauchen Lehrkräfte und Systeme, die sich um einen Nachteilsausgleich bemühen und mehr Unterstützung anbieten. Vorgeschlagen wird bereits in der Vorschule eine Bestandsaufnahme der Sprachkenntnisse durchzuführen und entsprechend verbindliche Sprachfördermaßnahmen einzusetzen. Die unterschiedlichen Leistungsniveaus, welche durch ungünstige Startbedingungen verstärkt werden sollen mit Ausgleichprogrammen gefördert werden.
Schule, Lehrkräfte und Schulaufsicht stärken.
Die Hattie-Studie stellt insbesondere die Lehrer-Schüler-Interaktion als Erfolgsfaktor für guten Schulunterricht hervor. Doch in Anbetracht des Personalmangels sind die Anforderungen an Lehrer:innen mittlerweile schwer zu bewältigen. Ein Vorschlag wäre die Nutzung von Assistenzfunktionen und digitalen Medien, um die Lehrkräfte in ihrer zentralen Rolle mehr zu unterstützen. Der Schule als solches müsste mehr Entscheidungs- und Umsetzungsspielraum gewährt werden, welche die Schulaufsicht in den Entwicklungen aktiver begleiten soll.
Soziale, personale und digitale Kompetenzen fördern.
Der Erziehungsauftrag, junge Menschen in ihrem Erwachsenwerden in Bereichen der Kommunikation, Kooperation und Verantwortung zu unterstützen soll nicht zu kurz kommen. Mit Blick auf die Zukunft gehören zur Persönlichkeits- und Identitätsbildung nun auch digitale Kompetenzen dazu. Wissenstransfer darf den Fortschritten der Technologie nicht hinterhinken. Konkret heißt dies für die BDA den Digitalpakt für 2024 auf Basis von Erfahrungswerten des vorherigen Jahres aufzubessern und entsprechend anzupassen.
Evidenzbasiert und empirisch arbeiten.
Das Bundesverfassungsgericht forderte zuletzt von der Kultusministerkonferenz die Schaffung einer Möglichkeit, Leistungen von Abiturienten bundesweit vergleichbarer zu machen. Generell sollen Erkenntnisse aus Wissenschaft und empirischer Forschung sowie anerkannte Best Practice Beispiele aus anderen Ländern in der Lösungsfindung für Deutschland einen höheren Stellenwert bekommen.
Felicitas Thiel, Ko-Vorsitzende der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz und Heinz-Elmar Tenorth, Professor für Historische Erziehungswissenschaften, unterhielten sich zum Thema Mindeststandard in der Bildung. Dabei gibt es allein bei der Definition eines sogenannten Mindeststandards unterschiedliche Auffassungen. Der IQB-Bildungstrend basiert auf Beobachtungen einzelner Unterrichtsfächer und setzt dahingehend v.a. fachliche Kernkompetenzen fest. Das Bundesverfassungsgericht weitet die Definition allerdings auch auf soziale und kulturelle Kompetenzen aus, laut Tenoth. Da eine gelungene Bildung dahingehend auch zu einer erfolgreichen Teilhabe an der Gesellschaft und zu einem selbstbestimmten Leben verhelfen sollen. Implementierungsstrategien, mehr Diagnostik im Unterricht und Aufklärung über Programme und Instrumente (Toolboox BiSS, „Quop“) für Lehrkräfte wären hierbei wichtig.
Wie sieht der Unterricht bei euch aus? Was sind eure Ideen bzgl. eine bessere Schulqualität? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Das Lebenslange Lernen beschreibt die Idee, dass die Aneignung von Wissen und Kompetenzen sich über das ganze Leben erstreckt. Neue Fähigkeiten zu erlernen und weiterzuführen hört nicht auf mit dem Ende der schulischen Laufbahn. Weiterbildungen in der Form von Seminaren bieten Möglichkeiten zum Lernen. Möglichkeiten, die in den letzten Jahren beliebter werden. Das Statistische Bundesamt konnte im Jahr 2020 feststellen, dass 52 Prozent von Beschäftigten im Unternehmen an Lernveranstaltungen teilnehmen. Mit über der Hälfte der Arbeitnehmer:innen, ist dies die bislang größte Anzahl an Nutzern solcher Gelegenheiten. Laut der Bertelsmann-Studie "Glück, Freude, Wohlbefinden – welche Rolle spielt das Lernen?" gibt es sogar einen Zusammenhang zwischen Lernen und Wohlbefinden, mit 86 Prozent der Befragten von der Meinung, das sich lernen positiv auswirkt für das eigene Wohlbefinden. In Anbetracht des hohen Interesses an Seminaren und ihrer möglichen Funktion für die Zufriedenheit, sind Seiten wie die Seminarbörse heutzutage mehr und mehr relevant geworden.
Die Seminarbörse ist eine Website, die von den Zwillingsbrüdern Walter und Günter Willems in den 90er Jahren gegründet wurde. Die Idee der Brüder war es, einen digitalen Bildungs-Marktplatz zu erschaffen zur Erhöhung der Transparenz in Bezug auf Seminaren im deutschsprachigen Raum. Ähnlich wie bei Jobbörsen, können Suchende alle Angebote navigieren, um die idealen Seminare für ihre Wünsche und Zwecke zu finden. Des Weiteren bietet die Seminarbörse einen Bildungsratgeber, der Informationen zu den Bereichen Schule, Ausbildung, Studium, Beruf und Freizeit in einer Frage- und Antwort Darstellung präsentiert. Diese Informationen sind redaktionell aufbereitet, auf Wahrheitsgehalt überprüft und sollen das Angebot abrunden.
Ziel des Angebots ist es, einen digitalen Bildungs-Marktplatz zu schaffen, der sowohl schnell, als auch individuell und kompetent diejenigen zusammenführt, die Weiterbildungen anbieten und ersuchen. Dabei soll der Seminarmarkt neu definiert werden und über das Internet Anbieter, Referenten, Hersteller, Suchende und andere zusammenzubringen.
Zu guter Letzt wollen sie als eine anbieterneutrale und unparteiische Alternative Menschen dazu bewegen, „das Lernen als bleibende Herausforderung und als Chance für die persönliche Lebensgestaltung anzunehmen.“ Ob für die berufliche Fortbildung oder persönlichem Interesse ist hierbei nebensächlich und eine Konkurrenz mit anderen Bildungseinrichtungen gibt es nicht.
Ausbildung & Studium, Berufliche Weiterbildung und Private Weiterbildung sind die drei Kategorien, nach denen die Seminarbörse ihre Angebote einteilt. Zum Starten einer Suche muss eine der Kategorien ausgesucht werden, so wie entweder ein Seminar oder Anbieter, oder eine Stadt oder PLZ. Such- und Filterfunktionen wurden detaillierter in Bezug auf Seminaren und Anbietern. Seminare können gefiltert werden mit Suchbegriffen, Preis, Datum, Ort, Bundesland, Veranstaltungsart, Durchführungsmöglichkeit, Veranstaltungszeitraum und ob Teilnehmende mit einem Zertifikat belohnt werden. Anbieter können wiederum gefiltert werden mit Optionen zum Ort, ihre Marktpräsenz bezogen auf Alter, Schwerpunkten innerhalb des Seminars (Branchen oder Marktbezogen etc.), Veranstaltungstyp, bestehende Abschlüsse des Anbieters und Art des Anbieters.
Die Seminarbörse wurde viermal von der Stiftung Warentest geprüft. Die aktuelle Bewertung kommt aus dem Jahr 2017, wo die Seminarbörse das Qualitätsurteil von 2,0 (Gut) erhalten hat. Seitdem gab es einiges an Änderungen, wie einen Relaunch der Website für Österreich, das Einrichten weiterer Werbemöglichkeiten und eine komplette Erneuerung der Seminarbörse im Jahr 2022. Teil dieser Änderungen war unter anderem ein moderneres Layout, dem Anzeigen von der Treffer-Anzahl von Seminaren und Anbietern, anzeigen von beliebten Kategorien, der Möglichkeit Seminare auf eine Merkliste zu setzen, mehr Werbeangebote für Anbieter (unter anderem auf Sozialen Medien) und jährliche Prüfungen der Anbieter. Des Weiteren gab es eine Erweiterung der Suchfunktionen.
Im Bezug zum Konzept des Lebenslangen Lernen kann jeder von Seminaren profitieren, um die eigenen Kompetenzen zu erweitern. Insbesondere Lehrkräfte können sich die Seite und Angebote zu Nutze machen. Allein der Bildungsratgeber kann sowohl Lehrer:innen als auch Schüler:innen Informationen für den Schulalltag liefern, wie profitable Wege zur Nachhilfe, kostenfreie Textbücher oder das schnelle Finden von Bewertungen für Studiengänge. Damit können Lehrkräfte ihren Schüler:innen eine weitere wichtige Stütze geben. Im stärkeren Bezug auf Lehrer:innen können Fortbildungen die eigenen Kompetenzen erweitern, was den Unterricht qualitativ besser macht und somit auch den Schüler:innen zu Gute kommt. Die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigen natürlich auch.
Was denkst du von der Seminarbörse? Ist es etwas Interessantes für deinen persönlichen Berufsweg? Teil deine Meinung gerne in den Kommentaren. Solltest du noch mehr über Weiterbildungen wissen wollen, kannst du hier über didacta, den größten Weiterbildungskongress der Branche lesen, oder hier über die Weiterbildung spezifisch für Lehrer:innen.
München. Seit der Gründung des EdTech-Startups Edurino im Jahr 2021 ist einiges passiert. Nach einem erfolgreichen Markteinstieg erhält Edurino nun 10,5 Millionen Euro in einer Series-A-Finanzierung. Zum Investorinnen Team neu dazugekommen sind die Hauptinvestoren DN Capital, Tengelmann Ventures und FJ Labs. Die Bestandsinvestoren btov, Jens Begemann und Emerge Education bleiben weiterhin beteiligt.
Das Produkt konnte in kürzester Zeit 160 Bildungseinrichtungen, mehr als 10 der bekanntesten Einzelhändler und Familien mit einem Verkauf von 100.000 Produkten überzeugen. Das hybride Lernsystem wird mittlerweile in etlichen Vorschulunterrichten eingesetzt und kann u.a. in Thalia, Müller, Media Markt, Saturn und MyToys erworben werden.
Zurzeit besteht Edurino aus einer Lern-App, analogen Spielfiguren und einem ergonomischen Eingabestift. Diese sollen besonders Kinder zwischen 4 bis 8+ Jahren mit dem digitalen Lernen vertraut machen. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen strebt Edurino das Fördern von logischem Denken, Coding, Naturkunde, Kreativität und Medienkompetenz an. Ziel soll sein, Kindern spielerisch, Kompetenzen der Zukunft zu vermitteln und auf die Herausforderungen und Erwartungen eines digitalen Zeitalters vorzubereiten.
Die Gründerinnen Irene Klemm und Franziska Meyer möchten nun global expandieren: “Laut Prognosen werden unsere Kinder in 10 Jahren in Jobs arbeiten, die es heute in dieser Form noch nicht gibt. Um diese Kompetenzlücke zu schließen, vermittelt Edurino Kindern mit der Magie von Spielen wichtige Zukunftskompetenzen, welche sie die Digitalisierung als ein nützliches Werkzeug für die Welt von morgen verstehen lässt”. Zukunftspläne mit dem neu gewonnenen Kapital richten sich an den Aufbau von einer personalisierten Lernplattform für Kinder auf der ganzen Welt.
Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger lud am Dienstag zum Bildungsgipfel in Berlin. Es war eine Veranstaltung, bei der vieles deutlich wurde. Vor allem der gegenwärtige Zustand der bildungspolitischen Debatte.
Zu Beginn des Bildungsgipfels hat Stark-Watzinger (FDP) die besorgniserregende Situation im deutschen Bildungssystem beschrieben. Rund 630.000 junge Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren sind weder in einer Beschäftigung oder Ausbildung noch einer Schule tätig, während 20 Prozent der Grundschüler die vierte Klasse ohne grundlegende Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen verlassen. Es herrscht ein Mangel an Lehrern und pädagogischen Fachkräften, auch im Kindergarten. Zusätzlich ist die Umsetzung der Digitalisierung im Bildungssystem bisher unzureichend.
Die Ministerin kritisierte die unterschiedlichen Datenschutzregelungen in den 16 Ländern und forderte alle Beteiligten im Bildungssystem auf, nicht gegenseitig die Schuld zuzuschieben, da dies keinen positiven Effekt auf das Wissen der Kinder habe. All diese Erkenntnisse und Befunde sind überhaupt nicht neu, sondern leider ziemlich alt. Aber in der Summe können sie einem Angst machen. "Das deutsche Bildungssystem steckt in einer tiefen Krise, die uns alle betrifft", sagte Stark Watzinger in einem Interview in der "Bild".
Bei der Veranstaltung waren rund 600 Teilnehmer dabei, jedoch wurden keine konkreten Entscheidungen getroffen. Stattdessen gab es viel Kritik von externen Stimmen.
Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) plant eine Task-Force, bestehend aus Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen, um die Zusammenarbeit im Bildungsbereich zu verbessern. Sie betonte, dass die Bildungslandschaft in der Krise stecke. Besonders in wichtigen Bereichen wie der Digitalisierung oder dem von der Ampel geplanten
“Startchancen-Programm” für 4.000 Schulen sei eine engere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ebenen, einschließlich Bund und Kommunen, von großer Bedeutung. Wann die von Stark-Watzinger angestrebte Taskforce gegründet wird, wer genau ihr angehören wird, wann erste Ergebnisse präsentiert werden sollen – all das blieb am Dienstag noch vage.
Mit Blick auf das geplante Startchancen-Programm, bei dem insbesondere Schulen in Brennpunkten gefördert werden sollen, plädierte der Hamburger Schulsenator Thies Rabe (SPD) dafür, die Verteilung der Gelder nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel zu überdenken und das Geld vielmehr nach der Betroffenheit der Länder und Kommunen zu verteilen.
Handwerkspräsident Jörg Dittrich äußerte ebenfalls Bedenken bezüglich der zunehmenden Lernrückstände bei Schüler:innen nach der Corona-Krise während des Bildungsgipfels. Er warnte davor, dass sich aus diesen umfassenden Lernlücken eine umfassende Bildungslücke ergeben könnte. Jeder Jugendliche sei wichtig, um sicherzustellen, dass Handwerksbetriebe in der Lage seien, zukünftige Herausforderungen mit gut qualifizierten Fachkräften zu bewältigen. Dittrich forderte eine Bildungswende für Deutschland und betonte, dass Schulen nicht nur auf die Ausbildungsreife, sondern auch auf die Kompetenz bei der Berufswahl als Lernziel achten sollten.
Im Jahr 2008 fand der letzte große Bildungsgipfel statt, der hochkarätig besetzt war. Bei der Neuauflage im Jahr 2023 waren jedoch viele geladene Gäste nicht erschienen, was von einem Zusammenschluss aus Gewerkschaften, Stiftungen und Verbänden kritisiert wurde. Sie bemängelten, dass das diesjährige Format nicht der Dimension der Herausforderungen gerecht werde und forderten einen "echten Nationalen Bildungsgipfel" mit Bundeskanzler und einen "Neustart in der Bildung".
"Die Arbeit passiert an der Basis", entgegnet Bildungsministerin Stark-Watzinger der Kritik. Es sei "old school" zu denken, man mache einen Gipfel und dann seien die Probleme gelöst. Dieses Treffen sei ein erstes Zusammenkommen von Vertretern der Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrer, aber eben auch der Verbände, Wissenschaft und Politik. Eine erste Möglichkeit für Austausch und damit erst der Beginn der Arbeit.
Stark-Watzingers Anstoß, "jenseits der bekannten Formate" zusammenzuarbeiten, soll nun wohl ein Impuls sein, bei dem Streit um die Verantwortlichkeiten in der Bildungspolitik, insbesondere zwischen Bund, Ländern und Kommunen, den Fokus wieder stärker auf den Kern, nämlich die Bildung der Kinder und Jugendlichen, zu lenken. Das geplante Startchancen-Programm der Ampelregierung sei eine Chance, um zu beweisen, dass man zusammenarbeiten kann, sagte Stark-Watzinger. Gleichzeitig gehe es aber auch darum, zu beweisen, dass die Gelder nicht nur im Haushalt auftauchen, sondern wirklich bei den benachteiligten Kindern und Schulen ankommen.
Der Bildungsinfluencer Bob Blume kritisierte in einem Statement den "Bildungshügel" stark: „Im Grunde Genommen war dieses Gipfelchen schon vorbei als es angefangen hat, wenn 14 von 16 Kultusminister:innen absagen bevor es losgeht kann das nur bedeuten, dass keiner den Ernst der Lage wirklich versteht.” Weiterführend erklärt er: „Was in dieser geselligen Podiumsdiskussion vereinbart wurde, ist ja auch nur Schall und Rauch. "Natürlich sollte mehr zusammengearbeitet werden.” Abschließend gab es noch scharfe Worte in Richtung der Teilnehmenden des Gipfels: „Viel problematischer ist auch noch die Tatsache, dass von denen, die dort waren, auch Leute sagen, dass es gar keine strukturellen Probleme geben würde. "Das nenne ich fast schon Realitätsverweigerung.”
Im Zeitalter der Digitalisierung stehen Lehrkräften mehr Hilfsmittel zur Verfügung als je zuvor. Dazu kommen Debatten darüber, wie effektiv das Abitur noch ist, um die nächste Generation vorzubereiten. Mit Hilfe dieser neuen Wege zur Unterstützung des Unterrichts könnte das Abitur verbessert werden, doch diese effektiv zu nutzen benötigt nicht nur eine Motivation der Lehrkräften, sondern auch das praktische Wissen über eine geeignete Anwendung.
Ein mögliches Tool wäre ChatGPT, nun auch verfügbar als ChatGPT-4. Zahlende Plus-Kunden können die verbesserte Version der KI nutzen, doch die kostenlose ChatGPT steht immer noch zur Verfügung und kann auch im Klassenzimmer eine Hilfe sein.
Dieser Artikel soll nicht nur ChatGPT als Tool vorstellen, sondern auch Lehrkräfte über Potential und Risiken der künstlichen Intelligenz aufklären.
Bei ChatGPT handelt es sich um einen Chatbot Prototyp, entwickelt vom Unternehmen OpenAI, der im November 2022 veröffentlicht wurde. ChatGPT ist textbasiert und beruht auf maschinellem Lernen. Hierbei handelt es sich um eine Form des Lernens, bei der eine Maschine trainiert wird, sich selbst stetig zu verbessern, durch das Erlangen von Daten. Algorithmen werden so gebaut, dass sie Muster und Korrelation in Datensätzen erkennen und darauf basierend eine Entscheidung treffen. Mit der Zeit, sowie den Daten und mit dem Input anderer, erlangt ChatGPT mehr und mehr Wissen. In diesem Aspekt wird sie von den Nutzern und mit unserer Interaktion mit der KI unterrichtet.
ChatGPT kann kostenlos über den Browser genutzt werden. Als erstes müsst ihr auf die Website https://chat.openai.com/ gehen und einen OpenAI Chat Account erstellen. Dieser ist kostenlos und benötigt nur eine E-Mail-Adresse, sowie ein Passwort. Daraufhin folgen eine Bestätigungsmail, das Eintragen eines Namens sowie eine Telefonnummer. Die Telefonnummer wird mit einem weiteren Code per SMS überprüft. Daraufhin ist es möglich, die KI zu benutzen. Obwohl die Seite selbst nur auf Englisch verfügbar ist, kann die KI auch deutsche Anfragen verstehen und auf deutsch antworten. Die KI wird auf eure Fragen und Texte, die ihr eingebt, reagieren.
Aber wie könnt ihr nun ChatGPT im Unterricht einsetzen? Hier haben wir für euch einige Beispiele aufgelistet:
Wie bei jeder Technologie gibt es allerdings auch bei ChatGPT Risiken:
ChatGPT steht jedem frei zur Verfügung, der es nutzen will, Schüler:innen nicht ausgeschlossen. Und tatsächlich kann mit der Software jeder auch wissenschaftliche Texte oder Referate erstellen, ohne diese selbst zu schreiben. Die Eigenständigkeit von Texten zu überprüfen, wird damit zu einer größeren Herausforderung für Lehrkräfte. Hierbei sind neue Werkzeuge gefragt, wie der Einsatz von digitalen Wasserzeichen, um zu garantieren, dass Schüler:innen nicht nur ihre Arbeit an die KI ‘Outsourcen’. Auch wenn ChatGPT sehr beim Lernen unterstützen kann, so ist auch ein Potenzial zum Betrug vorhanden. Des Weiteren ist, wie bereits erwähnt, auch die KI nicht unfehlbar. Überzeugende aber falsche Aussagen können auch erstellt werden.
Wenn man bedenkt, dass die Bildung Deutschlands auch das Internet und Taschenrechner integriert hat, steht es um ChatGPT im Klassenzimmer gar nicht so schlecht. Dennoch gibt es noch reichlich an Debatten bezüglich dem vermeintlichen Potential, Nutzen und Risiken, die wahrscheinlich noch lange anhalten werden.
Was haltet ihr von künstlicher Intelligenz als Teil des Klassenzimmers? Seht ihr es als bahnbrechend, zu großes Risiko oder als nicht praktisch genug? Teilt eure Meinung gerne in den Kommentaren.
Essen. Unter dem Motto “Gesund aufwachsen im Revier” jährt sich am 18. März zum achten Mal der Ruhrgebietskongress zu Kinder- und Jugendgesundheit. Seit vielen Jahren fördert MedEcon Ruhr den regionalen Austausch der Professionen und Institutionen aus der Gesundheitsversorgung, dem Bildungswesen und der Jugendhilfe und Wohlfahrt. Der Kongress setzt es sich zum Ziel, Kitas und Schulen dabei zu unterstützen, gesund aufzuwachsen.
Gerade Familien, die schon im Alltag einen hohen Unterstützungsbedarf aufweisen, möchte der Kongress unterstützen. Gerade für diese Familien/ Kinder sind Schulen und Kitas von besonderer Bedeutung, um die gesundheitlichen Auffälligkeiten rechtzeitig zu erkennen und zu fördern, Gesundheitskompetenzen von Kindern sowie Jugendlichen rechtzeitig zu fördern und um die alltägliche soziale Teilhabe von gesundheitlich eingeschränkten Kindern und Jugendlichen zu unterstützen.
Das Projekt zeigt Wirkung, denn immer mehr Kommunen machen sich auf den Weg, um an der Gesundheitsförderung von Kindern und Familien in den Stadtteilen teilzunehmen und um sie zu versorgen und unterstützen. Daraus entstehen neue Perspektiven für sozialräumliche Partnerschaften in Berufen aus den Bereichen Bildung, Sozial und Gesundheit. Diese machen es möglich, Kooperationsansätze zu schaffen, von Gesundheitslotsen bis hin zu direkten Gesundheitsangeboten in Kitas und Schulen.
Der Kongress für Kinder- und Jugendgesundheit bietet den Besuchern die Möglichkeit, sich mit anderen Teilnehmern über praktische Ansätze und politische Rahmenbedingungen auszutauschen. Unter einigen anderen Gästen werden Lorenz Bahr, Staatssekretär im Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Uwe Kremer, Geschäftsführer MedEcon Ruhr und Peter Renzel, Stadtdirektor der Stadt Essen am Kongress teilnehmen.
Am 18. März wird der Kongress im Hotel Franz in Essen in Präsenz stattfinden, das Plenumsprogramm wird aber auch zusätzlich live übertragen. Das Hotel Franz lädt alle interessierten Akteur:innen aus den verschiedenen Sektoren zu dem Thema “Gesundheit” ein. Unterstützt wird der Kongress unter anderem von der AOK, Ambulanticum und der HS Gesundheit Bochum.
Habt ihr schon von dem Kongress gehört oder wart ihr sogar selbst da? Wie wichtig ist für euch und euren Lehralltag das Thema “Gesundheit” ? Sollte dies mehr in den Lehrplan aufgenommen werden? Über einen Meinungsaustausch in den Kommentaren würde wir uns freuen.
Berlin. Die deutsche Bundesregierung hat beschlossen, eine Pauschale von 200 Euro für Studierende zu gewähren, um die finanziellen Belastungen während der Corona-Pandemie abzumildern. Die einmalige Zahlung soll Studierenden dabei unterstützen, die Folgen der Pandemie besser zu bewältigen.
Um diese Situation zu verbessern, hat die Bundesregierung die Pauschale von 200 Euro bereits Anfang September beschlossen. Die Pauschale wird allen Studierenden ausgezahlt, unabhängig davon, ob sie BAföG oder andere finanzielle Unterstützung erhalten oder nicht. Das Erhalten der Unterstützung ist allerdings an die Bedingung geknüpft, dass ein entsprechender Antrag gestellt wird. Hierbei müssen einige Hürden gemeistert werden.
Studierende, die Anspruch auf die einmalige Zahlung von 200 Euro haben möchten, müssen einen Antrag auf der offiziellen Website Einmalzahlung200.de stellen. Obwohl die Website bereits erreichbar ist, ist es momentan noch nicht möglich, den Antrag zu stellen. Die Antragstellung soll bundesweit einheitlich ab dem 15. März 2023 möglich sein, und die Auszahlung soll kurz darauf erfolgen.
Zunächst müssen sie darauf warten, dass ihre Hochschule ihnen den Zugangscode und die PIN zukommen lässt, die unbedingt für die Antragstellung benötigt werden. Diese Schritte sollen automatisch erfolgen, so dass Studierende keine zusätzliche Anfrage stellen müssen. Außerdem zur Angabe ihrer Bildungseinrichtung benötigen sie auch ein “BundID-Nutzerkonto”, das ein zentrales Benutzerkonto für digitale Verwaltungsdienstleistungen in Deutschland ist. Um sicherzustellen, dass sie rechtzeitig ein solches Konto erstellen können, sollten Studierende dies bis zum 15. März tun.
Obwohl die Erstellung kostenlos ist, müssen Studierende entweder einen Personalausweis mit Online-Funktion oder ein Elster Zertifikat zur Authentifizierung verwenden. Darüber hinaus benötigen sie ein aktuelles Smartphone mit NFC-Funktion und eine Identifikations-App wie die AusweisApp2, um die Online-Ausweisfunktion nutzen zu können.
Es wird davon ausgegangen, dass das Warten auf die Auszahlung der Soforthilfe bald ein Ende hat. Eine Testphase mit einigen Hochschulen wird zunächst durchgeführt, und wenn alles reibungslos verläuft, ist das endgültige Startdatum für den 15. März geplant.
Seid ihr von der Einmalzahlung betroffen? Wie findet ihr die Lösung der Bundesregierung? Ist die Beantragung einfach zu verstehen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare.
Berlin. Das heutige tagespolitische Geschehen ist geprägt durch den angekündigten Bildungsgipfel der Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). Ursprünglich wurde der Gipfel einberufen, um die dringendsten bildungspolitischen Themen, wie den Lehrermangel, die Verbesserung der Leistungen von Schüler:innen und die hohe Quote von Schulabbrecher:innen, zu diskutieren. Mehreren Expert:innen und Politiker:innen zufolge sei dieser Gipfel jedoch nicht mehr als „Show“ und unzureichend vorbereitet worden.
Die mediale Aufmerksamkeit lag während des Gipfels jedoch nicht unbedingt auf den ausgemachten Inhalten, sondern eher auf Frau Stark-Watzinger, die sich scharfe Kritik aus der Opposition anhören musste. Die Bundesländer wurden „im Vorhinein nicht inhaltlich durch den Bund einbezogen“ so die Nordrhein-westfälische Bildungsministerin Dorothee Feller.
Auch aus der Linksfraktion hagelte es Kritik an Stark-Watzinger. Deren Bildungspolitikerin Nicole Gohlke kritisierte, dass die Ministerin auch im Vorhinein des Gipfels keine Vorschläge präsentierte, mit denen sich bildungspolitische Fragen lösen ließen.
Expert:innen reicht der Gipfel nicht
Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), kritisierte in einem Interview mit der Welt, dass eine dreistündige Veranstaltung mit zwei Podiumsdiskussionen nicht das Format habe, um die „tiefgreifenden gravierenden Herausforderungen im Bildungssystem anzugehen“. "Was mich am meisten ärgert ist, dass die Aufbruchstimmung der Ampel komplett verloren gegangen ist”, kritisierte Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.
Auch der Bildungsinfluencer Daniel Jung kritisiert Frau Stark-Watzinger und den Gipfel. In einem exklusiven Statement an Lehrer-News sagt er: “Bitte nicht mehr Bildungsgipfel, sondern rasche Entscheidungen, damit Schulen und dort explizit Schulleiter und Lehrkräfte das umsetzen können." Dazu sollte man denen eine größere Bühne geben, die schon seit Jahren Taten sprechen lassen. Zukunftskonzepte könnten dann “im Prozess gemeinsam entwickelt, getestet und eingeführt werden.“
Forderung nach Olaf Scholz
Die Lage ist gegenwärtig angespannt. So reift eine Forderung, dass Olaf Scholz das Thema Bildung nun zur „Chefsache“ machen soll. Dieser Appell geht aus einem Schreiben an Scholz und die 16 Ministerpräsident:innen hervor, der von einem Bündnis aus über 50 Gewerkschaften, Verbänden und Stiftungen verfasst worden ist. Wenige der vielen Unterstützer des Appells sind die Bertelsmann-Stiftung, die GEW, der Bundeselternrat und der deutsche Lehrerverband. Auch Nicolas Colsman, Bildungsexperte und Gründer der Initiative Zukunft Digitale Bildung, schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Ein Gipfel, den der Kanzler einberufen hätte, hätte die lange überfällige Signalwirkung.“
Wie es mit der ernsten bildungspolitischen Situation in Deutschland weitergeht, bleibt weiterhin abzuwarten. Ob Olaf Scholz Bildung nun zur „Chefsache“ macht und wie viel er dann überhaupt bewirkt, ist fraglich, denn die Bildung ist ja bekanntlich weiterhin in der Zuständigkeit der Länder. Der heutige Gipfel, so viel steht fest, konnte keine Lösungen für die drängenden Probleme unseres Bildungssystems bieten.
3/14/2023 ist die US-amerikanische Schreibweise des heutigen Datums. Beim genaueren Betrachten dieser Zahlenkonstellation fällt auf, dass die ersten drei Ziffern, die Auskunft über Monat und Tag geben, die ersten drei Stellen der weltweit bekannten Kreiskonstanten π (Pi) sind. Aus diesem Grund feiern viele Matheenthusiast:innen jährlich eben dieses Datum als Mathe- und „Welt-Pi-Tag“. Diese Feierlichkeiten — bis dahin immer in einem inoffiziellen Rahmen stattfindend – wurden im November 2019 von der UNESCO in Zusammenarbeit mit der Internationalen Mathematischen Union (IMU) zum internationalen Tag der Mathematik erklärt.
Das Ziel des Mathetags ist es, die Allgemeinheit über die Bedeutung und ausnahmslose Wichtigkeit der Mathematik für unser Weltverständnis zu informieren. Das mag vorerst nach einer platten Redewendung klingen, ist aber völlig zutreffend. Denn die Mathematik ist die notwendige Grundlage für jedwede naturwissenschaftliche Forschung und technische Innovation. Weder Staaten, noch Kulturen würden ohne Mathematik funktionieren. Politische Entwicklungen sind oft kausale Folgen wissenschaftlicher Erkenntnisse und Studien, denen die Mathematik zugrunde liegt und auch die allergrößten Volkswirtschaften wären ohne Mathematiker:innen in den Kinderschuhen stecken geblieben.
Doch die Mathematik ist weitaus mehr als ein Mittel um technischen Fortschritt zu erlangen oder abstraktes Wissen über das Universum zu häufen. Denn im Gegensatz zur herkömmlichen gesprochenen Sprache, die es in schier unendlich vielen verschiedenen Varianten und Formen gibt, ist die Sprache der Mathematik für unseren Planeten allgemeingültig. Sie ist also ein Bindeglied für alle bestehenden Länder und Kulturkreise.
Deshalb lief der letztjährige internationale Tag der Mathematik beispielsweise auch unter dem Motto „Mathematics Unites“, also „Mathematik verbindet“, ab. Der internationale Tag der Mathematik wurde letztes Jahr an über 1100 Standorten in 90 Ländern digital und analog gefeiert.
Programmpunkte des Tages sind zumeist diverse Ausstellungen, Vorträge und kreative Aktivitäten. Besonders herausgestochen ist der letztjährige Tag der Mathematik jedoch durch seine Fotostrecke, an der sich mehr als 3200 Menschen beteiligt haben, um „das Verbinden der Welt durch die Mathematik" zu visualisieren. Gefördert und unterstützt wird der Tag von vielen unterschiedlichen öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen, Museen, Universitäten und Bibliotheken.
Ein weiteres zentrales Ziel, das die UNESCO mit der Einführung des „Mathetags“ verfolgt, ist die Stärkung und Unterstützung von Frauen in der Wissenschaft, so wie die Entwicklung des afrikanischen Kontinents. Passend dazu ist das Thema des heutigen „Mathetags“ „Mathematics For Everyone“, „Mathematik für jede:n“. Vorgeschlagen wurde das Thema von Marco Zarco Rotairo, einem Oberstufenlehrer aus den Philippinen. Begründen tut er sein Anliegen damit, dass „alle Menschen ein gewisses mathematisches Verständnis haben und es deswegen jede:r verdient, die Wunder der Mathematik zu genießen.“ Dieses Thema ist weltweit auf viel Zuspruch getroffen und wurde schon im letzten Jahr von der „London Mathematical Society“ vorgeschlagen, um die Werte Gleichheit, Diversität und Inklusion zu stärken.
Passend nach dem Motto „Mathematik für jede:n“ hat zum Beispiel die Universität Münster Schüler:innen der Jahrgangsstufen 5 bis 7, die zumeist die vollumfängliche Bedeutung der Mathematik noch nicht begriffen haben, zu sich geladen, um mit verschiedenen Workshops und kreativen Aufgaben neue Sichtweisen auf das weite Feld der Mathematik zu lenken.
Dass Mathematik essentiell für unser aller Leben ist und uns täglich begleitet, ist nichts Neues. Und gerade deswegen ist dieser Tag so besonders. Er erregt Aufmerksamkeit auf allen Kontinenten dieses Planeten. Für jüngere oder dieser Wissenschaft auch abgeneigten Menschen erfüllt er eine eben wichtige fachlich aufklärende Funktion. Darüber hinaus deckt der Internationale Tag der Mathematik aber auch gesellschaftliche Missstände auf und versucht diese – wie alles andere auch mit Hilfe der Mathematik passiert – mit der Hilfe der Mathematik zu reduzieren.
Welche Rolle spielt der Internationale Tag der Mathematik für Euch? Thematisiert Ihr ihn im Unterricht? Lasst es uns gerne wissen und schreibt einen Kommentar! Erst vor kurzem haben wir auf Lehrer-News die für uns besten YouTube-Channel für euren Matheunterricht sowie relevante Instagram-Kanäle vorgestellt!
Die kommenden Jahrzehnte werden zweifellos mit großen Herausforderungen verbunden sein, insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel, die Digitalisierung und den Mangel an qualifizierten Fachkräften. Wir müssen sicherstellen, dass die nächsten Generationen, unsere Kinder, unabhängig von ihrem Wohnort, ihrer Herkunft, ihrer Schule oder ihrem sozialen Hintergrund, bestmöglich auf die Herausforderung vorbereitet werden, bevor sie die Schule verlassen. Unser Ziel sollte es sein, die Zukunft aktiv zu gestalten.
Es ist also sinnvoll, das Abitur zu überprüfen, im Hinblick darauf, wie effektiv es die nächste Generation auf die zukünftigen Probleme dieser Welt wappnet. Das Bundesverfassungsgericht hat gefordert, dass die Abiturprüfungen künftig bundesweit einheitlich gestaltet werden müssen, um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Die Kultusministerkonferenz (KMK) arbeitet bereits mit großer Energie an der Umsetzung dieses Vorhabens, um ein zukunftsfähiges Abitur zu schaffen. Die Rahmenbedingungen für das neue Abitur sollen bereits im März festgelegt werden, sodass die ersten Schüler:innen 2027 ihren Abschluss nach den neuen Regeln erreichen können.
Bei genauerer Betrachtung des neuen Entwurfs wird deutlich, dass dieses Konzept noch wenig zukunftsfähig scheint. Die Potsdamer Erklärung, die von einer großen Anzahl von Bildungsschaffenden unterzeichnet wurde, verdeutlicht dies. Demnach soll die Leistungsmessung in der Oberstufe und vor allem im Abitur auch in Zukunft hauptsächlich aus schriftlichen Klausuren in den jeweiligen Fächern bestehen, welche die Schüler:innen einzeln und in der Regel per Hand schreiben müssen. Doch was ist darin überhaupt enthalten? Hier die sechs Handlungsfelder der “Potsdamer Erklärung”
Ein einheitliches Abitur mit fast ausschließlich schriftlichen Prüfungen berücksichtigt nicht das Ziel, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, ihre eigenen Wege – ob digital oder analog – zu finden, insbesondere in Zeiten von KI-Seiten wie ChatGPT. Zudem berücksichtigt dieser Ansatz nicht die Diversität unserer heutigen Gesellschaft, die durch unterschiedliche Herkunftsgeschichten, Sprach- und Lernvoraussetzungen sowie Begabungen der Schüler:innen geprägt ist.
Ein modernes Bildungssystem muss den neuen Anforderungen an Schule und Bildung gerecht werden und ein Abitur bieten, das auch Projektarbeit, digitale Arbeit und vor allem kritische Auseinandersetzungen mit dem Gelernten ermöglicht. Dabei sollte die Bewertung nicht nur auf handschriftlichen Arbeiten basieren, sondern auch andere Formen der Leistungsmessung wie digitale Arbeiten berücksichtigen.
So schlägt zum Beispiel Verena Pausder, Expertin für Digitale Bildung und Gründerin der HABA Digitalwerkstätten eine Innovationsklausel vor: „Um die Weiterentwicklung des Schulwesens auch zukünftig zu sichern, sollte dringend eine Innovationsklausel in den Vorschlag der KMK aufgenommen werden, durch die Innovation in der Schule systematisch ermöglicht, unterstützt, begleitet und ausgewertet werden kann. Diese Klausel muss über das Instrument des bisherigen Schulversuchs hinausgehen, damit es nicht nur für einzelne Modellschulen, sondern für möglichst viele Schulen möglich ist und damit zu einem Wettbewerb der besten Ideen zur Gestaltung der Schule der Zukunft führt.”
In einer Gesellschaft, die mit Herausforderungen wie Fake News, Hate Speech, datenbasierten Diensten und digitalen Programmen konfrontiert ist, benötigt unser Land zukünftig Problemlöser:innen, die in der Lage sind, innovative Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln. Diese Schüler:innen müssen nicht nur in der Lage sein, sich in dieser digitalisierten Welt zurechtzufinden und digitale Programme zu verstehen, sondern auch aktiv innovativ an der Gestaltung dieser teilnehmen zu können. Eine modernisierte Bildung und ein zeitgemäßes Abitur sind von entscheidender Bedeutung für die Zukunft unserer Schüler und unseres Landes.
Die Bildung spielt hierbei eine wichtige Rolle, da sie dazu beitragen kann, die Menschen auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes 4.0 vorzubereiten. Eine zukunftsorientierte Bildung sollte nicht nur die technischen Fähigkeiten vermitteln, die für die Nutzung digitaler Technologien erforderlich sind, sondern auch soziale und kommunikative Kompetenzen fördern, da diese in einer zunehmend vernetzten Arbeitswelt immer wichtiger werden.
Wie findet ihr die geplante Hochschulreform? Denkt ihr, das Abitur wird zukunftsfähiger ? Seid ihr davon betroffen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare.
Gütersloh. Rund sechs Prozent der Jugendlichen, 47.500 Personen, beendeten das Jahr 2021 ohne Schulabschluss. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung, die Lehrer-News vorliegt. Besonders oft betroffen sind demnach Jugendliche mit Migrationshintergrund.
Die Bertelsmann Stiftung beauftragte den Bildungsforscher und Lehrerarbeitsmarkt-Experte Klaus Klemm für die Studie unter dem Titel “Jugendliche ohne Hauptschulabschluss”. Klemm kam zu dem Ergebnis, dass jährlich Zehntausende von Heranwachsenden die Pflichtschulzeit beenden, ohne den Hauptschulabschluss erlangt zu haben. Bei rund sechs Prozent, also etwa 47.500 Jugendlichen, mangelt es an einem Schulabschluss im Jahr 2021. Diese Zahl hält sich schon seit 2011, wie ein Zehnjahresvergleich zeigt.
Der Mangel an Schulabschlüssen stellt nicht nur ein Problem für die ehemaligen Schüler:innen dar, die Schwierigkeiten mit dem Einstieg in die Arbeitswelt haben, sondern auch für die Gesellschaft selbst. Der prävalente Fachkräftemangel lag allein zwischen 2021 und 2022 bei 537.923 Stellen, die nicht besetzt werden konnten, da der derzeitige Arbeitsmarkt keine qualifizierten Arbeiter:innen bereitstellt. Jede:r Schulabgänger:in ohne Abschluss ist eine verbleibende freie Stelle in dieser ohnehin großen Lücke.
Besonders Heranwachsende ohne deutsche Staatsangehörigkeit sind mit 13,4 Prozent stärker gefährdet, verglichen mit deutschen Schulabgänger:innen, bei denen ca. 4,6 Prozent ohne Abschluss die Schule verlassen. Ebenfalls besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit für Jungen mit 60 Prozent im Gegensatz zu Mädchen, die Pflichtschulzeit ohne Abschluss zu beenden.
Innerhalb einzelner Bundesländer gab es sowohl positive als auch negative Entwicklungen, aber in der langjährigen Tendenz keine deutliche Verbesserung der Situation. So gab es seit 2011 eine Steigerung in Bremen, Rheinland-Pfalz und im Saarland, sowie eine Senkung im selben Zeitraum in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Die Prozentsätze an Schulabgänger:innen ohne Abschluss reichen von Bayern mit 5,1 Prozent zu Bremen mit 10 Prozent.
Um diesem Problem entgegenzuwirken, empfiehlt die Bertelsmann Stiftung, Jugendliche mit schwächeren Leistungen gezielter in den Schulen zu fördern, sowie andere erlernte Kompetenzen zu dokumentieren, die sich nicht nur auf den klassischen Abschluss fokussieren. Das Übermitteln von Daten der Schüler:innen ohne berufliche Perspektiven an Jobcentren, hilft der Berufsberatung einfacher in Kontakt mit den Schüler:innen zu kommen. Die geplante Ausbildungsgarantie der Bundesregierung kann ebenfalls helfen, indem auch Personen ohne Hauptschulabschluss eine Ausbildung erlangen. Auch die GEW fordert Maßnahmen, in der Form eines inklusive Schulsystems, in dem alle Kinder gleichberechtigt sind und nach ihren persönlichen Bedürfnissen lernen können. Ein System abseits des viergliedrigen Bildungssystem unter der Begründung, dass ohne Unterstützung von Eltern dieses System versagt bei Schüler:innen.
Die Studie selbst findest du hier.
Saarbrücken. Im Saarland ist die bildungspolitische Situation, aufgrund der Erwartung eines bald eintretenden Lehrermangels, überaus angespannt. Zwar hat sich die knappe Personalsituation nach vielen coronabedingten Ausfällen zu Beginn dieses Schuljahres gegenwärtig wieder beruhigt, jedoch wurde sogleich die Frage der Krisentauglichkeit des derzeit zur Verfügung stehenden saarländischen Lehrermarkts laut. Um einer ähnlichen Notlage, wie sie in vielen anderen Bundesländern schon eingetreten ist, entgegenzuwirken, hat die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) zuletzt während der Kultusministerkonferenz (KMK) Vorschläge präsentiert, die den Lehrermangel beheben, aber auch hemmen sollen. Jene Empfehlungen sind jedoch sowohl vom Saarländischen Philologenverband (SPhV), als auch vom Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) scharf kritisiert worden.
In Grund- und Förderschulen, wo der Bedarf an Lehrkräften noch am größten ist, ist der Umgang mit der Situation besonders kompliziert. Hybrid- und Fernunterricht sind undenkbar, dafür spielen in diesen Schulformen die Lehrer:in- Schüler:in Beziehung eine zu große Rolle. Und eine Besserung der derzeitigen Lage ist nicht zu prognostizieren. Der Grund dafür liegt nicht nur in den unattraktiven Arbeitsbedingungen, denen saarländische Lehrkräfte im Primarbereich ausgesetzt sind, sondern ist mitunter viel fundamentaler. Max Hewer, Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), berichtet, dass in nur zehn Jahren ein Viertel der saarländischen Lehramtsstudienplätze abgebaut worden sind. Die zurückgehende Anzahl an Studierenden ist Teil der Ursache des eklatanten Rückgangs an Referendar:innen. Jene haben einen extrem hohen Arbeitsaufwand zu erfüllen und werden nach fünfjährigem Studium mit einem Monatsgehalt von 1500 € brutto unverhältnismäßig schmal bezahlt, erklärt Hewer weiter den Mangel an Referendar:innen. Da die Menge an Referendar:innen eine recht genaue Prognose für den zukünftigen Lehrermarkt ist, ist die Lage ernst und die Politik nun gefragt.
Auf diesen besorgniserregenden Trend hat das saarländische Bildungsministerium mit einer großen Einstellungskampagne reagiert. Zum ersten Februar wurden mehr als 200 Lehrkräfte an den Schulen des zweitbevölkerungsärmsten deutschen Bundeslands fest eingestellt. Der SLLV begrüßt diesen Schritt sehr, reagiert darüber hinaus jedoch verhalten und merkt an, dass es weitaus mehr Personal bedarf und ein großer Teil der neu angestellten Lehrkräfte schon vorher mit befristeten Verträgen ausgestattet waren und wichtige Funktionen als Vertretungskräfte erfüllt haben. Michaela Günther, die stellvertretende Landesvorsitzende der SLLV, holt weiter aus und warnt vor „einem gravierenden Mangel im Bereich der Vertretungsstellen“.
Der SLLV, die GEW und der SPhV reagierten allesamt völlig entrüstet auf die Ergebnisse, die die Kultusministerkonferenz Ende Januar zuTage gebracht hat. So soll dem Lehrermangel begegnet werden, indem Teilzeitmöglichkeiten eingeschränkt werden, sich Klassen vergrößern, Lehrkräfte aus der Pensionierung zurück in den Klassenraum mobilisiert werden und sich hybrider Unterricht häuft. Michaela Günther bringt ihre Ungläubigkeit über diese Ergebnisse enttäuscht zum Ausdruck: „Das Versagen der Politik soll auf dem Rücken der Lehrkräfte ausgetragen werden.“ Der SPhV deklariert diesen Vorschlag als „Schlag ins Gesicht für alle Lehrkräfte“.
Stattdessen fordern die Verbände die Entlastung der Lehrkräfte. Konkret heißt es, dass die Unterrichtsverpflichtung um zwei Stunden reduziert werden soll, dass Studienbeschränkungen gelockert werden und die Anzahl der verfügbaren Studienplätze wieder steigen müssen. Zudem drängt der SLLV auf die Einführung eines Studiums der Sonderpädagogik im Saarland. Auch bessere Quer- und Seiteneinsteigerprogramme werden gefordert. Weiterhin sind sich der SLLV, die GEW und der SPhV einig, dass die Besoldungsstufe der Grund- und Hauptschullehrkräfte auf A13 steigen muss, damit Lehrkräfte nicht in andere, mehr zahlende, Bundesländer abgeworben werden. Besonders bei Schulleitungen, so konstatiert der SLLV, wurden in den letzten Jahren immer höhere Erwartungsmaßstäbe gesetzt ohne dass die Vergütung der Arbeit angehoben wurde.
So liegt es jetzt an der saarländischen Landesregierung Maßnahmen zu schließen, die die komplett gegensätzlichen Entwürfe der Lehrerverbände und der Kultusministerkonferenz abwägen und eine nachhaltige Lösung im Kampf gegen den Lehrermangel darstellen. Klar ist, der politische Druck ist hoch und der Lehrerberuf muss wieder an Attraktivität gewinnen, damit Bildung auch langfristig funktionieren kann.
Stuttgart. Europas größte Bildungsmesse didacta ist zu Ende. Zwischen dem 7. und 11. März zog die Veranstaltung tausende Besucher an, dieses Jahr wieder in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs. Vertreter:innen des Bildungswesens, Gastredner:innen, Ausstellende und Interessenten trafen sich hier über fünf Tage auf rund 60.000 Quadratmetern, um einen Einblick in die neuesten Innovationen und Ideen der Bildungslandschaft zu gewinnen.
Aus dem alt-griechischen Wort für „lehren und lernen“ entspringend wird die didacta seit 1999 jährlich wiederkehrend veranstaltet. Sie ist Gastgeber für etwa 80 - 90.000 Besucher und 700-900 Aussteller jedes Jahr. Dabei werden die Themen bereichsspezifisch gezielt in frühe, schulische und berufliche Bildung unterteilt. Seit 2020 werden außerdem unter dem Titel „myQ-Qualifizierung“ ebenso Angebote für Fort- und Weiterbildung thematisiert.
Diesmal umfassten die Schwerpunktthemen Digitalisierung, Fachkräftemangel, psychische Gesundheit und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Unter den Aussteller:innen waren führende Anbieter von Bildungsmedien, wie der Cornelsen oder der Ernst Klett Verlag dabei. Auch zahlreiche EdTech-Startups, wie Edurino, konnte man antreffen.
Am Dienstag startete die Messe mit einer Einführung zur Digitalisierung in Kitas u.a. dem “DigitalPakt Kita” und Diskussionen zum sinnvollen Einsatz von Apps und technologischen Instrumenten in Begleitung von pädagogischen Fachkräften. Mittwoch ging es weiter mit Themen zur Kreativitätsförderung und dem Umgang mit gesellschaftlichem Wandel. Am Donnerstag fanden Veranstaltungen zum Thema Selbstkompetenz und Resilienz statt. Schließlich rundeten Vorträge zu einer qualitativen Kinderbetreuung sowie Vorurteile und Diskriminierung im Alltag und in der Kita das Programm für frühe Bildung ab.
Zwischen zahlreichen Ständen und dutzenden Veranstaltungen beinhaltete der Programmrahmen zur schulischen Bildung vor allem aktuelle Themen, wie Nutzung von ChatGPT, Gestaltung von online Prüfungen sowie MOOCs und Blended-Learning. Diese wurden mittels Workshops und Live-Demonstrationen präsentiert.
Auf einer gemeinsamen, von EDUvation organisierten Startup-Area, wurde zudem eine Bandbreite an Produkten und Dienstleistungen von insgesamt ca. 40 Start-ups vorgestellt. Ein weiteres Highlight brachte die Gewinner-Kürung des diesjährigen didacta Start-ups 2023.
Auch wir waren mit Eduact und Lehrer-News vor Ort und konnten aufschlussreiche Gespräche über die Zukunft der digitalen Bildung führen. Alles in allem endet somit ein erfolgreiches Zusammentreffen: Es wurden viele spannende Projekte zur Umgestaltung von Lerninhalten geplant, Partnerschaften zwischen Schüler:innen, Lehrkräften, Start-ups und anderen Bildungsinteressierten gestärkt und Erkenntnisse zur Transformation und Bedeutung von künstlicher Intelligenz im Unterricht gewonnen.
Wart ihr auch dabei? Lasst uns es gerne in den Kommentaren wissen!
Lehrkraft sein ist nicht einfach. Dies bekommen Lehramtsstudierende spätestens mit dem Beginn des Referendariats zu spüren. Bekanntlich ist dies mitunter eine der herausforderndsten Zeiten einer Lehrkräfteausbildung. Diese setzt sich gegenwärtig aus einem dreijährigen Bachelor, einem zweijährigen Master oder dem ersten Staatsexamen und einem anschließenden Referendariat zusammen. In der letzten Phase kommt es vor allem darauf an, die im Studium angelesene Theorie in die Praxis umzusetzen. Wenn dies nicht schon durch vorherige Praktika im Verlauf des Studiums geschehen ist. Dadurch werden u.a. tiefere Einblicke in einen realistischen Lehreralltag gewonnen, bestehende Herausforderungen identifiziert und eine persönliche Einschätzung getroffen, wo eine Schwerpunktsetzung notwendig ist.
Nun könnte es bald zusätzlich zur konventionellen Lehramtsausbildung und den bisherigen Quer- und Seiteneinstieg-Voraussetzungen eine weitere Alternative geben: Bereits mit einem Bachelorabschluss in den Lehrerberuf einsteigen und sich verbeamten lassen. Hintergründe, potenzielle Folgen und Möglichkeiten für ein Self-Assessment für zukünftige Lehrkräfte und/oder Ausbildungsinteressierte diskutieren wir von Lehrer-News im folgenden Artikel.
Versuche, den akuten Lehrkräftemangel zu kompensieren und die Lehrkräftegewinnung voranzutreiben, variieren von Bundesland zu Bundesland. Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) schlägt nun vor, den Beamtenstatus auch für Absolventen des ersten akademischen Grades zu öffnen. Diese und andere geplanten Maßnahmen, die zur Sicherung der Unterrichtsversorgung dienen sollen, werden voraussichtlich ab dem Schuljahr 2023/24 umgesetzt. Voraussetzung für die Verbeamtung der Bachelor-Seiteneinsteiger:innen bzw. Anerkennung als „Bildungsamtsrätin/Bildungsamtsrat“ wäre eine zusätzliche 18-monatige Qualifizierung auf die eine Abschlussprüfung folgt. Rechtliche Grundlage hierfür bildet das „Gesetz zur Änderung lehrerbildungsrechtlicher und besoldungsrechtlicher Vorschriften“, welche sich aktuell noch im parlamentarischen Verfahren befindet.
Kritiker der neuen Strategie Brandenburgs, dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken, diskutieren die absehbaren negativen Folgen, die sich vor allem auf die Qualität des Unterrichts auswirken könnten. Prof. Dr. Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), beschreibt das neue Modell als ´Sparmaßnahme´, welche die Bildungsgerechtigkeit zwischen den Ländern durch die Missachtung der gemeinsamen Qualitätsmaßstäbe aufs Spiel setze. Auch die Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN betrachtet dies kritisch. Ihrer Einschätzung nach würde ein solcher Anreiz unter den Lehramtsstudierenden zu vorzeitigen Studienabbrüchen nach dem Bachelor führen. Eine weitere Sorge thematisiert die fehlende Praxisnähe von Studierenden ohne vollständige Lehrkräfteausbildung. Eine frühzeitige Verbeamtung oder gar das Werben mit der Möglichkeit auf den Beamtenstatus, würde eventuell diejenigen anlocken, die entweder nicht gut genug vorbereitet sind oder von vornherein nicht geeignet sind, den Lehrberuf auszuüben.
Kultusministerkonferenz-Präsidentin Astrid-Sabine Busse äußerte sich ebenfalls diesbezüglich in einem Interview mit dem DPhV: Grundsätzlich bekenne sie sich zum „grundständigen Lehramtsstudium“ und sehe keine ähnliche Lösung für Berlin vor. Jedoch betont sie ebenfalls, dass neben der maßgebenden Absicherung der Unterrichtsqualität auf Quer- und Seiteneinsteiger nicht zu verzichten sei und dahingehend auch keine Denkverbote existieren sollten.
Eine Studie aus dem Jahr 2018 untersuchte die Beweggründe zur Berufsentscheidung von deutschen und schweizerischen Lehramtsstudierenden im Vergleich. Unterschieden wurde zwischen intrinsischen und extrinsischen Motiven. Hierbei kam heraus, dass sich die Verbeamtung bzw. das extrinsische Motiv der Arbeitsplatzsicherung zwar nachrangig zu den intrinsischen Motiven („Wunsch nach einer (pädagogischen) Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie fach- und vermittlungsbezogene Interessen“) stünde, allerdings bei Lehramtsabsolventen sowohl im Vergleich mit schweizerischen Studierenden als auch im Vergleich zu anderen Studiengängen stärker ausgeprägt seien. Interessant bleibt, wie sich diese Studienergebnisse mit der Entscheidung Brandenburgs weiterentwickeln.
Schließlich sind sich viele einig darüber, dass Lehren kein Beruf, sondern eine Berufung ist und die Lehrer-Variable als zentrale Instanz für guten Unterricht gilt. Doch wie findet man heraus, ob man geeignet ist? Dieser Frage hat sich Prof. Dr. Norbert Seibert der Universität Passau gewidmet und resultierend ein Eignungsverfahren speziell für Lehramtsstudierende konzipiert. Für all diejenigen, die sich für den Lehrer:innen-Beruf interessieren, gibt es daher die Möglichkeit freiwillig und kostenlos an einem Assessment Center teilzunehmen. Dadurch soll es Interessenten und neuen Studierenden gelingen, anhand der Kernkompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale für den Lehrberuf und mit Hilfe der Einschätzung eines Experten-Gremiums für sich herauszufinden, ob man diesem Beruf gerecht wird.
Als Fazit ist festzuhalten, dass weiterhin Debatten über Lösungsansätze stattfinden müssen, um dem Lehrermangel entgegenzutreten und zukünftige Lehrkräfte sowie Schüler:innen in der Arbeit im Klassenzimmer zu unterstützen.
Welche Möglichkeiten kann es geben, den Mangel an Lehrkräften zu verringern, ohne die Qualität zu vermindern? Wird sich aus falschen Motiven heraus für den Lehrer:innen-Beruf entschieden? Und wie beurteilt ihr die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen? Diskutiert gerne in den Kommentaren mit!
Stuttgart. In der aktuellen Schulpolitik ist der Lehrermangel ein hitziges Thema, auch in Baden-Württemberg. Überall fehlt es an Fachkräften, und auch die Prognose ist düster. Aktuell gibt es ca. 5000 Schulen - bis 2035 sollen laut Angaben 16.000 bis 27.000 Lehrer:innen an den Schulen Baden-Württembergs fehlen. Die politischen Meinungen gehen auseinander, wie mit dem massiven Lehrermangel umzugehen sei. Mehr in diesem Artikel bei Lehrer-News.
Landesweit 81.000 fehlende Lehrkräfte bis 2035 - zu diesem Ergebnis kommt eine Ende Januar durchgeführte Studie des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm, die vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) und dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Auftrag gegeben wurde. In drei Jahren seien es bundesweit 45.000 unbesetzte Stellen. Bis 2030 soll die Anzahl der fehlenden Lehrkräfte auf 81.000 ansteigen. Hinzu kommt ein Bedarf von ca. 74.000 Lehrkräften für Schulen in schwierigen sozialen Lagen oder Ganztagsbetreuung.
Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte jüngst die baden-württembergische Landesregierung zum Handeln auf. "Das sind erschreckende Zahlen", so die GEW-Landeschefin Monika Stein am Freitag in Stuttgart zu den Zahlen des aktuellen Lehrkräftemangels. Es müssen neue Studienplätze und Stellen geschaffen werden. So könne die Regierung eigene Fehler aus der vergangenen Zeit ausgleichen und einen langfristigen Lehrkräftemangel verhindern. Stein nennt gezielte Maßnahmen: “Mehr sofortige Studienplätze für Grundschulen und Sonderpädagogik, eine Werbekampagne des Landes für die Ausbildung zum Lehrerberuf und eine Enquête-Kommission zum Fachkräftemangel im Bildungsbereich.”
Baden-Württembergs Bildungsministerin Theresa Schopper (Grüne) zeigt sich von den Ergebnissen wenig beeindruckt. Laut Schopper seien bereits Maßnahmen ergriffen worden. “Wir haben die Studienkapazitäten in den Lehrämtern erhöht, die von dem Mangel an Lehrkräften besonders betroffen sind, und wir nehmen auch über die Kapazitätsgrenzen hinaus Studienanfänger in den Lehrämtern auf." Sie betont zudem, dass ein Studium plus Referendariat seine Zeit brauche. Quereinsteiger mit entsprechender Berufsausbildung, wie Sozialpädagog:innen, sollen zusätzlich einspringen und entlasten. Kollege und Grünen-Bildungsexperte Thomas Poreski stimmt Schopper zu: Seit Jahren werden die Zahlen der Studienplätze erhöht. ”Weder der Ausruf eines vermeintlichen Notbetriebs noch Lösungsvorschläge, die das Problem eher verschärfen würden, würden helfen. Denn wenn wir auf das System Schule eindreschen, gewinnen wir sicher keine neuen Lehrkräfte."
Die Opposition im Landtag übt ebenfalls Kritik aus. Stefan Fulst-Blei (SPD) sagt, dass das Land mit Zahlen kalkuliere, “die jeglichen Anspruch an Reformen und Verbesserungen vermissen lässt”. Ihm ginge es nicht darum, diesen mangelhaften Zustand zu erhalten, sondern vielmehr darum, die Schulen für die Zukunft besser aufzustellen. Der aktuelle Ausbau der Studienkapazitäten sei laut Fulst-Blei nur ein "Tropfen auf den heißen Stein.”
Es müsse mehr für die Bildung getan werden, forderte auch der Vorsitzende des Landeselternbeirats Baden-Württemberg, Michael Mittelstaedt. So unterschreibt er Fulst-Bleis Aussage und sieht dem Fortschritt in Sachen Lehrermangel und den geplanten 500 neuen Lehrkräften bis 2024 eher wie folgt entgegen: "Das verpufft und davon bekommt letztendlich keiner etwas mit.”
Auch Baden-Württemberg wird von dem akuten Lehrkräftemangel nicht verschont. Die Meinungen in der Politik sind gespalten. Das Thema bleibt aktuell. Es bedarf langfristig Maßnahmen, wie man dem Fachkräftemangel entgegenwirken kann.
Am 19. März 1911 wurde eine Initiative in Gang gebracht, die sich für Gleichberechtigung von Frauen, das Wahlrecht sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen einsetzte. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert – die Rede ist vom Weltfrauentag, oder offiziell als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden. Ein Tag, der in vielen Ländern ein Feiertag ist und dazu dient, die Errungenschaften von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kultur zu würdigen. Auch in Schulen wird dieser Tag zunehmend wichtiger, um Schüler:innen ein Bewusstsein für Gleichberechtigung und Toleranz zu vermitteln.
In Deutschland wurde der Feiertag durch Clara Zetkin ins Leben gerufen, inspiriert durch den ersten nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht in den USA. Der Internationale Frauentag hat eine lange Tradition. Er geht auf die Arbeiter:innenbewegung zurück, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Erste entscheidende Momente waren Demonstrationen und Streiks von Textilarbeiterinnen in den USA seit 1858. Auch wenn verschiedene historische Ereignisse als die Geburtsstunde des Internationalen Frauentages angeführt werden, steht fest: Seit Beginn der Industrialisierung stieg der Anteil der Fabrikarbeiterinnen. Sie verdienten für die gleiche Arbeit nur einen Bruchteil des Lohnes der Männer. Sie streikten mehrfach für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen, für kürzere Arbeitszeiten und gegen unzumutbare Wohn- und Lebensbedingungen und wehrten sich damit gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung.
1909 streikten 20.000 Näherinnen in New York. Tausende wurden verhaftet, doch die Unternehmer mussten ihren Forderungen nach 2-monatigem entschlossenem Streik nachgeben. Im Ergebnis begingen nordamerikanische Arbeiterinnen bereits am 20. Februar 1909 einen nationalen Frauentag. Der erste internationale Frauentag fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Die politische Forderung war das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Mehr als eine Million Frauen gingen auf die Straße, eine bis dahin beispiellose Massenbewegung.
Das Lied, das 1912 während eines Streiks von 14.000 Textilarbeiterinnen gegen Hungerlöhne und Kinderarbeit in Lawrence (USA) entstand, wurde zum Motto der amerikanischen Frauenbewegung.
Wenn wir zusammen gehn,
geht mit uns ein schöner Tag,
durch all die dunklen Küchen,
und wo grau ein Werkshof lag,
beginnt plötzlich die Sonne uns're arme Welt zu kosen,
und jeder hört uns singen:
So verschmolzen das Lied und die Tradition, rote Nelken an diesem Tag zu schenken. Sie dienten als Symbolik der ersten Demonstrationen für die Rechte der Frauen und als Erkennungszeichen für Solidarität und Engagement für die Frauenbewegung. Die rote Farbe der Nelke steht für die Leidenschaft und Entschlossenheit der Frauen, für ihre Mitstreiterinnen und die Gleichstellung aller Frauen. Heute werden rote Nelken auf der ganzen Welt anlässlich des Weltfrauentages als Symbol der Unterstützung und Wertschätzung von Frauen und ihrer Rechte verschenkt. Sie erinnern uns daran, dass der Kampf für die Gleichberechtigung der Geschlechter noch lange nicht vorbei ist und dass wir uns für eine gerechtere Welt für alle einsetzen müssen.
In der Schule geht es um mehr als nur Bildung. Es geht auch um die Vorbereitung auf das Leben und die weitere Karriere. Doch noch immer gibt es Geschlechterstereotypen, die sich negativ auf Frauen auswirken. Mädchen und Frauen werden oft subtil oder offensichtlich davon abgehalten, in bestimmten Berufen oder Studienfächern zu arbeiten oder zu studieren, die als “männlich” angesehen werden. Lehrerinnen und Erzieherinnen sind oft schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen, was ein Ungleichgewicht in der Schulleitung und Verwaltung schafft.
In Deutschland haben viele Schulen, Gewerkschaften und Städte bereits damit begonnen, den Frauentag als Teil des Lehrplans zu integrieren und Veranstaltungen zu planen. So bietet zum Beispiel die Stadt Leipzig verschiedene Ausstellungen zum Thema an. Ziel dabei ist es, die Schüler:innen über die Bedeutung des Frauentages aufzuklären. Es soll vermittelt werden, warum die Gleichstellung von Frauen und Männern nach wie vor ein wichtiges Thema ist. Dabei geht es nicht nur um historische Ereignisse, sondern auch um aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft und die daraus resultierenden Herausforderungen.
Eine Möglichkeit, den Frauentag in Schulen zu thematisieren, ist durch Projekte, Arbeitsmaterialien und Aktionen. So können beispielsweise Vorträge über einflussreiche Frauen oder Diskussionen über Frauenrechte organisiert werden. Auch Filmvorführungen oder Theaterstücke zum Thema sind denkbar. Ziel ist es dabei immer, eure Klasse zu sensibilisieren und zum Nachdenken anzuregen. Es ist dabei auch wichtig zu erwähnen, dass Lehrpläne eine Vielfalt an Lektüren enthalten, die verschiedene Perspektiven, Erfahrungen und Identitäten widerspiegeln. Wenn Lehrpläne hauptsächlich männliche Autoren und Protagonisten enthalten, kann dies dazu führen, dass Schülerinnen sich weniger repräsentieren und gehört fühlen. Das wirkt sich wiederum negativ auf ihre Motivation und ihr Interesse am Unterricht aus.
Diese Arbeitsblätter zum Internationalen Frauentag dienen als Beispiel und sind für den Unterrichtseinsatz konzipiert:
Außerhalb der Schule spielt der Frauentag auch in der Welt eine wichtige Rolle. Gerade in Ländern, in denen Frauenrechte nicht ausreichend geschützt werden, ist der Frauentag ein wichtiges Zeichen des Protests und der Solidarität. So wird in vielen Ländern am Frauentag gegen Diskriminierung und Gewalt an Frauen demonstriert. Aber auch in Ländern, in denen Frauenrechte bereits weitgehend durchgesetzt sind, gibt es immer noch Verbesserungsbedarf. Ein Beispiel hierfür ist der “Gender Pay Gap” - die Entgeltungleichheit. Obwohl Frauen in vielen Ländern die gleiche Arbeit wie Männer verrichten, verdienen sie oft immer noch weniger. So lag der durchschnittliche Bruttoverdienst 2021 von Frauen und Männern in Deutschland wesentlich auseinander. Frauen verdienten im Jahr 2021 nur 19,12 Euro, wohingegen der Bruttoverdienst der Männer bei 23,20 Euro lag (unbereinigter Wert). Diese Ungleichheit beim Entgelt muss beseitigt werden, um die Ungleichheit zwischen Frau und Mann zu beseitigen (siehe Grafik).
Es ist richtig, dass Bildungsungleichheit immer noch ein wichtiges Thema ist und dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. In den letzten Jahren haben mehr Mädchen als Jungen das Abitur erreicht. Allerdings spiegelt sich diese Entwicklung noch nicht vollständig auf dem Arbeitsmarkt wider. Frauen sind immer noch in vielen Berufen und Branchen unterrepräsentiert und verdienen im Durchschnitt weniger als Männer. Auch gibt es nach wie vor eine geschlechtsspezifische Segregation auf dem Arbeitsmarkt, d. h. bestimmte Berufe werden überwiegend von Frauen und Männern ausgeübt. In Deutschland waren im Jahr 2020 rund 52 Prozent der Abiturienten weiblich und 48 Prozent männlich. Allerdings gibt es bei den Studienanfängern weiterhin eine geschlechtsspezifische Verteilung: Im Wintersemester 2020/2021 waren beispielsweise 56 Prozent der Erstsemester an Universitäten und 51 Prozent der Erstsemester an Fachhochschulen weiblich. Jedoch beträgt der Anteil von Frauen in technischen Berufen wie zum Beispiel Ingenieurwesen oder Informatik im Jahr 2020 nur etwa 16 Prozent. Dies gilt auch für Führungspositionen in Unternehmen, dort liegt der Anteil, im Jahr 2020, von Frauen in den Vorständen der DAX-Unternehmen bei lediglich 13,8 Prozent.
Der Internationale Frauentag bleibt ein wichtiger Anlass, um auf die Bedeutung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern aufmerksam zu machen. Durch die Thematisierung in Schulen und die weltweiten Aktionen kann ein Bewusstsein für die bestehenden Herausforderungen geschaffen werden. Aber es ist auch wichtig, dass Politik und Gesellschaft sich weiterhin für die Gleichstellung von Frauen und Männern engagieren, damit der Frauentag irgendwann überflüssig wird. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Bekämpfung von sexueller Belästigung und Gewalt gegen Frauen sind hochaktuelle Themen, die weiterhin im Fokus stehen müssen.
Doch was nehmen wir an diesem Feiertag für unsere Zukunft mit? Frauen sind individuell und sollten mutig sein, ihre Stimme zu erheben. Dadurch können sie sich einbringen und mitbestimmen. Doch dies alles funktioniert nicht, wenn man innerhalb der Gesellschaft keine Solidarität und gegenseitige Unterstützung zeigt. Wir sind alle gleich, egal welches Geschlecht und so sollten wir auch den jeweils anderen behandeln. Individualität und daraus resultierende Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein machen uns zu dem, was wir sind und damit können wir viel erreichen. Es ist wichtig zu erkennen, dass Individualität und Solidarität nicht unbedingt im Widerspruch zueinander stehen müssen. In einer funktionierenden Gesellschaft kann jeder Einzelne seine Individualität ausdrücken und gleichzeitig seinen Teil zur Solidarität und dem Gemeinwohl beitragen. So kann jeder Mensch durch sein offenes und tolerantes Handeln in der Gesellschaft zur Gleichberechtigung von Frau und Mann beitragen.
Wie setzt eure Schule den Weltfrauentag thematisch um? Wie könnte man gegen Geschlechterklischees in Schule und Gesellschaft vorgehen und Vielfalt fördern? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!
Das Thema Ernährung und Schule würde man auf den ersten Blick eher weniger miteinander assoziieren. Unter vielen anderen zeigt die Studie der University of Bristol genau diesen Zusammenhang. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung wirkt sich demnach positiv auf die Intelligenz sowie die geistige Leistungsfähigkeit aus. Der Schulalltag von vielen Schüler:innen ist schnelllebig und hektisch. Das Thema Ernährung kommt oft zu kurz, sowohl zuhause als auch in den Schulen. Mittlerweile bieten einige Schulen sogenannte Schulgärten an. Eine bekannte Organisation, die hier tätig wird, ist die Gemüse Ackerdemie. Wie sie vorgeht und welcher Nutzen hinter solchen Schulgärten steckt, erfahrt ihr hier.
Nirgendwo erleben die Schüler:innen die Vernetzung und Selbstwirksamkeit aller Lebewesen deutlicher als im Garten. Bewegung an der frischen Luft macht den Kopf frei und Gartenarbeit schult motorische, sensorische und soziale Fähigkeiten.
Das deutsche Sprichwort sagt: "Willst du dein Leben lang glücklich sein, pflanze einen Garten." Darin steckt viel wahres, denn das Basteln im Garten beflügelt die Sinne: duftende, bunte Blumen, die verschiedenen Klänge von Bienen und Vögeln, süß schmeckende Beeren, Wind und Sonne auf der Haut. Als Abwechslung zum Klassenzimmer und dem Konsum digitaler Medien macht frische Luft den Kopf frei und bringt Schüler:innen zurück zur Natur. Schulgärten erfüllen aber auch wichtige pädagogische Aufgaben:
Umweltbildung: Ökologische Prozesse wie Fortpflanzung, Wachstum oder Verrottung können im Jahresverlauf beobachtet werden. Naturgesetze, Jahreszeiten und Wetterphänomene zeigen in der natürlichen Umgebung eines Gartens ihre volle Wirkung.
Ernährungsaufklärung: Beim Einkaufen im Supermarkt ist einem nicht immer bewusst, wie viel Zeit und Mühe in die Produktion von Obst und Gemüse gesteckt wird. Im Schulgarten kann über Lebensmittelverschwendung, ausgewogene Ernährung und nachhaltigen Konsum diskutiert werden
Sozialkompetenz: Von Kraft über Intuition, Planungsgeschick und Köpfchen – jeder kann im Schulgarten seine Stärken herausfinden und weiterentwickeln. Zudem schult ein solches gemeinsames Projekt Soft Skills wie Teamfähigkeit, Engagement, Zielstrebigkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Bereits vor dem Anlegen des Schulgartens stellt sich die Frage: Soll es Bio oder doch konventionelles Obst und Gemüse sein? Ein Bio Garten hat den Vorteil, dass alles ganz ohne Chemie abläuft und natürliche Wachstumsprozesse ungestört voranschreiten können. Ebenso ist es gerade bei jüngeren Schüler:innen wichtig, dass sie nicht in Kontakt mit giftigen Stoffen kommen. Welche Bauelemente möchte man im Schulgarten verwenden? Hochbeete, Pflanzsäcke oder Töpfe? Gibt es geeignete Plätze für Obstbäume oder Beerensträucher? Ebenso sollten sich Gedanken über eine naheliegende Wasserquelle gemacht werden. Wirft man einen Blick auf die Tiere, so freuen sich Igel, Insekten und Co. über ausreichend Wildfläche.
Hier kann die Gemüse Ackerdemie helfen. Dabei handelt es sich um ein mehrfach ausgezeichnetes Bildungsprogramm für Schulen. Schüler:innen bauen gemeinsam mit ihren Lehrer:innen ihr eigenes Obst und Gemüse an. Die Schüler:innen sind vom ersten Samen bis hin zum ausgereiften Gemüse dabei und lernen, welche Wirkung ihr Handeln hat. Das Ziel der “Ackerdemie”: jungen Menschen die Natur und Nachhaltigkeit im eigenen Leben näherbringen. Der Schulgarten ist dabei kein Spielort, sondern ein Lernort, bei dem, genau wie im Klassenzimmer auch, Regeln herrschen, gerade wenn es um die Sicherheit von Mensch, Pflanze und Tier geht. Daher empfiehlt es sich, regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen über mögliche Gefahrenquellen im Austausch zu sein:
Wie gehe ich respektvoll mit Pflanzen und Tieren um?
Was darf ich anfassen, pflücken, essen?
Welche Pflanzen sind vielleicht auch giftig?
Wie gehe ich mit Gartenwerkzeug sicher um?
Welche Hygiene muss beachtet werden?
Wenn diese Richtlinien und Rahmenbedingungen getroffen sind, steht dem eigenen Schulgarten nichts mehr im Wege. Bei der Gemüse Ackerdemie können alle Schulen, die Zeit und Lust auf das Programm haben, mitmachen. Wenn noch keine geeignete Fläche zum Anbauen von Obst und Gemüse vorhanden ist, hilft die Ackerdemie bei der Suche und Beratung. Grundlegend eigne sich das Programm aber am ehesten für die dritte bis sechste Klassenstufe, so die Gemüse Ackerdemie. Zwar ackern auch ältere Schüler:innen mit, die Bildungsmaterialien sind aktuell aber nur für die dritte bis sechste Klasse verfügbar. Eine weitere Differenzierung sei aber in Planung.
Das Gute: Pädagogische Lehrkräfte brauchen kein Vorwissen. In den Fortbildungen der Gemüse Ackerdemie erhalten sie das nötige Fachwissen. Zusätzlich versorgt die Gemüse Ackerdemie Teilnehmende mit Unterrichtsmaterial, einem wöchentlichen Newsletter und zahlreichen Hilfestellungen auf der Plattform. Vor Ort und per Telefon sind die Mitarbeitenden der Gemüse Ackerdemie auch erreichbar.
Das Ablaufprogramm gliedert sich in 3 Phasen, die sich über das Jahr strecken:
Hat die Idee eines Schulgartens oder sogar die Gemüse Ackerdemie euer Interesse für einen eigenen Schulgarten geweckt? Neben dem strikten Lehr-/Lernprogramm bietet der Schulgarten einen neuen, anderen Ansatzpunkt, fürs Leben dazuzulernen. Gerade die Fragen: “Wo kommt mein Gemüse eigentlich her? Wie wächst mein Gemüse?” werden den Schüler:innen bei diesem Projekt deutlicher und verbessern ihr Gespür für die Ernährung, den Teamzusammenhalt und ein nachhaltiges, bewusstes Denken, was sich positiv auf den Planeten ausübt.
Schreibt uns gerne in die Kommentare, ob ihr bereits Erfahrung mit einem Schulgarten sammeln durftet und wie eure Erfahrungen waren.
An Projekttagen kommt man ins freie Handeln. Nicht nur der Unterricht ist offener, sondern man hat auch die Möglichkeit, sich den Lehrwerken für ein paar Stunden zu entziehen und gewohnte Muster aufzubrechen: Mal etwas Neues auf den Plan bringen – oder vielleicht sogar eine der bedeutsamsten Schlüsselfragen überhaupt: Wie können wir zu einer nachhaltigen Weltgesellschaft werden? Ein Stück weiter wegkommen von kritischem Konsum, verschwenderischem Verhalten, hin zu verpackungsarmem Kochen und korrekter Mülltrennung. Inspiriert vom CARE - Changemaker Programm haben wir uns an einen Versuch gewagt, Ideen des globalen Lernens im Projektcharakter zusammenzutragen.
Nachhaltigkeit ist ein von Lebensnähe geprägtes Thema, das jeden etwas angeht – doch ist es nicht einfach, alle Betroffenen in Sachen Umweltschutz an Bord zu holen. Die Antwort liegt in unserem alltäglichen Handeln, das zu reflektieren durchaus negative Emotionen in uns auslösen kann. Sich überdies mit dem Zustand unserer Welt auseinanderzusetzen, fühlt sich weder gut noch hoffnungsvoll an. Der richtige Weg, aus dieser Abwehrhaltung herauszukommen, liegt im aktiven Handeln, durch das man Probleme verkleinern und die eigene Selbstwirksamkeit zu steigern kann. Man sollte schließlich Ziele auf die Agenda setzen. Etymologisch betrachtet steckt im lateinischen Wort “Agenda” die nähere Bedeutung “Dinge, die zu tun sind”.
Nimmt man die 17 Ziele für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE) hervor, geben diese einen guten Leitfaden für projektartiges Lernen. Auf diese Zukunftswerte einigten sich 193 Staaten bei einer UN-Generalversammlung im Jahr 2015 – die Abrechnung soll im Jahr 2030 erfolgen. Etwas als Individuum oder auch im Kollektiv beizutragen, kann und soll im Erfahrungsraum Schule ausprobiert werden.
Für ein Projektthema von solcher Größe sollte im Vorfeld ein gewisser Rahmen abgesteckt werden. Es ist daher grundlegend die Frage zu stellen: Was wollen wir erreichen, und können wir auch nach dem Projekt beibehalten, um den Schulalltag etwas grüner zu gestalten? Als sinnvolle Orientierung haben sich hierfür drei Kompetenzfelder erwiesen, nach welchen alle Aktionen durchlaufen werden können:
Welche Perspektiven in einem Projekt betrachtet werden sollen, ergibt sich aus der Weite der einleitenden Fragestellung: Wie entlasten wir unsere Erde? Wie wollen wir diese in Zukunft bewohnen? Es geht aber auch konkreter: Zero Waste – wir produzieren eine Woche keinen Müll. Ganz egal, an welchem Umweltthema man ansetzt: Gemeinsamkeit und Verantwortungsbewusstsein sollten im Fokus stehen.
Tipp: Schüler:innen sollten bei der Findung des Unterthemas unbedingt partizipieren, damit innere Beteiligung geweckt wird.
Motivation und Aktivierung für ein neues Thema sind, wie in jedem Unterricht, besonders zentral für real gewünschte Veränderung. Nachhaltigkeit und Umgangsweisen mit ihr zu erforschen, erfordert vor allem Problemlösekompetenz und Kommunikationsfähigkeit vonseiten der Lernenden. Ein Narrativ einzuleiten, ist bei jüngeren Schüler:innen eine gelingende Methode, sich mit dem Thema zu identifizieren und zur Arbeit am gemeinsamen Lerngegenstand zu animieren. Umweltschützer sollen sich aktiv und selbstbestimmt an der Gestaltung einer lebenswerten Gegenwart und Zukunft beteiligen. Dafür müssen sie ihre Fähigkeiten ausbauen:
Im nächsten Schritt folgt die genaue Planung des Projekts. Dabei ist Brainstorming und wildes Mind-Mapping angesagt. Es erfolgt außerdem eine Standortbestimmung zum eigenen Umweltverhalten und eine Visionsorientierung. Wie könnte man die Schule hinsichtlich BNE verbessern, welche Orte und Ressourcen können wir dafür nutzen?
Globales Lernen lässt sich so gut wie mit jedem Thema vernetzen, auch das Thema Sport, Technik oder Kinderrechte sind Bestandteil von BNE.
Ein echter Zugang zu Nachhaltigkeitsthemen ist hierbei von besonderer Bedeutung. Ohne Anbindung an die Lebenswelt der Schüler:innen, bleibt BNE nichts als Theorie, die nach einigen Wochen vergessen wird. Wie ökologische, ökonomische, sowie soziale Dimensionen und deren Wechselwirkung aufgezeigt werden können, sollte vor Projektbeginn durchdacht und in der Durchführung schlüssig sein, damit es Erfolg hat. Es sollte also etwas erschaffen oder getan werden, was bleibt und Eindruck hinterlässt. Das kann eine Fotodokumentation sein, genauso wie eine Präsentation, etwas Selbstgebautes oder umweltfreundliche Schulregeln. Folgende sind Methoden und Ideen für die kreative Ausgestaltung von Projektansätzen, die sich für forschend-entdeckendes Lernen eignen können:
BNE ist nicht nur etwas für Projekttage. Vielmehr sollte es im gesamtschulischen Kontext Anklang finden und als überfachliches Bildungsziel bei der Stoffverteilung im Schuljahr berücksichtigt werden. Schließlich ist es jene Bildung, die zukunftsfähiges Handeln und Denken auf den Weg bringt, und jedem Einzelnen die Chance gibt, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen. Klar ist aber auch, dass es kein klassisches Stoffgebiet für Sitzfächer ist und viel Vorbereitung, sowie Fachwissen der Lehrkräfte bedarf. Auf diesen Seiten kannst du dich vertiefend mit der Materie des BNE auseinandersetzen und geeignete Lernmaterialien finden, die zu eurem anvisierten Themengebiet passen. Bei Zeitleo findet ihr außerdem einen strukturellen Aufbau mit hilfreichen Hinweisen, wie man sich für eine bessere Welt engagieren kann. Auch Wissensmagazine eignen sich hervorragend für eure Recherchen. Wir empfehlen euch dafür das Forschermagazin für Neugierige zum Titel: Wie wird die Zukunft?
Stoß das Thema doch einfach mal in deinem Kollegium an, bestimmt sind mehr Leute an Bord, als du vorher geglaubt hast. Vielleicht könnte man sogar einen BNE Beauftragten an eurer Schule festlegen, um derartige Projekte mehr zu fördern? Ein Versuch wird es Wert sein!
Die aktuell schwerwiegendsten Sorgen und Ängste von Kindern und Jugendlichen in Deutschland können von Krieg und Klimawandel bis hin zu schlechten Noten in der Schule und Streit mit Freunden oder Geschwistern reichen. Kummer empfinden wir alle bei diesen und ähnlichen Themen und Lebensumständen immer wieder. Dann werden wir nachdenklich, unkonzentriert, betrübt, bisweilen auch gereizt. Unsere gesellschaftlichen Strukturen begünstigen dabei leider, dass die Betroffenen sich häufig niemanden anvertrauen, um über ihren Kummer zu sprechen, sich schämen oder keine Schwäche zeigen wollen. Gestehen wir uns unsere Sorgen aber nicht ein und halten schwierige Lebenssituationen wie Mobbing über lange Zeit einfach aus, schadet das unserer mentalen Gesundheit. Der anfängliche Kummer kann sich dann schnell zu seelischem Schmerz entwickeln und sogar die allgemeine Gesundheit gefährden. Da wir bei Lehrer-News seelische Gesundheit und allgemeines Wohlbefinden als Grundvoraussetzung für guten Schulalltag erachten (siehe unsere Themenwoche “Mentale Gesundheit”), möchten wir in diesem Beitrag verschiedene telefonische Hilfs- und Beratungsstellen vorstellen,, die einen Raum der Sicherheit, des Austausches und des Verständnisses für Kinder, Jugendliche und Eltern bieten können.
Häufig trauen wir uns nicht über unseren Kummer zu sprechen, weil wir uns schämen oder keine Schwäche zeigen wollen. Gestehen wir uns unsere Sorgen aber nicht ein und halten etwa Mobbing über lange Zeit einfach aus, schadet das unserer Gesundheit. "Unser Körper reagiert mit Stress. Das heißt, er schüttet Hormone aus, die den Körper in Alarmbereitschaft versetzen", sagt der Salzburger Psychologe Manfred Wünsche. Diese Stresshormone sorgen dafür, dass wir schneller atmen, das Herz heftiger klopft und unsere Muskeln mit mehr Kraft arbeiten. Wir zittern, schwitzen, sind verspannt, wälzen uns Nacht für Nacht unruhig im Bett hin und her. Darum ist es wichtig, den Kummer wahrzunehmen und herauszufinden, was seine Ursachen sind. "Dann können wir etwas gegen unsere Probleme unternehmen und werden ihn auch wieder los", so Wünsche.
Allgemeine Tipps:
Nachfolgend haben wir euch eine Auswahl ebenjener Beratungsstellen zusammengestellt:
Es gibt viele Ursachen, durch die das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen geschwächt werden und Kummer und Sorgen aufkommen können. Welche Themen Jugendliche am meisten beschäftigen, die zum Beispiel die Nummer gegen Kummer wählen? „Das sind bei den Mädchen Partnerschaft und Liebe, bei den Jungen das Thema Sexualität, die ist bei den Mädchen weniger gewichtet“, weiß Jugendforscher Professor Klaus Hurrelmann, der 2010 eine Studie von Nummer gegen Kummer leitete und die anonymen Hilferufe analysierte. Die vorgestellten telefonischen und onlinebezogenen Anlaufstellen sollen die Betroffenen dazu ermutigen, immer das Gespräch zu suchen. Der Zugang zu einem persönlichen Gespräch via Telefon oder per Email kann Brücken für jene schlagen, die sich nicht trauen, mit anderen über ihr Problem zu sprechen, weil es ihnen entweder peinlich ist, sie befürchten, nicht ernst genommen zu werden oder schlichtweg keinen Ansprechpartner haben. Damit die Kommunikation sozial und emotional gelingt und eine gute Gesprächsatmosphäre geschaffen wird, werden die Beraterinnen und Berater darin geschult, wie sie aktiv zuhören, sich als Person zurücknehmen und jemanden verbal trösten, den sie nicht in den Arm nehmen können. Jede Beratung ist so individuell wie das Problem, um das es geht. Doch eins haben alle Anrufer gemeinsam: Sie werden informiert, beraten und entlastet. Denn gerade das verständnisvolle und unvoreingenommene Zuhören ist enorm hilfreich und kann dazu beitragen, dass sich die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen wieder verbessert. Ferner erhalten sie wertvolle Tipps und Methoden, um künftig resilienter im Umgang mit ähnlichen Problemen zu werden und keine Bedenken zu haben, erneut zum Hörer zu greifen.
Möchtet ihr eure Schülerinnen und Schüler näher an Beratungs- und Hilfsangebote für Kummer und Sorgen heranführen? Neben den telefonischen Anlaufstellen können Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam mit Schulsozialarbeiter:innen und Schulpsycholog:innen die Aufgabenfelder und Unterstützungsangebote der Schulpsychologischen Beratungsstellen zum Beispiel in einer Unterrichtsstunde vorstellen, Bewusstsein und Akzeptanz unter Schüler:innen fördern und die Kontaktmöglichkeiten erweitern. Die Informationsveranstaltung könnte außerdem mit der sogenannten Pediatric Symptom Checklist (PSC) abgerundet werden. Mit Hilfe der PSC kann die psychische Gesundheit von Kindern in den Bereichen Internalisierung, Aufmerksamkeit und Externalisierung eingeschätzt werden. Die Schülerinnen und Schüler hätten dadurch ein weiteres Tool zur Hand, dass sie zur Früherkennung ihrer Probleme selbst nutzen könnten, um herauszufinden, ob eventuell zusätzliche Hilfsangebote in Anspruch genommen werden sollten. Dabei ist zu beachten, dass dieser Test lediglich einer ersten Orientierung und Selbsteinstufung dient und keine fachlichen Diagnosen ersetzt.
Habt ihr bereits Erfahrungen mit den genannten Beratungsangeboten gemacht? Schreibt es uns in die Kommentare!
So ist für 82 Prozent der Befragten die gebundene Ganztagsschule das Modell der Zukunft, das ganz wesentlich zur Chancengleichheit in der Bildung beitragen kann. Und sogar der althergebrachte Fächerkanon steht zur Debatte: 82 Prozent halten diesen nicht mehr für zeitgemäß und fordern eine grundlegende Überarbeitung.
Die Cornelsen Schulleitungsstudie wurde 2021/2022 erstmals durchgeführt. Dafür hat das FiBS mehr als 1.100 Schulleiterinnen und Schulleiter unterschiedlicher Schulformen und in ganz Deutschland online befragt, welche Erwartungen sie an die Schule der Zukunft haben. Mit 50 Schulleiter:innen wurden ergänzend tiefergehende Einzelinterviews geführt. Das FiBS hat die Studie unter Beteiligung des renommierten Bildungsforschers Prof. Dr. Klaus Hurrelmann realisiert. Dieser hat ein ganz eigenes Verhältnis zu Schulleiter:innen: „Als Schüler mit einer komplizierten Schullaufbahn weiß ich: Schulleitung ist in unserer Gesellschaft eine Schlüsselrolle, die von Bedeutung für die gesamte weitere nicht nur bildungspolitische, sondern auch familien-, kultur- und kommunalpolitische Entwicklung ist.“
Aber was muss Schule künftig für junge Menschen leisten – unter Deutschlands Schulleiter:innen herrscht darüber große Einigkeit. Praktisch alle Befragten (97 Prozent) sind der Meinung, dass Schulen die Chancengleichheit in der Bildung ermöglichen müssen. 92 Prozent setzen dafür auf individuelle Förderangebote, um allen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden. Und 93 Prozent wünschen sich, dass im Unterricht mehr Lebenskompetenzen vermittelt werden, um Schüler:innen besser auf das Erwachsensein und die Arbeitswelt vorzubereiten. Weitere wichtige Themen sind „Digitale Bildung und Mündigkeit“ (92 Prozent), „Gesundheit und Ernährung“ (90 Prozent) sowie „Demokratie“ (88 Prozent).
Eine wichtige Rolle im Schulalltag spielt die Digitalität. So haben 97 Prozent angegeben, dass Schüler:innen den verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien in der Schule lernen sollten. Darüber hinaus sehen viele die Möglichkeiten, die digitale Technologien für den Schulalltag bieten. 87 Prozent der Schulleitungen glauben, dass Apps und andere digitale Programme in Zukunft individualisiertes Lernen – und damit auch die Chancengleichheit – unterstützen können. Rund acht von zehn Schulleitungen (78 Prozent) sind außerdem überzeugt, dass sich das Schulmanagement durch die Einbindung technischer Hilfsmittel vereinfachen lässt.
Deutschlands Schulleitungen sehen also große Veränderungen auf die Schulen zukommen, die sie auch gerne vorantreiben würden. 80 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass sich Schulleitung auf die Strategie- bzw. die Unterrichtsentwicklung und den Lernerfolg der Schüler:innen konzentrieren sollte. Der Alltag sieht allerdings anders aus. Rund die Hälfte der Befragten gibt an, maximal drei Stunden pro Woche für das Thema Schulentwicklung zur Verfügung zu haben. Einen Großteil der Arbeitszeit beanspruchen administrative Aufgaben. Immerhin 54 Prozent der Schulleitungen verbringen damit wöchentlich mehr als 10 Stunden. Das mag vielleicht ein Grund sein, weshalb fast drei Viertel aller Schulleitungen (72 Prozent) unzufrieden auf das vergangene Jahr zurückschauen. Doch obwohl die meisten Herausforderungen noch auf ihre Lösung warten – die Zukunft sieht die Mehrheit der Befragten positiv. Denn immerhin 52 Prozent gaben an, der Zukunft optimistisch entgegenzusehen.
Bei der Interpretation der Ergebnisse zeigt sich Bildungsforscher Hurrelmann überrascht: „Wer hätte das gedacht? Die Mehrheit der deutschen Schulleiterinnen und Schulleiter sind Reformer. Die Cornelsen Schulleitungsstudie widerlegt das Bild von Schulleitungen als bürokratischen und einfallslosen Behörden. Die befragten Schulleiterinnen und Schulleiter leugnen nicht, dass es in deutschen Schulen immer noch verkrustete Strukturen gibt, die tief im Alltag verankert sind. Aber genau diese wollen sie überwinden.“
Cornelsen will Schulleitungen eine starke Stimme geben. Für das Unternehmen ist es daher nur folgerichtig, schon bald die Nachfolgestudie durchzuführen: „Den großen Gestaltungswillen von Schulleitungen und ihre konkreten Ansatzpunkte, um Schulen besser aufzustellen und individuellen Lernerfolg zu ermöglichen, wollen wir öffentlich machen“ beschreibt Frank Thalhofer, Chief Didactic Officer, die Motivation, die Cornelsen Schulleitungsstudie fortzusetzen. Projektleiterin Dr. Sarah Fichtner (FiBS) freut sich auf die Fortsetzung der Befragungen, um „Schulleitungen nachhaltig als Zukunftsgestalter:innen ernst zu nehmen“. Und Dr. Dieter Dohmen, Direktor des FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie ergänzt: „Die Studie regt zum Um- und Weiterdenken an. Wir setzen sie gerne fort, denn sie trägt dazu bei, das Bildungssystem innovativer zu gestalten.“
FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und SozialökonomieDas FiBS arbeitet seit über 25 Jahren zu bildungs- und sozialökonomischen Themen auf deutscher, europäischer und weltweiter Ebene. Mit unterschiedlichen Fokussierungen betrachtet es alle Bildungsbereiche übergreifend und setzt sie zu sozialen, innovativen, digitalen und arbeitsmarktpolitischen Themen in Beziehung.
Weitere Infos:
Berlin. Am 24.Februar 2022 begann der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bis heute sind über eine Million Geflüchtete in Deutschland angekommen. Darunter auch 200.000 Schüler und Schülerinnen, die von deutschen Schulen aufgenommen wurden. In diesem Artikel erfahrt ihr, was sich in diesem Jahr getan hat und wie es um die Kinder und Jugendlichen in Bezug auf die Integration an Schulen steht.
Die ukrainische Bevölkerung ist seit der Invasion Russlands auf der Flucht. Ein Großteil nimmt Deutschland als Ziel für deren Schutz. Rund 96 Prozent von ihnen sind ukrainische Staatsbürger, unter den Erwachsenen sind knapp 70 Prozent Frauen und 30 Prozent Männer. 356.000 Kinder sind unter 18 Jahren, etwas weniger als die Hälfte sind im Grundschulalter. Das durchschnittliche Alter der Geflüchteten liegt bei 28 Jahren. Fast drei Viertel der Flüchtlinge wohnen in privaten Häusern oder Wohnungen, wie Ergebnisse einer repräsentativen Studie zeigen. Ein Viertel wohnt sogar zusammen mit Freunden oder Bekannten, die bereits in Deutschland leben.
Rund 1,42 Millionen Kinder wurden laut Umfrage aus der Ukraine vertrieben. Dabei hat auch ein Großteil der Geflüchteten bei uns eine sichere Umgebung gefunden. 22 Prozent der Kinder unter 3 Jahren und 59 Prozent der Kinder von 3 bis zum Zeitpunkt des Schuleintritts besuchen eine Kita. Eine Studie der Kultusministerkonferenz zeigte, dass 91 Prozent der geflüchteten Familien mit Kindern angaben, mindestens eines von ihnen an einer Schule angemeldet zu haben. 38.000 Kinder und Jugendliche besuchen Schulen in Nordrhein-Westfalen, 30.000 jeweils in Bayern und Baden-Württemberg.
Wie eine Umfrage des Mediendienstes im November 2022 zeigt, werden inzwischen viele ukrainische Schüler:innen in Regelklassen unterrichtet, da bei einem großen Anteil genügend Deutschkenntnisse vorhanden sind. Dadurch, dass in den Regelklassen kein ukrainischer Unterricht angeboten wird, nutzen viele junge Ukrainier:innen das Angebot des am Nachmittag stattfindenden Online-Unterrichts. Laut einer Umfrage besuchen 23 Prozent der Schüler:innen diesen regelmäßig. Die größere Herausforderung ist allerdings nicht die vermutlich zuerst angenommene Sprachbarriere, sondern schlichtweg fehlende Lehrkräfte und Platzmangel in den Schulen. Der Lehrermangel stellt in fast allen Teilen Deutschlands immer noch eine schwierige Situation dar. Über den Lehrermangel in Sachsen-Anhalt, Bayern und Nordrhein-Westfalen haben wir hier bei Lehrer-News bereits berichtet.
Expert:innen kamen Ende Dezember nach einem Pressegespräch des Mediendienstes zu dem Fazit, dass einige Schüler:innen immer noch keinen Schulplatz haben. Das System sei ein Flickenteppich aus verschiedensten Ansätzen. Außerdem würden keine einheitlichen Richtlinien und Regeln für die Aufnahme und Handhabung von Flüchtlingen an Schulen gelten. Nicht nur für die Kinder und Jugendlichen ist die neue Situation mehr als ungewohnt und teils belastend. Auch die Lehrkräfte wurden vor eine große Herausforderung gestellt, von jetzt auf gleich geflüchtete und nicht deutschsprachige Kinder zu beschulen. Wie geht man mit der Gesamtsituation um? Wie geht man mit den Kindern aus den Kriegsgebieten um, wenn Ängste und andere emotionale Schwierigkeiten hinzukommen? Eine Frage, die sich sicherlich schon einige betroffene Lehrer:innen gestellt haben. Hier findet ihr ein Video “Über den Krieg reden”, welche euch beim Umgang mit den geschilderten Situationen helfen soll.
Ein Jahr nach Kriegsbeginn suchen noch immer junge Menschen Schutz in Deutschland. Viele Schulen sind gut organisiert und unterstützen die Geflüchteten so weit es geht. Dennoch wirkt sich der in Deutschland ohnehin schon vorhandene Lehrermangel nicht förderlich auf die Gesamtsituation aus. Es bedarf dringend Lösungen, diese Mängel auszugleichen.
Wiesbaden. In Hessen stehen sich Aussage um Aussage gegenüber. Je nach Lesart und Ansprechpartner erhält man unterschiedliche, vorwurfsvolle Aussagen zum Lehrermangel. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) wirft der hessischen Regierung Versagen bei der Bewältigung des sich zuspitzenden Lehrermangels vor. Im Kultusministerium hört man solche Aussagen ungern, findet die öffentliche Diskussion sei “reißerisch dargestellt” und versichere, dass es alles in allem genügend Lehrkräfte in Hessen gebe. Mehr Geld für Grundschullehrer und Grundschullehrerinnen und die Weiterbildung von Quereinsteigern werden als probate Mittel gesehen, die jetzt zur Linderung der Personalsorgen beitragen sollen. Worum geht es?
Der Lehrkräftemangel sei gerade im Rhein-Main-Gebiet "dramatisch", beklagt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und bezieht sich dabei auf rund 2.000 unbesetzte Stellen an den Schulen. Nach Schätzungen der VBE gibt es an jeder Schule im Schnitt eine unbesetzte Stelle, die finanziell eigentlich fest eingeplant ist. "Außerdem zeigt sich der Lehrkräftemangel an den 6.000 bis 7.000 befristeten Vertretungsverträgen – denn die meisten wurden nicht mit ausgebildeten Lehrkräften abgeschlossen, sondern mit Studierenden oder Menschen aus völlig anderen Berufen” sagt der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wessmann. Auch die Opposition im Landtag ist wegen der seit Jahren wachsenden Zahl an Quereinsteigern an hessischen Schulen besorgt. Von den etwa 65.000 Lehrer:innen kommen über 10.000 aus dem Quereinstieg, so Moritz Promny, bildungspolitischer Sprecher der Liberalen im Landtag. Damit werde die schlechte Personalplanung der Landesregierung kaschiert, findet Promny.
Im Kultusministerium bestreitet man diese Zahlen nicht. Alexander Lorz, Hessischer Kultusminister (CDU) will den Anteil der Lehrkräfte reduzieren, die an den Schulen aktuell ohne passendes Studium unterrichten. Gleichzeitig betont er: “Der wird niemals auf Null kommen. Musikpädagogen, Sportwissenschaftler, Pfarrerinnen und Pfarrer – das sind alles Menschen, die schon immer im hessischen Schuldienst waren und die wir auch in Zukunft brauchen werden. Lorz beteuert, dass es genügend Lehrkräfte in Hessen gebe und verweist auf die mehr als 5.000 Stellen, die in seiner Amtszeit geschaffen worden sind, weitere 4.000 stünden im Doppelhaushalt 2023/24. Die Personalbesetzung an den Grundschulen liegt bei 120 Prozent, so Lorz. Punktuell könne es mal an einzelnen Schulen Schwierigkeiten geben, "wenn in der Region gerade ein Lehrer mit einer entsprechenden Fachlichkeit gesucht wird". VBE-Landeschef Wessmann, empfahl dem Minister gar: "Herr Lorz sollte sich besser nicht in die Lehrerzimmer und auf die Elternabende an Schulen trauen, die vom Lehrkräftemangel besonders betroffen sind”.
Aus Sicht der Schulen tritt dieser Fall öfter ein als nach den rosigen Schilderungen des Kultusministers. Kurzfristige Ausfälle sorgten immer wieder für erhebliche Probleme, sagt etwa Schulleiter Knut Hahn von der Albrecht-Dürer-Schule in Weiterstadt (Darmstadt-Dieburg). Es gebe kaum ausgebildete Kräfte, die vertretungsweise Unterricht abhalten könnten. Das sieht auch der Landeselternbeirat so. Der Mangel zeige sich nicht nur in bestimmten Fächern, sondern auch von Region zu Region unterschiedlich, sagte der Vorsitzende Volkmar Heitmann dem Hessischen Rundfunk am Donnerstag. Da es junge Lehrerinnen und Lehrer häufiger in die Großstädte ziehe, sei die Abdeckung hier deutlich besser als in den ländlichen Regionen. Zudem lassen sich große Unterschiede in den Schulformen feststellen. In Gymnasien fielen deutlich weniger Stunden aus als in Grundschulen. Am Ende jedoch sei der Unterrichtsausfall "über alle Schulformen und Klassenstufen beträchtlich", so Heitmann.
Gemeinsam mit dem hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein hat man sich im Kultusministerium darauf geeinigt, dass Hessens Grundschullehrer:innen mehr Geld bekommen sollen. 600 Euro mehr als bislang sollen es sein. Das ist der Unterschied zwischen der bisherigen Besoldungsgruppe A12 und der künftigen A13. Die Angleichung soll jedoch in sechs Stufen erfolgen und erst 2028 vollständig erreicht sein, erläuterte Kultusminister Lorz. In Nordrhein-Westfalen zahlt man seinen Grundschullehrkräften bereits mehr, weitere Bundesländer setzen eine Erhöhung der Bezüge gerade um oder haben diese zumindest angekündigt. Hessen stand damit unter Handlungsdruck, wollte man im Wettbewerb um die knappen Lehrkräfte nicht ins Hintertreffen geraten. Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht eine zentrale Forderung erfüllt. Es sei allerhöchste Zeit gewesen, „dass hier für Gerechtigkeit gesorgt wird“, sagte der Landesvorsitzende Stefan Wesselmann. Außerdem soll die Weiterbildung von Quereinsteiger:innen eine weitere tragende Säule in der Bekämpfung des Lehrermangels werden. Diese soll zum Beispiel durch die Schulung von Grafikdesigner:innen zu Kunstlehrer:innen und die Vorbereitung von Physiker:innen auf das Lehren in den Fächern Mathe und Physik erfüllt werden. Hinzu kämen Quereinsteiger:innen, die bereits die geforderten pädagogischen Kenntnisse besitzen.
Die höhere Bezahlung von Lehrkräften und die bessere Ausbildung von Quereinsteiger:innen allein löse das Problem des Lehrkräftemangels jedoch nicht. Es gebe weitere Punkte, wie etwa ausreichende Studienplätze ohne Zugangsvoraussetzung, angepasste Studieninhalte und ein Überdenken der Pflichtstundenzahl, die künftig weiter angegangen werden müssen.
Seid ihr Lehrkraft in Hessen? Wie nehmt ihr den Lehrermangel und die Diskussion zwischen VBW und Kultusministerium wahr? Schreibt es uns in die Kommentare!
Erfurt. Thüringen will sein Schulgesetz reformieren und im Zuge dessen die Noten in sogenannten Talentfächern wie Sport, Musik und Kunst abschaffen. Während Bildungsminister Helmut Holter (Linke) den Vorstoß verteidigt, hagelt es harsche Kritik aus der Opposition und weiteren Akteuren wie der Landeselternvertretung und dem Thüringer Lehrerverband. Neben der Abschaffung von Noten in den “Talentfächern” sieht der Gesetzentwurf zudem den Ausbau der Gemeinschaftsschulen im Freistaat vor.
"Kinder sind unterschiedlich veranlagt." Diese Aussage stammt von Thüringens Bildungsminister Helmut Holter. Daraus folgert der Politiker der Linken, dass es sinnvoll wäre, die Noten in Sport, Musik und Kunst abzuschaffen. Notendruck könnte bei vielen Schüler:innen dem Bewegungsdrang entgegenwirken. Dann, so Holter, hätten die Kinder „keinen Spaß an Sport“. Zensuren seien deswegen in bestimmten Schulfächern, wenn sie einzig das Talent bewerten, nicht nötig. Eine entsprechende Änderung im Gesetz strebe er noch in der aktuellen Amtszeit an, sofern dies im Einklang mit der Kultusministerkonferenz möglich sei – Thüringen wäre damit Pionier bei einer Neuausrichtung des Notensystems.
Landeselternsprecherin Claudia Koch hält Holters Pläne nicht für zielführend. Mit Blick auf die Grundschulen sei sie einem Notenverzicht in Musik und Zeichnen zwar nicht abgeneigt. Sie findet jedoch, dass die Leistung der Schüler:innen in den weiterführenden Schulen honoriert werden sollte, da der Unterrichtsstoff deutlich über Singen und Zeichnen hinausginge. In Sport sei eine Mitarbeitsnote sinnvoll, so Koch. Von Seiten der Landesschülervertretung (LSV) hatte man sich bereits im Sommer dafür ausgesprochen, die “Talentfächer” in einer Note zusammenzufassen. Diesen Vorschlag begründet die LSV mit unterschiedlich ausgeprägten Begabungen in jedem dieser Fächer. Der Thüringer Lehrerverband wiederum findet die Pläne von Holter ebenfalls nicht aussichtsreich. In seiner Begründung geht er einen Schritt weiter und macht darauf aufmerksam, dass die Abschaffung der Noten in Sport, Musik und Kunst manchen talentierten Schüler:innen die Chance nehmen, eventuelle Schwächen in anderen Bereichen auszugleichen. Ähnlich argumentieren auch die Christdemokrat:innen. Viele Kinder, die sich in anderen Unterrichtsfächern schwer täten, würden in den Noten für “Talentfächer” ihre Motivation ziehen und könnten Leistungen ausgleichen, so der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner. Der Thüringer Sportärztebund fordert hingegen mehr Bewegung in den Schulen, bei gleichzeitig weniger Notendruck. Der Spaß am “Talentfach Sport” sei für sie besonders wichtig, da nach Ansicht der Mediziner dadurch das Risiko von Depression und Übergewicht vermindert wird.
Ferner sieht der Gesetzentwurf der Rot-Rot-Grünen Regierungskoalition vor, die Zahl der Gemeinschaftsschulen im Freistaat deutlich zu erhöhen und somit das längere gemeinsame Lernen stärker zu fördern, nachdem ein Sprecher des Bildungsministeriums der dpa einen entsprechenden Bericht der “Thüringer Allgemeine” bestätigte. Demnach sollen alle in diesem Schuljahr bestehenden Grund- und Regelschulen an einem Schulstandort innerhalb von fünf Jahren Gemeinschaftsschulen von der Klasse eins bis zehn werden. Das betreffe auch Standorte mit Grundschulen und Gemeinschaftsschulen der Klassenstufen fünf bis zehn. Die Landeselternvertretung hält zwar generell ein längeres gemeinsames Lernen für vorteilhaft. "Bei dem derzeitigen Lehrermangel sehen wir das Vorhaben aber kritisch", sagte Koch der Deutschen Presse-Agentur und verweist auf den abweichenden Personalschlüssel, durch den der Lehrermangel verschärft würde. Der geplante Ausbau der Gemeinschaftsschulen widerspreche vielerorts der Schulnetzplanung, sagte Tischner von der CDU. Die Grünen wiesen die Kritik der CDU zurück. Der Gesetzentwurf schlage sehr moderat den wohnortnahen Ausbau der Gemeinschaftsschulen vor, erklärte Fraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich.
Inwiefern die kontroverse Debatte mitsamt der scharfen Kritik weiter entfacht wird, entscheidet sich wohl erst in den kommenden Wochen, da der Gesetzentwurf demnächst im Landtag beraten werden soll.
Berlin. Noch zwanzig Jahre wird der Lehrermangel andauern, was ihn zum Problem werden lässt. Das versprechen Prognosen aus einem Bericht der SWK zu Beginn des Jahres. Eine “Zeitenwende im Bildungssystem” fordern jetzt die Linken und wenden sich über das deutsche Redaktionsnetzwerk mit ihren Forderungen an die höchste Entscheidungsinstanz.
"Wenn sich Schulen wegen des eklatanten Lehrermangels gezwungen sehen, mit einer Vier-Tage-Woche zu drohen, dann ist es höchste Zeit, Bildung zur Priorität im Kanzleramt zu machen", sagte Bartsch.
Seine Wahl fällt damit auf Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der als Sprachrohr für eine neue Bildungswende eintreten soll. Bartschs Wortfindungen zu den andauernden Lehrstellen haben ihn weiterhin dazu veranlasst, generelle Tatsachen zur drohenden Bildungskatastrophe anzubringen und nahm in seinen Äußerungen insbesondere Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) in die Kritik, mit der Situation überfordert zu sein. Damit drückte er gleichzeitig die Notwendigkeit eines “Masterplans” aus, der seinem Vorschlag nach zunächst mit einem Bildungsgipfel von Bund und Ländern im Kanzleramt beginnen solle, um der Entwicklung eines solchen näherzukommen. Der Lehrermangel sei "nur die Spitze des Eisbergs in einem vielfach maroden System mit oft indiskutabler Infrastruktur", führte Bartsch fort. Ferner bezeichnet er die Bildungspolitik der Ampel als "Totalausfall" – “100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr, aber nur eine Bildungsmilliarde” sei eine absurde Entscheidung.
Ende Januar meldeten die deutschen Kultusministerien dem RND insgesamt 12.341 unbesetzte Lehrstellen. Dem Lehrerverband zufolge liege die tatsächliche Zahl der Lehrstellen „irgendwo zwischen 32.000 und 40.000” – Auf eine Zeitenwende wird, vor allem von Lehrer:innen selbst, schon lange gewartet. Ob Bartschs Worte ausreichen und die Bundesregierung tatsächlich einen Wandel vollzieht, werden die nächsten zwei Jahrzehnte zeigen, in denen es Zeit gibt, Dinge zu verändern, um diese nicht zu verlängern.
Was meint ihr, steckt hinter dem von Bartsch gewünschten ”Masterplan”? Meint er damit auch, den Bildungsföderalismus allmählich aufzudröseln? Schreibt uns die Lösungsvorschläge und Maßnahmen, sowie eure Einschätzungen in die Kommentare.
Mainz. Leute, die etwas bauen, reparieren, in Betrieb halten können und nicht an der Tastatur sitzen. Der Wissenschaftsjournalist und Physiker Prof. Harald Lesch ist sicher: Die Energiewende als Antwort auf den herannahenden Klimawandel setzt Arbeitsplätze frei, die echtes Handwerk erfordern. Er und Dr. Cecilia Scorza von der Ludwig-Maximilians-Universität München riefen daher gemeinsam mit der Deutschen Physikalischen und Meteorologischen Gesellschaft (DPG/DMG) ein Bildungsprogramm ins Leben, welches die Generation von heute genau dafür begeistern kann: Mit einem sogenannten Klimakoffer können Experimente zur Absorption von Wärmestrahlung durch CO2, der steigende Meeresspiegel oder die Versauerung des Grundwassers simuliert und Effekte untersucht werden. Naturwissenschaftliche Zusammenhänge werden dadurch anhand von Aufbauten im Klassenzimmer erkennbar und wecken Problemlöseprozesse unter Schüler:innen. Keine schlechte Idee, findet auch der Stifterverband, der das Projekt 2021 mit dem “Wirkung hoch 100”-Preis in der Bildungskategorie auszeichnete.
Ein Klimakoffer lockere den Schulalltag nicht nur auf: Nach den Worten von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) seien generell wirksame Erfahrungen an bayerischen Schulen damit gemacht worden. Einer Gesamtschule in Mainz übergab Hubig zusammen mit Lesch und der Astrophysikerin Cecilia Scorza den ersten seiner Reihe. Dieser ging mit einer elften Klasse in Betrieb. Im Kleinformat öffnet der Koffer einen praktischen Zugang zu einem großen, recht sperrigen Thema für begrenzte Räume. Der Klimakoffer ist daher “Ein unheimlich wichtiges Vorbild für die Klimabildung der Zukunft", meint Pascal Groothuis von der LandesschülerInnenvertretung (LSV). Nicht nur die Schüler:innen in Bretzenheim wollen mit dem Koffer lernen. Über die Hälfte der weiterführenden Schulen in Rheinland-Pfalz sei offen für Bildung mit dem zukunftsweisenden Arbeitsmaterial. Seit dem Start des Projektes im Herbst 2022 ist der Koffer daher stark nachgefragt - die “Resonanz sei unglaublich”. Bereits 270 sind jetzt im Testlauf. Ministerin Hubig ist zuversichtlich und erhofft sich konkrete Effekte auf das Verhalten der zukünftigen Generation.
"Uns geht es darum, dass die Kinder die Ursachen verstehen, dass sie dann aber auch ihr Handeln darauf ausrichten. Dass sie also merken, wir müssen etwas tun gegen den Klimawandel und das fängt bei mir selbst an".
Pro Schule sollen fünf Klimakoffer verteilt und je zwei Lehrkräfte entsprechend fortgebildet werden. 600.000 Euro investiert Bayern dabei in die Anschaffung und Weiterbildung der Lehrkräfte. Damit ließe sich die gesamte in Deutschland vorherrschende Klimabildung an Schulen andiskutieren, die an anderen Stellen des Landes unterentwickelt bleibt. Meist sei diese eher akademisch aufgebaut, es fehlen Lebensbezüge und relevante Inhalte für Schüler:innen - Klimabildung, die bisher zu wissenschaftlich gewesen ist. Über motivierende Projekte hingegen lernen Schüler:innen gemeinsam an effektiven Lösungen zu arbeiten und üben sich in Handlungsmöglichkeiten für eine lebenswerte Zukunft. Umfragewerte einer deutschlandweiten Studie des Nationalen Monitorings ergaben außerdem, dass Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) sowohl für Lernende als auch Lehrende zu einer idealen Bildungseinrichtung gehöre. Die Umsetzung sollte umfassend und in der gesamten Institution konsequent gelebt werden und somit den Ansatz über den Unterricht hinwegtragen: Gewünscht ist also eine flächendeckende Klimabildung, die zur formalen Bildung gehören soll, und das insbesondere auf inhaltlicher Ebene. So soll die Unterrichtszeit deutlich mehr Nachhaltigkeitsbezüge generell aufweisen. Auch hier liegt die Quote bei 50 Prozent der gesamten Unterrichtszeit.
Angesichts des aufsteigenden Zukunftspessimismus müsse die qualitative Dimension von BNE stärker ausgebaut werden, heißt es im Kurzbericht des Nationalen Monitorings. Laut den Initiatoren könne man allein mit einem oder zwei LMU - Klimakoffern, die preislich um die 300 Euro kosten, im Rahmen von Workshops mit Schülergruppen arbeiten. Dabei betonen sie lautstark nicht die Absicht zu verfolgen, mit dem Verkauf der Koffer Geld verdienen zu wollen, sondern ein Bildungsprogramm für ein Verständnis von Hintergründen zu fördern. Bisherige Versionen des Klimakoffers sind daher zum Nachbau als Lizenz freigegeben.
Unsere Sprache ist ein Wunder an Worten, der wir uns in unterschiedlichster Form bedienen können. Wir können sie beliebig zusammensetzen, ausdrücken, mit Intonation versehen. Auf eine Weise zu reden, wird also von bestimmten Spracheigenschaften begleitet, die auch dadurch bedingt sind, in welchen Dialekträumen wir uns aufhalten, bewegen und aufgewachsen sind. Vom Lautwandel begleitet, entstand ein sprachlicher Reichtum an Varianten, sich überall anders auszudrücken – Dialekte sind arm an abstrakten Ausdrücken der Sprachnorm, dafür voll mit sozial markierten Vokabeln, die sich vor dem Absterben in der Hochsprache bewahren, und sind somit zum echten Kulturgut geworden. Die unaufhaltsame Mobilisierung der Gesellschaft führt dazu, dass deren Verbreitung abnimmt und der Spracherhalt von Varietäten zurückgeht. Rar und selten sind bereits das Sorbische, das Jiddische oder auch die nordfriesisch Sprechenden geworden. Echte Dialektler, die ihrer regionalen Mundart mächtig sind, lassen sich häufig in der älteren Bevölkerung finden. Mit den jüngeren Altersgruppen hingegen geht unweigerlich immer mehr eines regionalen Sprachgebrauchs verloren. Den von UNESCO ins Leben gerufenen Weltgedenktag zur “Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit" nehmen wir heute zum Anlass, um über den Erhalt und Rückgewinn an Dialekten in Schulen zu berichten. Denn warum ein erweitertes Sprachrepertoire aufgeben, wenn es doch einen sprachbildenden, aber auch kollektiven Wert in sich trägt?
Nicht nur innerhalb Deutschlands sind Sprachen vom Aussterben bedroht: Über die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen sind im Zerfall. Jährlich wird am 21. Februar an die Bedeutung von Sprache erinnert, die wir im alltäglichen Leben als gewöhnliches Werkzeug für unsere Kommunikation nutzen. Statistisch betrachtet ist dies nicht selbstverständlich, denn von rund 6.000 Sprachen, die heute weltweit gesprochen werden, verschwindet eine davon im Zweiwochentakt. Zunehmend mehr funktionale Domänen wie Hochschulen übernehmen aufgrund von Sprachbarrieren die geglättete Standardsprache vollständig, wobei die Einfärbung durch Identität und Regionalität im Sprachbild verblasst. Vor allem das Englische prescht immer weiter vor und verdrängt den Sprachgebrauch kleinerer Kollektive, auch von Bevölkerungsgruppen. Zustande kommt dadurch nicht die Vereinfachung von eigenwilligen, spezifisch eigentümlichen Sprachen, sondern schlichtweg ein Schwund von kulturellem Erbe und Vertrautheit. Der Internationale Tag der Muttersprache steht damit sowohl für ein besonderes Bewusstsein gegenüber der kulturellen Tradition von Sprache, als auch dem Gebrauch von Muttersprache und deren Förderung. Seit dem Jahr 2000 setzen sich die Vereinten Nationen verstärkt für die muttersprachliche Bildung ein. Das zeigt sich in weltweiten Fortschritten: Kindern wird häufiger ein Dialekt beigebracht und auch in der Öffentlichkeit wird häufiger mit Dialekt gesprochen. Deshalb plädiert der Deutsche Hochschulverband seit langem für eine "bewusst gestaltete Mehrsprachigkeit".
Sprachwissenschaftler ließen in den 70er Jahren noch kein gutes Wort an der Mehrsprachigkeit verlauten. Die Abkehr vom Dialekt bedeutete Einsprachigkeit: Hochsprache, ein sogenannter Standard, der wenig sprachliches Kontinuum zu dialektnahen Umgangssprachen ermöglichte, fand Einsatz bei der Abwehr von Sprachbarrieren und Lernschwierigkeiten in Bezug auf Orthographie. Mit der Zeit wandelte sich der Sprachgebrauch hin zu dem, was wir heute als innere Mehrsprachigkeit bezeichnen und die Fähigkeiten verbindet, zwischen einem sachlichen und lockeren Stil von Dialekt und Hochsprache situativ wechseln zu können. Erkenntnisse der DESI-Studie aus dem Jahr 2008 wiesen schließlich auf eine sprachfördernde Entwicklung bei Kindern hin, welche durch Ausbildung von Mehrsprachigkeit immense Vorteile beim Erlernen von Fremdsprachen verzeichnen konnten. Ebenso fördere sie der Pisa Studie von 2010 nach zufolge sprachliche Variationskompetenz und abstraktes Denken, was auf ein höheres Sprachbewusstsein hindeutet. Eine Hamburger Forschungsstudie zeigt außerdem, dass mehrsprachige Kinder auf einem höheren Niveau Sprachen reflektieren bzw. analysieren können, als einsprachig Sprechende. Wer also einen Dialekt als Muttersprache erlernt und sich im Verlauf des Lebens die Standardsprache aneignet, verfügt über deutlich höhere Sprachkompetenzen. Forscher der Universität Oldenburg könnten diese Annahme bestätigen, denn laut einer Langzeitstudie machten Dialektsprechende 30 Prozent weniger Rechtschreibfehler in Aufsätzen. Dabei umfasst Mehrsprachigkeit jedoch immer die Sprachlernbiographien des einzelnen. Spracherwerb ist daher abhängig vom sprachlichen Input und davon, in welchem Alter man mit einer Sprache in Kontakt kommt.
Er verrät sehr viel über uns, der Dialekt, aber vor allem gibt er uns als Erstsprache ein Zugehörigkeitsgefühl. Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Markus Rösler (Grüne) trifft es auf den Punkt und formuliert es als ”Sympathieverbindung, durch die man sich manchmal präziser und genauer ausdrücken könne”. Dialektsprache ist für ihn Teil seiner Identifikation. Mit der landesweiten Dachverbandsgründung für Dialekte bringt Rösler als Hauptinitiator mehr als 50 Vertreter von Dialekt- und Mundartenvereinen, Wissenschaftler der Dialektforschung und weitere Gesellschaften und Fördervereine zusammen. Ein Mundartenwettbewerb soll jüngere Menschen in den sozialen Medien dazu auffordern, Schulprojekte wie selbstgeschriebene Gedichte, Lieder oder Vorträge in Mundart einzureichen. Einsendeschluss ist der 31. März 2023 – Wie wäre es also mit einem YouTube Video im milden Basler Dialekt? Den Unterricht ins Hochdeutsche zu übersetzen, lohnt sich demnach nicht. Es wäre sogar ziemlich unzeitgemäß, denn wir alle sprechen ganz normal Deutsch, nur eben mit Dialekt.
MINTvernetzt, die Service- und Vernetzungsstelle der außerschulischen MINT-Bildung, lädt am 1. und 2. März 2023 zur Jahrestagung „MINT & Diversität“ nach Erfurt ein. Mit dabei sind u.a. Janina Kugel, Raul Krauthausen, Olaf Köller und Daniel Jung. In Podiumsdiskussionen und Workshops sowie auf Exkursionen wird diskutiert, wie eine flächendeckende, praxisnahe und sinnstiftende MINT-Bildung mit gleichen Chancen für alle Kinder und Jugendlichen aussehen kann und wir sie gestalten können. Denn um Zukunftsfragen lösungsorientiert zu begegnen, brauchen wir in unserer Gesellschaft alle Talente mit ihren unterschiedlichen Perspektiven. Mehr Details zum Programm gibt es hier. Das große Treffen der MINT-Community ist gleichzeitig der Startschuss für das gleichnamige Themenjahr Diversität.
Was ist MINTvernetzt?
Die Service- und Anlaufstelle für MINT-Akteur:innen in Deutschland Die MINT-Vernetzungsstelle, kurz MINTvernetzt, ist das Dach für die außerschulische MINT-Bildung in Deutschland. MINTvernetzt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und von Mitarbeitenden der Körber-Stiftung, der matrix gGmbH, dem Nationalen MINT Forum e.V., dem Stifterverband und der Universität Regensburg als Verbund gemeinsam umgesetzt.
Mit MINTvernetzt schaffen wir ein Netzwerk für die MINT-Bildungslandschaft, das bestehende Initiativen und Akteur:innen aktiv einbindet und unterstützt. Wir wollen daran mitwirken, dass MINT-Akteur:innen sich als Gemeinschaft begreifen, für ihr Engagement und ihre Leistungen mehr Sichtbarkeit bekommen und ihr Angebot noch stärker mit schulischen Aktivitäten verzahnen können. Gemeinsam mit der Community werden wir Impulse für neue Themen, innovative Angebote und diversere Zielgruppen setzen, um zusammen eine bessere MINT-Bildungslandschaft zu schaffen.
Warum Diversität? Als MINTvernetzt sind wir davon überzeugt: Wir brauchen mehr Diversität in der MINT-Bildung. Denn zum einen brauchen wir als Gesellschaft alle Talente mit ihren unterschiedlichen Perspektiven, um Innovationen zu gestalten und dem Fachkräftemangel zu begegnen. Zum anderen wollen wir für alle Kinder und Jugendlichen einen Zugang zu praxisnaher und sinnstiftender MINT-Bildung geben, um ihnen gesellschaftliche Teilhabe und gleichwertige Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Berlin. Rund ein Fünftel der Viertklässler:innen in Deutschland kann nicht richtig lesen. Im Kompetenzbereich Orthografie fallen die Ergebnisse bundesweit am schlechtesten aus. Hier verfehlen rund ein Drittel die Mindeststandards. Über 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler konnten am Ende der vierten Klasse einfache mathematische Aufgaben nicht lösen. Die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2021 attestierten den Grundschüler:innen in fast allen Bundesländern einen signifikanten Leistungsabfall. Auf diese Entwicklungen hat die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) nun reagiert und ein Zehn-Punkte-Papier zur Verbesserung der Schulqualität vorgelegt.
Die Wirtschaft braucht junge Nachwuchskräfte mit einer soliden Grundbildung, sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der Welt am Sonntag. „Alle Studien zur Schulqualität sind aber alarmierend“. Die BDA empfiehlt daher ein systematisches Monitoring der Schulleistungen. Das Thema sei auch für die Arbeitgeber:innen „von höchster Relevanz“ sowie für „unsere ganze Gesellschaft und ihre Zukunftsfähigkeit“.
Ihre Vorschläge zur Verbesserung der Schulqualität haben die Arbeitgeber:innen in ein Zehn-Punkte-Papier gegossen. Nötig sei ein bundesweites Mindestniveau mit Grundkompetenzen in Deutsch und Mathematik. Jugendliche mit schlechten Startchancen müssten intensiv begleitet werden. Um diesem Vorhaben zu entsprechen, schlägt die BDA unter anderem vor, die vorschulische Qualität durch Sprachfördermaßnahmen auszubauen. Schulen in ungünstiger sozialer Lage sollen dem Papier zufolge zusätzliche Ressourcen erhalten. Zur Lehrkräftegewinnung werden unkonventionelle Wege vorgeschlagen. Künftig müsse möglich werden, dass Lehrerinnen und Lehrer nur ein Fach unterrichten, sowie der Wechsel zum sogenannten Master of Education nach einem anderen Bachelor. Auch müssten die von der Kultusministerkonferenz vereinbarten Lernziele kontinuierlich überprüft und verbindlich umgesetzt werden.
“Seit Jahren kennen wir die Problematik, jeder Vorschlag zur Verbesserung der Situation ist willkommen - und doch gelingt es uns immer noch nicht, gegenzusteuern", betont Generalsekretär der Bildungsallianz des Mittelstands Professor Dr. Martin Wortmann. Lehrermangel, die geringe Attraktivität dieses so wichtigen Berufs und die sich nur schleppend verbessernde hochschulische Ausbildungsqualität der Lehrerinnen und Lehrer sowie die häufig realitätsfernen Curricula in Schulen und Hochschulen sind klare Indikatoren einer düsteren Bildungszukunft. "Deutschland braucht deshalb eine neue grenzüberschreitende Denke für Bildungsstandards, Didaktik und Pädagogik und letztendlich auch Managementstandards in den öffentlichen Schulverwaltungen”, so Wortmann. Das können wir nur gemeinsam schaffen.
Die Schulzeit geht schnell vorbei und plötzlich müssen sich viele Schüler:innen die Frage stellen: Was nun? Wie geht es jetzt weiter und welche Möglichkeiten habe ich? Jeder Mensch hat unterschiedliche Persönlichkeiten, Interessen und Vorstellungen, wie er seine berufliche Zukunft gestalten möchte. Die Agentur für Arbeit arbeitet oft eng mit den Schulen zusammen, gibt erste Perspektiven für junge Menschen und soll einen erfolgreichen Übergang in Ausbildung und Erwerbsleben ermöglichen. In unserem ersten Beitrag der Themenwoche Berufsberatung haben wir euch bereits die wichtigsten Infos zur Berufsberatung zusammengefasst. In diesem Artikel erfahrt ihr kurz und gebündelt, welche Möglichkeiten es für Schüler:innen nach dem Schulabschluss gibt.
Neben der klassischen Ausbildung oder einem Studium gibt es noch weitere unzählige Möglichkeiten, was Schüler:innen nach ihrer Schule tun können, um Erfahrung und Wissen zu sammeln. Daher ist es wichtig, bereits in der Schule die Möglichkeiten den Schüler:innen näher zu bringen. Wird in eurer Schule die Frage nach dem, was eigentlich danach kommt” ausreichend thematisiert? Schreibt es uns gern in die Kommentare!
Gedichte in drei Sprachen interpretieren können, aber keine Ahnung, wie man eine Steuererklärung abgibt? So oder so ähnlich lautet eine oft vorgetragene Kritik an unserem Bildungssystem. Dabei muss man den Wert humanistischer Bildung keineswegs gegen die Vorbereitung auf lebenspraktische Fragen ausspielen. Tatsache ist jedoch, dass unser Schulwesen erstaunlich wenig für die Vorbereitung auf das Leben und bestehen in unserem Wirtschaftssystem tut. Wir werfen im Rahmen unserer Themenwoche "Berufsberatung" einen Blick auf die Thematik.
Beim Begriff Finanzen denken viele als erstes an Derivatehandel, Zockerei und Börsencrash. Dabei schließt das Thema eine Reihe von Aspekten ein, die von der Wahl des richtigen Girokontos, über Mietrecht, Versicherungen (was brauche ich, was nicht?) bis hin zur Altersvorsorge reicht. Bei der Vermittlung von Finanzbildung an Schulen geht es also nicht darum, kleine Kapitalist:innen heranzuziehen, sondern mündige Verbraucher:innen, die in der Lage sind, auch bei den genannten Themen zwischen Lockangeboten und Abzocke zu unterscheiden sowie unwichtige oder sogar schädliche von sinnvollen Entscheidungen zu trennen.
Wer kennt nicht die folgende Situation: Ein neuer Laptop oder ein neues Handy muss her. Man liest sich durch Rezensionen, vergleicht verschiedene Hersteller und sucht sich dann das passende Angebot beim günstigsten Händler. Wir investieren Zeit und Mühe, um bloß nicht zu viel zu zahlen oder das falsche Gerät zu kaufen, dessen Erwerb wir womöglich später bereuen. Anders gehen die meisten vor, wenn es um das Girokonto oder die Altersvorsorge geht. Meist bleibt man bei der Bank, bei der schon die Eltern sind, ohne auf monatliche Kontoführungsgebühren oder Auslandsentgelte zu achten. Ein Kontowechsel ist schließlich kompliziert und “man weiß ja nie", wo möglicherweise ein Haken ist. Dasselbe ist bei Abschlüssen der privaten Altersvorsorge zu beobachten: Statt sämtliche Angebote zu vergleichen, wird häufig einfach abgeschlossen, was freundliche Berater:innen in der Filiale empfehlen. Schließlich weiß man da, woran man ist und so schlecht kann der bekannte Name ja nicht sein. Auf eigenständige Recherche wird meist verzichtet, was auf lange Sicht tausende, häufig sogar zehntausende Euro Unterschied machen kann.
Selbiges gilt für teure oder unnötige Versicherungen. Laut Stiftung Warentest sind die Deutschen mit durchschnittlich sechs verschiedenen Versicherungen – auch im europäischen Vergleich – hoffnungslos überversichert. Gleichzeitig ist der Anteil der Menschen, die Wertpapiere besitzen, mit 18,3 Prozent vergleichsweise niedrig. Dabei gilt es mittlerweile als Konsens, dass Aktien und Immobilien (nicht nur) in Zeiten von Inflation und unsicherer Rentenkassen in Zukunft immer mehr zu einer notwendigen Säule der Altersvorsorge werden. Warum also überlassen wir beim Thema Finanzen das Denken meist den anderen?
Eine nicht unwesentliche Ursache dürfte der schwierige Stand sein, den die Finanzbildung in den Lehrplänen hat. Laut der Jugendstudie des Bankenverbands aus dem Jahr 2021, gaben 68 Prozent der befragten 14- bis 24-Jährigen an, “nicht so viel” bzw. “so gut wie nichts” in der Schule zu Wirtschaft und Finanzen gelernt zu haben. Zwar wird unser politisches System sowie die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft in der Schule vermittelt, doch praktische Bezüge (Stichwort Konsumentenbildung) bleiben dort in aller Regel ausgeklammert.
Woran hakt es und wie kann es in Zukunft besser laufen? Lehrer-News hat nachgefragt bei Franziska Händschel, Leiterin von Finanztip Schule. Bei Finanztip Schule handelt es sich um die Bildungsinitiative der gemeinnützigen Finanztip Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, finanzielle Allgemeinbildung an deutschen Schulen zu stärken.
Lehrer-News: Wie ist der Stand der Finanzbildung an Schulen und der Verbreitung von finanziellem Wissen in der Gesellschaft?
Händschel: Es gibt viele Studien, die im Kern zum gleichen Ergebnis kommen: Um die Finanzbildung ist es schlecht bestellt. Das betrifft Schule im Besonderen, aber auch die Gesellschaft im Allgemeinen.
Laut Schufa Jugend-Finanzmonitor 2022 hat nur jeder vierte 16-bis 25-Jährige sein Finanzwissen in der Schule erworben. Im Schnitt benoteten die Befragten ihr Finanzwissen mit einer 3,3. Vor allem in den Bereichen Kredite und Altersvorsorge fielen die Selbsteinschätzungen sehr negativ aus.
Unsere Finanzwissen-Studie hat gezeigt: Diese Defizite sind real. Nur die Hälfte der Studienteilnehmer beantwortete damals mindestens 50 Prozent der Fragen richtig. Die Jüngeren schnitten dabei schlechter ab als die Älteren. So wussten beispielsweise nur 28 Prozent der 16- bis 29-Jährigen, aber 65 Prozent der 50- bis 69-Jährigen, wann Dispozinsen anfallen. Erfahrungswissen machte am Ende den Unterschied.
Lehrer-News: Was hält Menschen eurer Einschätzung nach davon ab, sich selbst mit dem Thema Finanzen zu beschäftigen?
Händschel: Anders als Essen oder Reisen ist Geld oft nichts, worüber Menschen in Gesellschaft gerne sprechen. Damit fehlt uns oft der Erfahrungsaustausch. Hinzu kommt die wahrgenommene Komplexität. Schon der Begriff „Finanzen“ schreckt viele ab. Dabei müssen Geldthemen gar nicht kompliziert sein. Das hat Finanztip bereits bewiesen und Finanzen anschlussfähiger gemacht.
Bislang ist Finanzwissen also etwas, das wir vorwiegend außerhalb des schulischen Rahmens erwerben. Das ist problematisch, weil sich Wohlstandsunterschiede dadurch verstärken. Schule als neutraler Boden kann zu mehr Chancengerechtigkeit beitragen.
Lehrer-News: Was sind eurer Einschätzung nach die wichtigsten Themen, die auf die Lehrpläne gehören?
Händschel: Gehen wir danach, wo die größten Defizite bestehen, dann sind das: Verschuldung durch unbedachten Konsum, Risiken bei der Geldanlage – zum Beispiel bei Krypto-Anlagen –, finanzielle Vorsorge für Berufsunfähigkeit und Alter. Orientieren wir uns an dem, was junge Leute fordern, dann ist auch die Steuererklärung ganz vorn mit dabei. Erweitern wir unseren Radius, sind wir außerdem schnell bei den finanziellen Chancen unterschiedlicher Jobs und auch beim Thema Selbstständigkeit.
Die Liste an Themen ist also lang. Was aus unserer Sicht wirklich zählt, sind aber gar nicht einzelne Themen. Wichtiger ist es, dass wir jungen Leuten schon früh einen Zugang zu Geldthemen vermitteln und sie zu einem reflektierten Umgang mit Geld anregen. Das ist die Basis für alles andere.
Lehrer-News: Was muss getan werden, um das Thema Finanzbildung in der Schule weiter zu stärken?
Händschel: Wir haben einen erheblichen Mangel an Lehrkräften in Deutschland. Gleichzeitig bestehen von vielen Seiten Forderungen, bestimmte Themen stärker im Schulunterricht abzubilden – finanzielle Bildung ist nur eines davon. Digitaler werden soll der Unterricht auch noch. Das zeigt, vor welchen Herausforderungen unser Bildungssystem steht und welcher Druck auf unseren Lehrerinnen und Lehrern lastet.
Um Themen wie finanzielle Bildung flächendeckend in die Schulen zu bringen, muss Raum dafür geschaffen werden und eine gezielte Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte erfolgen. Dafür braucht es die Politik – umso erfreulicher ist es, dass das BMBF nun an einer nationalen Strategie zur ökonomischen Bildung arbeitet.
Bis wir hier Ergebnisse sehen, konzentrieren wir uns weiter darauf, diejenigen Lehrkräfte zu unterstützen, die schon heute finanzielle Bildung in die Schulen tragen. Wer Finanzwissen einfach und alltagsnah im Unterricht vermitteln möchte, findet auf www.finanztip.schule passende Unterrichtsmaterialien inklusive Stundenentwurf zum kostenlosen Download. Da wir stetig neue Angebote ausloten, sind Impulse und Feedback aus unserer Lehrkräftecommunity für uns bedeutsam und richtungsweisend.
Lehrer-News: Vielen Dank für das Gespräch!
Wie seht ihr die Vermittlung von Finanzkompetenz im Unterricht? Gibt es an eurer Schule ein entsprechendes Angebot, oder mangelt es dem Lehrplan schlichtweg an Raum für diese Themen? Wünscht ihr euch mehr Unterstützung in diesem Bereich? Schreibt es uns gerne in die Kommentare.
Zwei Materialien schon mal vorweg: Ein Einstieg in das Thema Finanzvermittlung an Schulen bietet dieses Video:
Und im folgenden Beitrag wird euch erklärt, wie ihr euren Kindern / Schülern ganz einfach ein paar basale Dinge mit auf den Weg geben könnt:
Mehr als ein Drittel aller Betriebe konnten 2021 laut DIHK nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Demnach blieben 63.200 Ausbildungsstellen unbesetzt, so viele wie noch nie. Eine Lücke, die zeitversetzt den Mangel an Fach- und Arbeitskräften in Deutschland zusätzlich verschärfen wird. Neben dem demographischen Wandel, dem Trend zu höheren Schulabschlüssen und einem zunehmenden Akademisierungsgrad, ist der Bewerbermangel auch eine Folge der Corona-Pandemie. Aktuelle Studien haben zwar kürzlich gezeigt, dass immer mehr Abiturient:innen sich nach dem Schulabschluss für eine Ausbildung entscheiden, doch genügt dieser Zuwachs nicht, um dem eklatanten Azubi-Mangel entgegenzuwirken. Zwei Branchen sind besonders stark von diesen Entwicklungen betroffen. In unserem Beitrag zeigen wir euch, welche das sind und beleuchten die Ursachen, Folgen und potentielle Lösungsansätze, um mehr Nachwuchs für eine Berufsausbildung zu begeistern und ihren Ruf wieder attraktiver zu machen.
Im vergangenen Jahr wuchs der Anteil der Firmen, die nicht alle offenen Lehrstellen besetzen konnten, auf 42 Prozent – ein Allzeithoch. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 hatte der Anteil der Firmen noch bei 32 Prozent gelegen. Das bedeutet einen Anstieg um 10 Prozentpunkte in nur drei Jahren über alle Branchen hinweg. Das Problem ist zum einen struktureller Art: 2035 werden dem Arbeitsmarkt drei Millionen Menschen weniger zur Verfügung stehen, warnt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Dafür sorgen die geburtenstarken Jahrgänge in den 60er-Jahren, die bis dahin in Rente gehen werden. Hauptsächlich verantwortlich für die unbesetzten Ausbildungsplätze sei jedoch, dass es immer häufiger gar keine Bewerbungen gibt. Das galt im vergangenen Jahr für 36 Prozent der Fälle, 2018 waren es 30 Prozent. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass immer mehr junge Menschen sich dafür entscheiden, höhere Schulabschlüsse wie das Abitur oder das Fachabitur zu erlangen. Bereits 51 Prozent eines Jahrgangs schließen mittlerweile mit der allgemeinen Hochschulreife ab. Damit einher geht die Studienberechtigung, die für viele Schüler:innen besonders verlockend ist, sie an die Hochschulen bringt und dafür sorgt, dass die klassische Berufsausbildung – das Erfolgsmodell durch Zusammenspiel von Betrieb und Berufsschule – an Ansehen verliert.
Dabei hat eine Studie kürzlich gezeigt, dass immer mehr Abiturienten sich nach dem Schulabschluss für eine Ausbildung entscheiden. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil derjenigen, die mit dem Abitur eine duale oder schulische Ausbildung beginnen, von 35 Prozent im Jahr 2011 auf 47,4 Prozent im Jahr 2021 gestiegen. “Von einer mangelnden Attraktivität der Berufsausbildung für Abiturientinnen und Abiturienten kann keine Rede sein”, teilt Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie und Autor der Studie, mit. Vielmehr sei der Rückgang damit verbunden, dass Jugendliche mit einer geringeren Schulbildung, trotz Fachkräftemangel und zahlreicher unbesetzter Ausbildungsplätze immer schlechtere Chancen haben, eine Ausbildungsstelle zu finden. Diese Gruppe gerate “mehr und mehr ins Abseits”, mahnt Clemens Wieland, Bildungsexperte der Bertelsmann Stiftung. Zwischen 2011 und 2021 hat sich der Anteil der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss, die eine Berufsausbildung beginnen, um ein Fünftel verringert. Die Studie des Ausbildungsmonitors der FiBS kommt deshalb zum Fazit “Nicht die Akademisierung ist das Problem des Ausbildungssystems, sondern die mangelnde Integration von Jugendlichen mit niedriger Schulbildung”. Achim Dercks, DIHK Hauptgeschäftsführer, führt die Schere zwischen Ausbildungsangeboten und nachfragenden Jugendlichen aber auch auf die Corona-bedingten Einschränkungen zurück. Denn dadurch seien Berufsorientierung, Berufsberatung und Ausbildungsplatzsuche deutlich schwerer geworden. Die Berufsberater der Arbeitsagenturen kamen nicht mehr in die Schulen, Ausbildungsmessen und Betriebspraktika mussten komplett abgesagt werden. "Das hat bei vielen Jugendlichen die Orientierungslosigkeit verstärkt", sagte Dercks.
Vor allem im Handwerk bleiben massenhaft Lehrstellen unbesetzt. “Das Handwerk bietet derzeit noch rund 30.000 Ausbildungsplätze mit besten Zukunftschancen", erklärt der Zentralverband des Deutschen Handwerks. In einer Umfrage des Handwerksverbands, gaben 27 Prozent der Handwerksbetriebe an auszubilden. Dieser Wert würde allerdings ohne den Bewerbermangel deutlich höher liegen, hieß es. Jeder zweite Handwerksbetrieb gab an, keine passenden Bewerber:innen für offene Ausbildungsplätze zu finden. Auf Seiten der Arbeitgeber wird das mit der Verschlechterung der Lese-, Schreib- und Rechenfertigkeiten von Ausbildungsanfängern in den vergangenen zehn Jahren begründet. Dem Handwerk fehlen derzeit bereits mehrere Hunderttausend Fachkräfte. Diese Lücke drohe sich in den nächsten Jahren noch einmal zu vergrößern. “Wie digital, jobsicher und vor allem sinnstiftend das Handwerk ist, davon erfahren Jugendliche in den Schulen und besonders in Gymnasien bislang nur unzureichend, weil es noch keine bundesweit flächendeckende Berufsorientierung zu den Möglichkeiten der beruflichen Aus- und Fortbildung gibt” betont der neue Handwerkspräsident Jörg Dittrich. Außerdem hat das Handwerk schon lange ein Image-Problem. Harte Arbeitszeiten, Knochenjob, schlechte Bezahlung - all das schreckt die jungen Generationen ab. Hinzu kommt: “Viele junge Menschen glauben, wenn sie zum Beispiel Bäcker werden, bleiben sie das ein Leben lang. Dieser Gedanke schreckt die heutige Jugend ab”, erklärt der Generationenforscher Rüdiger Maas. Zudem lassen sich in handwerklichen Ausbildungsberufen große Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen. Frauen sind in handwerklichen Ausbildungen unterrepräsentiert. Nur jede fünfte Stelle ist demnach mit einer Auszubildenden besetzt.
Keine Zeit, sich wirklich um Patienten kümmern zu können, provoziert einen massiven Pflegenotstand. Zugegeben, das Image-Problem in der Pflege ist bereits seit längerem bekannt. An den Auszubildenden gehen diese Zustände nicht spurlos vorbei. Einerseits haben 2021 56.399 Menschen eine Ausbildung in der Pflege begonnen. Das sind 5 Prozent mehr als 2020. Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, ist aufgrund dieser Zahlen vorsichtig optimistisch: „Alles, was 5 Prozent mehr ist, freut uns natürlich“. Um die Entwicklung der Ausbildung in der Pflege vollständig beurteilen zu können, müsse man jedoch auch berücksichtigen, wie viele Leute die Ausbildung nicht abschließen. Schaut man sich die Abbrecherquoten in der Pflege an, dann fällt durchaus auf, dass diese signifikant höher sind als in anderen Bereichen. Rund 20 bis 25 Prozent eines Jahrgangs schließen laut Vogler ihre Ausbildung nicht ab. „Ganz oft merken Auszubildende: Das ist ihnen zu komplex, die Ausbildung ist zu schwierig. Das ist ein Grund, warum abgebrochen wird. Und auch tatsächlich ist die Situation der psychischen Belastung, die ja zum Beruf gehört“, erklärt Vogler. Komplexe Gründe, die dringend Lösungen brauchen. Denn bereits jetzt ist der Personalmangel in der Pflege immens.
Generell müsse es bei der Kommunikation mit der jungen Generation (Generation Z) eine andere Ansprache geben, als an frühere Generationen. "Die Generation der ‘Boomer’ war froh, überhaupt einen Job zu haben", sagt Gregor Wendler, Referent für Ausbildungsmarketing an der IHK Berlin. Die junge Generation hat ein großes Sicherheitsbedürfnis. Viele bleiben lieber weiter an der Schule, um Abitur zu machen, als sich in einem Beruf auszuprobieren. Wichtig sei es, die Generation Z durch Praxis zu mobilisieren – aber dafür müsse man sie erst mal erreichen. Hinzu kommt, dass sie etwas mitgestalten und sich mit dem Arbeitgeber identifizieren will. Auch die Anforderungen an die Kommunikation hätten sich gewandelt. Mitglieder der Generation Z wollten auf Augenhöhe einbezogen werden. Angehörige der Generation Z bevorzugen emotionale Inhalte mit kurzen Videos und Erfahrungsberichten. Arbeitgeber sollten außerdem auf der Homepage die Werte des Unternehmens nach außen tragen. Nachhaltigkeit, Diversity und Teamwork sind bedeutsam für die Generation Z. Lehrer:innen können dafür sorgen, dass die Berufsorientierung in ihren Klassen umfassender thematisiert wird. Das gelingt zum Beispiel mit verpflichtenden Berufsorientierungsprogrammen und zwar über sämtliche allgemeinbildende Schularten hinweg, um so auch mehr Abiturient:innen für eine betriebliche Ausbildung zu begeistern. Darüber hinaus kann dieses Angebot durch die Zusammenarbeit von Lehrer:innen und Berufsberater:innen der Beratungs- und Informationsstellen der Arbeitsagentur und dem Besuch von Berufsmessen erweitert werden.
Um handwerkliche Ausbildungen attraktiver zu machen, sollen auch Quereinsteiger verstärkt angesprochen werden. Es gebe bereits spezielle Beratungsangebote an Hochschulen, sagte Philipp Kaczmarek, Sprecher der Handwerkskammer Dortmund. Zu den innovativen Ansätzen zählen die stärkere Verbindung von Handwerk und Studium, mit der auf die höheren Bildungsabschlüsse reagiert werden soll. Der Generationenforscher Maas sagt diesbezüglich: “Generell müssen Betriebe mit der Zeit gehen: neue Wege gehen, vielleicht mehrere Branchen und Disziplinen vereinen. Es hat sich in den letzten Jahren zu wenig getan”. Mit der Zeit gehen ist hier das richtige Stichwort. Dazu zählt ebenfalls eine ansprechende Social Media Präsenz, zum Beispiel auf Instagram oder TikTok. Denn dort ist genau die Zielgruppe vertreten, die angesprochen werden sollte – junge Menschen, die eben auch potenzielle Azubis im Handwerk sein können. Über Social Media werden vielleicht keine direkten Bewerbungen eingehen, aber man steigert die Sichtbarkeit des Betriebs und somit eventuell auch die Anfragen. In jedem Fall macht man sich damit bekannter und hat eine größere Chance auf eine breite Reichweite. Ein weiteres Modell, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, sind Ausbildungen in Teilzeit. “Das ist insbesondere für Rückkehrer aus der Elternzeit interessant”, sagte Kaczmarek. Noch sei die Teilzeitausbildung nicht weit verbreitet.
Dabei gibt es vielseitige nationale und internationale Förderprogramme, mit denen die Bedürfnisse junger Menschen gefördert werden. So sei an dieser Stelle das Programm AusbildungWeltweit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erwähnt. Dieses ermöglicht seit 2017 internationale Lernaufenthalte während der Berufsausbildung, zum Beispiel in Kanada oder Neuseeland. Ergänzt wird dieses Angebot durch das EU-Programm für Auszubildende Erasmus+. Auslandserfahrungen verbessern nicht nur die Karrierechancen. Die Auszubildenden werden eigenständiger, kreativer und flexibler. Sie verbessern ihre Sprachkenntnisse und lernen andere Kulturen kennen. Das sind Erfahrungen, die ihnen keiner mehr nehmen kann.
Möchtet ihr das Thema Ausbildung stärker in den Unterricht einbinden und eure Schüler:innen bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsberuf unterstützen? Dann könnte das Erkundungstool Check-U von planet-beruf für euch interessant sein. Hier werden die Schüler:innen in vier verschiedenen Bereichen (Fähigkeiten, Soziale Kompetenzen, Interessen und Berufliche Kompetenzen) getestet und bekommen mit dem Testergebnis Vorschläge zu Ausbildungsberufen, die auf sie zugeschnitten sind.
Die Arbeitswelt, in der wir uns bewegen, ist im ständigen Wandel. Bedingt durch Innovationen und gesellschaftliche Entwicklungen kommt es zu industriellen Revolutionen, die unsere Arbeitsweisen und dazugehörige Bedingungen verändern. Gerade befinden wir uns in einer neuen, vierten Phase: Die Formung des Arbeitsmarktes 4.0, der moderne Arbeit im Zeichen der Digitalisierung und Humanisierung vorsieht und Modelle für ‘Digital Natives’ schafft, die Technologie als Arbeitsvoraussetzung sehen. Gemeint ist damit jene Generation, die im vernetzten Zeitalter des 21. Jahrhunderts digital aufgewachsen ist. Schulische Medienbildung soll diese Grundkenntnisse für deren berufliche Zukunft ausbauen. Was aber genau fordert der Arbeitsmarkt 4.0 für Kompetenzen von zukünftig Beschäftigten, und welche Kehrseiten bringen digitalisierte Arbeitsabläufe, künstliche Intelligenzen oder Roboter mit sich, die uns mehr und mehr von Aufgaben befreien? Diese und weitere Fragen wollen wir im Rahmen unserer Themenwoche zur Berufsberatung im folgenden klären.
Mit Beginn des Industriezeitalters um 1800 entstand aus maschineller Produktion und Fabrikation der erste Arbeitsmarkt, der menschliche Schaffenskraft erstmals durch maschinelle Reihenfertigung ersetzte. Statt Dampfmaschinen hat der Arbeitsmarkt 4.0 von heute die Digitalisierung auf seiner Seite. Seitdem es Computer gibt, unterliegt die Unternehmenswelt der Automatisierung von Firmenprozessen. In den 1970er Jahren durchzogen Elektronik und IT den Arbeitsalltag und waren schnell nicht mehr wegzudenken. Programmierbare Steuerungen, die ersten Rechenmaschinen, Großraumbüros. Daraus bildete sich kürzlich ein neuer Zweig: Die Remote-Arbeit aus dem privaten Home Office.
“Geregelte Arbeitszeiten, unbefristete Arbeitsverträge und klar definierte Strukturen im Job haben” – Berufseinsteigende haben konkrete Vorstellungen, wie sie arbeiten möchten, meint Arbeitsexperte Christian Scholz. Es herrsche ein neues Selbstverständnis in Bezug auf Arbeit im Allgemeinen. Persönliche Entfaltung und Gesundheit sollen zunächst über Produktivität stehen und auch die Vermischung von privatem oder beruflichem Leben findet kaum noch Anklang. Moderne Arbeitsformen, die sich nach dem New-Work-Ansatz ausrichten, sind daher immer gefragter. Dazu gehören eine durchgängige Digitalisierung und flexibel geschnürte Arbeitszeitkontingente vonseiten der Unternehmen, mit welchen Arbeitnehmer:innen eigenverantwortlich umgehen. Geradezu kein Sektor bleibt davon befreit, dem Arbeitsmarkt 4.0 gerecht zu werden. Es zeigt sich: New Work und die Arbeitswelt 4.0 von morgen sind kaum differenzierbar – Arbeitsbedürfnisse müssen erkannt und zugehörige Kompetenzen wie Selbstorganisation dafür erlernt werden.
Damals wie heute stehen Leistung und Effektivität im Fokus der freien Wirtschaft. Die Automatisierung der zukünftigen und schon heute gelebten Arbeitsweisen sehen vor allem Optimierung vor. Informatisierung und zeitgemäße Kommunikationsformen nehmen in der Industrie 4.0 eine zentrale Stellung ein, womit ganz neue Rahmenbedingungen einhergehen: Digitale Transformation schafft Voraussetzung für die Nutzung algorithmischer Systeme, ermöglicht Big Data Analysen, Cloudcomputing und connectet Arbeitnehmer:innen in Teamchannels. Gleichzeitig verschmilzt dabei die Effizienz mit Schonung von Ressourcen: Körperliche und kognitive Entlastung für die Beschäftigten, mehr Mobilität und Flexibilität als auch zielgerichtete Strategien sind Zeichen der neuen Arbeitsphilosophie. Dadurch gewonnene Kreativität und Social Skills sind hierfür ein Wachstumstreiber. Das digitale Arbeiten hat damit der althergebrachten Akkordarbeit schon längst den Rang abgelaufen. Auch klassische Handwerksberufe und die Baubranche machen sich zunehmend schnellere Lösungsorientierungen mit digitalisierten Strukturen zu eigen. Die Digitalisierung beeinflusst jedoch, welche Berufe und Fähigkeiten künftig gefragt sind. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales machte folgende Beobachtung:
“Berufsfelder mit einem hohen Anteil an Routine sowie manueller Tätigkeit werden zunehmend automatisiert. Berufsfelder, bei denen es auf analytische Denkweise, Kreativität oder menschliches Miteinander ankommt, wachsen hingegen deutlich”.
Auch wenn die Digitalisierung von Berufsfeldern nun seit mehreren Jahren neue, vielversprechende Wege einschlägt, war dieser Begriff lange Zeit mit dem Verlust von Arbeitsplätzen in Verbindung gebracht worden. Wirtschaftsexper:tinnen prophezeiten die Ablösung des Menschen in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen und einen damit verbundenen Kontrollverlust. Die pandemiebedingten Umstände lockerten das Bild diesbezüglich auf, da orts- und zeitgebundenes Arbeiten war nicht länger umgänglich. Jüngst gemeldete Prognosen des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen, dass bis zum Jahr 2035 mit einem Rückgang des Arbeitskräfteangebots um 7,2 Millionen Erwerbstätigen zu rechnen sei. Schon heute ist der demografisch bedingte Fachkräftemangel vielerorts spürbar. Die Arbeit geht uns also nicht aus.
Digitale Strukturen stützen nicht nur die Arbeitswelt, sondern sind schon lange Element der Lebensrealität von Schülerinnen und Schülern, noch bevor sie sich auf dem Arbeitsmarkt beweisen müssen. Sie bringen eine ausgeprägte, sinnliche Erfahrungsbasis in technischen Handlungsweisen mit. Schulen als bildungsvermittelnde Instanzen sind in der Lage, diese zu erweitern und technische Mittel zur Verfügung stellen, um Zusammenhänge und Funktionsweisen vertiefend begreifbar zu machen. Informatische Bildung kann sich somit von der Primarstufe mit Lernspielen bis hin zu komplexen Programmiersprachen steigern – Lernen 4.0 sozusagen. Da in vielen Berufen interdisziplinär gearbeitet wird, ist Problemlösekompetenz eine der gefragtesten überhaupt. Offene Fragestellungen und das Arbeiten am gemeinsamen Gegenstand fördert nicht nur Teamfähigkeit, sondern auch ausschweifendes Denken. Statt starrer Strukturen wird flexibles kooperatives Zusammenarbeiten immer wichtiger: An diesem Punkt kann ein konstruktiver Unterricht ansetzen. Forscheraufgaben und Praxisbeispiele helfen dabei, sich in neuen Tätigkeitsbereichen zu erproben.
80 Prozent der Auszubildenden sind laut dem Ausbildungsreport 2019 des DGB der Meinung, dass Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung wichtig sind.
Der Arbeitsmarkt wird von schnellen Veränderungen bestimmt, das Tempo nimmt zu. Fortlaufend müssen wir hinterherkommen, uns mit diesem Wandel auseinandersetzen und neue Dinge erlernen, um mitzuhalten. Der Sammelbegriff für Technologien ‘Internet of Things’ macht deutlich, in welcher globalen Infrastruktur wir leben. Wir sind eine Informationsgesellschaft, die eine virtuelle Basis geschaffen hat, vernetzt zusammenzuarbeiten. Projektarbeit und Co-Working bestimmt heute ein Arbeitsverhalten, das nach sozialen Fähigkeiten verlangt. Der Arbeitsmarkt 4.0 delegiert Standardaufgaben an Cobots, löst Routinearbeit über Softwaretechnologien und schafft damit Zeit für Innovation und Work-Life-Balance. Junge Menschen haben somit Chancen auf einen Einblick in dadurch neu entstandene Berufsbilder – etwa Drohnenpilot:in oder 3D-Druck-Ingenieur:in. Für wen das nichts ist, der kann sich jedoch sicher sein: „Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, aber sie wird sich verändern – und zwar beständig“.
In welcher Form bereitet ihr eure Schüler:innen auf die zukünftige Arbeitswelt vor? Schreibt uns gerne in die Kommentare, welche Kompetenzen für das berufliche Leben in eurem Unterricht gefördert werden!
YoloMio- neue Videoplattform für den Ausbildungsmarkt
Ausbildungsplatzsuche neu gedacht – das ist die Idee hinter YoloMio, einer Videoplattform, die sich speziell an Schulabgänger und Schulabgängerinnen richtet. YoloMio ist als App und im Web verfügbar und verbindet Bingewatching mit dem für Absolventen und Unternehmen gleichermaßen wichtigen Thema Ausbildungsplatz - bzw. Nachwuchssuche: Unternehmen bieten ihre Ausbildungsplätze, Dualen Studiengänge und Jobs zum Direkteinstieg nicht mit den üblichen Stellenanzeigen an, sondern mit kurzweiligen und informativen Videos, wie Jugendliche sie lieben.
Recruiting-Plattform,die Unternehmen und Schulabgänger:innen zusammenbringt
Das Thema Berufswahl ist für viele junge Menschen nicht einfach, schließlich ist das Angebot schier unüberschaubar und die Orientierung oft mühsam. YoloMio möchte hier unterstützen und Ausbildungsplätze auf unkomplizierte, unterhaltsame und trotzdem informative Weise vorstellen. Die Plattform ist werbefrei und für die Schülerinnen und Schüler kostenfrei und ohne Registrierung nutzbar.
EinfacheHandhabung und emotionale Ansprache
Arbeitgeber:innen können ihre Recruiting-Videos mit nur wenigen Klicks hochladen. Sieentscheiden unter welcher Rubrik und in welchem Radius das Videoerscheinen soll. Besondere Voraussetzungen für die Videos gibt es nicht. Kurz und vor allem authentisch sollen sie sein, Videoproduktionsunternehmen sind nicht nötig. Ganz im Gegenteil: Videos von Auszubildenden für Auszubildende sind oft vielemotionaler als Hochglanzproduktionen und geben einen wesentlich besseren Einblick in die Unternehmen und die Menschen, die dort arbeiten. Damit ist die Plattform für auch für kleine und mittlere Unternehmen geeignet.
ModernesAngebot von etabliertem Fachverlag
Hinter der Plattform steht der etablierte Ritterbach Verlag aus Erftstadt bei Köln. Als Fachverlag für Lehrer:innenfortbildung und praxisorientierte Berufsorientierung verbindet er seit vielen Jahren die Schulwelt mit der Arbeitswelt. Gemeinsam mit berufsberatenden Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern hat der Verlag die neue Plattform entwickelt, die nun seit kurzem online ist.
YoloMiogibt es in den App-Stores für Android und iOS sowie unter www.yolomio.de.
Die meisten Schüler:innen widmen sich während ihrer Schullaufbahn voll und ganz dem Schulgeschehen. Das bedeutet: Vorbereitung auf Klausuren, Hausaufgaben anfertigen, Vorträge halten. Doch was nach Beendigung der Schulzeit passiert, ist für viele bis in die höheren Klassenstufen gar nicht so selten völlig unklar. Dort setzt unter anderem die Berufsberatung der Agentur für Arbeit an. Mitarbeitende kommen in die Schulen und klären Schüler:innen auf und beraten sie individuell, wie ihr eventueller beruflicher Werdegang aussehen könnte. Wie dieser Prozess genauer aussieht und welche weiteren berufsberatenden Maßnahmen und Projekte es gibt, erfahrt ihr in unserem Auftakt zur Lehrer-News Themenwoche “Berufsberatung”.
Allgemeinbildende Schulen setzen sich zusammen mit der Agentur für Arbeit das Ziel, Schüler:innen der beiden Sekundarstufen für eine bevorstehende Ausbildung oder ein Studium vorzubereiten. Dabei wird sich an den Fähigkeiten sowie Interessen der Schüler:innen orientiert. Die Agentur für Arbeit bereitet die jungen Menschen auf die Veränderungen und den Wandel der heutigen Arbeitswelt vor. Die Lehrkräfte stimmen dabei in enger Zusammenarbeit mit den Berufsberater:innen die jeweiligen Angebote und die Berufsvorbereitung ab. Ebenso organisieren sie Fort- sowie Weiterbildungsmaßnahmen zur Berufsorientierung. Gerade bei dem Übergang von der Schule in die Berufswelt ist eine enge Zusammenarbeit zwischen der Schule und der Agentur für Arbeit von hoher Relevanz. Es sollten insbesondere jene Schüler:innen unterstützt werden, deren Übergang in eine Ausbildung gefährdet ist. In den Haupt- und Förderschulen sollte die Beratung spätestens in der achten Klassenstufe erfolgen, in der Gesamtschule ab der neunten und an Gymnasien vor der zehnten Klasse (bei Abgänger:innen) oder in der Oberstufe.
Es gibt spezialisierte Berufseinstiegsbegleiter:innen, die die Schüler:innen oder Teilnehmenden individuell und stets begleiten bei dem Anstreben eines Schulabschlusses, bei der Berufsorientierung oder auch Berufswahl. Maßgeblich sollen die Begleiter:innen dafür Sorge tragen, dass die Teilnehmenden sich an unterstützenden Angeboten beteilligen in Bereich Schule, Ausbildung, Beruf. Die Berufseinstiegsbegleiter:innen arbeiten eng mit der Agentur für Arbeit, den Schulen zusammen, ohne ihre direkten Aufgaben zu übernehmen.
Horst Eckert, Vorsitzender der Lörracher Agentur für Arbeit, betont die Wichtigkeit dieser Form der Berufsberatung: “Die Arbeitswelt braucht Fachkräfte, wir können uns nicht erlauben, dass Jugendliche am Übergang ins Berufsleben verloren gehen”. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Berufsberatung wurde bereits 2016 verbindlich geregelt, betont Eckert. Die Grundlage dafür bilde die höhere Gewichtung der Berufsorientierung im Bildungsplan. Rudolf Schick, Leiter des Staatlichen Schulamtes, wies darauf hin, dass auch die Schulen eine wichtige Rolle in der beruflichen Orientierung ihrer Schüler:innen haben.
Des Weiteren gibt es auch Organisationen, die sich für die Zukunft von jungen, berufsorientierten Menschen einsetzen. Ein Beispiel dafür ist die Organisation Stafftastic, die es Schüler:innen ermöglicht, jeden Tag während ihrer Ferien eine neuen Betrieb in der Region kennenzulernen. Neben daraus resultierenden Ausbildungsverträgen entstehen auch nachhaltige Verbindungen zwischen den Schüler:innen und dem Unternehmen. Dadurch, dass die Schüler:innen jeden Tag einen neuen Betrieb kennenlernen dürfen, erhalten sie im Anschluss ein weites Spektrum an Möglichkeiten für ihre berufliche Zukunft. Neben der Praktikumswoche können die Schüler:innen auch ein Praktikumsjahr absolvieren. Alle zwei Monate können Schüler:innen in neue Betriebe schnuppern und so, im Gegensatz zu den alltäglichen Praktika, ein umfassenderes Bild von dem Unternehmen bekommen. Die Zukunftsbauer versuchen, unsere komplexe Welt verstehbar zu gestalten und fördern “systemisches, visionäres, alternatives und kritisches Denken”. Sie stellen Lehrmaterialien für die Schulen kostenlos zum Download zur Verfügung. Dabei fokussieren sie sich auf den Arbeitsmarkt von morgen und wollen Schüler:innen und Lehrer:innen neue Wege der Zukunft näher bringen. Verschiedene Materialsets findet man auf der Webseite von die Zukunftsbauer.
Eine kompetente und typgerechte Berufsberatung ist das A und O in der heutigen Zeit. Jeder Mensch ist unterschiedlich und hat verschiedene Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft. Oft kommt das leider in der Schule zu kurz, weshalb eine Förderung von dem, was nach der Schullaufbahn passiert, wichtig und nicht zu unterschätzen ist.
Wie sieht es mit der Berufsberatung in euren Schulen aus? Schreibt es uns gerne in die Kommentare.
Der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft wurde am 22. Dezember 2015 in der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen. Er wird jährlich am 11. Februar begangen und soll an die entscheidende Rolle, die Mädchen und Frauen in Wissenschaft und Technologie spielen, erinnern. In unserem Artikel haben wir uns diesen Tag zu Herzen genommen und möchten über die gesellschaftlichen Entwicklungen hinsichtlich der Gleichstellung von Frauen und Mädchen in der Wissenschaft informieren. Dabei richten wir unseren Blick auf die primären Faktoren, durch die Ungleichheit weiterhin angefacht wird, würdigen jene Forscherinnen aus der Geschichte, die bis heute als Pionierinnen und Vorbilder für junge Mädchen dienen und stellen verschieden Programme und Projekte zur Förderung und Unterstützung von Frauen und Mädchen auf ihrem Weg in die Wissenschaft vor.
Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein universelles Menschenrecht. Bei Bildung, Erwerbstätigkeit, Einkommen und sozialer Absicherung im Alter haben Frauen in Deutschland während der vergangenen Jahre gegenüber Männern aufholen können. In einzelnen Bereichen, wie bei den Schulabschlüssen, stehen sie mittlerweile sogar etwas besser da. Dazu haben auch verbesserte gesellschaftliche Rahmenbedingungen beigetragen, beispielsweise der Ausbau öffentlicher Kinderbetreuung oder Geschlechterquoten. Doch auch wenn die Gleichstellung damit vielfach etwas weiter vorangeschritten ist, fällt die durchschnittliche berufliche, wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen weiterhin oft schlechter aus als bei Männern. Berechnungen des Statistischen Bundesamts haben ergeben, dass Frauen im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) in Deutschland weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind. Ihr Anteil erreichte 2019 nur 28 Prozent. Das war einer der niedrigsten Werte in der EU-27. Besonders niedrig war der Anteil auch in den Niederlanden (28 Prozent) sowie Tschechien und Luxemburg (je 27 Prozent).
Es genügt also bereits ein Blick auf das eigene Land oder europäische Nachbarstaaten beziehungsweise allgemein gesagt den sogenannten Globalen Norden, um zu erkennen, dass Gleichstellung in Bildung und Forschung in unserer Gesellschaft faktisch weiterhin entwicklungs- und ausbaufähig ist. Der Begriff des Globalen Nordens bezeichnet die privilegierte Position der Industrienationen, der sogenannten “Ersten Welt”. Demgegenüber steht der Globale Süden mit seinen gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich benachteiligten Entwicklungs- und Schwellenländern, der sogenannten “Zweiten und Dritten Welt”. Insbesondere in Subsahara Afrika ist es um das Recht auf Bildung schlecht bestellt – das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gibt an, dass in der Region trotz weltweiter Fortschritte immer noch 130 Millionen Mädchen dieses Menschenrecht verwehrt ist. Weltweit verfügen rund 750 Millionen Menschen über keine grundlegenden Lese- und Schreibfähigkeiten. Zwei Drittel von ihnen sind Frauen – ein Anteil, der sich in den vergangenen 20 Jahren nur geringfügig verändert hat.
Laut UNESCO Science Report lag der Frauenanteil in der Wissenschaft 221 weltweit bei 33,3 Prozent, in Deutschland war er 2019 bei 31 Prozent. Besonders niedrig ist der Frauenanteil in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. So haben in Baden-Württemberg im Wintersemester 2020/21 erstmals mehr Frauen als Männer ein Studium begonnen, in den MINT-Fächern liegt der Frauenanteil aber nur bei 31 Prozent. Laut dem UNESCO-Weltwissenschaftsbericht 2021 werden nur 28 Prozent der Studiengänge in den Ingenieurwissenschaften und 40 Prozent der Studiengänge in der Informatik von Frauen abgeschlossen. Der Frauenanteil unter allen Professor:innen an den fünfzig größten staatlichen Universitäten in Deutschland hat gezeigt, dass es wenige “frauenfreundliche” Universitäten gibt, also solche, die einen Frauenanteil von über 30 Prozent innerhalb der Professor:innenschaft vorweisen können. Zudem kam der Deutsche Hochschulverband bei einer Umfrage zum Thema Frauen in wissenschaftlichen Führungspositionen aus dem November 2020 zu dem Ergebnis, dass lediglich 18 Prozent der Dekanate von Frauen geführt werden. Insbesondere in der Karrierephase nach der Promotion geht der Prozentsatz an Frauen in Forschung und Lehre sichtbar zurück. Lag der Frauenanteil der bestandenen Promotionen an deutschen Hochschulen laut Statista 2020 bei rund 45 Prozent, liegt der Prozentsatz bei den Habilitationen (ebenfalls 2020) bei 35 Prozent. Der Frauenanteil an Professuren lag auch 2020 noch bei durchschnittlich 25 Prozent.
International anerkannt und nachgewiesen ist, dass die weibliche Perspektive den Forschungsansätzen deutlich mehr Relevanz, Kreativität und Vielfalt verleiht. Die Wissenschaft ist per se eine kollaborative Disziplin. Ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung der geschlechtsspezifischen Ungleichheit in den Wissenschaften ist der Abbau der Hindernisse für Mädchen und Frauen im privaten Umfeld sowie im Unterricht und am Arbeitsplatz. Dies erfordert eine Änderung unserer Einstellungen und ein in Frage stellen von Stereotypen; starke Vorbilder spielen eine wichtige Rolle. “Es gibt so viele Vorurteile in der Gesellschaft, wie Männer und Frauen sich verhalten sollten, wie sie ihr Leben gestalten sollten. Diese Vorurteile beeinflussen schon Kinder, bestimmen, welche Fächer sie in der Schule wählen und letztlich auch, welchen Studiengang sie dann später ergreifen”, betont Flora Kunst, Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts. Ihrer Auffassung nach sind gesellschaftliche Stereotype die primären Treiber für die Unausgeglichenheit in der Wissenschaft und den Mangel zum Beispiel im MINT-Bereich. Frauen in der Forschung ziehen andere Frauen wiederum nach und sorgen dafür, dass es Vorbilder gibt, mit denen sich junge Mädchen identifizieren können. Beim ersten Gedanken an berühmte Wissenschaftlerinnen kommen einem vielleicht nur sehr wenige in den Kopf. Doch schärft man diesen Blick, so gibt und gab es schon immer sehr bedeutende Frauen in der Wissenschaft, deren Beiträge und Errungenschaften an diesem Tag ebenfalls ins Zentrum gerückt werden sollen – zu den wohl bekanntesten Beispielen zählen:
Insbesondere vor dem Fall Franklins zeigt sich, dass auch Männer immens wichtig sind, um mehr Frauen in die Wissenschaft zu bringen. Kunst kenne “einige Männer in der Wissenschaft, die viel Energie und Mühe darin investieren, für mehr Frauen in der Forschung zu kämpfen, und das finde ich sehr inspirierend” – Vorbildfunktionen und Rahmenbedingungen für eine Gleichstellung von Kindesalter auf müsse demnach gesamtgesellschaftlich identifiziert und angegangen werden.
Auf gesellschaftlicher und politischer Ebene nehmen sich verschiedene Förderprogramme und -projekte zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft zum Ziel, die Umsetzung struktureller Gleichstellungsmaßnahmen innerhalb von Forschung und Wissenschaft sowie die Etablierung von Coachings, Workshops und Netzwerkangeboten voranzubringen und zu gewährleisten. Es gibt eine breite Auswahl an fächerübergreifenden bundesweiten Förderprogrammen, welche sich mit den wesentlichen Schwerpunkten Information, Beratung, Gleichstellung und Chancengerechtigkeit im Hinblick auf die Schaffung besserer Rahmenbedingungen für eine Karriere von Frauen in der Wissenschaft engagieren:
Mit dem Professorinnenprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) will die Regierung einen Anreiz für den wissenschaftlichen Betrieb schaffen, gleichstellungsfördernde Maßnahmen umzusetzen. Die Kontaktstelle „Frauen in der EU-Forschung“ (FiF) ist ein Angebot des Referats für Chancengerechtigkeit in Bildung und Forschung des BMBF. Sie bietet Wissenschaftlerinnen Informationen und Beratung rund um die EU-Forschungsrahmenprogramme an. Dazu werden neben Beratungen auch Workshops und Vorträge angeboten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bietet unter anderem Wissenschaftlerinnen verschiedene Maßnahmen zur Erlangung von Chancengleichheit. Diese bestehen zum Beispiel aus Stipendien oder Sachbeihilfen, die dabei unterstützen sollen, akademische Arbeitsrahmenbedingungen familienfreundlicher zu gestalten und somit mehr weibliche Wissenschaftlerinnen in Forschung und Lehre zu bringen. Der Deutsche Akademikerinnenbund e.V. ist ein Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Frauen in der Wissenschaft zu fördern, zu vernetzen und mithilfe von Mentoring-Programmen in ihrer wissenschaftlichen Karriere zu begleiten und zu beraten. Die Kommission zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen (KFN) der Freien Universität Berlin begleitet landes- und bundesweit Förderprogramme. Durch die Partnerschaft der Deutschen UNESCO-Kommission und L’Oréal Deutschland mit der Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung werden jährlich drei Förderungen von jeweils 20.000 Euro zur Förderung exzellenter Doktorandinnen und Postdoktorandinnen mit Kindern vergeben.
Ein Blick auf die Geschichte der Frauen in der Wissenschaft zeigt, dass immer mehr Ressourcen abgerufen werden, um eine größere Partizipation der Frauen in der Wissenschaft herbeizuführen. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leisten Forschung und Medien, indem sie uns eindringlich vor Augen führen, welche Erfolge in der Gleichstellung von Frauen und Mädchen bisher erzielt werden konnten. Als Kontrast zeichnen sie auf, wie groß die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern eigentlich noch sind und wie sehr das alles mit Chancengerechtigkeit, Stereotypen und den regionalen Unterschieden im Bildungszugang zusammenhängt. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die uns verdeutlichen, dass weniger Frauen und Mädchen auch gleichzeitig mehr ungenutzte Potenziale bedeuten – denn jedes Mädchen, dass sich für Forschung und Wissenschaft begeistert, sollte vor dem Gedanken, einen sinnstiftenden Beitrag für die Gesellschaft wie Marie Curie oder Rosalind Franklin zu leisten, nicht zurückschrecken. Mut machen zudem die zahlreichen Förderprogramme, welche zukünftige oder bereits angehende Forscherinnen auf ihren vielversprechenden Karrierewegen unterstützen und als Berater, Netzwerker und Medium mehr Zugänge in die Wissenschaft generieren.
Wer sind eure Wissenschafts-Heldinnen und macht ihr euch selbst für Frauen und Mädchen in der Wissenschaft stark? Wir freuen uns über Kommentare und Anregungen!
Mathematik fordert logisches Denken und analytische Fähigkeiten. Das fällt vielen Schüler:innen schwer, weshalb oft eine Nachhilfe hinzugezogen wird. Bei Lehrer-News haben wir euch bereits eine ganze YouTube Artikel Serie für verschiedene Fächer vorgestellt. Darunter auch einen speziell für den Mathematikunterricht, bei dem wir euch unsere beste Auswahl an Lerntutorial-Kanälen zusammengestellt haben. Neben YouTube Kanälen gibt es auch Instagram Seiten, die sich mit dem Thema Mathematik beschäftigen und so Schüler:innen in ihrem Lernprozess unterstützen können. Wir haben für euch unsere Empfehlungen auf einen Blick zusammengefasst.
stud3s_mathe – Videos und Rätsel zum Mitmachen
Dem Kanal stud3s_mathe folgen 168.000 Leute, seit März 2021 lädt der Nutzer, dessen vollständiger Name sowie Foto leider nicht vorliegen, regelmäßig kleine Mathe-Tutorials per Video hoch. Sein Channel behandelt Tricks, Lernvideos und Rätsel im Bereich Mathematik. Seine Videos sind immer kurz und knapp gehalten und verständlich mit Farben unterlegt dargestellt. Kleine Skizzen sowie nachvollziehbare Rechenschritte sollen Schüler:innen helfen, die Basics im Bereich Mathe besser verstehen zu können. Stud3s_mathe thematisiert einfache Prozentrechnung, Tipps zum schnelleren Multiplizieren, Dezimal- in Bruchzahlen rechnen, aber vor allem auch Rätsel und kleine Textaufgaben sind besonders häufig auf seinem Account vorzufinden. Diese eignen sich besonders gut zur Nachbereitung verschiedener Unterrichtsinhalte und Klausurenvorbereitung und bietet den Zuschauer:innen immer die “Mit-Mach” Gelegenheit und eine Lösung.
mathemitnick – Gute Laune beim Mathe Lernen
Mathemitnick oder auch MatheNick, so wie er sich selbst bei Instagram nennt, hat mittlerweile schon 145.000 Abonnenten, bei TikTok sogar über 590.000. Er liefert seinen Abonnenten regelmäßig “erfrischende MatheTutorials” und hat bereits 1266 Beiträge auf seinem Instagram Account. MatheNick gibt Tipps für das Mathe-Abitur, erklärt, wie man Brüche richtig umwandelt oder beispielsweise Dezimalzahlen. Aber auch MatheNick hat auf seinem Account eine Vielzahl von unterhaltsamen Rätseln und Mathespielen zu bieten. Darunter “So berechnest Du, ob ein Glücksspiel sich lohnt “ oder “Warum Jesus heute reicher als jeder Milliardär wäre”. Dabei steht er immer selbst vor der Kamera und rechnet mit den Zuschauer:innen zusammen.
jenny_klippert – Mathe Step by Step erklärt
Jenny Klippert lädt seit 2019 regelmäßig Beiträge rund ums Thema Mathe bei ihrem gleichnamigen Instagram Account hoch. Über 6.600 Leute verfolgen ihren Channel. Bei Jenny findet man Step by Step Rechen-Videos und -Fotos. Sie gibt umfangreiche Tipps zu den Themen “Das Wichtigste, das du über Nullstellen wissen musst”, "Binomialverteilung mit dem GTR” oder “Verkettete cos-Funktionen ableiten”. Ihr Inhalt richtet sich somit eher an die Sekundarstufe II. Auch sie sitzt häufig vor der Kamera und richtet sich an ihre Zuschauer:innen, was einem Face to Face Gespräch ähnelt und damit sehr gut als Ergänzung für die Schüler:innen zum Lernen dient.
mathe_mind – Mathe, für jeden verständlich
Für die beiden Jungs von mathe_mind ist klar: “Mathe kann jeder, wir wollen es beweisen”. Über 62.000 Follower haben sie bereits mit ihrem Content begeistern können. Sie laden regelmäßig Videos hoch und sind dabei stets vor der Kamera. Im Gegensatz zu den anderen von uns vorgestellten Kanal-Empfehlungen geben sie allgemeinere Tipps und lösen für uns knifflige und lustige Fragen, die sich der ein oder andere Schüler oder Lehrer stellt. “Was kostet eine Minute Spotify hören”, “Der größte Denkfehler beim Roulette”, “Warum ist die 42 so besonders?” sind Fragen, mit denen sich mathe_mind befasst. Der Kanal dient eher der Allgemein mathematischen Bildung, ist aber wie wir finden, dennoch wichtig und interessant!